Gesamtwertung74%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Ein leichtbekleidetes Mädel streichelt zärtlich unsere Motorhaube, in der rechten Hand hält sie eine Fahne, gleich geht es los: Wir spielen mit dem Gas, werfen einen niederträchtigen Blick auf den Wagen neben uns und spucken unseren Kaugummi mit voller Wucht aus dem Fenster. Die Ampel schaltet...und schaltet...auf Grün! Wir leiern die Kiste bis in die oberen Drehzahlen und können uns bereits von Anfang an einen guten Vorsprung sichern, doch was wäre ein großer Vorsprung ohne einen zünftigen Nitro-Boost?
Gesagt, getan: Wir schalten perfekt in den jeweils nächsthöheren Gang und aktivieren unsere Einspritzung, unseren Widersacher sehen wir schon gar nicht mehr Motorschaden? Haushoch rasen wir der Ziellinie entgegen es ist ein Dragrennen wie jedes andere auch. Herzlich Willkommen im neuesten Teil der Need for Speed-Serie: ProStreet will alles anders machen, aber reicht das auch zum Award?
Alles anders? Mitnichten...
Okay zugegeben, alles verändern will beileibe auch ProStreet nicht. Es sind eben doch nicht alle Modi neu: Neben den normalen Rennen, kennen echte Fans den Drift- und Drag-Modus, das Zeitfahren und die Speed Challenge keine Runden, reines Fahren von A nach B - schon längst aus vergangenen Underground-, Most Wanted- und Carbon-Zeiten. Neu eingeschlichen hat sich unter anderem Sektor-Shootout: Wie der Name bereits vermuten lässt, ist der Kurs dabei in mehrere Sektionen unterteilt, die der Spieler so schnell es geht meistern sollte, um so viel Punkte wie möglich zu bekommen.
Rundenzeiten spielen dabei jedoch keine Rolle. Recht nett auch der Wheelie-Wettbewerb: Ihr wisst schon, Vorderräder in die Höhe! Das ist einmalig für die NfS-Reihe und eine willkommene Abwechslung vom üblichen Modi-Einerlei. Wer schafft es hier die Vorderräder so lang es geht gen Himmel zu halten? Die wohl wichtigste Änderung: Die Rennen finden ausschließlich auf legale Weise statt, also auf dafür bestimmten Strecken. Eine frei befahrbare Stadt, ominöse Underground-Rennen, Cops und der ganze Firlefanz gehören somit der Vergangenheit an.
Eine herbe Umstellung für Jünger der letzten vier Teile, letztendlich entscheidet der individuelle Geschmack, ob die genannten Features wirklich so unerlässlich sind.
Wo wir schon einmal bei dem Wort fehlen sind: Wir vermissen immer noch schmerzlich eine Replay-Funktion, wofür pimpe ich denn sonst meinen Boliden bis aufs Äußerste, wenn ich in auch nur im Tuning-Menü vollends zu Gesicht bekomme!? Liebe EA-Jungs, denkt da bitte unbedingt in einem Patch oder wenigstens im nächsten Teil dran, so schwer kann das doch nicht sein. Stichwort Tuning: Need for Speed: ProStreet bietet das wieder das übliche Sammelsurium an vorgefertigten Upgrades für jedes denkbare Einzelteil Eurer Karre, geht dabei jedoch nicht so weit, wie man vielleicht gedacht hätte. Motor, Bremsen, Antrieb, Turbolader, Fahrwerk, Reifen, Lachgas oder die Karosserie: Manches davon dürft Ihr nicht nur leistungsspezifisch, sondern auch optisch verändern beziehungsweise tunen.
Für Unentschlossene hält das Programm zudem vorgefertigte Leistungs- und Handlingpakete in drei Stufen bereit.
Echte Fahrer motzen wegen der Wucherpreise aber dann doch lieber Schritt für Schritt auf. Vor allem auch in optischer Hinsicht: Felgen, Spoiler, Dachhutzen, Motorhauben, Überrollkäfige, Rennsitze oder Auspuffendtöpfe stehen hierbei zur Auswahl. Das Autosculpt-Feature erlaubt nicht nur die beliebige Veränderung von Einzelteil-Presets, sondern dank Windkanal bei einigen Sachen wie den Spoilern gar, einen möglichen Leistungs- oder Handlingsvorteil herauszukitzeln. Ansonsten wären dann da noch die bekannten Vinyls, Decals und natürlich Lackarten aber das kennt man ja schon.
Erwähnenswert wäre nur noch, dass es erlaubt ist, erstere Optik-Schmankerl nun im Nachhinein noch hinsichtich Größe, Ausbreitung auf dem Wagen etc. zu verändern, herrlich! Doch Ihr werdet uns zustimmen: Was nützt Tuning, wenn man es nicht ausprobieren kann?
Ey Mann, wo ist mein Geld hin?
Gelegentliche Story-Bemühungen, Namen oder dergleichen dürft Ihr allerdings dann auch gleich wieder vergessen eine gescheite Geschichte, wie sie in Carbon wenigstens im Ansatz präsentieren konnte, wird in ProStreet nicht geboten. Gleich von Anfang an, merkt der Spieler, dass hier fahrtechnisch ein anderes Lüftchen weht.
Kein Problem, im Karrieremodus von ProStreet gehen wir unter den Namen Ryan Cooper an den Start der will unbedingt Showdown King werden und den amtierenden Meister und arroganten Kotzbrocken Ryo Watanabe mächtig vom Thron stoßen. Bevor wir überhaupt ans Steuer können, entscheiden wir uns für eine von drei Spielweisen: Casual richtet sich an den Großteil der Spielergemeinde und schaltet Fahr- und Bremshilfen hinzu, während der Racer auf die Fahrhilfen verzichten muss. Last but not least bestreitet der King gar gänzlich ohne Hilfen okay, nicht ganz: Eine markierte Ideallinie und verschiedene Handlingkontrollen können von jeder der drei Fahrweisen optional hinzugeschaltet werden. In Eurer Karriere absolviert Ihr einen Renntag nach dem anderen, um es mal grob zu formulieren: Renntags sind Events mit mehreren Läufen unterschiedlicher Disziplinen.
Je nachdem, wie gut Ihr Euch hier schlagt, habt Ihr früher oder später den Tag dominiert, ohne überhaupt alle Rennen gefahren zu sein. Natürlich könnte man dann die gesamte Veranstaltung verlassen, doch clevere Fahrer schlagen sich bis zum bitteren Ende jedes Events durch, da eventuell einzigartige Tuningteile herausspringen könnten, zudem sind die Preisgelder wichtiger denn je. Das Balancing stimmt bei ProStreet nämlich vorne und hinten nicht. Die Vergütung für erzielte Erfolge ist zu niedrig, die Preise für Tuningteile viel zu hoch angesetzt. Verkaufen könnt Ihr bereits installierte Einzelteile übrigens nicht, jede Investition sei also gut überlegt, da man sonst unnötig Geld in den Sand setzt. Somit empfiehlt sich optischer Schnickschnack erst später im Karrieremodus, an erster Stelle steht das Ziel, Euer Fahrzeug der Konkurrenz anzupassen.
Und selbst dann gibt es noch keine Garantie dafür, dass Eure hart erkämpfte Kohle in sicheren Händen ist: Im Gegensatz zu den älteren Teilen hat es hier nämlich ein Schadensmodell ins Spiel geschafft, was einerseits überraschend umfangreich und schick ausgefallen ist, andererseits aber auch Nachteile mit sich bringt. Während Lackkratzer und leichte Beulen sicherlich noch keine allzu große Hürde darstellen, wird der Spieler bei schwerer beschädigten Fahrzeugen im Vorfeld eines Rennens noch einmal ausdrücklich gefragt, ob er mit einem solchen Auto antreten will.
Denn Schäden bringen eben auch Leistungseinbußen mit sich und die Reperatur kostet schließlich auch eine nicht zu verachtende Stange Geld.
Bei Totalschäden ist sogar gleich Schluss mit dem Rennen und Ihr müsst dafür einen Ersatzwagen aufweisen, der wie man ahnen kann viel Kohle kostet. Weiteres Manko: Statt wie in den letzten NfS-Vertretern ein Auto für alle Disziplinen nutzen zu können, ist dies bei ProStreet nicht mehr möglich. Einen Wagen braucht Ihr für die Grip-Klassen also die stinknormalen Rennen -, einen weiteren für die Drag-Modi, sowie weitere Wagen für den Drift und die Highspeed-Duelle. Macht also summa summarum vier Wägelchen, die versorgt werden wollen im optimalen Falle, also ohne Totalschäden (!). Fassen wir also noch einmal zusammen: Es kostet Geld, eventuelle Ersatzfahrzeuge zu erwerben, Boliden zu reparieren, selbige zu tunen und in optischer Hinsicht zu verfeinern und natürlich braucht Ihr für die unterschiedlichen Disziplinen auch die jeweiligen Autos.
Und das soll einzig mit dem Erlösen aus den Rennen geschafft werden!? Für blutige Anfänger ein Ding der Unmöglichkeit, deshalb unser Tipp für einen Gratis-Wagen: Einfach zerozerozero im Karrieremenü bei Geheimcodes eingeben und der getunte Coca-Cola Zero Golf GTI mit verbessertem Handling und höherer Geschwindigkeit steht startbereit zur Verfügung. Wenigstens eine Kopfschmerztablette weniger.
Zu einfach, zu schwammig und so weiter...
Die kostet Euch dann jedoch die Tatsache, dass die Steuerung in den Drift-Rennen insgesamt zu schwammig ausgefallen ist und Bandencrashs in keinem Punktestopp resultieren what the fuck?
Gerade die Drift-Disziplinen waren doch bisher eines der gerechtfertigten Merkmale der letzten Need for Speed-Teile. Abzüge vom Punktekonto gibt es hier nur wenn Ihr allzu fernab der Strecke landet, was aber recht selten passiert. Die Gegner-KI in ProStreet gibt sich redlich Mühe menschlich zu wirken, was in ab und an plausiblen Fahrfehlern resultiert. Für unseren Geschmack handeln die Widersacher aber dennoch etwas zaghaft, gerade die Griprennen sind zum größten Teil ein echter Klacks und es dauert oft nicht lang, bis man einen uneinholbaren Vorpsrung herausgefahren hat.
Die Dragrennen sind immerhin fordernd, aber ebenfalls nicht fordernd genug. Nur selten konnten wir uns über ein Foto-Finish freuen oft waren wir längst im Ziel, bis irgendwann einmal unser Kontrahent eingetrudelt ist. Warum zudem der LAN-Modus gestrichen wurde, ist uns ein Rätsel, zumal es auf dem PC auch keine Splitscreen-Duelle gibt. Hm, okay, bleibt also noch der Onlinemodus, der...maßlos enttäuscht.
Bisher sind wirklich vernünftige Duelle nämlich noch nicht möglich, was an der indiskutablen Performance liegt. Wenn wir dann doch einmal einem Match beigetreten sind, dann müssen wir zudem hoffen, nicht aus dem laufenden Spiel zu fliegen hier muss EA dringend Abhilfe schaffen, denn bisher fährt sich eine Offline-Runde mit den KI-Kollegen wesentlich unterhaltsamer. Löblich ist aber immerhin das Blaupausen-Konzept, dass es Euch erlaubt, eine Kopie Eurer Tuningpracht online hochzuladen und mit anderen Usern zu tauschen. Optisch unterlag ProStreet übrigens keinem Quantensprung: Die Reflektionen auf den schicken sind hübsch, keine Frage. Auch die groß angekündigte, realistische Darstellung von Rauchentwicklungen bei Burnouts sieht gut aus allerdings bekommt Ihr das so richtig auch nur am Anfang eines Drag-Rennens zu sehen, während Ihr Eure Reifen vorwärmt.
Die Strecken könnten für unseren Geschmack abwechslungsreicher sein, oft bekommt Ihr nur standardmäßige Parcours zu sehen, die abgesehen von den Bannern und Details jedoch etwas farbarm wirken. Die schlechte Leistung auf älteren Kisten ist somit nicht unbedingt gerechtfertigt, verfügt Ihr über eine Single-Core-CPU und eine mittelmäßige Grafikkarte, gibt es Slowdowns am laufenden Band.
Selbige gehören bei schnelleren Rechnern jedoch glücklicherweise der Vergangenheit an. Fragwürdig nur, warum Most Wanted und Carbon auf betagter Hardware besser liefen, obwohl sich rein optisch nicht allzu viel getan hat. Beim Sound kann man wenigstens sicher sein, dass die EATrax-Liste mit passender Musik äußerst gut ausgestattet ist, die deutsche Synchronisation ist vielleicht nicht hitverdächtig, aber geht vollends in Ordnung. Auch der Sound der virtuellen Motoren stimmt quietschende Reifen und wuchtige Zusammenstöße inklusive.
Die Ansätze in der Fahrphysik, sich vom reinen Arcade-Racer zu entfernen, sind in der Theorie sicherlich richtig und sinnvoll, aber was nutzt es, wenn sich mein Geschoss bei Driftrennen anfühlt wie eine nasse Gurke, die mir aus den Händen rutscht? (Spart Euch die versauten Gedanken!) Was stört noch? Das total unstimmige Verhältnis von Preisgeldern zu Investitionen beispielsweise so macht Tuning keinen Spaß. Natürlich kann man sich auch ProStreet zu Gemüte führen und manche werden es sogar besser finden als ich, bloß EA sollte sein Neuanfangs-Konzept schon konsequenter durchziehen, als ein unausgereift wirkendes Produkt auf den Markt zu schmeißen.