Gesamtwertung75%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegMangelhaft |
BedienungGut |
'Wer erinnert sich noch an Falcon 4.0? Ah, die Herren dorthinten! Der mit den Piercings und der Herr mit dem schwarzen Vollbart! Kommen Sie beide doch bitte nach vorne! Wie heißen Sie?' 'Jörg Grote und Ulli Kunz!' 'Sie erinnern sich also noch an Falcon 4.0! Kennen sie denn auch das neue Spiel Lock On? Ja, Herr Grote?' 'Ja klar kennen wir Lock On! Wir haben es saulange gespielt und für JustGamers.de getestet!' 'Das trifft sich ja gut! Wie wär es wenn Sie uns von Lock On berichten?'
Jeder Fan von Flugsimulationen wird sich noch an Spielehits wie Falcon 4.0 oder die unzähligen Spiele von Microprose erinnern. Neben den vielen Flugsims, die im 2. Weltkrieg angesiedelt sind, erfreut sich die moderne Zeit als Setting für eine kampfbetonte Flugsimulation eher geringer Beliebtheit. Seit geraumer Zeit ist kein ernstzunehmendes Spiel mehr erschienen welches nicht den 2. Weltkrieg als Hintergrund hatte. Das von Ubisoft lange angepriesene Lock On soll hier Abhilfe schaffen. Nach langer Zeit mal wieder ein guter Flugsimulator, vollgestopft mit den großen Kampfjets der Neuzeit, einer starken Grafikengine und einer großen Portion Realismus. Lock On lässt den Spieler in einen von acht Kampfjets einsteigen. Von der legendären A-10 Warthog, über die deutsche Version der Mig 29 Fulcrum, bis hin zur F-15 Eagle sind die größten Kampfjets der Neuzeit vertreten.
Andere legendäre Jets wie die französische Mirage oder diverse Kampfhelikopter und Fahrzeuge, insgesamt über 50 verschiedene Einheiten, werden vom Computer gesteuert, und sorgen somit für reichlich Abwechslung beim Dahinschlachten seiner Feinde. Dass sich die Entwickler von Flying Legends wohl weniger Gedanken über die massentauglichkeit ihres Spiels machen als über den hohen Grad an Realismus, merkt man direkt zu Beginn. Anfängern oder nomalen Spielern ist ein vernünftiger Soforteinstieg verwehrt. Steuerung und Flugphysik sind einfach zu komplex, als dass man dieses Spiel sofort einigermaßen beherrschen könnte.
Zum einen liegt der hohe Einstiegs-Schierigkeitsgrad an dem Realitätsfetischismus der Entwickler, zum anderen aber auch am katastrophalen Handbuch. Nach 56 Seiten ist hier schon Schluß, und man erfährt zwar einiges über die Installation des Spiels oder den Editor, aber kaum etwas über die Flugzeuge, die Waffensysteme oder sonstiges, das bei einem Flugsimulator von Interesse ist. Ebenso unerklärlich erscheint die Tatsache, dass die Tastaturbelegung nicht im Handbuch verzeichnet ist, sondern als *.doc Datei auf der Spiel-CD vorliegt. Sowas gehört einfach zwingend in ein Handbuch! Ein weiterer Aspekt, der Anfängern das Leben schwer macht, ist das Tutorial. Was normalerweise das Spiel erklären soll, wird hier zu einem Verwirrspiel für den Zocker. Durch Fachbegriffe, die dem Laien nicht bekannt sein dürften, und durch die Tatsache, daß die einzelnen Kapitel des Tutorials selbstablaufend sind, wird man hier nicht Schritt für Schritt angeleitet, sondern kann sich die Lektion reinziehen und wird einfach ins kalte Wasser geworfen. Andererseits ist das Tutorial aber auch zwingend notwendig, um alle Funktionen und Tücken der verschiedenen Jets zu kennen. Das hört sich schwer nach einem Teufelskreis an! Abhilfe schafft hier ein Handbuch, welches von Fans aus der Community verfasst wurde. Im Gegensatz zum offiziellen Handbuch, ist es klar aufgebaut und beinhaltet Dinge, die für Zocker wirklich von Interesse sind. Dass Entwickler Flying Legends sowas nicht selbst hinbekommen haben, mutet schon ein wenig lächerlich an.
Hat man die hohe Einstiegsschwelle am Anfang gemeistert, präsentiert sich Lock On von seiner hervorragenden Seite. Neben der absolut genialen Grafik, doch dazu später mehr, sind die Luftkämpfe und das Vernichten von Bodenstellungen einfach herrlich und machen mächtigen Spaß! Mit einer F-15 im Tiefflug eine Mig-29 über wunderschöne Berglandschaften oder Weizenfelder zu verfolgen bringt den ultimativen Kick. Gerade beim tiefen Fliegen bekommt man einen echten Geschwindigkeitsrausch und fühlt praktisch die Triebwerke im Rücken.
Auch das Vernichten von Bodenzielen mit einer A-10 macht mächtig Spaß! Ist die feindliche Fahrzeugkolonne erstmal erspäht, fliegen wir gekonnt in die richtige Position, um mit unserem unfangreichen Waffenarsenal, welches wir vor dem Flug natürlich konfigurieren dürfen, den bösen Jungs das Fürchten zu lehren. Macht man sich dann an die Kampagne des Spiels, stellt sich leider schnell Ernüchterung ein. Neben den Missionen, die meist nach dem 'Suche und Zerstöre' Prinzip ablaufen, sucht man auch vergeblich nach einer Story. Die Briefings werden öde in Textform präsentiert, und über die eigentliche Motivation der Einsätze erfährt man so gut wie nichts.
Einzig die Tatsache, daß man sein eigenes Pilotenprofil erstellen kann und befördert und ausgezeichnet wird, macht die Kampagne in Ansätzen interessant. Auch in Punkto Missionsdesign setzt man bei Lock On also voll und ganz auf Hardcore-Realismus! Eben dieser Hardcore Realismus, wird auch bei den Einstellungsmöglichkeiten sicht- und spürbar. Während sich in Spielen wie IL-2 Sturmovik die Flugeingenschaften und der Realismus gezielt auf die eigenen Flugkünste abstimmen lassen, gibt es in Lock On nur den vollen Realismus oder nahezu keinen Realismus indem das Flugzeug keinen Treibstoff braucht, keine Munition vebraucht und keinen Schaden nimmt. Selbst im leichtesten Schwierigkeitsgrad ist Lock On immer noch sehr fordernd, was vor allem an der hervorragenden KI liegt. Selten konnte man bei einem Flugsimulator so realistisches Verhalten des Computers bewundern.
KI-Piloten vollführen halsbrecherische Manöver, um dem Spieler zu entgehen und feindliche Fahrzeuge suchen unter Bäumen Schutz vor der Entdeckung durch den Spieler. Habt Ihr die Kampagne durchgezockt, bietet sich noch die Möglichkeit vorgefertigte Missionen zu absolvieren, gegen Freunde im Internet anzutreten, oder den Missionseditor zu benutzen. Viele werden allerdings an diesem Editor verzweifeln, da er durch unglaublich viele Einstellungsmöglichkeiten sehr überfrachtet wirkt, und durch seine Komplexität nur schwer zu bedienen ist.Wer sich für eine Multiplayerpartie entscheidet, wird dafür mit einer ganzen Menge Spaß belohnt. Neben dem obligatorischen 'Jeder gegen Jeden', bietet Lock On auch einen Coop-Modus. Hier kann man mit seinen Freunden gemeinsam vorgefertigte oder selbst erstellte Missionen erfüllen. Gerade die gemeinsamen Verfolgungsjagden im Multiplayer machen eine ganze Menge Spaß. Ist es nicht unbezahlbar einen Kollegen nach einer minutenlangen Verfolgung eine Rakete in den Hintern zu schiessen und die
schöne Explosion zu beobachten?
In Punkto Präsentation hat man sich bei Flying Legends wirklich selber übertroffen! Noch nie gab es einen Flugsimulator mit ähnlich genialer Grafik! Die Flugzeugmodelle sind allesamt sehr detailiert und überaus hübsch anzusehen. Die verschiedenen Cockpits strotzen vor kleinsten Details und sind allesamt originalgetreu nachempfunden worden. Die Texturen sind hochauflösend und lassen keine Wünsche offen. Auch die Landschaft ist ziemlich genial umgesetzt worden. Niemals gab es eine so detailreiche und glaubwürdige Umgebung zu bewundern wie in Lock On. Strassen, Bäume, Gräser und Gebäude wirken beinahe fotorealistisch. Auch der Klang kann sich durchaus 'hören' lassen: Realistische Funksprüche, wummernde Bordkanonen und zischende Raketen, die in einer gigantischen Klangwolke explodieren! Der Triebwerkssound, der durch die Boxen dröhnt, ist einfach gigantisch! Wer hier nur auf halber Laustärke hört ist selber Schuld! Einen richtigen Soundtrack vermisst man zwar häufig, doch fällt dies angesichts der ansonsten hervorragenden Präsentation nicht so sehr ins Gewicht.
klar gewesen sein. Warum Flying Legends das Spiel aber durch ein lächerliches Handbuch und schlechte Tutorials noch unnötig kompliziert ist mir ein Rätsel. Auch die fehlende Story in der Kampagne und
der undurchdringbare Editor sind Fehler, die Flying Legends absolut hätte vermeiden können. Wie gerne hätte ich diesem Spiel, vor allem wegen dem echt spaßigen Multiplayer Modus, einen Award verliehen.
Durch die oben genannten Mängel ist das leider nicht möglich. Trotz allem müssen erfahrene Fieger bei Lock On unbedingt zugreifen. Für sie wird das Spiel wohl eine neue Offenbarung sein! Anfänger bleiben lieber bei IL-2 Sturmovik: Forgotten Battles. Was meinst du Ulli?
Fazit von Ulli Kunz: Sprichst du mit mir? Oh, Fazit... Also: Ich kann mich eigentlich meinem Kollegen Jörg nur anschliessen, Lock On ist momentan DIE Referenz in Sachen Jet-Simulation, doch an IL-2 Sturmovik: Forgotten Battles kommt es für mich nicht heran. Und das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal ist IL2 viel einsteigerfreundlicher als Lock On. Darüberhinaus sind Close-In-Dogfights für mich persönlich einfach interessanter als 'Oh, ein Punkt auf meinem Radar. Da schick ich mal ne Rakete hin'-Kämpfe. Was mich aber so richtig geärgert hat bei Lock On war die Tatsache, dass das mitgelieferte Handbuch gelinde gesagt eine Frechheit ist. Wer noch Falcon oder F-15 III kennt, weiß, was man sich unter einem Handbuch vorzustellen hat, aber doch bitte kein kleines, 56-Seiten 'starkes' Heftchen, in dem NICHTS interessantes drin steht. Huhu, liebe Verantwortliche bei Ubi-Soft. Es ist löblich, dass ihr eine Hardcore-Flugsim wie Lock On macht. Es ist aber absolut unverzeihlich, solch einem Titel kein vernüntfiges Handbuch zu spendieren. Und kommt mir nicht mit 'In eine DVD-Box passt kein dickes Handbuch rein. Wir haben aber jetzt ein besseres Handbuch als PDF-Datei bei uns auf dem FTP-Server'-Ausreden. WIR WOLLEN HANDBÜCHER, DIE GROß, SCHWER UND VOR ALLEM INFORMATIV SIND! PDF-Dateien sind eine Frechheit!
Dünne Handheftchen sind eine Beleidigung für jeden Simulations-Fan! Und die Krönung: Es gibt keine seperate Tastatur-Belegungstabelle. Stattdessen schlummert irgendwo auf der CD eine DOC-Datei mit einer Tastatur-Übersicht. Na super. Und manchmal frage ich mich auch, ob die Designer und Produktmanager die eigenen Foren beziehungsweise die Foren von Fanseiten durchlesen. Durch die Bank durch wird eine Kampagnen-Story gefordert. Irgendetwas halt, das die Missionen inhaltlich miteinander verknüpft. Doch nichts passiert. Noch heute schwärmen Spieler über Titel wie Strike Commander oder Eurofighter Typhoon, jedoch nicht wegen der tollen Technik oder der Grafik beziehungsweise dem (fehlenden) Simulations-Anspruch, sondern allein wegen der Story, die zwischen den Missionen erzählt wird. Aber nein, man packt lieber ein paar Missionen nacheinander zusammen, nennt das dann Kampagne und überlässt es dem Spieler, für die 'Weiterspiel'-Motivation zu sorgen. Zusammenfassend: Was nützen mir tolle Grafik und hoher Simulationsanspruch, wenn ich das Spiel quasi durch Ausprobieren lernen muß, anstatt ein Handbuch querlesen zu können und wozu brauche ich dutzende Missionen, die mehr oder minder lieblos hinterander ablaufen, ohne dass ich weiß, wieso ich mich zum Weiterspielen motivieren soll? Es ist schitzophren: Lock On ist auf der einen Seite die momentan beste Jet-Flugsimulation auf dem Markt und andererseits für mich eine der größten Entäuschungen des Jahres.
Lock On im Test.
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