Neuro Hunter

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Deep Silver
Entwickler
mediart
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Neuro Hunter [PC , looki.de]

Gesamtwertung

47%/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Mangelhaft

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Neuro Hunter

Man nehme die Spielwelt aus Doom 3, die düstere Atmosphäre aus Deus Ex und bastelt noch eine recht pessimistische Zukunftsvorstellung als Hintergrundstory dazu - heraus kommt Neuro Hunter. Und obschon der Titel mit den obengenannten Spielen technisch nicht mithalten kann - näheres erfahrt ihr später - kann die Handlung als solche durchaus überzeugen. Wir befinden uns in einer nicht allzu weit entfernten Zukunft. Die Welt wird nicht mehr von Regierungen, sondern durch große, machthungrige Konzerne geleitet. Macht und Profit verdrängen moralische Grundsätze, ein Menschenleben verkommt zur Ware.

Ihr befindet euch in der Rolle eines namenlosen Protagonisten, von Beruf Softwaredieb, der mittellos und am Rande des Existenzminimums lebend von einer zwielichtigen Firma - Johnston Biotech - ein ebenso zwielichtiges Angebot erhält. Ihr könnt euch nur noch daran erinnern, wie ihr plötzlich in dem Stollen eines Bergwerks aufgewacht seid. Wurdet ihr für perverse Experimente missbraucht? Was geht in den unzähligen Stollen vor sich? Eure Aufgabe wird es sein, aus der unterirdischen Hölle zu entfliehen und die Welt über den Schrecken, der sich dort abspielt, aufzuklären...

Hört sich doch nicht übel an. Gepaart mit einer stimmigen Grafik ist Neuro Hunter sicherlich ein kleiner Geheimtipp – denkste!

Beginnen wir mal mit dem Gameplay. Der Titel versteht sich als „actionorientiertes RPG“ – das heißt, ihr seid, typisch für das Genre, mit einem Inventar ausgestattet und könnt für verschiedene Fertigkeiten Erfahrungspunkte sammeln und so Attribute wie Ausdauer und maximales Tragegewicht verbessern.

Im Inventar werden allerhand Gegenstände abgelegt, die euch von Nutzen sein können. Mit Pilzen, Essensrationen und Wasser könnt ihr eure Lebensenergie auffrischen und mit speziellen Bauteilen wird es euch ermöglicht, durch etwas Geschick, eigene Waffen zu konstruieren – eines der wenigen interessanten Features von Neuro Hunter. Leider ist euch beim Konstruieren keine vollkommene Freiheit gegönnt, die Selbstbauwummen sind strikt vorgegeben - lediglich die Bauteile müsst ihr selbst finden. Bei der Auswahl an Waffen haben die Entwickler wohl mehr Kreativität bewiesen, als beim Levelaufbau. Vom obligatorischen Kampfmesser bis zum Lasergewehr reicht euer Arsenal.

Zu den besonders interessanten Schießeisen zählt hier auch der Drucklufthammer – was Bauarbeiter mit Straßenbelag machen, macht ihr mit euren Gegnern.

Apropos Gegner – so hässlich das Viechzeug auch sein mag, allein schon die erschreckend niedrige Polygonanzahl macht die sehr eckigen Zeitgenossen zum nicht zu unterschätzenden Gruselfaktor. Während euch in den ersten Leveln noch giftspeiende Spinnentiere das Leben schwer machen, trefft ihr im späteren Spielverlauf auf übergewichtige Zombies (Doom 3 lässt grüßen) und herumspukende Gespenster.

Während ihr euch durch die polygonarmen Gewölbe schleicht, werdet ihr auf Mithäftlinge stoßen, die für euch ein ganzes Repertoire ausgefallener, innovativer Aufgaben haben. Holt dieses Objekt, bringt jenes Monster um, lauft zu der Tür und legt diesen Schalter um – merkt man den Sarkasmus? Nein? Gut.

Dies wäre ja alles kein Problem, müsste man nicht ständig diese nicht wirklich augenschonende Grafik ertragen. Wie schon im Vorfeld gesagt, erwartet euch eine polygonarme, langweilige Unterwelt. Für scharfe Texturen hat’s dann auch nicht mehr gereicht. Die grafische Darstellung lässt nicht mal einen Ansatz von anspruchsvollen, und im Jahre 2005 eigentlich selbstverständlichen, Shader- oder sonstigen Effekten erkennen. Das kommt zwar den Systemanforderungen zu Gute, aber andererseits leben wir schon lange nicht mehr in Half-Life-Zeiten. Auf Schatten und dynamische Lichteffekte wurde komplett verzichtet und die Animationen von Freund und Feind haben schon auf Nintendos 64-Bitter besser ausgesehen. Alles wirkt sehr steril und langweilig, von einer lebendigen Umgebung kann man keinesfalls sprechen.

Zu allem Übel seht ihr eure Spielumgebung aus einer seltsamen - rangezoomten - Perspektive.

Das Gameplay kann keinen Blumentopf gewinnen und grafisch scheint man sich auch nicht angestrengt zu haben – nun, kann Neuro Hunter in puncto Sound noch wenigstens ein paar Punkte holen?

Nicht wirklich. Musikalisch gibt es wenig Berauschendes zu vermelden – langweilig und einfallslos plätschert ein Hauch von Musik im Hintergrund. Löblich ist, dass alle Charaktere ins Deutsche synchronisiert wurden – dabei klingen manche Stimmen wirklich gut, andere hingegen provozieren mit ihrem Sprachtalent zum Abbrechen des Dialogs. Langweilige Geräusche mit null Abwechslung sorgen zudem nicht für eine schaurige „Alleingelassen“-Atmosphäre.

Fazit

Neuro Hunter kann in keinem einzigen Punkt so richtig überzeugen. Während einige Ideen, wie die Konstruktion von Waffen, das Skillsystem und die interessante Geschichte durchaus erfreulich sind, ist der Titel von der technischen Seite her ein absolutes Desaster. Was uns hier abgeliefert wird, entspricht nicht mal dem, was man in der heutigen Zeit minimal zu erwarten hätte. Der Versuch, ein spielerisch ansprechendes Äquivalent zum Genrekönig Deus Ex zu entwickeln, ist damit gründlich daneben gegangen. Wenn euch euer Geld lieb ist, lasst die Finger von Neuro Hunter und greift zu bekannteren Budgettiteln, die euch dasselbe Setting in vielfach besserer Qualität bieten.

Neuro Hunter [PC , looki.de]

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