Microsoft Fingerprint Reader

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Microsoft
Entwickler
Microsoft
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
-
Microsoft Fingerprint Reader [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

0%/10

Microsoft Fingerprint Reader

In der Vergangenheit konnte ich meine Faulheit immer damit erklären, dass ich die Zugangsdaten zum Redaktionssystem vergaß, mich deshalb nicht einloggen konnte und so nicht in der Lage war, die ursprünglich geplanten News zu schreiben. Seit unser Marian nun weiß, dass ich über einen Microsoft Fingerprint Reader verfüge, zum Anmelden also nur noch kurz meinen Finger auf das Lesegerät drücken muss, zieht diese Ausrede leider nicht mehr. Wie sich die Standalone-Variante des Geräts in der Praxis schlägt und wie viele andere Microsoft-Produkte es nun schon mit eingebautem Fingerabdrucklesegerät gibt, erfahrt ihr in unserem Test.

Im Lieferumfang der Standalone-Version befindet sich natürlich das Lesegerät mit ca. 1,5 m langem USB-Kabel, ein mehrsprachiges Handbuch und eine Treiber-CD mit dem 'DigitalPersona Password Manager 1.0'

Bevor das Lesegerät an den Computer angeschlossen werden kann, muss die Software installiert werden. Nach Bestätigung der EULA und eines besonderen Hinweises, dass es sich 'Bei den biometrischen Funktionen (Fingerabdruckleser) dieses Geräts […] nicht um Sicherheitsfunktionen' handelt, installiert sich das ca. 15 MB große Programm ohne Probleme - vorausgesetzt, dass es sich bei dem Betriebssystem um eine Windows XP-Variante handelt. Nach erfolgreicher Installation darf dann der Fingerprint Reader an einen USB-Port angeschlossen werden. Sogleich startet nach der Hardwareerkennung der so genannte 'Fingerabdruckregistrierungs-Assistent'.

Damit auch einarmige Banditen mit dem Gerät ihre Freude haben können, steht es einem frei, wie viele Finger man registrieren möchte. Ob nun nur einen, fünf oder gleich alle zehn - zur Registrierung eines jeden Fingers muss dieser vier mal hintereinander korrekt vom Programm identifiziert werden. Das klappt in der Praxis erstaunlich gut, lediglich die kleinen Finger wurden nicht so schnell erkannt. Zum einen, weil ich mit meinen ungelenken Händen Schwierigkeiten hatte, den kleinen Finger flach und mittig auf die Lesefläche zu legen, zum anderen, weil sie eben nicht umsonst 'kleine Finger' heißen, also dem Fingerprint Reader nur eine kleine Fläche zum Auslesen markanter Züge des Fingers bieten.

Wer die Fingerabdrücke all seiner Finger im Rechner hinterlegt hat, hat bei der Registrierung im Idealfall nur ganze 40 Mal auf die Lesefläche des Geräts gefasst. Je nach Reinheitsgrad der Hände ist die Sensorfläche dann unterschiedlich verschmutzt. Erstaunlicherweise liefert das Gerät auch mit stärker verschmutzter Oberfläche noch sehr gute Ergebnisse. Selbst zahlreiche kleine Brotkrumen hielten den Microsoft Fingerprint Reader nicht davon ab, meinen Finger auf Anhieb zu erkennen und mir so den Zugang zu meinem Windows Benutzerkonto zu gewähren.

Die Assoziierung von Benutzerdaten und Fingerabdruck erfolgt denkbar einfach. Sobald man auf einer Webseite eine Eingabemaske mit Benutzername und Passwort erspäht, genügt ein sanfter Druck auf die Sensoroberfläche des Readers. Schon öffnet sich ein Dialog, der zur Eingabe von Benutzernamen und Passwort auffordert. Befinden sich auf der Webseite mehrere Buttons oder Eingabefelder, können mittels Dropdown-Liste genau die Felder und Schaltflächen ausgewählt werden, die für die Anmeldung nötig sind. Fortan genügt ein leichter Druck auf das Lesegerät, um sich auf der Webseite anzumelden.

Ähnlich komfortabel verläuft der Spaß mit passwortgeschützten Exceltabellen oder Worddokumenten. Auch die Anmeldung mittels WS FTP auf dem privaten FTP-Server kann so vereinfacht werden. Sobald ein Passwort für ein Programm hinterlegt wurde, wird stets ein kleines Symbol in der oberen Leiste des Eingabefensters angezeigt. Dies signalisiert, dass man sich hier die Grübelei nach dem Passwort ersparen und die Anmeldung mit dem einfachen Auflegen eines Fingers durchführen kann.

Kein Sicherheitsgewinn, möglicherweise gar ein Sicherheitsverlust?Die sicherste Methode, Passwörter zu 'speichern' ist, sich möglichst kryptische Passwörter einzuprägen und nirgendwo niederzuschreiben. Das hat auch Microsoft erkannt. So wird bereits auf der Verpackung des Geräts eindringlich davor gewarnt, den Fingerprint Reader zum Schutz persönlicher oder finanzieller Daten, sowie zum Zugriff auf ein Firmennetzwerk zu verwenden. Viel mehr macht Microsoft keinen Hehl daraus, dass es sich bei dem System um eine reine Komfortlösung, nicht aber um einen neuen Sicherheitsstandard handelt.

Letztendlich ist das Fingerprint System auch nur unwesentlich sicherer als die Autovervollständigen-Funktion, bei der ebenfalls sämtliche Zugangsdaten auf der Festplatte hinterlegt werden. Einziger Unterschied ist, dass die Anmeldedaten eben nicht schon bereitwillig in der Eingabemaske lungern, sondern erst mit einem Fingerdruck in diese eingegeben werden. Das mag bei unbedarften Anwendern vor Ort noch ein kleiner Sicherheitsgewinn sein, für jemanden, der sich aber über ein Trojanisches Pferd „angemeldet“ hat und auf das Dateisystem zugreifen kann, ist es aber ein ähnlich gefundenes Fressen. Leider gibt es seitens Microsoft keine Informationen darüber, wo und wie sämtliche Passwörter gespeichert werden. Wenn ein potentieller Computerkrimineller aber daran Interesse findet, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis auch dieses System geknackt ist.

Aus diesem Grund sollte man ganz genau abwägen, auf welche Webseiten und Programme man mit seinem Finger zugreifen möchte. Online-Banking sollte ein absolutes Tabu sein. Auch muss sich ein jeder überlegen, ob er sich wirklich bei Ebay auf diese Weise anmelden will. Mir persönlich wäre das zu heiß, kann man doch mit einem Ebay-Account jede Menge Schabernack treiben. So ist es auch nicht immer ganz einfach nachzuweisen, dass man einen VW Golf IV eben nicht für 190.000 € kaufen wollte, obwohl der eigene Account als Höchstbietender aus der Auktion hervorgeht.

Dennoch gibt es zahlreiche Gebiete, in denen sich der Einsatz des Microsoft Fingerprint Readers durchaus lohnen kann. So dürfte der Mitgliederbereich der Gute Zeiten Schlechte Zeiten Community weniger sicherheitsrelevant sein. Wer keine Cookies mag, kann sich mit einem Fingerdruck auch den Zugang zu den zahlreichen Foren erleichtern. Außerdem gibt es nun keinen Grund mehr, ein Standardpasswort zu verwenden. Richtig kreativ kann man nun werden, müssen die Kennwörter nun nur noch einmal eingegeben werden. Allerdings sollten die Daten dann auch irgendwo niedergeschrieben werden. Denn was geschieht, wenn sich die Festplatte samt gespeicherten Passwörtern in die ewigen Jagdgründe verabschiedet, ein Backup aus Faulheit oder Überzeugung nicht angelegt wurde?

Software mangelhaft

Jahrelang habe ich den Internet Explorer vehement vor der Minderheit der ungläubigen Netscape-User verteidigt, gehegt und mit zahlreichen Updates gepflegt. Bis, ja bis mir der Mozilla Firefox auf die Festplatte kam. Im Gegensatz zu den anderen Browseralternativen, die Webseiten nicht dargestellt, sondern meiner Meinung nach eher verstümmelt haben, schlägt sich der fuchsige Browser mit seinem Emailkollegen Thunderbird hervorragend und wurde binnen kürzester Zeit zu meinem Standardbrowser.

Dies ist allerdings schlecht für mich, will ich doch auch vom Microsoft Fingerprint Reader Gebrauch machen. Dieser bzw. dessen Software mag den Firefox leider gar nicht. Zwar erkennt das Programm eine Eingabemaske und auch Benutzername und Passwort können eingegeben werden, doch werden die Daten nach der Bestätigung nicht gespeichert bzw. ist die Software des Readers nicht in der Lage, die Felder automatisch auszufüllen. Noch unkooperativer zeigt sich das Programm mit dem Netscape Browser. Will man dort Zugangsdaten durch Betätigen des Lesegeräts eingeben, ist die wundersame Verwandlung des Mauszeigers in eine Sanduhr die einzige Reaktion, die der Rechner zeigt.

Überhaupt gibt sich der Microsoft Fingerprint Reader sehr wählerisch. So wird ausschließlich Windows XP (Home/Professional/Media Center/Tablet PC Edition) unterstützt. Beim Versuch, die Software unter Windows 2000 zu installieren, kam ich leider nicht sehr weit. So wie es derzeit ausschaut, wird Microsoft daran auch nichts mehr ändern und die Fingerprint Produkte XP-only bleiben. Wer vor dem Kauf des Geräts die Systemanforderungen nicht genau studierte oder 'Microsoft Internet Explorer Version 6.0 oder höher' nicht ernst genommen hat, schaut in die Röhre.

Bestehen auf einem Rechner mehrere Benutzerkonten, darf sich jeder Benutzer einzeln registrieren. Ein besonders schönes Feature zeigt sich in dieser Situation: Familienmitglied A ist angemeldet, muss aber den Platz für Familienmitglied B räumen. Statt sich nun mit vielen Klicks und Mausbewegungen umzumelden, genügt es, wenn Familienmitglied B einen seiner registrierten Finger auf den Reader legt. In Sekundenschnelle erledigt Windows XP dann den Benutzerwechsel. Voraussetzung dafür ist aber, dass jedes Familienmitglied über ein eigenes Benutzerkonto verfügt. Sobald es nur ein Windows XP Konto gibt, wird es problematisch. Da der DigitalPersona Password Manager 1.0 keine Profile erlaubt, könnte sich folglich nur einer registrieren.

Microsoft hat für seine Hardwareprodukte immer einen recht guten Treiber- und Softwaresupport angeboten, es bleibt also zu hoffen, dass mit dem Fingerprint Reader keine Ausnahme gemacht wird. Besonders eine Unterstützung des Firefox Browsers und die Anlage mehrerer Profile wären überaus wünschenswert und würden sicherlich zum Erfolg des Produktes beitragen. Natürlich ist es auch eine Möglichkeit, sich mit der ausschließlichen Unterstützung des Internet Exploreres Marktanteile zurück zu gewinnen, doch - und da kann ich natürlich nur für mich sprechen - ist das doch recht praktische Gerät für mich nicht Grund genug, dem Firefox wieder den Rücken zu kehren.

Abschließend noch eine Übersicht über die vier Microsoft Produkte, die mit der Fingerprint Reader Technologie schon im Handel stehen. Technisch sind die darin verbauten Fingerabdruckleser identisch. Auch der DigitalPersona Password Manager 1.0 ist überall mit dabei.

Microsoft Fingerprint Reader Standalone

… wird per 1,5m langem USB-Kabel an den PC angeschlossen. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 59,99 €.

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Microsoft Optical Desktop mit Fingerprint Reader

Der Fingerprint Reader ist in die kabelgebundene Tastatur integriert. Zum Set gehört außerdem noch eine Wireless Optical Mouse mit 4-Wege-Scrollrad und drei freibelegbaren Tasten. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 99,99 €.

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Microsoft Wireless IntelliMouse Explorer mit Fingerprint Reader

Das Lesegerät befindet sich in der Empfangsstation der Maus. Da sich der Reader möglichst in Reichweite befinden sollte, darf bei einem kleinem Arbeitsbereich der Sinn der kabellosen Maus ruhig hinterfragt werden. Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 84,99 €.

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Microsoft Optical Desktop Elite Bluetooth 2.0 mit Fingerprint Reader

Maus und Tastatur werden per Bluetooth Funkverbindung an den PC angeschlossen. Der Fingerprint Reader liegt in der Standalone-Variante bei.Die unverbindliche Preisempfehlung beträgt 139,99 €.

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Fazit

Am Lesegerät selbst ist nichts auszusetzen. Schön verarbeitet und äußerst zuverlässig arbeitend kann das Gerät für sich punkten. Leider hapert es, wie es bei Microsoft so oft der Fall ist (Achtung, witzig!), an der Software. Wer als Einzelperson in einem Haufen aus unzähligen verschiedenen Passwörtern erstickt und den Internet Explorer nutzt, dürfte sich zwar weniger daran stören, doch wer auf Browseralternativen wie den Mozilla Firefox setzt, wird nur wenig Verwendung für den Microsoft Fingerprint Reader finden. Eigentlich schade, stellt das Gerät doch im Prinzip wirklich eine Erleichterung in den weniger sicherheitssensitiven Bereichen dar. Betrachtet man das aktuelle Angebot an Fingerprint Reader Produkten und deren Marktpreise (z.B. bei Amazon.de) fällt auf, dass man mit dem Kauf des Standalone Produktes doch recht ungünstig fährt. Viel interessanter scheint da der Microsoft Optical Desktop mit Fingerprint Reader zu sein, der aktuell für 57,99 € (und damit nur 10 € teurer als das einzelne Lesegerät ist), zu haben ist. Zwar war dieser recht günstige Preis nur als Schnupperangebot bis Ende April gedacht, doch scheint der Handel vom Ende der Aktion noch nichts bemerkt zu haben. Also, zugreifen!

Microsoft Fingerprint Reader [PC , Justgamers]

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