Gesamtwertung82%/10 |
GrafikGut SoundAusreichend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
Die Story ist schnell erzählt: In einem fernen, friedvollen Land übernimmt der böse Zauberer Boldwin die Macht, nachdem der noch unerfahrene Prinz Siegfried in eine andere Dimension verbannt wurde. Von da an wird das Land mit Schrecken überzogen. Die Lage scheint aussichtslos, wäre da nicht der mutige Thadeus, der sich auf die Suche nach dem Prinzen begibt dummerweise gerät auch er in die Hände des Bösen und schmachtet von nun an in den dunklen Verliesen der Unterwelt. Hier setzt der Rollenspiel-Part (RPG) ein, denn an dieser Stelle kann der Spieler einen der sieben Helden auswählen und sich auf die Suche nach dem Priester begeben.
Hat man sich schließlich mit seinem Helden durch den an Diablo erinnernden Rollenspielteil gemetzelt und Thadeus aus den Fängen der Unterwelt befreit, kann dieser den jungen und unerfahrenen Prinzen Siegfried zurück ans Tageslicht holen, und der Echtzeitstrategie-Part (RTS) beginnt. Zwar lassen sich beide Teile, RPG und RTS unabhängig voneinander spielen, storytechnisch macht es jedoch mehr Sinn, zuerst mit dem Rollenspiel zu beginnen. Dumm nur, dass selbst in der Anleitung dazu geraten wird, mit dem Echtzeitstrategieteil anzufangen, da sich dieser bedeutend einfacher spielt und das Tutorial enthält die Steuerung und die meisten Spielmechanismen sind nämlich bei RPG und RTS beinahe gleich. Zwar nicht schlimm, aber ein bisschen ärgerlich, da die meisten Spieler die Story wohl lieber in der richtigen Reihenfolge erleben wollen.
Das RTS ist insgesamt in drei Kapitel unterteilt. Zuerst geht es darum, aus dem schwächlichen Prinzchen einen würdigen Thronfolger zu machen, um anschließend das Reich wieder unter Kontrolle zu bekommen und das Böse zu vertreiben. Der Strategieteil enthält übrigens ebenfalls einige Rollenspielelemente, wie beispielsweise die Charakterentwicklung. So wird der etwas arrogante Siegfried im Laufe des Spieles immer stärker und hält auch mal ein paar Schläge mehr aus. Auch eure einfachen Bogenschützen und axtschwingenden Holzfäller steigen mit der Zeit zu wahren Helden auf. Selbst eure Kühe können mit der Zeit mehr Milch geben.
Kühe? Ja, richtig gehört! Der Clou am RTS ist nämlich, dass es tatsächlich nur einen Rohstoff gibt: Milch. Der Spieler muss nämlich seine Kühe auf die Weide zum Grasen schicken. Sobald diese voll sind, kehren sie automatisch zurück zum Stall, wo die Rinder dann gemolken werden. Von Zeit zu Zeit müssen die Viecher ein Stückchen weiter getrieben werden, da einzelne Stellen mit der Zeit abgegrast werden; nach einer Weile wächst die Weide jedoch wieder nach.
Von der Milch kann der Spieler dann alles Weitere bezahlen, wie zum Beispiel die Einheiten und Verteidigungseinrichtungen. Hier gibt es Palisaden, Zugbrücken und Türme, wobei letztere mit Bogenschützen besetzt werden sollten, um effektiv zu arbeiten.
Mit zwölf verschiedenen Einheiten ist euer Häufchen eher überschaubar, jedoch ergänzen diese sich recht gut. So könnt ihr beispielsweise einen Hirtenjungen rekrutieren, mit dem eure Kühe effizienter Milch geben, oder die Schwiegermutter (!), durch welche eure Holzfäller, welche fürs Bauen von neuen Gebäuden zuständig sind, bedeutend schneller arbeiten. Die Schwiegermutter kann gleichzeitig Gebäude des Gegners übernehmen und besitzt damit eine strategisch wichtige Funktion.
Man merkt schon: Schwiegermütter, Kühe Das Spiel versucht komisch zu sein. Ist es aber nicht nicht immer zumindest. Knightshift kann durchaus den einen oder anderen Lacher hervorkitzeln. Der Witz des Spiels kommt jedenfalls nur richtig zum Tragen, wenn man das ganze Fantasy-Drumherum nicht ganz ernst nimmt. Erwartet man schwer atmosphärische Unterhaltung à la Herr der Ringe, wird man von Knightshift sicher enttäuscht. Jeder, der ernsthaftes Fantasyflair sucht, ist bei Diablo II oder Warcraft III jedenfalls besser aufgehoben.Leider lässt auch die Komplexität von Knightshift sehr zu wünschen übrig (nur eine Ressource, ein Volk mit recht wenig Einheiten), was erfahrene Strategen kaum ansprechen wird. Alles in allem ein schweres Manko im Multiplayer, da der Strategiepart so kaum länger als ein paar Stunden fesseln kann. Das hat die Genrekonkurrenz aber schon besser gemacht
Apropos komisch: Könnt ihr euch vorstellen, in einem RPG einen mutigen, starken Barbaren durch die Gegend zu schicken, welcher einen Befehl mit obigem Spruch kommentiert, oder alternativ mit Kannst du dos nicht sälber mochn?` Ja, ganz recht: Ein bayrisch sprechender Barbar. Und das ist noch längst nicht alles. Der Eine sächselt, der Andere lispelt, beim Nächsten versteht man gar nichts mehr. Das mag anfangs ganz lustig klingen, geht einem aber innerhalb kürzester Zeit gehörig auf den Geist. Thadeus zum Beispiel spricht so langsam und emotionslos, das man die Zwischensequenzen, in denen er eine Rolle spielt, am Liebsten abbrechen möchte zumindest schafft er es, dass man nach kürzester Zeit völlig die Aufmerksamkeit verliert. Die deutsche Sprachausgabe gehört wohl zum Schlechtesten, was die Spieleindustrie bisher hervorgebracht hat und ist imstande, sämtliche Atmosphäre im Spiel zu zerstören. Gott sei Dank hat man den Mangel jedoch erkannt und bietet seit kurzem einen Patch an, der die Sprachausgabe auf Wunsch auf Englisch ummünzt etwas, das man jedem, der zumindest halbwegs der englischen Sprache mächtig ist, nur wärmstens empfehlen kann.
Wenigstens die Grafik kann begeistern; und das, obwohl die Engine nur eine aufgemotzte Version der inzwischen völlig veralteten Earth 2150-Engine ist. Die Außenwelt weiß dank schöner Effekte und regelmäßigem Tag- und Nachtwechsel zu gefallen. Besonders der sich reflektierende Himmel in Flüsschen und Seen ist uns positiv aufgefallen. Leider wirken die Animationen teilweise etwas hakelig, und die gelegentlich eingestreuten Untergrundpassagen passen überhaupt nicht ins Bild. Höhlen stellt man sich doch ein wenig anders vor, als das in diesem Spiel präsentiert wird. Auf den Bildern könnt ihr euch selbst davon überzeugen.
Hat man sich dafür entschieden, das RPG zu spielen, muss man sich erst einmal einen der sieben tapferen Recken aussuchen. Die verschiedenen Helden Amazone, Barbar, Bogenschütze, Hexenmeister, Priesterin, Ritter und Speerwerfer haben einmalige Fähigkeiten, die mit dem Stufenaufstieg im Spiel gesteigert werden können. So kann der Barbar schneller regenerieren und mit zunehmender Erfahrung mehrere Gegner gleichzeitig treffen, während der Ritter einen besonders starken ersten Schlag hat und angeheuerte Söldner durch Charisma zu besseren Leistungen anspornt.
Nach der Charaktergenerierung muss der Spieler nur noch entscheiden, ob er die Kampagne spielen oder erst noch einige zufällige Aufträge auf vorgefertigten Karten erledigen will. Ähnlich wie bei Diablo ist der Held nämlich nicht fest an die Kampagne gebunden, sondern kann vorher mit einigen Aufträgen fit gemacht werden. Hierbei müsst ihr Standardaufgaben erledigen, wie zum Beispiel eine Nachricht von A nach B überbringen, Monster killen oder Geleitschutz geben. Für erledigte Tasks bekommt euer Held jeweils Erfahrung und nützliche Gegenstände, die ihm später in der Storyline von Nutzen sein können. Alternativ kann man auch während der Kampagne einzelne Kapitel noch einmal wiederholen oder eines der Extralevels spielen. Trotzdem ist man manchmal schier unüberwindbaren Gegnern ausgeliefert, und selbst im einfachsten Schwierigkeitsgrad kommt des Öfteren Frust auf. Der Rollenspielmodus ist eindeutig nichts für Gelegenheitsspieler.
Für Gelegenheitsspieler ist zwar der RTS-Modus geeignet, der RPG-Part wird dieser Spielergruppe aber viel zu schwer fallen. Deshalb wird der optimale Spieler für Knightshift wohl der sein, der durchaus Gefallen an einer Fantasy-Persiflage finden kann, Diablo II sowieso schon viel zu oft durchgespielt hat und dem Warcraft III etwas zu komplex war. Sollten mindestens zwei Faktoren auf euch zutreffen, wäre ein genauerer Blick auf das Spiel aus deutschen Landen angebracht.
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