Memento Mori

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Anaconda
Entwickler
Centauri Productions
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
12
Memento Mori

Gesamtwertung

79 %/10

Grafik

8

Sound

8

Lanzeitspaß

8

Spieleinstieg

8

Bedienung

7

Memento Mori

Ein folgenschwerer Einbruch in das Petersburger Museum Eremitage wirft viele Fragen auf. Der verantwortliche Sicherheitschef Oberst Ostankovic kann sich die mysteriösen Umstände des Einbruchs beim besten Willen nicht erklären. Doch er hat das Sicherheitssystem maßgeblich mitbestimmt und steht dafür grade. Zwei alte Bekannte sollen den Fall für ihn aufklären. Schnell wird klar, dass mehr hinter dem vermeintlichen Kunstraub stecken muss als nur ein gieriger Diebstahl.

Verschwörungen, Geheimbunde und wir mittendrin

Renderintro und Startsequenz nehmen den Spieler in cineastischer Optik bei der Hand. Alle Videos in Memento Mori verbreiten ein atmosphärisch dicht eingefangenes Ambiente. Düstere Musik plätschert dahin, um sich mit dem unheilschwangeren Geschehen zu verbinden. Die Szenen sind dunkel gehalten und die Kamera bewegt sich nur selten auf Augenhöhe. Stattdessen filmt sie von einer eigentümlichen Postion auf halber Raumhöhe, ganz selten sind Bilder in der Totalen zu sehen. Beinahe alle Cinematics funktionieren mit dieser aus vielen Krimis bekannten Kameraführung. Gesichter und damit auch Emotionen sind oft verdeckt, im Vordergrund steht die Handlung. Sound, Sprachvertonung und Grafik verbinden sich und führen zu einer bedrückenden, schicksalhaften Stimmung.

Als ein Sprecher aus dem Off melancholisch von dem Beginn einer traurigen Geschichte spricht, wird klar: Diese Geschichte ist unsere Geschichte. Doch erst als der Spieler in Laras Rolle schlüpft, erfahren wir, worum es eigentlich geht: Oberst Ostankovic ist nicht nur Sicherheitsbeauftragter des Museum Eremitage, sondern auch Chef der Abteilung 12 der Petersburger Polizei. Nach dem Einbruch in das Museum stehen sein Name und seine Karriere auf dem Spiel. Also darf niemand von dem Einbruch erfahren. Schließlich war es sein Sicherheitssystem, das ausfiel. Um keinen Verdacht innerhalb der eigenen Reihen aufkommen zu lassen, kontaktiert der Oberst seine ehemalige Mitarbeiterin Lara Svetlova, die nun eigentlich bei Interpol beschäftigt ist. In Gestalt von Lara nimmt der Spieler nicht nur den Auftrag an, sondern zieht auch Max, einen Kunstfälscher, zu Rate. Fortan schlüpft der Spieler mal in Laras, mal in Max Haut. Je nachdem, welcher Handlungsstrang gerade verfolgt wird.

Lara und Max machen sich sofort auf die Suche nach Hinweisen. Die verdeckten Ermittlungen führen die beiden bald zu einer Art Mönchsorden, oder besser: einer dunklen Bruderschaft.

Die Ziele des Ordens bleiben vorerst verborgen, doch seine Mittel liegen schnell auf der Hand: Nur ganz knapp entgehen Lara und Max unterschiedlichen Attentaten und die Schlinge um sie scheint sich immer weiter zuzuziehen. Schließlich mahnt der Titel den Spieler nicht umsonst: Memento mori - gedenke des Todes!

Bereits zu Beginn des Spiels reist Max nach Petersburg, um vor Ort Indizien für die Hintergründe des Einbruchs zu finden. Währenddessen nutzt Lara ihre Kontakte bei Interpol. Spätestens jetzt wird klar, dass Memento Mori in Sachen Optik zu den hochwertigsten Titeln gehört, die das Genre bisher hervorgebracht hat. Umwelt und Figuren sind komplett in 3D gehalten. Die Engine berechnet die 3D-Umgebung in Echtzeit. Beim Schwenken der Kameraperspektive profitieren vor allem die zahlreichen Lichteffekte und Spiegelungen davon. Leider sind an anderer Stelle einige Oberflächen wie der Fahrstuhlbereich des Interpol-Gebäudes zu texturarm, um wirklich realistisch zu wirken. Und auch viele Animationen unserer Charaktere wirken puppenhaft und hölzern. Etwas mehr Feinarbeit hätte hier zu natürlicheren Bewegungsabläufen geführt. Dennoch malen sich immer wieder außergewöhnlich kontrastreich beleuchtete und sich realistisch spiegelnde Szenarien auf den Schirm.

Und von diesen Szenarien gibt es eine ganze Menge. Im Zuge ihrer Ermittlungen bereisen Lara und Max viele Locations in Russland, Frankreich, Finnland oder auch Portugal. Die streng lineare Handlung schränkt die Bandbreite an möglichen Reisezielen dabei immer wieder ein. Befinden wir uns gerade mit Lara in Lissabon, ist es beispielsweise nicht möglich, einen Ausflug nach Lyon zu unternehmen. Meist wird der Spieler zusätzlich durch Anrufe auf dem Handy oder Emails darauf hingewiesen, einen Ort zu besuchen und dort etwas Bestimmtes zu erledigen. Das ist der Grund, weshalb man sich manchmal mehr wie ein Laufbursche als wie ein Ermittler fühlt.

Doch nicht nur dadurch wird der Schwierigkeitsgrad von Memento Mori gemindert. Das Adventure präsentiert sich zwar im typischen Click&Point-Stil. Insgesamt stehen übliche Interaktionsmöglichkeiten wie Reden, Betrachten, Drücken etc. zur Verfügung. Dem Spieler bleiben aber maximal zwei Möglichkeiten, mit einem Spot zu interagieren. Beispielsweise kann mit der linken Maustaste geredet und mit der rechten betrachtet werden. Häufig gibt es jedoch nur eine Interaktionsmöglichkeit.

Hat man unwichtige Dinge einmal betrachtet, kann man sie später nicht mehr nutzen. Auch das grenzt den Aktionsradius ein. Bei Bedarf können gleich alle Hotspots einer Location angezeigt werden und durch farbliche Hervorhebung erfährt man sofort, was wichtig und unwichtig ist.

Knifflig ist anders

Abgesehen von den knappen Interaktionsmöglichkeiten und der linearen Handlung schränkt das äußerst übersichtliche Inventar die Aktionsmöglichkeiten ein. Können Gegenstände miteinander kombiniert werden, verändert sich die Hintergrundfarbe des Icons von rot zu grün. Es wird also sofort sichtbar, welcher Gegenstand mit einem anderen kombinierbar ist oder eben nicht. So spart sich der Spieler viele typische Sprüche á la "das geht so nicht", "das kann ich nicht machen" etc. Praktisch: Alle Gegenstände des Inventars sind direkt über das Mausrad anwählbar. In Sachen Spielkomfort leistet der Titel also hervorragende Arbeit. Eingefleischten Adventure-Fans wird es allerdings an Handlungsfreiheit fehlen. Und zusammengenommen richtet sich das Adventure somit auch eher an Einsteiger. Fortgeschrittene Spieler werden sicherlich sehr schnell durch das Spiel gefunden haben. Die Rätsel sind grundsätzlich durch logisches Denken erfassbar, wirken teilweise aber fast wie notgedrungen eingebaut. Doch halt! An dieser Stelle sei vor kleineren Ausnahmen gewarnt: Mit kniffligeren Rätseln wartet auch Memento Mori auf. Ein Zahlenrätsel aus einer Wohnung in Lissabon beispielsweise, bei dem mehrere Angaben addiert und später als Code benutzt werden müssen. Dies gehört schon zu den wenigen Aufgaben der komplizierteren Schublade, an denen man sich auch ruhig länger die Zähne ausbeißen kann. Häufig reicht es aber aus, sämtliche Gegenstände eines Ortes zu sammeln und im wirklich offensichtlichen Sinn anzuwenden bzw. zu kombinieren. Wer derzeit nachts viel auf Privatsendern fernsieht, wird sicherlich Spaß an einem ebenfalls enthaltenen Suchbild-Rätsel haben.

Adventures leben, abgesehen von Atmosphäre und Rätseln, natürlich auch von ihren Dialogen. Memento Mori enttäuscht hier leider ein wenig. Sprechen Lara oder Max mit einer Person, wird ihnen für die Auswahl einer Antwort ein Zeitrahmen vorgegeben. Innerhalb von ein paar Sekunden kann sich der Spieler entscheiden, ob er positiv, negativ oder fragend auf seinen Gesprächspartner reagieren soll. Antworten mit vorgefertigten Sätzen sind nicht auswählbar. Dadurch wird das Feature der begrenzten Zeit für Antworten meist überflüssig. Denn der Zeitrahmen ist fast durchgehend extrem weit gesteckt. Nur gelegentlich wird es hektisch. Nämlich immer dann, wenn die Szenerie eine schnelle Antwort benötigt, um dynamisch zu wirken. Ähnlich selten kommt es vor, dass der Spieler für eine bestimmte, richtige Handlung nur eine begrenzte Zeit zur Verfügung hat. Wie bei einem Dialog wird dann ein Zeitbalken immer kleiner und man sieht sich gezwungen, schnell zu reagieren. Geschwindigkeit und Qualität der Auswahl führen an solchen Schlüsselstellen zu einem der insgesamt acht unterschiedlichen Ausgänge des Spiels.

Fazit

Memento Mori macht vieles richtig, wenig falsch. Noch immer werden Menschen von Geschichten um Geheimbunde, Rituale, rätselhafte Symbole, Zeichen und alte Orden angezogen. Die mystischen und semi-plausiblen Zusammenhänge werden in diesem Abenteuer äußerst attraktiv präsentiert. Die lineare Handlung und eingeschränkte Kombinationsmöglichkeiten machen es dabei auch Anfängern leicht, in diese Welt einzutauchen und in ihr zu versinken. Die Geschichte, die ab der ersten Minute immer weiter um das Gemälde, den Geheimbund und unsere beiden Protagonisten gestrickt wird, lässt den Spieler kaum mehr zu Atem kommen.

Eine Jahrhunderte alte Verschwörung nimmt vor den Augen von Lara und Max Gestalt an. Und diese Gestalt kann sich durchaus sehen lassen. Denn optisch gesehen ist Memento Mori ein absoluter Hingucker - insofern der eigene PC entsprechend ausgestattet ist.

Nur ein einziger Bug trat während unserer Testzeit auf. Und der konnte schnell durch einen Besuch im Menü korrigiert werden. Dagegen mindern die leicht puppenhaften, teils trägen Animationen und gerade der doch recht niedrige Schwierigkeitsgrad den Spielspaß. Was Anfängern zugute kommt, wird Fortgeschrittenen wohl weniger zusagen. Oft hat man das Gefühl, zu sehr bei der Hand genommen zu werden. Schade ist auch, dass man keinen wirklich direkten Einfluss auf die Dialoge nehmen kann und man selbst erst bei der Aussprache sieht, was genau man gewählt hat. Wer auf gute Adventures mit starken Mystery-Anleihen steht, darf beherzt zugreifen.

Memento Mori

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