Gesamtwertung87%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Rennspiele gibt es wie Sand am Meer. Mangels Kenntnis greifen deshalb viele Spieler zu altbewährten Serien wie der Need for Speed-Reihe, die vor allem mit ihren Underground-Teilen einen richtigen Hype rund um das Tunen entfacht hat. Nach Most Wanted, das nicht mehr so viel mit den hippen Vorgängern zu tun hatte, steht nun Need for Speed: Carbon auf dem Plan. Wie schlägt sich das Rennspiel in unserem Review?
Mehr als ein Hauch von Story...
So was sieht man nicht alle Tage: Ein Need for Speed-Teil hat endlich mal etwas, das man annähernd Story nennen könnte. In Carbon schlüpft der Spieler in die Haut eines fast schon legendären Underground-Fahrers, der bei einem seiner illegalen Rennen im Gegensatz zu den Mitfahrern einem Eingriff der Polizei entkommt. Jahre später treibt sich unser Alter Ego wieder da herum, wo er damals seine Freunde im Stich gelassen hat. Klar, dass die nicht allzu gut auf ihn zu sprechen sind, aber schließlich erhält man doch noch eine Chance. Warum ausgerechnet wir damals nicht von den EMP-Waffen des SWAT-Teams erfasst wurden und wo das ganze Geld geblieben ist, welches für uns bestimmt war, erfährt im Verlaufe der Geschichte.
Doch vorher heißt es natürlich wie immer, sich von klein an bis zu einer echten Größe hochzuarbeiten. Schließlich will eine ganze und auf verschiedene Gangs aufgeteilte Stadt von uns eingenommen werden. Da wir hier in einem Rennspiel sind, dürfen alle Waffen wieder eingesteckt werden. Die Eroberung der einzelnen Territorien erfolgt in unzähligen Rennen, denen wir uns stellen müssen. Abermals gibt es auch in Carbon verschiedene Renndisziplinen: Neben der normalen Rundenvariante gesellen sich dann noch der Sprint, Drift, die in Most Wanted eingeführte Radarfalle , ein Checkpoint-Rennen gegen die Zeit sowie erstmals ein sogenanntes Massenrennen hinzu. Bei letzterem tretet Ihr nicht nur gegen einige, sondern gleich gegen anderthalb Dutzend Fahrer an. Eine Weltkarte sorgt dabei für eine optimale Übersicht über die bereits gewonnenen und die noch ausstehenden Herausforderungen.
Auf Wunsch markiert Ihr einfach das nächste Rennen auf der Karte. Für die Orientierungslosen lässt sich eine GPS-Funktion aktivieren, faule Spieler können sich auch gleich ins Getümmel schmeißen, ohne erst an den jeweiligen Punkt auf der Karte fahren zu müssen. Womit wir auch schon bei den Rennen wären: Im Gegensatz zum Vorgänger Most Wanted ist man in Carbon in Anlehnung an die Underground-Teile wieder einzig und allein nachts unterwegs. Ob das nun eine richtige Entscheidung der Entwickler war, ist dabei Geschmackssache. Wir wären aber auch gerne tagsüber durch die Stadt gerast.
Gut gerast, noch besser verunglückt...
Eine echte Neuerung sind die Canyon-Rennen. Wie der Name bereits vermuten lässt, geht es hier auf halsbrecherischen Straßen Richtung downhill zur Sache, nicht selten verliert man dabei im Falle von Unachtsamkeit schon mal den Wagen und das eigene Leben, denn die Kurven einiger Canyon-Strecken sind nur notdürftig abgesichert. Ein Sturz ins Leere bedeutet dann den kompromisslosen Neustart des Rennens. Nichtsdestotrotz sind die adrenalingeladenen Wettrennen ein guter Neuzugang für das NfS-Repertoire, obwohl sie zu selten Verwendung finden. Bosskämpfe werden jedoch immer auch auf Canyon-Strecken ausgetragen.
Nach jedem Sieg winken dem Spieler Bonus-Upgrades für den eigenen Wagen, die dann im so genannten Unterschlupf am jeweiligen Boliden angebracht werden können. Hier gibt sich Carbon erfreulicherweise großzügiger als sein Vorgänger. Neben dem üblichen technischen und optischen Tuning, was eigentlich jeder Fan der Serie zur Genüge kennen müsste, beeindruckt hier vor allem das neu eingeführte Autosculpting .
Sagt im ersten Moment erst mal nichts, aber die Möglichkeiten dahinter sind immens. Autosculpting bedeutet, dass der Spieler zum Beispiel verschiedene Teile einer Felge oder einer Motorhaube hinsichtlich Größe, Wölbung und Ausrichtung bearbeiten kann. Das sorgt zum einen nicht nur für wesentlich mehr Aufwand, wenn man wirklich sein Traumauto basteln möchte, sondern auch endlich für wirklich individuelle Fahrzeuge.
Nach einigen Herausforderungen gibt es zudem noch hervorragende Zwischensequenzen zu bewundern: Dabei erschafften die Entwickler eine gelungene Symbiose aus Filmmaterial mit echten Akteuren vor gerenderten Hintergründen. Als neues NfS-Girl dient hier die durchaus attraktive Schauspielerin Emmanuelle Vaugier, die viele bestimmt als Addison aus dem Kinoschocker SAW 2 kennen. Diesmal machen die Sequenzen sogar richtig Spaß, da auch skurrile Vögel wie unser Blocker Neville für den ein oder anderen Schmunzler sorgen.
Moment mal, was ist ein Blocker? Ach ja, da war ja noch was: Carbon führt erstmals in der NfS-Geschichte ein Crewfeature ein. Soll heißen, Ihr rekrutiert Leute, die Euch entweder neue Tuning-Möglichkeiten bescheren, oder auch in den Rennen von Nutzen sind. Dabei wird in verschiedene Fähigkeiten unterschieden. Mit dem Blocker können sowohl vor dem Spieler fahrende, als auch sofern man auf dem ersten Platz ist am Heck hängende Fahrzeuge aus dem sprichwörtlichen Verkehr gezogen werden. Der Scout hingegen zeigt Euch nützliche Abkürzungen während der Schlepper sich vor den Wagen des Spielers setzt und ihm geschwindigkeitsfördernden Windschatten bietet. Unendlich lange sind diese Fähigkeiten aber nicht einsetzbar, ein sich aufladender Balken informiert den Spieler über die Verfügbarkeit eines Mitgliedes.
Glänzender Lack und glänzende Augen...
Grafisch beeindruckt Carbon mit unglaublich realistischen und unzähligen Spiegelungen auf dem Lack der Boliden und einem Geschwindigkeitsgefühl, das noch besser wirkt als in den letzten Teilen. Auch die Großstadtatmosphäre wurde nochmals aufpoliert: Unzählige Banner und Lichter tauchen die Stadt in ein stimmiges Ambiente, dazu gesellen sich beeindruckende Hochhäuser.
Sogar die Girls am Anfang des Rennens sehen realistischer und natürlich auch leckerer aus. Nur schade, dass man schon einen flotten Computer sein Eigen nennen muss, um in den Genuss maximaler Details zu kommen. Selbst auf unserem Testsystem gab es kleinere Slowdowns in besonders hitzigen Rennen. Hoffentlich wird hier ein Update nachgereicht.
Auch akustisch kann der neueste Sprössling der Serie überzeugen: Seien es die wuchtigen Klänge der Boliden, die sich mal richtig abwechslungsreich anhören oder Karambolagen. Eine Justierung der Lautstärke nach oben lohnt sich auch für den gewohnt überzeugenden Soundtrack, der diesmal im Vergleich zu anderen NfS-Teilen eher die Elektro-Richtung einschlägt. Mag sein, dass das für Rock- und Hip Hop-gewöhnte Ohren im ersten Moment eine Umstellung ist, doch gerade beim entspannten Tunen passt die Hintergrundmusik einfach perfekt.
Für spaßige Mehrspielerpartien wurde gesorgt: Neben der 360er-Fassung verfügt auch die PC-Variante über einen Multiplayermodus für bis zu acht Spieler. Neben den bereits genannten Spielmodi dürfen sich virtuelle Rennfahrer auch in das Innere eines Polizeiwagens setzen und andere Mitspieler in den Modi Verfolgungswechsel und Verfolgungs-K.O. ausbremsen. Dies klappte auch in unserem Test hervorragend, einem ausgiebigen Rennen mit Freunden steht also nichts im Weg.
Das mag sein, aber die implementierten neuen Features finde ich recht sinnvoll, vor allem die Canyon-Rennen machen einen Heidenspaß und das Autosculpting ist zwar ausbaufähig, aber einfach genial. Fehler hat Electronic Arts nur wenige gemacht: Natürlich vermisse ich die coolen Drag-Rennen der Vorgänger sehr, auch die Cop-Verfolgungen sind etwas zu einfach für geschickte Fahrer. Aber was gibt es denn sonst noch Großes zu beanstanden? Für mich ist Carbon eindeutig ein Top-Rennspiel, das zeigt, wie actiongeladene Partien auszusehen haben.