Gesamtwertung84%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
Die Welt von Neocron
Irgendwann musste es mal passieren. Nach Misswirtschaft und der Ausbreitung des Kommunismus folgte schließlich ein Weltkrieg mit Atomraketen bzw. vergleichbaren Massenvernichtungswaffen, der fast den Tod der gesamten Menschheit zur Folge hatte. Nur wenige Menschen überlebten das Chaos der nachfolgenden Jahrhunderte. Die wenigen Verbliebenen organisierten sich in Gruppierungen und bekämpften sich aufs Neue.
Es entstand auch eine komplett neue menschliche Rasse, die sich in der Nutzung der Psi-Kräfte verstand, in der Welt von Neocron die Zauberer darstellen und daher Psi-Effekte auslösen können. Der Spieler beginnt irgendwann im 28. Jahrhundert in der Stadt Neocron oder in einer von zwei anderen abgelegenen Ortschaften. Das Spiel außerhalb Neocron's und seiner schützenden Gebäudekomplexe zu beginnen ist aber ausdrücklich nur fortgeschrittenen Charakteren empfohlen. Entscheidet man sich für die konventionellen Fraktionen, wie z.B. die City Admin, startet man automatisch in Neocron, denn dort sind die Hauptquartiere der meisten Fraktionen.
Gibt es mehr als die Stadt Neocron?
Neocron ist eine extrem große Welt, wenn auch vieles aus den so genannten Wastelands besteht. In diesen befinden sich unterschiedliche Industrieanlagen, Militärbasen und eine weitere Stadt namens Techhaven, in der eine Gruppe immigrierter Wissenschaftler ihr Lager aufgeschlagen hat. Leider erschließt sich vieles erst nach einigen Wochen Spielzeit und daher zwangsläufig mit einem höherleveligen Charakter. Dann jedoch können Clans Fabriken besetzen (und so auch z.b. sogenannte Raregegenstände herstellen) oder Basen okkupieren und diese mit Gefechtstürmen verteidigen. Auch die Steuerung von Fahrzeugen, vom kleinen Motorrad bis hin zum Panzer, ist möglich. Das Steuern von Fahrzeugen bedarf aber viel Geschick und die Bedienung von Gefechtstürmen einen hohen Stärkewert des eigenen Charakters.
Man wähle einen Charakter
Nach der Auswahl einer Fraktion muss man sich für einen Charakter entscheiden. Zur Auswahl stehen der Privat Eye (ein Allrounder), der Spion, der Gen Tank (der muskelbepackte Kämpfer, der auch mit den großen Waffen umgehen kann) und natürlich der schon erwähnte Psi Monk, der sich mit seinen Psi-Kräften zu wehren vermag oder sich bzw. andere heilen kann. Grundsätzlich unterscheiden sich die Charakterklassen sehr stark von einander im Aussehen und in ihren Fähigkeiten. Die Wahl der einen oder der anderen Klasse erleichtert einen Berufstand auch stark oder ermöglicht diesen faktisch erst. Einen auf das Implantieren von Computerchips oder Knochenverstärkungen spezialisierter Charakter mit der Tank-Klasse zu spielen ist fast unmöglich, da dieser die benötigten Fähigkeiten, wegen der Besonderheiten des Fähigkeitensystem, nicht genug steigern können wird.
Und wie trainiert man andere Fähigkeiten?
Ein Psi-Tank wird immer besser in der Anwendung von PSI, da dieser die Fähigkeit ständig benutzt. Um z.B. als Spy auch Stärke besser trainieren zu können oder als Tank einen Funken Intelligenz zu erlangen, kann man Missionen für die Fraktionen absolvieren. Durch deren Erfüllung erhält man in allen fünf Bereichen (Stärke, Geschicklichkeit, PSI, Intelligenz und Ausdauer) Erfahrung. Unter der großen Zahl zufallsgenerierter Missionen, sind auch solche, bei denen Kämpfen nicht nötig ist, wie Botenmissionen oder die Aufgabe gewisse Gegenstände herzustellen oder zu recyceln.
Ist bei einem bestimmten Bereich, wie Stärke, eine gewisse Anzahl Erfahrungspunkte angesammelt worden, erlangt man einen Levelaufstieg. Dadurch kann man jeweils fünf Punkte auf Subskills verteilen um z.B. die Fähigkeit im Umgang mit schweren Waffen oder das Feilschtalent zu verbessern. Der entgültige Level eines Runners (die Bezeichnung für eine Spielerfigur in Neocron), der auch für andere Spieler durch Symbole sichtbar ist, berechnet sich aber nicht allein durch die Erfahrungswerte, sondern auch durch die verwendete Waffe, Rüstung und vieles mehr. Dies ermöglicht eine relativ gute Einschätzung über die wirkliche Kampfkraft des eventuellen Gegners.
Wer nicht will, muss nicht kämpfen
Kämpfen ist, wie bereits erwähnt, nicht unbedingt nötig. Da man auch durch das Reparieren oder Herstellen von Gegenständen und durch viele andere Aktionen, Erfahrungspunkte bekommt, kann man sich auch auf eine Kariere als Händler oder Wissenschaftler konzentrieren und auf diese Weise z.B. seinem Clan behilflich sein.
Teamspiel und Zusammenarbeit zählt
Dementsprechend ist man zwar ständig auf andere Runner angewiesen, um z.B. ein Implantat eingesetzt zu bekommen, eine Waffe herstellen zu lassen, einen Abdruck eines Gegenstandes angefertigt zu bekommen oder günstig an der Börse spekulieren zu können. Auf alle diese Tätigkeiten haben sich aber inzwischen einige Spieler spezialisiert. Durch nettes Fragen über die Chatkonsole, etwas Zeit, um die richtige Person zu finden und mit genug NC (die Währung in Neocron) bekommt man fast alle Dienstleistungen durch andere Spieler angeboten. Spieler, die Bodyguards verkörpern, gibt es genauso, wie solche, die mit Apartments handeln. Neocron bekommt dadurch einen extrem angenehmes Flair von Realität. Das Handeln auf den Marktplätzen ist üblich und notwendig und ohne Hilfe von anderen Runnern kommt man nicht weit.
Dies gilt insbesondere, da die Gegenstände der NPC Händler oft sehr minderwertig sind. Nur die durch andere Spieler hergestellten Waffen sind von guter Qualität und oft auch mit Erweiterungen ausgerüstet. Durch die verschiedenen Klassen gibt es auch unterschiedliche Arten zu Kämpfen. Man kann mit seinem Lichtschwert losziehen, eine Raketenwerfer schultern auch z.B. Drohnen nutzen, die ferngelenkt auf den Gegner gejagt werden können.
Das eigene Apartment
Zu Beginn besitzt man nur sein eigenes Apartment mit einem kleinen Terminal, einem Genrep (um wiederbelebt zu werden) und wenigen Schränken. Das Terminal kann dazu benutzt werden, das spielinteren Forum zu lesen, diverse Daten zu erlangen, Missionen von der Fraktion abzufragen und vieles mehr. Der Genreplikator ist hauptsächlich dazu da, wiederbelebt zu werden. Sollte man einmal das Zeitliche segnen, erweist sich dieser als nützliche Einrichtung. Außerdem kann gegen einen kleinen Obolus das beim Tot verlorene Gepäck wiedererlangt werden, ohne dass man an die Stelle des Ablebens zurückkehren muss. Beide Einrichtungen sind überall in den besiedelten Gebieten auffindbar(natürlich nicht in den Weiten der Wastelands, die man als Anfänger aber sowieso nicht betreten sollte). Auch sonst ist natürlich viel Technik im Spiel. So gibt es Werbedurchsagen, ein U-Bahn System, Selbstschussanlagen, Warpkammern und vieles mehr. Auch Bars und eine Trainingsstelle für Kämpfe, das Neofrag, sind vorhanden. Das in Neocron eingebaute Forensystem, welches direkt aus dem Spiel über die zahlreichen Terminals abrufbar ist, ist leider nicht allzu flexibel, da es recht unkomfortabel ausgestattet ist. Gefallen konnte hingegen die Möglichkeit, Neocron-intern, Emails an andere Runner zu verschicken und damit den Eindruck einer Sci-Fi Realität, bekannt z.B. aus Bladerunner, noch zu verstärken.
Am Anfang besteht die Gefahrt der Monotonie
Am Anfang führt das Spiel aber schnell zu Monotonie. So macht das Lösen von Fraktionsaufgaben irgendwann kaum noch Spaß und auch das Töten von Mutanten und ähnlichen Gegnern in den Abwässerkanälen ist nicht mit allzu prickelnd. Natürlich kann man viele andere Aufgabe wahrnehmen. Das ändert aber nichts daran, dass Neocron einem am Anfang sehr klein vorkommt und sich dies erst ändert, wenn der Charakter stark genug ist, um auch in den Außenzonen überleben zu können. Dann macht das Spiel großen Spaß und entfaltet seine vollen Reize. Die Trockenphase zu Beginn hätte aber besser gelöst werden können.`
Leider noch zu viele Bugs
Was ärgerlich ist, ist die große Anzahl an Bugs im Spiel. Regelmäßig kommt es vor, dass es Synchronisationsfehler gibt, Mitspieler durch die Wand laufen, Monster nicht sterben und sich nicht mehr bewegen oder verletzt werden können. Plötzliches Sterben oder eine falsche Berechung des Inventargewichtes oder ein Fallen durch den Boden kommen ebenfalls öfters vor. Ärgerlich ist ebenfalls, dass an vielen Stellen noch englische Begriffe in dem eigentlich deutschen Spiel vorkommen. Die Supportforen sind voll mit Problemen. Zwar ist dies bei MMORPG's nichts sonderlich Neues, trotzdem ereilt einem das Gefühl, ob die Betaphase von Neocron nicht doch noch einen Monat hätte verlängert werden sollen, wie es z.B. in den USA der Fall ist.
Und der zweite Modus?
Der zweite Modus ist zum Ausrüsten des Charakters, zum Einschalten des Navigationselements, und zum Zusammensetzen von Waffen, Erforschen von Waffenteilen etc. gedacht. Auch Reparaturen oder das Zusammenbauen von Waffen mit Hilfe des Constructortools werden hier durchgeführt. Dieser Modus überdeckt den gesamten Bildschirm mit verschiebbaren Fenstern und verhindert daher andere Aktionen oder z.B. das Reagieren auf Angriffe, denn nur rudimentäre Bewegungsaktionen sind theoretisch möglich. Ingesamt sind die Funktionen aber vielfältig und gut gelöst.
Und um andere Spieler zu kontaktieren?
Weniger gut gelöst wurde die Chatkonsole. Das Eingeben von Befehlen, z.B. zur Einladung anderer Spieler in eine Gruppe, ist unnötig kompliziert und hätte mit einem simplen Button besser gelöst werden können. Auch ärgern einfach Kleinigkeiten, wie z.B., dass beim Chatten nicht sichtbar ist, in welchem Chatkanal man sich befindet. Löblich ist hingegen, dass Reakktor Karten und ein Navigationssystem eingebaut hat. Die Implementierung ist aber recht bescheiden. Die Karten bieten gerade innerhalb der Städte wenig Übersicht, da die teilweise zahlreichen, übereinander liegenden Ebenen schlecht dargestellt werden. Das Navigationssystem erzeugt einen Pfeil bzw. eine Strichlinie, die einem zum Ziel führen soll. Die Linie zeigt jedoch oftmals Umwege. Der Richtungspfeil hingegen zeigt immer genau auf das Ziel, jedoch nicht den einzuschlagenden Weg. In dem komplexen, aber Anfang auch schnell verwirrenden, Aufbau der Level muss man sich dann oft doch den Weg durch die vielen Gänge doch selber suchen.
Wer von der Grafik keine Hochleistungen erwartet und über die technischen Mängel hinwegsehen kann, wird ein spannendes und überzeugendes MMORPG aus deutschen Landen finden, das vor allem im Spielverbund und im späteren Spiel überzeugen kann. Allerdings muss Reakktor noch einiges am Balancing richten, bevor neue Funktionen, wie z.B. das Hacknet, einführt werden können. Wer eine gelungene Kombination aus Sci-Fi-Adventure, MMORPG und Actionspiel, gepaart mit einer spannenden Hintergrundgeschichte sucht, das auch auch noch enorme Freiheiten und Vielfalt bietet, wird mit Neocron nicht enttäuscht sein.
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