Gesamtwertung64%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
In Anbetracht der zahlreichen Gerichtssendungen im deutschen Fernsehen, war es nur eine Frage der Zeit bis sich das erste Spiel dieser Thematik annimmt. Law&Order bringt uns die gleichnamige amerikanische TV-Serie auf den heimischen PC und überlässt uns die volle Kontrolle über die Aufklärung eines Mordfalls. Law&Order: Mord im Central Park hört aber nicht bei der Detektivarbeit auf, sondern versetzt uns ähnlich der US-Vorlage als Assistent des Bezirksstaatsanwalts ebenso in die Lage den Täter mit den von uns gefundenen Beweisen hinter Gittern zu bringen. Die Idee ist innovativ, ist es die Umsetzung auch?
Gesetz und Ordnung...
Mein Name ist Matt Crewson von der New Yorker Kriminalpolizei. Es besteht dringender Tatverdacht, dass sie in den Mord an Jenny Russ involviert sind. Wir haben daher einen Untersuchungsbefehl erwirkt. Bitte bleiben sie sitzen. - Wir kennen diese Sätze. Sei es aus Film oder aus dem Fernsehen, wir alle haben diese Sprüche auf Lager und geben sie in passenden Situationen spaßeshalber zum Besten. Aber was, wenn man selbst in eine solche Szene eingreifen könnte? Law&Order bietet uns die Möglichkeit in eine solche Krimi-Geschichte einzusteigen und den Täter eigenhändig dingfest zu machen. Die für diese Interaktion konzipierte Story ist denkbar einfach: im Central Park von Manhattan wird die Leiche einer Frau gefunden. Wir übernehmen einen Detective der New Yorker Polizei und untersuchen mit unserem Partner den Fall, sammeln Beweise, verhören Zeugen und führen so nach einiger Zeit einen Hauptverdächtigen vor Gericht. Im Spiel selbst besuchen wir in einer einfach gehaltenen 3D-Grafik Tatorte oder die Wohnungen von Verdächtigen, um Beweise für unseren Fall aufzuspüren.
Diese werden dann schnellstmöglichst ins Labor oder in eine Untersuchungsabteilung geschickt, um dort die Indizien genaustens unter die Lupe zu nehmen. Mit ein wenig Glück haben wir bald stichhaltige Beweise und nach den Befragungen von weiteren Zeugen vielleicht sogar ein Motiv. Es ist ab diesem Punkt nur eine Frage der Zeit, dann dürfen wir mit den überzeugenden Argumenten just obigen Vorgang initiieren: eine Hausdurchsuchung. Fördert die weiteres belastendes Material zutage, so ist der Haftbefehl Musik in den Ohren des Bezirksstaatsanwalts.
Law&Order ist allerdings nicht nur eine Detektiv-Geschichte und hört bei dem Haftbefehl einfach auf, sondern wie oben schon erwähnt ein Krimi-Spiel, das alle Aspekte eines solchen Falls unter einen Hut bringen will. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Spiel nach der Polizei-Arbeit erst die Hälfte erreicht hat und man nach getaner Aufklärung im Auftrage der Bezirksstaatsanwaltschaft weitere Beweise heranschaffen muss, um den Täter mit den vorhandenen Indizien und einem geeigneten Motiv hinter Gittern zu bringen. Schaffen wir es den Fall zu knacken?
Ganz alleine sind wir bei unserer Arbeit aber doch nicht. In den jeweilgen Spielhälften helfen uns die Charaktere aus der Original-TV-Serie wie Detective Lennie Briscoe oder die kühle Gerichtsmedizinerin Kathleen McDonnell in den Ermittlungen weiter. Manche Kommentare unseres Partners Briscoe sind allerdings häufig irreführend und man weiß nicht recht etwas damit anzufangen. Die Gesichter der dargestellten Personen sind erstaunlich realitätsnah getroffen und damit passend zum Spiel. Die Hintergrundgrafiken sind aber zumeist lieblos erstellt worden und während die Gesichter der Protagonisten noch überzeugen können, so wirken die Hände wenn sie mal ins Bild kommen wie Ersatzteile aus einem billigen Zombiefilm.
Das Spiel schafft es aber trotz grafischer Mängel den Flair einer Krimigeschichte ziemlich gut wiederzugeben und man taucht sehr schnell in die Welt der Kriminalität von New York ein. Nur noch ein Beweisstück oder nur noch eine Aussage will man sich ergattern und rauft sich meistens danach die Haare, da die Idee zwar gut, aber die Beweise dann doch nicht stichhaltig genug waren. Leider verbringt man daher bei Law&Order sehr viel Zeit mit Warten auf die Ergebnisse der Untersuchungen, da sich die gefundenen Gegenstände erst nach einer langwierigen Untersuchung als potentiellen Beweis entpuppen. Ein 'Vorspul-Button' bis zum nächsten wichtigen Ereignis wäre sicherlich keine dumme Idee gewesen.
Miss Fletcher, wir haben hier ein Problem
In der Zeit des aktiven Handels sucht man Beweise, was in den meisten Fällen in Pixelsuche ausartet. Das soll aber kein Negativ-Punkt in der Wertung sein, da an sich nur schwer eine solch akribische Detektivarbeit auf den Heimrechner simuliert werden kann. Es ist daher in den meisten Fällen sehr spannend die Wohnung eines Verdächtigen von oben bis unten auf den Kopf zu stellen, um etwas Belastendes zu finden, das den Fall vorantreibt. Leider passierte es viel zu häufig, dass man zwar alle wichtigen Gegenstände in einem Raum gefunden hatte, aber die Tür zum Nachbarraum übersah. So ist beispielsweise die Küche in der Wohnung des Opfers erst beim dritten Anlauf entdeckt worden. Das ist vor allem der Grafik zuzuschreiben, die in diesen Umgebungen eine Mischung aus dreidimensionalen Räumen und zweidimensionalen Grafiken an den Wänden ist, die Dreidimensionalität durch eine räumliche Illusion vortäuschen möchte.
Eine andere Haupttätigkeit sind die Verhöre von Verdächtigen. Freut man sich hier auf ein fetziges Kreuzverhör mit Lügen und Intrigen, wird man leider enttäuscht. Nacheinander hat man immer die Auswahl unter drei Fragen, die man dem Deliquenten stellen darf, wobei zwei immer nur zu einer Ja/Nein/Ich-weiß-es-nicht-Antwort führen und die letzte die Story vorantreibt. Es gibt insgesamt viel zu wenig Dynamik und kaum alternative Handlungsstränge. Das wird leider durch den Anwaltspart am Ende auch nicht wett gemacht, da er im Grundprinzip der ersten Hälfte sehr ähnelt. Einen Falschverdächtigten kann man so nicht hinter Gittern bringen, sondern ohne die richtigen Beweise oder korrekte Argumentation halt keine erfolgreiche Anklage führen.
Mit dem Wissen, dass es ohnehin nur auf einen Täter hinausläuft, muss man sich bemühen die richtigen Beweise zu sammeln. Dazu steht einem ein recht kleines Inventar zu Verfügung, wo Beweise, Untersuchungsergebnisse oder Laborproben gelagert werden müssen. Bei einigen Beweisstücken, die nicht zum Fall gehören, kann der 'Aktenkoffer' schnell platzen und wir müssen uns von Gegenständen trennen. Da man aber nicht weiß, was für den Fall relevant und was uninteressant ist, kann es auch passieren, dass man in ein Dead End gerät. Aus diesem Grund muss man fast alle Gegenstände einschicken oder im Try&Error-Verfahren Durchsuchungsanträge zusammenzustellen, allein um herauszufinden, ob die gefundenen Gegenstände wichtig oder für den Fall irrelevant sind. An dieser Stelle kommt einem schnell die Frage in den Sinn, warum man nicht an die typische Polizei-Lagerhalle gedacht hat, wie man sie in fast jedem zweiten Krimi finden kann, wo Gegenstände wahlweise zwischengelagert werden können.
In diesem Zusammenhang fällt auf, dass die Indizien zwar nett gestreut sind und man ständig das Gefühl hat, dem Mörder auf die Schliche zu kommen, aber gerade so identifiziert der kreative Spieler viel zu viele Gegenstände als potentielle Beweise und hat die Qual der Wahl sich von Gefundenem wieder zu trennen. Das größte Problem ist aber die Unkenntnis über die weiteren Verfahren. Für Hausdurchsuchungen reichen meist einige wenige Details, für einen Haftbefehl wird da schon wesentlich mehr abverlangt. Kombiniert man nun noch die Beweisführung für die Anklage und die Nachuntersuchung, dann weiß man zum einen nicht was man genau an Beweisen einreichen muss das Beweisstück selbst oder die Laborproben und zum anderen nicht was ab einem gewissen Zeitpunkt wirklich unwichtig ist immerhin könnte ja so manchem Detail im späteren Verlauf noch einmal eine Bedeutung zukommen. Die Story selbst hält einige Wendepunkte offen, so dass einem zumindest nicht langweilig wird. Sei es die Silberkette im Apartement des Freundes, die wir als vermeintliche Tatwaffe identifiziert haben oder das Päckchen im Vorflur unseres Hauptverdächtigen. Die ständige Suche nach Beweisen ist spannend aufgemacht und vermittelt uns einen unverwechselbaren Charme. Dieser Flair wird zusätzlich von einer stimmigen Hintergrundmusik unterstrichen. Für unsere Ermittlungen haben wir sieben Tage Spiel-Zeit, die aber nie wirklich zum Tragen kommen.
Dank einer äußerst merkwürdigen Zeitrechnung läuft die Uhr mal schneller, mal langsamer ab und spätestens nach einigen Stunden realer Spielzeit ignoriert man die Bemerkungen, die sich auf die noch verbleibende Zeit beziehen. Solche Ungereimtheiten ziehen sich durch das ganze Spiel und schlagen sich beispielsweise auch auf die Übersetzung nieder. Stellen wurden einfach nicht synchronisiert, falsch übersetzt oder sogar in Englisch gelassen.
Ein abwechslungsreiches Highlight sind da die Zwischensequenzen, die zwar die Stimmung noch ein wenig steigern können, aber leider wirken sie zu künstlich als das man sie wirklich ernst nehmen könnte. Wenn die Charaktere wie Fische durchs Bild stocken, dann ist das sicherlich kein gewollter Humor. Der größte Kritikpunkt der fast das gesamte Spiel abschießt, ist die Synchronisation. Zwar war ein trockener Humor gewollt, aber die Eindeutschung wurde von Amerikanern durchgeführt, die mit der deutschen Sprache ungefähr genausoviel anfangen können wie mit dem Begriff 'demokratisch gewählter Präsident'. Egal ob es der Hauptheld ist, der wie ein besoffener Patient eines Zahnarztes klingt, oder der Polizeimitarbeiter für Untersuchungsangelegenheiten, der tönt als hätte er erst vor wenigen Minuten ein Buch über deutsche Sprache gelesen, in fast allen Situationen treibt einen die Aussprache die Wände hoch und der gekonnte Wortwitz ist passé. Für Spiel und Spieler wäre die amerikanische Synchronisation mit deutschen Untertiteln wohl wesentlich erträglicher gewesen und man hätte zudem noch Geld einsparen können. Denn diese Vertonung ist in jeder erdenklichen Art und Weise ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Alles in allem ist das innovative Spielprinzip zwar hoch anzurechnen, aber leider macht die Synchronisation fast alles kaputt. Man braucht mehrere Stunden, um sich an die seltsamen Töne der Sprecher zu gewöhnen und selbst dann dringt der trockene Humor nur selten durch. Kleinere Schlampigkeitsfehler, die ebenso das gesamte Spiel durchziehen, starre Linearität und die Möglichkeit sich selbst in ein Dead-End zu manövrieren, lassen uns keine andere Wahl als das Spiel mit einer niedrigen 60%-Wertung abzustrafen.
Law and Order im Test.
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