Medieval 2: Total War Kingdoms

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Sega
Entwickler
Creative Assembly
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
12
Medieval 2: Total War Kingdoms [PC , looki.de]

Gesamtwertung

85%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Medieval 2: Total War Kingdoms

Das Mittelalter. In kaum einer anderen Epoche gab es so viele Kriege, Armut und Elend, jedoch auch Fortschritt, Entdeckungen und prägende Erfindungen wie in der Zeit zwischen dem Fall des römischen Reiches und dem Beginn der Renaissance. Creative Assembly widmet sich in Kingdoms, dem ersten und vermutlich letzten Addon zu Medieval 2: Total War, der zweiten Hälfte des Mittelalters und deckt in vier neuen Kampagnen die Zeit von den Kreuzzügen bis zur europäischen Eroberung Amerikas ab. Dieser Zeitraum erstreckt sich im Spiel von 1174 bis 1721 nach Christus und ist somit groß genug für viele ausgedehnte Spielabende.

Um 1492 landete der portugiesische Seefahrer Cristóbal Colón, den wir als Christoph Kolumbus kennen, mit seinem stolzen Schiff, der Santa Maria, auf der karibischen Insel, die von den Bewohnern Guanahani genannt wurde, der er kurzerhand den Namen San Salvador gab. Ein großer Tag für die europäischen Entdecker, auch die Einwohner des sogenannten Paradieses feierten die Ankunft der weißen Götter, die über das Meer kamen, doch alle Freude war spätestens mit den Bemühungen des Spaniers Hernán Cortés vorrüber, der sich im Auftrag der spanischen Krone den ganzen Kontinent, ebenso wie dessen Einwohner, eigen machen wollte.

Das Besondere an Kingdoms ist, dass wir dank des Hotseat-Modus die Wahl haben, ob wir zur stählernen Pike oder lieber zum Blasrohr greifen, ob wir auf Seiten der Eroberer stehen oder uns im Namen des Gottes Huitzilopochtli (ja, der hieß wirklich so) auf die Seiten der weitaus sympathischeren Atzteken stellen. Doch auch bei den mittelamerikanischen Ureinwohnern ist untereinander nicht immer gut Kirschen essen - hier stehen andere Spezialitäten auf dem Plan. Denn anfangs führen einige der eingeborenen Völker untereinander Krieg und opfern ihre Feinde den Göttern, um die Bevölkerung zu besänftigen. Auf nähere Details wollen wir an dieser Stelle nicht eingehen. Natürlich wissen die Spanier dies zu ihrem Vorteil zu nutzen und stacheln die kriegerische Stimmung an um die heidnischen Azteken ausreichend zu schwächen.

Denn ganz so mächtig sind die Spanier zu der Zeit noch nicht. Sie besitzen zwar die modernsten Waffen und Rüstungen dieser Zeit, doch sind sie derart in der Unterzahl, dass ein groß organisierter Angriff der Atzteken zwangsläufig das Ende bedeuten würde.

Hinterher kann man als folgsamer Spanier eingeborene Soldaten rekrutieren, die natürlich auch eigene besondere Fähigkeiten mit sich bringen. Je nach Verlauf der Eroberung steigt der Vizekönig im Ansehen auf und kann später auf ein beeindruckendes Waffenarsenal zurückgreifen.

Die Kampagnen

Neben dem Amerikasetting kommt Kingdoms mit drei weiteren Kampagnen, die jeweils ihre eigenen Charakteristiken haben. In der amerikanischen Kampagne, die von 1521 bis 1721 reicht, können wir sieben unterschiedliche Völker spielen: Die Neuspanier, Azteken, Apachen, Mayas, Tlaxcalteken, Chichimeken und Tarasken.

In den heiligen Kreuzzügen in Nahost um 1174 bis 1574 kommt das Königreich Jerusalem, Antiochia, Byzanz, Ägypten und die Türkei zum Zuge, während in der Teutonenkampagne um 1250 bis 1530 mit dem schlagkräftigen Deutschen Orden, sowie mit Litauen, Dänemark, Nowgorod, Polen und dem heiligen Römischen Reich die Schwerter gekreuzt werden dürfen.

Im Kriegumtobten Britannen erleben wir die Machtkämpfe des Königreichs England mit den Walisern, Schotten, Iren und den norwegischen Wikingern um 1258 bis 1530. Jede Kampagne verspricht eine Spielzeit von über 10 Stunden, sodass rund 40 Stunden Spielspaß erwartet werden können. Besonders spannend werden die Kampagnen durch das Auftreten von unerwarteten, geschichtlichen Ereignissen, wie das Aufkommen der mächtigen Kaufmannsgilde der Hanse in Europa, das die kompletten Machtverhältnisse über den Haufen wirft. Hier entstehen aber auch neue Möglichkeiten, an mehr Geld zu kommen. Wenn zum Beispiel alle Hansestädte erobert werden, erwartet den Spieler ein wahrer Geldsegen.

In England werden sich im Verlauf der Kampagne ein Bund von Baronen vom englischen Königreich abspalten und so neue Verhältnisse auf der großen Insel schaffen. Die Barone besetzen ihre Städte oder verteidigen diese. Dass so ein lächerlicher Baron allerdings keine Gefahr für die riesige englische Großmacht darstellt, ist den Blaublütern wohl entgangen. Die Kreuzritter des deutschen Ordens können nur in Städten ausgehoben werden, in denen der katholische Glauben vorherrscht, weswegen man sich seiner Nachschubwege immer bewusst sein sollte.

Um im nahen Osten immer einen guten Vorrat an fanatischen Rittern zu wahren, müssen heidnische Völker kurzerhand konvertiert werden. Wer das Kreuz nicht annimmt, bekommt Stahl zu schmecken, so wie es in der europäischen Geschichte tausendfach passiert ist.

Herr General. Aggressiv bitte!

Eine weitere Neuerung ist die sehr nützliche Aufgabenteilen in den Echtzeitschlachten. So wird ein großer Teil an nervigem Micromanagement eingespart. Der Spieler selbst übernimmt die Kontrolle über ein Regiment, wären seine KI-Generäle die übrigen Truppen befehligen. Den Generälen können dann simple Befehle wie „aggressiv“, „defensiv“ und „Fernkampf“ gegeben werden, die sie dann selbstständig in die Tat umsetzen. Der Punkt „KI“ war auch schon zu Medieval 2-Zeiten ein großer Streitpunkt.

Durch mehrere Patches verbessert, haben sich immernoch reichlich Fehler in das Spiel eingeschlichen. Im Strategiemodus reagieren einige Einheiten manchmal später oder garnicht, flüchtende Gegner haben oft komische Zuckungen und Kanonen schießen teilweise, trotz freier Schussbahn nicht auf die Gegner.

Auf der taktischen Karte hat man immer noch mit willkürlichen Entscheidungen der Freunde und Feinde zu kämpfen, die schonmal kurz nach Schließung eines Bündnisses den Krieg erklären. Wenn das, wie oftmals, mehrere Mitspieler gleichzeitig tun, hat man nicht nur ein großes Problem sondern auch noch einen sehr dicken Hals.

Zum Glück bleibt da noch der Hotseat-Modus, in dem man sich nicht mit unklugen Entscheidungen der KI-Gegner herumplagen muss. Der Hotseat-Modus funktioniert mit allen Kampagnen und Szenarien und jedes spielbare Volk darf von einem Mitspieler gesteuert werden. Die Mitspieler ziehen wie gewohnt nacheinander und können die Spielstände per E-Mail weiterschicken.

Der nächste Feldherr spielt dann genau dort weiter. Da auch die kurzen Feldzüge eine extrem lange Spielzeit haben, sind hier vor allem hartnäckige Fans gefragt. Allen anderen Raten wir es dann doch nochmal mit den Computergegnern zu probieren.

Fazit

Ich bin wirklich beeindruckt! Die vier verschiedenen Kampagnen bringen viel Abwechslung in die groß angelegten Feldzüge. Allein schon die Möglichkeit einmal auf der Seite eines jeden Volkes stehen zu können, ist faszinierend und motivierend. Besonders die Ritter des Deutschen Ordens versprühen diesen martialischen Hauch des Mittelalters. Die interessanteste Kampagne ist die Amerika-Kampagne die viel frischen Wind in das sonst rein europäische Setting bringt. Die indianischen Völker spielen und verhalten sich grundverschieden im Gegensatz zu den bekannten Völkern. Aber auch die spanischen Konquistadoren bieten einige spannende Stunden auf dem virtuellen Spielfeld. Wer Medieval 2 liebt und so auch über ein paar wenige nervige Bugs hinwegsehen kann, sollte bei Kingdoms sofort zuschlagen. Die enorme Spielzeit, die man hier für sein Geld bekommt, steht in keinem Verhältnis und macht durchweg Spaß.

Medieval 2: Total War Kingdoms [PC , looki.de]

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