Gesamtwertung86%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Mörderisch eins auf die Fresse
In Loki: Im Bannkreis der Götter haben wir RPG-typisch die Qual der Wahl zwischen vier Helden: Neben einem nordischen Barbar und einer griechischen Amazone stehen dem Spieler zudem noch ein ägyptischer Kampfmagier oder eine aztekische Schamanin zur Auswahl. Im Vergleich zu manch anderen Genrevertretern wir schielen hierbei z.B. auf Mage Knight: Apocalypse unterscheiden sich unsere Recken aber nicht nur hinsichtlich ihrer Fähigkeiten voneinander, auch die Szenerien und Epochen heben sich voneinander ab.
So darf man mindestens vier komplett unterschiedliche Spielerlebnisse erwarten, zudem ließ man sich auch für Hardcore-Zocker, die selbst diese Hürde schaffen, etwas einfallen: Ein Großteil der knapp 200 Abschnitte wird nämlich vom Spiel selbst per Zufall generiert. Dass dies zum einen negativerweise entweder arg gekünstelte, aber auch wie aus dem Baukasten entsprungene Levels schafft, dafür jedoch auch nach dem mehrfachen Durchspielen noch ein immer etwas anderes Erlebnis verschafft, scheinen die Entwickler in ersterem Falle billigend in Kauf genommen zu haben.
Schließlich wollte man mit und soviel wollen wir schon einmal verraten dem Diablo gefährlich nahe kommendem Loki nicht kleckern, sondern klotzen. Und wenn schon klotzen, dann aber richtig. Dafür sprechen nicht nur die schieren Unmengen an verschiedenen Items und der Abwechslungsreichtum, den die Verantwortlichen hinsichtlich der Gegnervielfalt walten ließen. Denn die Anzahl der verfügbaren Items darf man zudem noch fast im Eigenbau in ungeahnte Höhen treiben. Beim örtlichen Schmied hat der RPG-Fan nach bester Do it yourself-Manier die Möglichkeit, bereits eingesammelte Waffen in Griff und Klinge zu zerlegen, und diese mit Einzelteilen anderer Haudrauf-Macher zu kombinieren, solange diese in der gleichen Waffensparte bleiben.
Kampfstock plus Axtklinge können also keine Möchtegern-Sichel ergeben. Dennoch sind Auswahl und Kombinationsmöglichkeiten riesig, zumal wir magische Verfeinerungen wie Runen noch nicht einmal erwähnt haben.
Und wenn Ihr irgendwann einmal eine neue Rüstung bekommen solltet: Schrottet doch die alte Klamotte und steckt die gewonnenen Ressourcen als Upgrade in andere Gegenstände. Oder verkauft sie einfach, der örtliche Händler wird sich bestimmt über den Zuwachs und einen neuen Kunden mehr freuen. Dank übersichtlichem Inventar ohne die üblichen Drag & Drop-Felder, bei denen schnell mal die Ordnung flöten gehen kann, kein Problem.
Komfort ohne Grenzen
Vom Typ Inventar, der uns hier präsentiert wird, können sich viele Genrevertreter eine große Scheibe abschneiden. Das fängt beim Aufsammeln mitsamt automatischer Gruppierungen an und hört beim sogenannten Kiosk auf, einer Art Aussortierungsfunktion nicht länger benötigter Gegenstände an, für die beim freundlichen Herren mit der Ware ein Klick ausreicht, um den ganzen unwichtigen Krempel in Bares umzuwandeln. Das alles erspart unnötige Such- und Fummelarbeit und reduziert einige der größten Zeitfaktoren eines waschechten Rollenspieles auf ein triviales Minimum, großes Lob!
Klingt doch alles bisher endlich nach einem HacknSlay-RPG, das dem alten, aber weisen Diablo mal gehörig vom Thron kickt, oder? Vor Bugs und Ungereimtheiten ist aber auch ein Loki leider nicht sicher: Wie kann es gerade bei einem bisher so hochgelobten Inventar vorkommen, dass ausgerechnet eine deutliche Vergleichsfunktion zwischen bereits aktiven und sich derzeit noch nicht in Verwendung befindlichen Gegenständen scheinbar im Design-Nirvana verloren gegangen ist?
Warum erwarten mich bei Betreten eines neuen Abschnitts nicht selten zu gut gemeinte Gegnerhorden, die mich zur Flucht und zum Neubetreten des Abschnitts zwingen? Wieso wird die Aufmachung des Titels seinen geradezu legendären Epochen nicht gerecht? Gerade die nordische Mythologie zieht auch heute noch viele in ihren Bann, für Stoffkundige sind Namen wie Odin, Tyr und Loki genauso Pflichtprogramm wie die Frage ob man den Döner zum hier essen oder zum mitnehmen will, für einen Angestellten eines Imbissladens.
Schatten im Sommer
Ein großes Manko an Loki ist, dass man zuviel Zeit des Spiels mit Kämpfen verbringt. Natürlich darf man seinen Recken auch gescheit um Feindesansammlungen vorbeidirigieren, doch welcher Sammel-Fan will das schon, wenn er nicht gerade am Existenzminimum kratzt? Oft siegt die Neugierde auf neue Items und der Hunger nach mehr Erfahrungspunkten. Das mag motivierend sein, wird dem Spieler bei Loki jedoch eindeutig zu überbordend serviert. Etwas weniger ist halt einfach manchmal mehr.
Falls Euch doch einmal das Wasser bis zum Hals steht, müsst Ihr halt göttliche Kräfte walten lassen. Wie das geht? Ganz einfach: Nach erledigten Gegnern steigen nicht nur Erfahrungspunkte, sondern auch göttliche Punkte. Diese löst Ihr in einer symbolischen Übersicht ein und zieht sie per Drag & Drop in Eure Magieleiste.
Mit einem Drückerchen auf die rechte Maustaste aktiviert Euer Recke die gewünschte Gottesmagie, genügend Mana vorausgesetzt. Die restliche Steuerung klappt übrigens ohne Tastatur, die Maus wird so bis zum bitteren Ende zu Eurem einzigem Freund.
In Sachen Mehrspieler herrscht heiterer Spielspaß wenn auch mit kleinen Schwächen. Die vier Spielmodi Team-Schlachten, Duell, Herausforderung und Co-op bieten genug Raum und Abwechslung für Multiplayer-Gefechte, wie man sie seit Diablo kaum noch auf dem Screen erlebt hat.
Dennoch herrschten bis vor kurzem unschöne Lags und sogar Spielabstürze. Kommt so gut wie gar nicht mehr vor, dem zuletzt veröffentlichten ersten Patch sei dank. Eine Speicherung Eurer Fortschritte geschieht übrigens über die gesicherten Server des optional installierbaren GameCenters.
Mit Abstrichen gelungene Technik
Grafisch kann Loki überzeugen: Zwar könnten die Charaktere noch einen Tick detaillierter sein und auch manche Dungeons lassen etwas Feinschliff vermissen, doch in Sachen Effekte zieht das Machwerk alle Register. In dieser Hinsicht lässt Loki die Konkurrenz hinter sich, auch das ohnehin schon hübsche Dawn of Magic muss angesichts solcher hübschen Spezialeffekte den Hut ziehen. Hinzu kommen teils eindrucksvolle Szenarien, so zum Beispiel die Schmiede der Goblins, die mit ihrem höllischen Setting äußerst stimmungsvoll in Szene gesetzt wurde.
Ganz verleugnen kann Loki das Zufallsprinzip der generierten Abschnitte - wie eingangs erwähnt - dennoch nicht. Und trotzdem ist das Spiel ein Hardwarefresser, an dem sich viele Rechner messen müssen. Kleiner Tipp: Unbedingt die neuesten Grafikkartentreiber installieren! Mag Loki zumindest optisch nicht vollends überzeugen, kann es jedoch beim Sound punkten. Die Hintergrundmelodien sind passend und liegen gut im Ohr, die deutsche Sprachausgabe sowie die tollen Effekte sind zudem professionell.
Doch was will man als RPG-Fan mehr? Eine Spielwelt, die mit vielen unterschiedlichen Feinden, Missionen und Gegenständen auch im Mehrspielermodus mächtig Laune macht, ein grandios-einfaches Inventar sowie eine gelungene technische Seite machen Loki zum Pflichtkauf für all diejenigen, denen Diablo zu alt ist oder Titan Quest nicht gut genug war. So, genug Zeit verschwendet, ich werde jetzt noch ein paar Bestien erlegen!