Medieval - Total War

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Activision
Entwickler
Creative Assembly
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
-
Medieval - Total War [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

79%/10

Grafik

Ausreichend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Befriedigend

Medieval - Total War

Ein Vogelschwarm steigt über dem kleinem Wäldchen auf, während sich hunderte Bogenschützen in Bewegung setzen, um den nahegelegenen Hügel zu erreichen. Das Brüllen der Kommandanten in den Ohren, bereiten sich die englischen Langbogenschützen auf den baldigen Angriff vor und prüfen die Elastizität ihrer Bögen. Doch dann, erst leise, dann immer lauter werdend, erklingt ein dröhnendes Geräusch, unter dem sich wenige Sekunden später Schreie von Sterbenen und das Rasseln von Waffen mischt... die verdammte Kavallerie des Prinzen von Frankreich hat die Stellung weitläufig umritten und greift nun von hinten an! Gott helfe uns und unserem General, auf dass uns der Sieg obliegen werde...

Als die grössten internationalen Ereignisse nicht irgendwelche Doping-Olympiaden oder Tritt-Mich-Fussballweltmeisterschaften waren, sondern recht blutige Kreuzüge und Inquisitions-Gross-Veranstaltung für die breite Masse waren, war das Leben des einfachen Menschen nicht gerade leicht. Denn der inzestiöse Adel hatte besondere Hobbies: neben dem Unterdrücken und Ausbeuten der einfachen Landbevölkerung waren Kriege gerngesehene und beliebte Nebenbeschäftigungen. Während man heute mit dicken Autos und noch dickeren Bankkonten protzt, haben sich die Herren der Schöpfung damals gegenseitig ihre Armeen gezeigt und so ihre... naja... „Macht“ demonstriert. Und da schliesslich jeder PC-Stratege von gigantischen Kloppereien zwischen Rittern und ... ähm... Nicht-Rittern träumt, hat sich „The Creative Assembly“ ein Herz genommen und hat nach „Shogun – Total War“ das Szenario von Japan nach Europa verlagert. Und hier sind, alleine schon geschichtlich betrachtet, jede Menge militärischer Konfrontationen vorprogrammiert.

Die Komplexität der Dinge... in 2D und in Bunt

Medieval lässt sich grob in zwei Sektionen bzw. Spielfunktionen aufteilen. Die Risiko- bzw. Europa-Universalis-ähnliche Rundenstrategie-Oberfläche und der 3D-Echtzeit-Taktik-Part, in dem man seine mühsam aufgepäppelten Armeen durch Feindkontakt kunstvoll dezimieren darf. Aber beginnen wir mit dem Rundenstrategie-Part.

Auf der Karte des europäischen und nordafrikanischen Kontinents streiten 12 Völker und ein halbes Dutzend Religionen bzw. Religionssektierungen um die Vorherrschaft, und dies teilweise mit rabiaten Methoden. Hat man sein Volk erwählt, sollte man sich gleich in die diplomatischen Feinheiten vorarbeiten. Dank der Abgesandten darf und sollte man nämlich fix Kontakt zu den potentiellen Feinden und Freunden aufnehmen und ein Bündnis oder im Notfall Waffenstillstände anbieten. Wenn man genügend Gulden im heimischen Schmuckkästchen bunkert, darf man ausserdem feindliche Armeen bzw. dessen Generäle bestechen, was das militärische Gleichgewicht in einigen Provinzen empfindlich verändern lamm. Sollte die First Lady des Staates zudem über ein gebährfreudiges Becken verfügt, werden neben Söhnen, die als Generäle zu verwenden sind, auch Töchter geboren. Und diese kann man - und jetzt sollten Feministinen bitte auf ihren Blutdruck achten – zu einer Bildung eines stärkeren Bündnisses zu einem anderem Staat oder eines Generals „zweckentfremden“. Einen wichtigen Nebeneffekt dieser Verheiratungs-Aktionen ist die Sicherstellung einer Thronfolge duch Fortführung der eigenen Blutlinie.

Amen

Einen weiteren Schwerpunkt der Rundenstrategie bildet die Religion. Die Welt teilt sich grob in katholisch, christlich orthodox, Islam und den Rest, wobei nur die ersten drei „spielbar“ sind. Und das kann teilweise spielentscheidend sein. Stellen wir uns mal vor, die Türken erobern eine christliche Provinz, dann kann es passieren, dass die christliche Bevölkerung ein wenig (also handfest mit knüppelschwingender Bauernarmee und so) gegen die fremde Religion meutert. Um dem entgegenzuwirken, gibt es besondere „Spielfiguren“, die Priester, Inquisitoren und Bischöfe bzw. Imame. Mit ihnen lässt sich das Volk unblutig konvertieren, was wiederum in feindlichen Ländern mit anderer Religionsausrichtung zu Revolten führen kann. Da dies aber alle Religionsgemeinschaften machen, kann es mitunter schwierig werden, eine Provinz problemlos zu konvertieren. Der Inquisitor ist eine fiese und heimtückische Einheit. Wie der Attentäter kann diese Einheit nämlich, sofern erfahren genug, einen feindlichen General aus dem Weg räumen. Während der Attentäter aber nur versucht, spitze Gegenstände in feindliche Generäle zu rammen, nutzt der Inquisitor seinen Einfluß und verdächtig einen unbequemen Feind mal eben der Ketzerei, was, je nach Erfahrung des Inquisitors, zu einer Grilleinlage für den bemitleidenswerten General enden kann und der Feind so einen wichtigen Bestandteil seiner Armeen verliert, da erfahrene Generäle das Kriegsglück entscheidend wenden kann.

„Ich sehe Land!!“ – „Kunststück, stehst ja auch in den Bergen!“

Da sich Staaten meist aus mehreren einzelnen Provinzen zusammensetzen, ist die Pflege dieser Länder ein weiterer wichtiger Aspekt von Medieval. So kann oder muss man vielmehr die Infrastruktur in den Einflussbereichen entweder selber hochziehen oder kann dies den Gouverneuren (also Generälen, die man zu diesem Zwecke ernennt) überlassen. Man kann zwar jederzeit eingreifen, darf dies aber getrost dem Computer überlassen. Einige zu bauende Strukturen benötigen allerdings extrem lange Bauzeiten, was besonders dann ärgerlich ist, wenn man eine Provinz (zurück-)erobert und die vorhandenen Infrastrukturen dadurch fast immer gänzlich vernichtet wurden. Wer also eine ehemals produktive Provinz erobert, steht nach dessen Annektierung vor einem Scherbenhaufen und muss teilweise Jahrzehnte investieren, um dort wieder eine vernünftige Produktion herzustellen. Apropos Produktion, neben dem Bau von Gebäuden kann oder vielmehr muss ein Hauptaugenmerk auf den Aubau einer schlagkräftigen Armee gerichtet werden. Je nach Staat und Provinz werden nicht nur unterschiedlich starke Einheiten sondern sogar exklusive Truppenkontingente angeboten. So kann es sein, dass die nur für die Engländer herstellbaren Langbogenschützen in einem bestimmten Provinz noch einen besonderen Angriffbonus erlangen...

Kreuzzug und Kreuz-und-Quer

Wurde dank der Diplomatie für Frieden in der näheren Umgebung gesorgt und die Provinzen nach und nach infrastrukturell aufgewertet, sollte man sich um den weiteren Aufbau seiner Armeen kümmern. Dabei sollte man aber immer auf die Truppenzusammensetzng achten. Eine homogene Zusammensetzung ist der Schlüssel zum Erfolg. Eine Armee nur aus Bogenschützen wäre beispielsweise zum Untergang verurteilt, wenn der Feind statt langsamer Lauf-Truppen auf eine schnelle, da berittene, Kavallerie setzt. Wer nur auf Kavellerie baut, könnte Probleme bekommen, wenn der Gegner mit Pikenieren oder Lanzenträgern anrückt. Wie man sieht, sollte man für jegliche Eventualitäten vorsorgen. Speziell bei der im Hochmittelalter beginnenden Nutzung von Schusswaffen sollte man Vorsicht walten lassen. Denn wenn die ultramoderne Armee im strömenden Regen auf eine Handvoll Bauern trifft, kann das Ergebnis dank feuchtem Schwarzpulver und mangelnder Verteidigung und streikenden Gewehren in einem Fiakso enden. Hat man irgendwann seine Armeen stehen, kann man Prinzen dafür einsetzen, diese als General zu führen. Dies hat den Vorteil, dass diese Armeen unglaublich loyal und dementsprechen schwer zu bestechen sind, aber auch recht kampfstark wird. Sollte es aber im Rundenstrategie-Part zu einer Kampfhandlung kommen, dann steht es frei, die Schlacht selber zu führen oder diese vom PC berechnen zu lassen. Man kann das Spiel auch ganz ohne selbstgeführte Schlacht spielen und gewinnen, allerdings sollte man sich im klaren sein, dass die Verluste einer berechneten Schlacht ungleich höher sein könnten als bei selbstgeführten Schlachten.

Nicht ohne meine Tochter

Wenn man sich also so durchs Spiel diplomatiert, dabei seine eigenen Töchter an verschrumpelte Bündnisparter vermittelt, Unsummen in den Aufbau „Überall“ steckt und den Rest der Welt an seiner Religion erfreut oder diese einfach zu erobern versucht, fällt einem irgendwann auf, dass trotz allem die Diplomatie recht schwach ist. Zwar ist es möglich, zB eine Armee zur Unterstützung in eine vom Allierten besetzte oder zu besetzende Provinz zu verschieben, aber eine Passage durch sein Territorium ist nicht möglich. Wenn man also beispielsweise als Franzose die Polen ein wenig erobern möchte, muss sich entweder durch das Heilige Römische Reich Deutscher Nationen metzeln oder ein Flotte aufbauen, die einem dahinschippert. Sollte aber die zu annektierende Provinz keinen Seezugang haben, siehts düster aus. Ausserdem fehlt ein wenig die Interaktion zwischen den Reichen, wie zum Beispiel der Handel und weitere Punkte. Oh, es gibt Handel, allerdings ist dieser automatisiert und macht sich nur dadurch bemerkbar, dass es spürbar lauter in der Kasse klingelt. Ferner ist die KI der anderen Staaten, speziell im Bereich der Religion, nicht sonderlich gut gelungen. Wenn also die eigene Armee „aus Versehen“ den Nachbarn überfällt, kann es sein, dass der Papst interveniert und unmissverständlich zum Frieden aufruft... auch wenn der Frieden obligatorisch wäre, da der unglückliche Nachbar soeben von der Karte gefegt wurde. Allerdings kann übertriebenes Kriegführen bei den Katholiken zur Exkommunikation führen, was sich in unzufriedenen Bürgern, niedrigeren Steuern und plötzlich unfreundlicheren Nachbarn wiederspiegelt. Sollte man aber irgendwann vom Papst die berühmte volle Nase haben und ihn höchstpersönlich angreifen.... tja, dann kann, wie im Test mehrmals beobachtet, folgendes passieren: Alle allierten Staaten (auch die erz-katholischen) lösen das Bündnis mit dem Papst und wünschen einem quasi noch ein „Viel Glück und viel Spass“. Dies kann nur als grober Schnitzer der Spiellogik gesehen werden, da der Papst zu dieser Zeit als die wichtigeste lebende Persönlichkeit im christlichen Weltbild stand und ein Angriff auf ihn einer Kriegserklärung an fast die gesamte bekannte Welt dargestellt hätte. Obwohl der Papst im Spiel gern mit der Exkummunikation bei der Hand ist, scheint er diese Option bei einem direkten Angriff nicht wählen zu wollen. Ausserdem erschwert die Anzahl der Spielfiguren die Übersichtlichkeit immens. Spätestens nach 20 Runden sind mehrere Dutzend Figuren auf der Karte vorhanden und das Bewegen einer Figur artet vorher zu einer Such-Aktion aus.

Ja wo laufen sie denn, ja wo laufen sie denn hin?

Irgendwann entscheidet man sich dann, mal eine Schlacht selber zu führen und wechselt zu diesem Zweck in den 3D-Part den Spieles. Und schon wird man leicht enttäuscht. So sind zwar im Gegensatz zum Vorgänger einige Feinheiten wie zum Beispiel Staubaufwirbelungen bei der Bewegung der Einheiten zu erkennen, dennoch hat man das Gefühl, eine Grafikengine des letzten Jahrhunderts vor sich zu sehen. Denn so liebevoll teilweise die Gestaltung des rundenstrategischen Elementes war, so farbarm und ernüchternd wirkt das hier Gebotene.

Zwar sind die Einheiten sehr gut von einander in ihrer Funktion unterscheidbar und bewegen sich entsprechend flott über den Bildschirm, doch leider sind die platten Bitmap-Sprites scheinbar nur mit 4,5 Animationsphasen ausgestattet, was bei Bewegungen den Anschein erweckt, die eine Hälte der Armee hätte Durchfall und die andere Hälfte wäre ein Opfer von Elektroschocks an Fortpflanzungsorganen. Die Schlacht-Orte wechseln auch stark in ihrer Qualität. Während einige eine recht hübsche Bauernsiedlung mit schönen Feldern darstellen oder einfach nur die Leere der Wüste gekonnt wiedergeben, sehen einige, speziell nordeuropäische Orte, aus, als wäre sie mit Erbsenbrei überzogen. Laut Hersteller ist dies aber gewollt, da die KI-Berechnung der Truppen und Einheiten schon genügend Rechenpower verlangt und so eine grafisch brilliantere Präsentation den Rechner schlichtweg in die Knie zwingen würde.

Richtig schlimm wird es aber erst, wenn zwei Armeen aufeinandertreffen. Der dadurch resultierende Pixelmatsch ist nicht nur unschön, sondern er erschwert extremst das Auseinanderhalten der Truppenteile. Sollte sich der Ort der Kampfhandlung innerhalb der Karte auch noch verschieben, hat man gar zwei Pixelhaufen: einen kämpfenden und einen toten!

Hat man sich aber erstmal vom Schock aufgrund der Grafik erholt, erwartet dem geneigten Spieler aber ein feines Stück Strategie. Denn hat man erst einmal seine Armee, wie im Tutorial erlernt, aufgestellt, kann es losgehen. Denn ob man seine Soldaten lieber in breiter Front oder lieber in Keilformation gegen den Feind schickt, bleibt dem taktischen Kalkül des Spielers selbst überlassen. Soll die Armee eher gemächlich vorrücken und so dem Feind die Chance geben, die Bogenschützen besser zu positionieren oder soll der gesamte Trupp vorstürmen und in die feindlichen Linien krachen, auch auf die Gefahr hin, dass sie bis dahin völlig erschöpft sind? Es macht einfach Spass, seine takischen Grübeleien umzusetzen und zu hoffen, der Feind habe die Kavallerie, die das Schlachtfeld weit umgeht, um in wenigen Minuten einen Überraschungsangriff von hinten zu starten, noch nicht entdeckt. Und hier entscheidet es sich, ob die zusammengestellte Armee ein kampftüchtiger Verband oder nur eine willkommende Trainingsstunde für die feindliche Seite darstellt. Doch Vorsicht! Die Armee ist keine suizidgefährte Truppe. Sollte es nämlich zu zu hohen Verlusten kommen, kann es sein, dass sich entweder eine Einheit, eine Gruppe oder gar die gesamte Armee zum Rückzug entschliesst und schreiend vom Schlachtfeld rennt. Zwar kann man noch versuchen, zum Sammeln zu blasen, doch wenn die Kampfmoral erst einmal im Keller ist, hat selbst die grösste Übermacht kaum noch relle Siegeschancen. Und genau dies macht den Reiz von Medieval aus. Auch mit einer verschwindenen Unterzahl kann man dank kluger Taktik und der Nutzung des Terrains mit cleverer Truppenzusammensetzung eine Übermacht besiegen, indem man ihren Kampfwillen bricht. Und da Armeen und ihre Generäle im Laufe der Zeit immer erfahrener werden, steigert sich so auch die Kampfkraft, die Moral- und die Verteidigungs-Werte.

Ein Klangwunder

Soundtechnisch ist Medieval ein wahrer Genuss. Die Musik ist wunderbar stimmig und steigert die Athmossphäre ungemein. Nicht zuletzt die Samples reissen im 3D-Part die Schwächen der Grafik wieder heraus aus den Tiefen der Ödnis. Jede Aktion wird akustisch bestätigt, die Soldaten rennen brüllend in die Schlacht, während die vorbeireitende Kavallerie die Boxen der Anlage vibrieren lassen. Das Surren der Pfeile und der Bogensehnen der Schützen passt sich auch wunderbar ein und sollte eine besondere Situation wie zB die Flucht des Generals stattfinden, wird dies für jede der 12 spielbaren Völker mit ihren stimmlichen Eigenheiten kund getan.

Fazit

Im grossen und ganzen ist Medieval ein solides Programm mit zwei Schwachpunkten. Die 3D-Engine ist grafisch nicht mehr wirklich State-of-Art und wirkt veraltet und der Diplomatie- und Handels-Part in dem rundenstrategischem Teil ist eher durchwachsen. Zwar sind die Spezialfiguren teilweise recht mächtige Instumente, nur ist nach einiger Zeit ein vernünftiges Spielen nicht mehr möglich, weil einfach zu viele Figuren auf der Karte präsent sind, sodass man später mehr Zeit in das Suchen der jeweiligen Figuren investiert als in das Verschieben der selbigen . Darunter leidet unter anderem auch die Langzeitmotivation. Spielt man anfangs noch begeistert die Kombination aus Runden- und Echtzeitstrategie, stellt man leider bald fest, dass die wenigen im Spiel vorhandenen Einzel-Missionen und der Schlachtengenerator mehr Spass machen als das eigentliche Hauptspiel.

Fazit von Marian Härtel

Leider hat mich Medieval ein wenig enttäucht, denn ich habe mir mehr versprochen. Das Spiel ist ausgestattet mit einer große Zahl innovativer, interessanter und auch neuer Ideen. So ist z.B. das schon aus Shogun bekannte Moralsystem im Echtzeitmodus ein wirkliches Highlight, denn wenn man sogar auf Aspekte wie Flankenschutz achten muß, dann entwickelt das Spiel eine große Tiefe. Auch der Zwang zur konsequenten Nutzung des Terrains und/oder des Wetters gefiel mir gut. Dann aber wird dieser gute Eindruck durch einige Mängel wieder geschmälert. Warum z.B. kann ich meine Burgmauern nicht mit Bogenschützen besetzen? Warum sind die Bewegungen der Einheiten teilweise derart animationsarm? Warum kann ich nicht einmal die kleinste Artillerie, wenn auch sehr langsam, an eine andere Stelle bewegen? Warum werden tote Soldaten nicht teilweise von Spielfeld entfernt, damit übereinanderliegende Sprites nicht vorkommen?

Gleiches gilt für den rundenbasierten Modus. So hat mir z.B. gut gefallen, dass die Religion eine große Rolle spielt, dass man auf seine Blutlinie (Thronfolge) achten muß, dass man Kreuzzüge durchführen kann und dass man z.B. Generäle verheiraten oder zur Landsherren machen kann. Jedoch schleichen sich auch hier Unzulänglichkeiten ein. Warum ist die Diplomatie derart indirekt, dass man andere Kaiser/Könige nicht einmal direkt ansprechen kann? Warum ist der Handelsaspekt unterentwickelt (außer auf Handelsgüter in der Region zu achten)? Außerdem fehlt mir stellenweise die Übersicht, Statistiken und Informationen, wie sich eine Aktion auswirkt und warum. Der rundenbasierte Modus hat zwar einen großen Tiefgang (Religion, Aufbau der Burgen, Finanzierung, das Verhältnis zu anderen Völkern), vor allem im Hinblick auf Shogun, und bietet mit den 12 spielbaren und unterschiedlichen Völkern auch einiges an Abwechslung, wirkt aber stellenweise noch etwas unausgereift und manchmal geschichtlich unlogisch.

Schließlich verhindert auch die Grafik einen Sprung in den 80er Bereich, denn der Echtzeitmodus bietet zwar zweckmäßige (vorallem in den Einzelmissionen gefallen mir Gebäude, Felder etc.), aber keinesfalls aktuelle Grafikpracht und der Rundenmodus, mit der 2D Karte und z.B. 2D Bildern als Symbole für Gebäude, ist zwar nett gestaltet, aber auch nicht unbedingt ein Hochgenuß.

So bleibt Medieval für mich ein interessantes Spiel, mit interessanten Ansätzen, fantastischer Musik und Sound, spannenden Einzelspielermission und anfänglichen Spielspaß, das aber durch einige Designmängel eine Höchstwertung verpaßt und mich wohl nicht über Monate hinweg faszinieren wird. Strategiefans können aber trotzdem zugreifen!

Übrigens: Der Test zur Multiplayer-Funktion wird nachgeliefert.

Medieval - Total War [PC , Justgamers]

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