Medieval II: Total War

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Sega
Entwickler
The Creative Assembly
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
12
Medieval II: Total War [PC , looki.de]

Gesamtwertung

93%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Medieval II: Total War

„Mittelalter – wann genau war das eigentlich?“ wird sich der Otto-Normal-Looki-Leser an dieser Stelle fragen. Wenn man den Geschichtsprofessoren und Archäologen dieser Welt glauben schenkt, so erhält man auch prompt eine Antwort. Vom sechsten Jahrhundert bis ca. ins Jahr 1500 n. Chr., unterteilt in drei Phasen. Im neuesten Werk von Creative Assembly wird man als Spieler in die letzten beiden, das Hoch- und Spätmittelalter versetzt, um die mittelalterliche Welt gehörig aufzumischen. Wie auch schon in den Vorgängern der bekannten und beliebten Total War-Reihe, will auch Medieval II: Total War durch einen ausgeklügelten Mix aus Runden- und Echtzeitstrategiespiel die Herzen von Strategen weltweit höher schlagen lassen. Wir sagen euch, was ihr vom neuesten Total War-Spross erwarten könnt.

Wie bereits angedeutet, spielt sich Medieval 2 in der Zeit von ca. 1080 bis 1530 n.Chr. ab. Diese Zeit gilt als eine der wildesten und gefährlichsten Epochen der Menschheitsgeschichte.

Europäische Nationen ringen mit- und gegeneinander um die Vorherrschaft auf dem alten Kontinent, vom Osten her fallen die blutrünstigen Mongolen ein, der Islam expandiert mit seinen Anhängern immer weiter nach Westen, Hungersnöte finden statt, weil die Herrscher zahllose Kriege führen und dabei die Bedürfnisse ihrer Untertanen vernachlässigen, Ketzer reisen durchs Land und verbreiten antireligiöse Kunde die den Papst zur Weisglut treibt – und genau hierhin verschlägt es euch als ehrlichen und unbescholtenen Medieval 2-Käufer. Als erstes gilt es, sich eine Nation auszusuchen, deren Geschicke man in dieser Epoche des Blutvergießens und der nicht zu enden wollenden Konflikte leiten will. Anfangs stehen einem fünf Nationen zur Verfügung, darunter europäische Großmächte wie etwa das Heilige Römische Reich, das Englische Königreich oder Frankreich. Erst im Spielverlauf kann man sich weitere der insgesamt 21 im Spiel vorhandenen Nationen freischalten – indem man sie besiegt.

Den Atem Gottes im Nacken

Eine große Rolle spielt in Medieval 2 die Religion. Alle Nationen sind grob in Katholiken, Orthodoxe, Muslime und Heiden unterteilt, davon ist die erste Kategorie dem Papst unterstellt. Dieser haust im Vatikan und ist die höchste Autorität der katholischen Welt. Erteilt er einen Auftrag, so ist diesem Befehl Folge zu leisten da sonst im schlimmsten Falle die Exkommunizierung droht – was im Klartext heißt, dass der Spieler frei zum Abschuss gegeben wird und alle anderen katholischen Staaten militärisch gegen ihn vorgehen dürfen.

Da das sicherlich niemand will, ist man gut damit bedient die Beziehungen zum heiligen Vater immer auf einem konstant guten Niveau zu halten. Zum Freund machen kann man sich den Papst auf mehrere Arten, zum Feind auf ebenso viele. Wer beispielsweise nachdem ein Kreuzzug ausgerufen wurde als erster von allen am Kreuzzug teilnehmenden Ländern das primäre Missionsziel erfüllt, das kann z.B. die Unterwerfung einer fremden Nation oder die Beschaffung einer Reliquie sein, der darf sich über eine gebührende päpstliche Entlohnung mitsamt einem gestiegenen Ansehen im Vatikan freuen. Wer allerdings Aufträge schlichtweg ignoriert oder gar Ketzer ungestraft durch die eigenen Ländereien wandern lässt, dessen Schicksal ist schnell besiegelt. Apropos Ketzer: diese von der katholischen Kirche geächteten, zum Teil ehemaligen Geistlichen, kann man durch eigene Priester „beseitigen“.

Sammelt ein Priester mit der Zeit durch solche Aktionen oder diverse Bekehrungen Erfahrung, so kann er nach einiger Zeit zum Kardinal aufsteigen. Dieser wiederum kann sich dann, sobald der aktuelle Papst sein Leben ausgehaucht hat, selbst um den Posten auf dem Stuhl Petri bemühen. Sollten die Chancen nicht ganz so gut stehen, kann man dem eigenen Wunschkandidaten immer noch mit kleinen Spenden an die anderen stimmberechtigten Kardinäle auf die Sprünge helfen. Sitzt dann letztendlich ein Kardinal aus eigenen Landen im Vatikan, lebt es sich gleich viel leichter – unter Umständen kann man ihm dann auch mögliche Angriffsziele für kommende Kreuzzüge ins Ohr flüstern.

Reichsmanagement

Einer der Hauptbestandteile eines Total War-Spiels ist die Strategiekarte. Überhaupt verbringt man auf dieser im Normalfall, sprich beim spielen der Kampagne, die meiste Zeit.

Dabei umfasst die mittelalterliche Spielwelt ganz Europa, Teile Afrikas und Asiens sowie, gegen Ende des Spiels, auch die neue Welt, also den amerikanischen Kontinent. Dieser darf allerdings erst mit der nötigen Seefahrtstechnik erschlossen werden und die ist wie gesagt leider ab den letzten Jahrzehnten des Mittelalters verfügbar. Auf der Strategiekarte hat man einen umfangreichen Überblick über sein Reich, dessen Grenzen, die sich darin befindenden Städte, sowie alle Armeen und sonstige Personen (Priester, Diplomaten), die sich so in der Spielwelt tummeln. Hier wird die landeseigene Wirtschaft gemanaged und Truppenbewegungen aller Art durchgeführt – alles Rundenweise und möglichst vorausschauend.

Anders als in den Vorgängen werden in Medieval 2 erstmal Siedlungstypen unterschieden. Im Laufe der Entwicklung einer Siedlung darf man sich entscheiden ob man diese zu einer Stadt oder einer Burg entwickeln lassen will. Städte bilden das wirtschaftliche Rückgrat einer jeden Nation. Hier befinden sich soziale Einrichtungen, Wohnhäuser, Marktplätze sowie Unterhaltungsbauten.

Dafür ist es hier lediglich möglich die gerade mal grundlegendsten Militäreinheiten wie Stadtmilizen auszubilden und die relativ dünnen Befestigungsanlagen halten so gut wie keiner Streitmacht lange stand.

Burgen sind das genaue Gegenteil – nur hier ist es möglich die stärksten im Spiel vorhandenen Soldaten mitsamt der durchschlagskräftigsten Waffentechnik herzustellen und die riesigen und dicken Wälle sind ein Alptraum für jede Belagerungsarmee. Es bleibt dem Spieler überlassen, sich zu entscheiden welche Siedlung sich in welche Richtung entwickeln soll. Fest steht lediglich, dass man auf keinen Fall einen der beiden Siedlungstypen vernachlässigen darf, da sonst entweder die Wirtschafts- oder Militärstärke den Bach runter geht – und das kann sich kein Herrscher leisten.

Neben dem Siedlungsmanagement dient die Strategiekarte wie bereits erwähnt dem platzieren und bewegen von Truppen – doch nicht nur Soldaten dürfen hin- und herkommandiert werden, auch andere Charaktere wie Priester, Spione, Prinzessinnen oder Diplomaten warten stetig auf Befehle. ö.ü

Spione oder Attentäter eignen sich trefflich um hochrangige feindliche Generäle oder gar das Kirchenoberhaupt auszuschalten – solche Ereignisse werden dann auch von einer entsprechenden kurzen Videosequenz begleitet, die zeigt, ob die Meuchelmörder ihren Auftrag erfolgreich zu Ende bringen konnten. Diplomaten sind wiederum sehr wichtig beim Schmieden von Komplotten, Besiegelungen von Friedensverträgen oder ganz einfachen allgemeinen Verhandlungen. Oft kann man einem militärischen Konflikt aus dem Weg gehen, sofern man über erfahrene Diplomaten verfügt, die dem Gegenspieler sprichwörtlich Angebote machen, die dieser nicht abschlagen kann.

Wer nicht hören will …

Machen wir uns aber keine Illusionen, das Mittelalter war nicht umsonst die finsterste Epoche der bisherigen Geschichte der Menschheit. Irgendwann kommt es unausweichlich zu einer Situation, in der auch der beste Diplomat nichts mehr unternehmen kann und es kommt zum Krieg. Der ist, wie auch schon in allen Vorgängern ebenfalls einer der Hauptbestandteile des Spiels. Kommt es irgendwo auf der Strategiekarte zu einer Schlacht oder Belagerung, so hat man als Spieler zwei Möglichkeiten. Entweder man lässt den Kampf bequem vom Computer nach Truppenstärke auswürfeln, läuft damit aber gleichzeitig Gefahr unnötig viele Einheiten zu verlieren, oder man legt selbst Hand an und zieht mit seinen Bataillonen tapferer Infanterie- und Kavallerietruppen höchstpersönlich in die Schlacht.

Entscheidet man sich für diese Möglichkeit, so wechselt man auf ein schickes 3D-Schlachtfeld, auf dem man seine Truppen in bester Echtzeitstrategiemanier herumkommandieren darf. Übersichtlich in einzelne Divisionen unterteilt muss man mit seinen Mannen das feindliche Heer bezwingen, bzw. die feindliche Burg/Stadt erobern, sofern es sich um eine Belagerungsschlacht handelt. Ist das der Fall, sollte man aber unbedingt auch entsprechendes Kriegsgerät in Form von Belagerungstürmen, Rammen oder Katapulten dabei haben, um gegen die feindlichen Befestigungswälle nicht alt auszusehen. Sollte es übrigens zu einem Konflikt in den Weiten der Meere oder Ozeane kommen, so bleiben dem Spieler 3D-Schlachten nach wie vor verwehrt – deren Ausgang wird ausschließlich vom Computer bestimmt.

Langeweile adé

Damit einem während der vielen, vielen Spielstunden die man in der mittelalterlichen Welt verbringen wird nie langweilig wird, haben die Entwickler ein umfangreiches System von Aufgabenstellern für Medieval 2: Total War entworfen. Neben den päpstlichen Aufträgen, denen wir uns bereits gewidmet haben, warten im Verlauf des Spielgeschehens auch andere Organisationen mit Missionen für den Spieler auf. An erster Stelle steht dabei der sogenannte Rat der Adeligen, dessen Mitglieder einem beispielsweise Angriffsziele vorgeben, die entweder vernichtet oder erobert werden sollen. Dafür gibt es dann eine entsprechende Belohnung in Form von Ansehen und immer zu gebrauchendem Kleingeld.

Des weiteren kann es passieren, dass sich irgendwann Gilden in Städten des eigenen Reiches ansiedeln. Welche Gilde in welche Stadt zu welchem Zeitpunkt sesshaft wird, hängt in erster Linie vom Bauverhalten des Spielers ab.

Baut man z.B. eine Menge oder bestimmte Wirtschaftsgebäude, so stehen die Chancen hoch, dass sich die Kaufmannsgilde dazu entschließt, eine Niederlassung in einer bestimmten Stadt zu eröffnen. Konzentriert man sich in einer Burg schon lange und intensiv auf die Rekrutierung von Rittern, so kann es passieren, dass die geheimnisvolle Templergilde Einzug in die Burg findet. Mit der Zeit entwickeln sich diese Gilden-Außenposten weiter und können bis zu Gilden-Hauptquartieren aufsteigen – so ein Hauptquartier gibt es dann im Vergleich zu den anderen Entwicklungsstufen, die gleichzeitig in mehreren Städten nebeneinander existieren können, nur ein Mal weltweit.

Manche Gilden sind übrigens auf bestimmte Regionen oder Nationen beschränkt, das heißt, dass die Chancen schlecht stehen, beispielsweise als britischer Herrscher die arabische Hashashinengilde in den eigenen Siedlungen begrüßen zu dürfen.

Kronjuwel des Strategiegenres

Zwar sieht auch die Strategiekarte im Vergleich zu den Total War-Vorgängern erheblich schicker aus und wurde auch mit vielen kleinen Details veredelt, doch so richtig zeigt Medieval 2: Total War erst in den opulenten 3D-Schlachten, was es auf dem visuellen Kasten kann. Als Grundgerüst bedient sich das Spiel einer verbesserten Rome-Engine, die bereits im letzten Vorgänger für teils atemberaubende Schlachterlebnisse sorgte. Tausende detailliert modellierter und mit ausgefeilten Animationen versehener Polygon-Einheiten bekriegten sich erbarmungslos vor malerischen Terrainsets. Dabei wurden für den Nachfolger sowohl die Einheiten als auch das Terrain generalüberholt. Von dem noch immer währenden Detailreichtum abgesehen wurden die 3D-Karten nun durch vermehrtes Auftreten von Vegetation und Hügeln sowie Bergen erheblich lebensechter gestaltet und die Soldaten sind endlich ihre Klonvisagen losgeworden – die Entwickler von Creative Assembly haben sich die Kritik zu Herzen genommen und eine Vielzahl neuer Gesichter und Animationen für die tausenden Einheiten entworfen, wodurch man nun noch mehr das Gefühl hat, eine echte Streitmacht in den Krieg zu führen.

All diese videotechnischen Finessen haben auch ihren Preis – unter einem 2,0 GHz-Rechner samt 6600GT sollte man den Kauf erst gar nicht in Erwägung ziehen, sonst verkommen die imposanten Gemetzel ganz schnell zu einer Diashow.

Wer allerdings über einen High-End Rechner verfügt, der darf die mittelalterliche selbst mit Luxus-Effekten wie Schatten sowie AA & AF Welt unterwerfen.

Wer unwahrscheinlicherweise irgendwann mal die Lust an der Kampagne verlieren sollte, oder einfach mal anstatt gegen KI doch lieber gegen einen oder mehrere menschliche Gegner antreten will, der sollte einen Blick auf den Multiplayer-Modus von Medieval 2: Total War werfen.

Im LAN und Internet werden drei Spielmodi, Deathmatch, Team-Deathmatch und Szenario unterstützt, davon können in den ersten beiden bis zu acht Spieler mit- und gegeneinander antreten, die Spieleranzahl im Szenario-Modus ist auf sechs beschränkt. Einen Kampagnenmodus mitsamt Strategiekarte sucht man im Mehrspielermodus vergeblich.

Fazit

Die Entwickler von Creative Assembly haben es mal wieder geschafft, mich mit ihrem neuesten Total War-Spektakel voll und ganz in das mittelalterliche Schlachten- und Reichsmanagementflair hineinzuziehen – und es will einfach nicht aufhören Spaß zu machen. Habe ich die Kampagne mit einer Nation durch? Sehr gut, weiter geht´s – neue Nation, neue Position, neue Missionen, neue Herausforderungen! Medieval 2: Total War bietet einen Langzeitspaß und die nötige Motivation, die man als Strategiespieler sonst nur bei einem Civilization IV vorfinden konnte. Darüber hinaus ist es den Entwicklern gelungen, das Spiel an genau den richtigen Stellen zu optimieren. Von der Grafik mal abgesehen wurde das Religions-Feature sinnvoll erweitert und mit der Entdeckung, Besiedelung und Unterwerfung der neuen Welt in den letzten Spielstunden hat man als Spieler einen Grund mehr um die spannende Kampagne mehrmals in Angriff zu nehmen. Bis auf ab und zu auftretende KI-Patzer und die für manche Spieler wohl etwas gewöhnungsbedürftige Kameraführung während der 3D-Schlachten, reiht sich Medieval 2: Total wie erwartet ganz nach oben in die Strategie-Hitliste ein und wird einer Menge Spielern über sehr einen langen Zeitraum viele schlaflose Nächte bescheren.

Medieval II: Total War [PC , looki.de]

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