Gesamtwertung78%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Huren, Henker und Halunken bietet euch das neue Echtzeit-Aufbauspiel von Monte Cristo. Medieval Lords bringt euch das Mittelalter näher als es euch lieb ist, denn statt der Suche nach einem Heiligen Kelch, müsst ihr die Ärmel hochkrempeln und eine ganze Stadt aufbauen und verteidigen. Wir zeigen euch wie gut sich der Titel im Vergleich zu Anno Stronghold und co. schlägt.
Stadt, Land, Fluss
Medieval Lords spielt in einer fiktiven Welt, jedoch in einer uns bekannten Zeit. Denn das Mittelalter ist Dreh und Angelpunkt in dem innovativen Aufbauspiel von Monte Cristo. Als Sohn eines reichen Königs ist es eure Aufgabe, weitere Städte außerhalb der bekannten Stadtgrenzen zu gründen und somit das Königreich auszuweiten. Doch auf dem Weg zu einem Imperium stehen euch einige feindliche Völker gegenüber, denen ihr den Gar ausmachen müsst. Unter dem Deckmantel dieser Geschichte bietet euch Medieval Lords eine Kampagne mit acht Szenarien, die sich in Missionszielen, wie auch Größe und Umgebung unterscheiden. Fans eines freien Spielmodus, in welchem man losgelöst von jeglichen Aufgaben agieren darf, werden leider enttäuscht. Denn trotz Ankündigung fehlt in der uns vorliegender Version bislang jeder Spur von diesem doch recht beliebten Modus. Bis auf weiteres müssen sich Käufer wohl mit der Kampagne begnügen. Abhilfe schafft der mitgelieferte und leicht zu bedienende, jedoch zeitintensive Karteneditor oder jedoch einfaches Warten. Denn in Zukunft will der Entwickler weitere Karten im Internet zum Download anbieten.
Die Herrschaft des Bauens
Wie in jedem Aufbauspiel beginnt ihr auch in Medieval Lords als kleiner Wicht in einem meist schon vom Gegner besetztem Gebiet. Ähnlich wie in Stronghold müsst ihr er erst einmal einen geeigneten Platz für euer Hauptgebäude, den so genannten Bergfried, finden. Schon hier entscheiden einige Umgebungsfaktoren über Auf- und Abstieg eurer Stadt. In der Nähe von Sümpfen gibt es wenig fruchtbaren Böden, dafür aber eine Menge Krankheitserreger. Auch Kriminalität wird an manchen Stellen stärker gefördert und zu guter letzt spielt die Sicherheit eine nicht minder große Rolle. Farbliche Markierungen direkt auf dem Spielfeld helfen euch diesen Gefahren aus dem Weg zu gehen.
Habt ihr dann, je nach Missionslage, den perfekten Platz für euren Bergfried gefunden, geht es an die existenzielle Aufgabe der Expansion. Hört eure Stadt auf zu wachsen, ist euer Fall schon vorprogrammiert. Nur durch geplanten und sinnvollen Aufbau kommt ihr im Mittelalter voran und dabei lässt euch Medieval Lords alle Wege offen. Denn dank einer neuen Technik, ist es möglich alle Gebäude frei von jeglichen Gittern oder Rastern zu platzieren. Einschränkungen liefern nur Flüsse, das Meer oder die Berge. Habt ihr die ersten Häuser errichtet, gilt es Nahrung zu beschaffen. Ohne Landwirtschaft ging früher selbstverständlich nichts aber statt stupide viereckige Felder in die Landschaft zu setzen, macht es Medieval Lords ganz anders. Mit nur ein paar Klicks erstellt ihr Felder oder Weiden in jeder Form wie ihr es euch wünscht.
Zur Wahl stehen euch klassische Kornfelder, Obstgärten, Weinberge oder Kuhweiden. Alles bringt nur Nahrung in unterschiedlichen Maßen. Eine ausgewogene Ernährung hat also keine Einflüsse auf die Zufriedenheit eurer Bürger.
Es wird eben gegessen was auf den Tisch kommt, es sei denn es kommt gar nichts auf den Tisch. Von Zeit zu Zeit kann es nämlich passieren das Unwetter, Heuschrecken oder Dürre eure Ernte zu Nichte machen. Leider werden diese Ereignisse nur durch ein einfaches Textfenster angekündigt. Schön wäre es gewesen wenn man es den Feldern ansehen würde wenn eine Dürre übers Land zieht.
Aufbau Mittelalter
Schafft ihr es, die erste halbe Stunde des Spiels ohne große Patzer zu überstehen, seid ihr schon auf dem besten Weg zum eigenen Königreich. Jedoch steigen auch die Ansprüche der Bevölkerung rapide an. So kompliziert wie bei den bekannten Anno Titeln wird es jedoch nicht. In sechs Kategorien wird die Zufriedenheit der Bürger eingestuft. Das sind unter anderem das Angebot an Nahrung, aber auch die Geborgenheit und Schönheit einer Stadt spielen dabei eine Rolle.
Befriedigen könnt ihr diese Bedürfnisse allein durch den Bau von Gebäuden oder eben Feldern. So steigern Statuen oder Skulpturen stark das Gelassenheitsgefühl eurer Bürger. Dadurch steigen die Häuser um eine Stufe höher, was einmal ein Schritt in die Zukunft ist und auch am Gebäude selbst sichtbar wird. Andererseits finden von da an auch mehr Bürger in einem Gebäude Platz. Es ist also nicht nötig ständig neue Häuser zu bauen, sondern viel wichtiger ist es dafür zu sorgen, dass vorhandene Wohnungen größer werden. Dabei geht es aber nicht nur um eine schöne Stadt, denn all das nützt einfach nichts, wenn eure Stadt nicht sicher ist. Hierfür gibt es ein ganzes Repertoire an Offensiven, Defensiven und auch makaberen Gebäuden.
Makaber deshalb, weil auch das errichten von Galgen, Scheiterhaufen oder Guillotinen das Sicherheitsgefühl eurer Bürger steigen lässt. Generell fühlt sich ein Bürger jedoch erst dann richtig sicher, wenn er von einer starken Mauer umgeben ist. Stronghold-Spieler erinnern sich an das Prinzip des Mauerbaus.
In Medieval Lords geht das ganze ähnlich von statten jedoch um einiges handlungsfreier. Denn genau wie Gebäude, lassen sich Mauern pixelgenau platzieren. So könnt ihr eure Stadt genau so eingrenzen, wie ihr es euch vorstellt. Aber dennoch bringt eine Mauer allein nur einen fragwürdigen Schutz. Eine wahre Festung wird eure Stadt erst, wenn es ans Thema Soldaten geht.
Doch Soldaten allein helfen wenig, wenn die Technik nicht stimmt. Hierfür kann man im Spielverlauf immer wieder einige Gebäude aufbauen, die neue Techniken und Gebäude freischalten. Eine Art Forschungsstammbaum tut sich auf. So werden von Zeit zu Zeit eure Mauern dicker, oder es gibt neue Möglichkeiten der Nahrungsbeschaffung. Aber auch die Kriegsführung profitiert von diesen neuen Gebäuden, denn habt ihr erst einmal das Schwarzpulver in euren Händen, geht es auf dem Schlachtfeld im wahrsten Sinne des Wortes heiß her.
Lieber Festen bauen, als feste Fallen
Soldaten unterscheiden sich in zwei Kategorien. Einmal einfache Infanterie und Ritter. Normale Fußsoldaten stellen meistens den Hauptteil eurer Armee und können billig in einfachen Kasernen rekrutiert werden. Ritter sind da schon etwas anspruchsvoller und verzehren schon einmal ein bisschen mehr als ihre Kollegen. Dafür kämpfen sie auch besser sind jedoch als Wachpersonal ungeeignet. So lassen sich nur Infanteristen auf Türmen oder Mauern platzieren, um eure Stadt zu verteidigen.
Bei einem Angriff sieht es dann schon etwas anders aus. Ist eure Stadt groß genug gewachsen und habt ihr genügend Soldaten rekrutiert, könnt ihr euch gegen die ersten Feinde wagen. Während ihr bei einfachen Räubern noch eure ersten Erfahrungen sammelt, geht es bei feindlichen großen Festungen schon ganz anders zu Sache.
Denn nur so lassen sich dicke Mauern knacken und damit der feindliche Bergfried erreichen. Belagerungsgerät wird direkt an der Front gebaut. Zu diesem Zweck bekommen Angreifer sowie Verteidiger eine kleine Frist namens Gottesfrieden bevor der Angriff beginnt.
In dieser Zeit haben die beiden Parteien die Chance, zusätzlich schweres Gerät aufzustellen. Dieses definiert sich in klassischen Katapulten, aber auch in noch härteren Büchsen, wie Kanonen. Der eigentliche Angriff verläuft von da an voll automatisch. Belagerungsmaschinen suchen sich ihre Ziele automatisch und auch die Heere stürmen ohne jegliche Strategie oder Formation dem feindlichen Bergfried entgegen. Gelingt es dem Angreifer dann durch pure Übermacht die Mauern des Gegners und alle seine Verteidigungsanlagen zu durchbrechen, gilt es nur noch den feindlichen Bergfried zu stürmen. Von da an gehören euch nicht nur alle Gebäude, die den Angriff überstanden haben, sondern auch die Nahrung, die sich in den feindlichen Lagern gesammelt hat.
Gleichzeitig muss man bedenken, dass man sich von nun an aber auch um zwei Städte gleichzeitig kümmern muss.
Technisch auf neuestem Stand
Ganz dem Trend nach, erscheint Medieval Lords in vollen drei Dimensionen. Vor allem bei großen Städten macht es Spaß, die dicken Mauern und piekfeinen Häuser aus allen Himmelsrichtungen zu beobachten. Sogar der ein oder andere Bürger durchquert von Zeit zu Zeit die virtuellen Gassen und Feldwege. Auch Kutschen rollen über holprige Brücken oder Steinwege. Man merkt also, dass Monte Cristo durchaus Wert auf Details legt. Leider bemerkt man diese durchaus nette Eigenschaft nur bei der Grafik und nicht, wie sich manche wohl wünschen, beim Gameplay.
Etwas karg animiert sind dagegen die eigenen und feindlichen Truppen. Nur ein Angriff durch Hunnen kann einen durchaus in staunen versetzen, wenn z.B. etwa hundert Reiter auf eure Festung zustürmen.
In Sachen Sound erfindet auch Medieval Lords das Mittelalter nicht neu. Schon oft in anderen Spielen erklungene Sound Effekte erreichen das Ohr des Spielers diesmal wieder, was jedoch für ein Strategiespiel nicht weiter schlimm ist. Denn immerhin ist die Musik anpassungsfähig. Denn bei Schlachten verändern sich die seichten Bardenklänge in pompöse Trompeten- und Trommelmusik.
Auch die Kämpfe sind eine Spur zu einfach gestrickt. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Mittelalter alles andere als einfallslos war, was die praktische Vernichtung des Feindes anging. Dinge wie Pech, welches von den Zinnen gegossen wurde, fehlen einfach in Medieval Lords. Für Aufbaueinsteiger und Städtenostalgiker ist der Titel zu empfehlen. Freunde von Anno oder Stronghold sollten in Medieval Lords jedoch keinen Erlöser sehen.
Medieval Lords im Test.
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