Legendary

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Atari
Entwickler
Spark Unlimited
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
18
Legendary

Gesamtwertung

70 %/10

Grafik

7

Sound

Ungenügend

Lanzeitspaß

Ungenügend

Spieleinstieg

7

Bedienung

8

Legendary

Eigentlich ist es bei vielen Titeln immer so: Sie fangen stark an und werden dann zunehmend schlechter, langweiliger oder anspruchsloser - beim vorliegenden Legendary ist das aber ganz andersrum. Der Anfang des Ego-Shooters aus dem Hause Spark Unlimited wird durch fehlerhaft ablaufende Skriptsequenzen, kahlen Korridoren und einen allgemein miesen Einstieg unnötig verhunzt, kann mit zunehmenden Spielverlauf jedoch löblicherweise wieder einiges an Fahrtwind aufnehmen - eine Schelte aber für diejenigen, die sich auf eine überzeugenden Beginn der Apokalypse vorbereitet hatten. Apokalypse? Was, wie, wo?

Die Deckard'sche Arschkarte...

Kein geringerer als der Spieler selbst ist für den Ausbruch diverser tödlicher Kreaturen verantwortlich: Als Kunstdieb Charles Deckard wird man dazu beauftragt, in ein New Yorker Museum einzubrechen und die Büchse der Pandora zu öffnen - wer würde schon schließlich damit rechnen, dass dies alles Übel auf die Welt bringt? Der gewiefte, clevere, aber auch ignorante Charles zögert nicht lange und wirft einen Blick hinein - Epic Fail! Seine Hand wird gebrandmarkt, die Büchse entlädt sich und der Himmel nimmt abstruse Farben und Formen an. Nichts wie raus hier! Vorbei an den Menschenmassen, die teils merkwürdige Routinen einschlagen, und den von Feuer verbrannten - und dazu unglaublich schlecht texturierten - Dekoleichen.

Als wir den Überlebenden hinaus auf die Straßen folgen, wird das ganze Ausmaß unseres Handelns deutlich: Greife haben die Herrschaft über den Luftraum übernommen und ein aus Bauschutt und Gebäudeteilen zusammengesetzter, riesiger Golem will uns einen Kopf kürzer machen. Entlang an zerstörten Autowracks und dezimierten Mitbürgern können wir in einem kaputten Gebäude kurz Luft schnappen - was haben wir nur getan? Wir greifen uns eine Knarre, gelangen in die Kanalisation und stoßen auf eine der zwei nervigsten Gegnerarten des Spiels.

Liebe Güte, wer hat sich das bloß einfallen lassen? Die Feuerkröten - nach den Seelen verstorbener Kinder, den sogenannten Naris, eindeutig der misslungenste Versuch, Kreatitivät in Sachen Gegner walten zu lassen - rollen sich aus brennenden Erdlöchern heraus und beharken Euch mit flambierten Bällen - das alleine ist ja nicht so schlimm, aber wenn gleich drei bis vier dieser Mistviecher nacheinander angerollt kommen, ist Frust schnell vorprogrammiert. Gut, alle erledigt - denkste! Neue Kröten kommen aus den Löchern gekrochen.

Und zwar bis man gemerkt hat, dass den lodernden "Spawnpunkten" nur durch vorgesehene Wasserrohre der Garaus gemacht werden kann, dominieren Frust, Unverständnis und ein chronischer Mangel an Munition. Und auch wenn man nun weiß, wie die Feuerkröten komplett zu erledigen sind: Diese Kreaturen nerven auch später noch wie das "Schäferlied" von Bauer Heinrich. Egal, keiner hat schließlich gesagt, dass die Büchse der Pandora barbusige Frauen und nicht enden wollende Paletten voller Freibier mit sich bringt!

Wer bis zu diesem Punkt bereits das Handtuch geworfen hat, verpasst die eigentlichen Qualitäten des Spiels - auch wenn man angesichts des Anfangs die Entscheidung zum Beenden und Deinstallieren durchaus verstehen kann, punktet Legendary fortan als anspruchsloser, aber spaßiger Genrebeitrag. Sobald man sich erst einmal mit garstigen Werwölfen im Gefecht befindet, kommt Atmosphäre auf: Die behaarten Kreaturen schlagen unübliche Laufwege ein, um Euch an die Kehle zu springen.

Weiter werfen sie mit Gegenständen nach Euch und sind allgemein einfach unberechenbar - und wer den ersten toten Werwolf einmal liegen gelassen hat und sich danach wundert, warum ihm glibbriger Speichel auf die Schultern tropft, dem sei gesagt: Wirklich um die Ecke bringen kann man die Viecher nur, wenn man ihnen den Kopf abtrennt. Spark Unlimited tat gut daran, viele dieser Monstrositäten ins Geschehen zu integrieren - einige denkwürdige Momente sind der positive Nebeneffekt.

Denkwürdig deshalb, weil man nicht die ganze Zeit allein unterwegs ist: Deckard trifft auf den sogenannten "Rat der 98", der ihm einige gut bewaffnete, aber strohdoofe Soldaten zur Seite stellt. Gefechte mit normalen und widerständskräftigeren Werwölfen gibt es an vielen Stellen des Titels und es ist einfach ein verdammt nettes Mittendrin-Gefühl, wenn um einen herum Mitstreiter von brutalen Monstern zerfetzt werden und die Hoffnungslosigkeit und das Ende der Welt zum Greifen nah ist.

Dies vermittelt Legendary in unverblümter, aber ehrlicher Form: Glücklicherweise ohne Zensuren durch die USK-Prüfung gerutscht, werden Gliedmaßen und Köpfe abgetrennt und auch an rotem Lebenssaft wird nicht gespart. Doch nicht nur die Ausgeburten der Hölle stellen sich Euch in den Weg: Deckards ominöser Auftraggeber LeFey, nebenbei Mitglied des oppositionierenden "Schwarzen Ordens", hat eine Armee um sich geschart, die nichts anderes im Schilde führtm, als uns das Leben schwer zu machen und den Hoffnungsblitzen ein Ende zu setzen.

Bevor Eurem virtuellen Leben ein Ende gesetzt wird, solltet Ihr stets an das Zeichen auf Eurer Hand denken, dass Euch sogenannte Animus-Kräfte verleiht. Im Klartext bedeutet dies, dass Ihr allen Kreaturen, die aus der Öffnung der Büchse resultierten, nach ihrem Ableben Energie abzapfen könnt. Beim ersten Drücken der Animus-Taste saugt Charles den Saft in sich auf, beim zweiten Mal verwendet er das Ganze als eine Art Medipack.

Doch das Branding auf Eurer Hand kann noch mehr: Später habt Ihr es mit transparenten Versionen der bekannten Widersacher zu tun, die Ihr mit normaler Munition nicht besiegen könnt - die gehen zwar mehr auf den Wecker, als dass sie Angst einjagen, aber mit einem zweifachen, schnell aufeinanderfolgendem Druck auf die Animus-Taste werden die Missgeburten durch eine Art Schockwelle zurück in eine sterbliche Form versetzt. Nun noch ein paar Bleibohnen als Dessert hinterher und schon dürfen sie im Nirvana rumspuken.

Schaut mich an, ich will nur Spaß machen!

Legendary macht gar keinen Hehl daraus, dass es ein Old School-Shooter sein will: Beinhart lineare Level, eine überschaubares, aber wuchtiges Waffensortiment und jede Menge Action reichen für eingesessene Genrefans einfach aus.

Rätsel, alternative Wege oder sonstigen Schnickschnack darf man gerne woanders suchen: Hier wird nur Deftiges serviert - und das macht dank einiger gut platzierter Skriptsequenzen - ganz im Gegensatz zum versemmelten Anfang! -, Gegner abseits des sonstigen Standardbreis, atmosphärischen Gruppengefechten und einem fordernden Schwierigkeitsgrad durchaus Spaß. Der größte Pluspunkt sind dabei definitiv die Feinde: Wo sonst hat man es schon mit einem Rudel Greife, wahnwitzig aggressiven Minotauren oder eben unberechenbaren Werwölfen zu tun?

Hierbei passt der Einsatz der ansonsten viel zu einfältigen Musik perfekt: Ein paar basslastige, rockige Akustikklänge sind einfach genau das Richtige, wenn ich überwältigt auf dem Rücken liege und ein Werwolf mir mit glühenden Augen das kostbare Leben aushauchen will. Wenn das Ganze dann noch einigermaßen sauber animiert über den Screen flimmert, ist die Apokalypse ganz nah.

Erzählt wird die wenig überraschende Story mit unbefriedigendem, aber interpretationsschwangerem Ausgang in kommentierten Bildern - mehr hätten wir uns zwar schon versprochen, aber für reinen, knapp acht Stunden andauernden Trash ist das in Verbindung mit den nur durchschnittlichen Sprechern allemal ausreichend. Es geht ja schließlich nur ums Ballern.

Optisch macht es Legendary einem nicht wirklich einfach: Das Grundgerüst, die mittlerweile mehr als gesättigt eingesetzte Unreal Engine 3, sieht man dem Titel bereits nach den ersten paar Metern an, hinzu gesellen sich auf der negativen Seite böse Aussetzer in Sachen Mimik, Dekoleichen - es sind irgendwie fast immer die gleichen Toten - und Detailreichtum. Immer wieder wird man jedoch von netten Effekten verzückt: Die bunt schimmernde Animus-Energie, die Explosionen oder auch die Animationen der meisten Widersacher, obwohl gerade die Werwölfe etwas kantig wirken. Macht jedoch nichts, immerhin läuft der Titel auch auf Kisten, die nicht gerade die neueste Hardware in sich vereinen. Den Mehrspielermodus können wir leider nicht in die Wertung miteinfließen lassen - der Grund: Fast keiner traute sich auf die Online-Server.

Fazit

Ich habe Legendary in den ersten 45 Minuten gehasst: Soviel Potenzial und so wenig Ausschöpfung? Das kann doch nicht sein - nachdem die Credits über den Monitor geflimmert sind, kann ich immer noch sagen, dass nicht alle Möglichkeiten genutzt wurden. Aber ich kann nicht behaupten, nicht gut unterhalten worden zu sein. Während sich andere Titel mit Features überhäufen, besinnt sich Legendary auf das Wesentliche und serviert erfrischend neue Gegner und vor allem jede Menge Action. Auch die Idee, die hinter den Animus-Kräften steckt, finde ich gut. Wer als eingesessener Shooter-Fan auf der Suche nach Frischfleisch ist, sollte sich diesen Genrebeitrag ruhig näher anschauen - viel falsch machen kann man nicht und schon durch die coolen Werwölfe allein lohnt sich eine Proberunde. Schade finde ich allerdings, dass der Mehrspielermodus so dünn ist und gähnende Leere auf den Servern herrscht - mehr als KI-Kreaturen als nette Dreingabe darf man nicht erwarten.

Legendary

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