Neverwinter Nights

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Infogrames
Entwickler
Bioware
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
-
Neverwinter Nights [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

90%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Neverwinter Nights

Wie auch Baldurs Gate 2, spielt Neverwinter Nights in der D&D Welt. Allerdings ist Neverwinter jetzt in 3D und verwendet die 3rd Edition Regeln. Was sich sonst alles verändert hat, ob das Spiel Spaß macht und die Geschichte überzeugend ist, erfahrt ihr in unserem Review....

Worum geht es?

Im Mittelalter war die Pest in vielen Städten allgegenwärtig. So auch in der Stadt Neverwinter oder, wie es in der deutschen Übersetzung genannt wird, Niewinter. Allerdings scheinen hier nicht Ratten das Wurzel allen Übels zu sein, sondern ein mysteriöser Kult, dessen Aktivitäten es aufzudecken gilt. Mehr soll aber von der Hauptgeschichte nicht erzählt werden, denn dies nachhzuspielen, ist der große Reiz am Spiel. Unnötig ist wohl zu sagen, dass ihr den Held spielt, der Niewinter retten soll. Dabei liegt die Betonung auf 'Der Held', denn es wird auch nur ein Held gespielt. Zwar ist dies für ein richtiges Rollenspiel natürlich typisch, denn man kann nur eine Person verkörpern, aber wer ein Baldurs Gate 3 erwartet hat, dürfte einiges an Eingewöhnung brauchen. Neben dem zu steuerenden Helden, gibt es einen Begleiter (oder eine nette Begleiterin), die einem mit Rate, Tat und Muskel- oder Zauberfähigkeiten zur Seite stehen und sogar mit eigener Geschichte (spezielle Quests!) daher kommt. Allerdings kann dieser Recke nicht gesteuert werden. Lediglich sehr indirekte Steuerungsmöglichkeite, wie die Entfernung zum eigenen Charakter, die Art der Waffen oder ob er beim Schlösser knacken helfen soll, kann eingestellt werden. Auch Ausrüsten kann/muss man den Helfer nicht. Hinzu kommen als letztes nur noch einige beschworenen Kreaturen durch magiebegabte Charaktere, wie z.B. dem Druiden. Der große Vorteil ist, dass man genau den Begleiter nehmen kann, den man für bestimmten Aufgaben oder Situationen braucht, denn man 'verschwendet' keine Erfahrungspunkte oder Gegenstände, wie z.B. bei der Gruppe in Baldures Gate 2!

Der Charakter

Neben dem gewohnten Zusammenstellen eines eigenen Chars, stehen auch bereits vorgefertigte Charaktere zu Verfügung, um gleich mit dem Spiel anfangen zu können. Ich würde aber dringend empfehlen, nicht unbedingt einen Kämpfer zu nehmen, weil dies bei den doch teilweise sehr kampfbetonten Levels schnell monoton werden kann. Mehr Spaß macht da z.B. ein magiebegabter Charakter, der durch einen Kämpfer als Begleiter unterstützt wird. Dabei kommt einfach mehr Abwechslung auf. Gerade für erfahrene Spieler dürfte, selbst auf hohem Schwierigkeitsgrad, das Spiel mit einem Kämpfer zu einfach sein. Ingesamt gibt es elf verschiedene Klassen. Die Auswahl und auch der Wiederspielwert, vor allem verbunden mit dem Multiplayermodus, ist daher entsprechend groß. Beim Aufstieg in den Levels (die bis Level 20 gehen), ist außer der Verwendung der 3rd Edition AD&D Regel, nichts großartiges zu verzeichnen. Hat man genug Erfahrungspunkte gesammelt (durch Monster töten oder Quests lösen) kann man auswählen, ob man in der aktuellen Klasse bleiben will oder diese ändern möchte. Auf manchen Levels sind auch Verbesserungen der Primärwerte möglich. Hinzu kommen klassenspezifische Eigenschaften, wie z.B. Parieren beim Kämpfer und schließlich Fähigkeiten. Von den Fähigkeiten gibt es passive und aktive. Passive werden bei der Berechung der Trefferwahrscheinlichkeit oder des Schadens automatisch mit in die Berechung aufgenommen, während aktive Fähigkeiten ausgewählt und im Kampf oder anderen Situtationen benutzt werden müssen. Wem selbst diese vereinfachten Regeln zu kompliziert sind, kann auch einfach die empfohlenen Werte nehmen und verhindert damit, dass der Charakter 'verskillt' wird.

Es geht los

Das Spiel beginnt nach einem netten Trailer mit einem kleinen Tutorial in der Akademie von Niewinter. Im Zuge dessen, gibt es auch die ersten kleineren Kämpfe und wird euch natürlich der Hauptplot näher gebracht. Ihr werdet ganz sanft an das Spiel heran geführt. Die Hauptgeschichte ist in vier 4 Kapitel eingeteilt, wobei jedes für sich schon sehr groß ist. Natürlich bleibt jedem unbefangen nur die unbedingt notwendigen Quest zu erfüllen. Dabei verpaßt man jedoch die schönen Geschichten an der Schwertküste, denn die Quests sind teilweise recht gut gelungen und man macht es sich unnötig schwer, da dem Hauptcharakter Erfahrung fehlt, um die späteren Gegner zu besiegen. Auch der Begleiter ist dann nicht von großer Hilfe. Dieser taucht zwar immer wieder in der Söldnerstelle auf, wenn er einmal stirbt, ist aber trotzdem immer einen Level niedriger, als ihr selbst. Die Gegner passen sich euch zwar an, weshalb viele Schergen einfach zu besiegen sind, Probleme machen aber Endgegner, zu deren Besiegen dann eventuell einige Fähigkeiten fehlen. Bioware hat aber zwei weitere Hilfen eingebaut, damit die Frustgrenze nicht allzu groß wird. So kann man bei einem Tod, neben dem obligatorischen Savestand auch seinen Geldbeutel bemühen und zusammen mit Erfahrungsverlust wiederbelebt werden. Stirbt euer Begleiter, könnt ihr außerdem euren Rückrufstein benutzen, euch in den lokalen Tempel teleportieren, heilen lassen, euren wiederbelebten Begleiter aufnehmen und gegen eine Gebühr von 50 Gold, bzw. später 150 Gold, wieder frischen Mutes und Gesundheit an den letzten Platz zurückkehren.

Die Optik macht es...und der Sound

Das Spiel selber präsentiert sich in schönem 3D. Die Kamera läßt sich auch frei drehen und zoomen. Dabei stehen drei Modi zur Verfügung, wie eine Verfolgerkamera. Die Grafik sieht dabei wirklich schick aus. Die Texturen und Charaktere verpixeln auch beim Heramzoomen kaum. Die Bewegungen sind sogar teilweise derart vielfältig und gut gelungen, dass es richtig Spaß macht z.B. in das Kampfgeschehen reinzuzoomen, um die Bewegungen richtig zu sehen. Da es, außer den eigenen Char, auch kaum etwas zu steuern gibt, kann man sich diese 'Auszeit' auch einmal leisten. Spielt man einen Kämpfercharakter ist sogar selten notwendig die Pausetaste zu benutzen. Dies ist bei zauberenden Charakteren natürlich anders, denn gerade im späteren Spiel, ist es notwendig, die Zaubersprüche entsprechend der Situation und der Gegner auszuwählen. Allerdings gibt es auch Makelpunkte bei der Grafik. Während die Texturen gut sind und auch der Levelaufbau gut desigend ist, so sehen die Städte doch etwas plastisch aus, da auch die Level der Einzelspielerkampagne im mitgelieferten Editor gebaut wurden.

Der 'Look' erinnert ein wenig an Dungeon Siege und könnte daher eventuell nicht jeden Geschmack treffen. Es ist definitiv ein großer Unterschied zu den handgezeichnten Hintergründen eines Baldurs Gate 2. Dafür werden jetzt wirklich atemberaubende Lichteffekte, schon allein beim Anzünden einer Fackel, möglich. Neben dem Fakt, dass Gegenstände, die Gegner zurücklassen, nur in kleinen Beuteln liegen bleiben und z.B. der eigene Charakter auch Ausweichbewegungen beim Öffnen einer Truhe macht, nervt vor allem ein Umstand: Durch den Modulaufbau, gibt es jeder Naselänge eine kurze Zeit des Ladens, die selbst auf einem 1 Ghz Rechner bis zu 10 Sekunden oder mehr dauern kann. Dies stört den Spielfluß doch ungemein, insbesondere wenn man in einer Stadt die verschiedenen Häuser absucht und laufend warten muß! Hier hätte wirklich mehr möglich sein können.

Der Sound ist eigentlich auch recht ordentlich. Auch wenn die Übersetzungen in der deutschen Version nicht immer erste Klasse sind und sogar vereinzelt noch englische Texte auftauchen, ist die Sprachausgabe eigentlich erträglich. Die Hintergrundmusik bemerkt man kaum und die Soundeffekte sind gut gelungen. Leider sind trotz über 2 GB Installationsgröße nicht alle Texte, die oft kürzer sind, als in Baldurs Gate 2, mit Sprache unterlegt. Oft sind nur die Anfangstexte gesprochen, danach endet die Stimme. Ansonsten gibt es eigentlich kaum etwas zu meckern. Der Stimmung hilfreich war es auch, dass viele Nebengeräuche in den Städten vorkommen, wie z.B. Bettler. Kommt man aber in einigen Gegner zu oft vorbei, wiederholen diese Kommentare sich zu oft.

Die Steuerung

Dieses Auswählen geht eigentlich ganz einfach vonstatten, wenn auch anfänglich gewöhnungsbedürftig. Zum einen ist es möglich einen Gegenstand, wie eine Tür, eine Kiste oder auch ein Ausrüstungsgegenstand, oder eine Person durch Rechtsklick ein Radialmenü zu entlocken. Auf diesem sind dann alle möglichen Aktionen vorhanden, teilweise muß aber sogar noch in Untermenüs verzweigt werden. Da dies recht kompliziert werden kann, gibt es noch 30 Schnellnavigationsmenüs. In diese können Aktionen oder auch Gegenstände, wie Tränke, platziert werden und ähnlich z.B. Diablo 2 schnell aufgerufen bzw. benutzt werden. Weitere Leisten sind durch das Drücken von STRG und ALT aufrufbar. Natürlich gibt es auch eine Karte, die in 3 Stufen gezoomt werden kann, eine Charakterübersicht und ein Inventory. Im Inventory gibt es 5 verschiedenen Umschaltbildschirme, die aber wohl kaum alle genutzt werden. Zum einen steigt die Unübersichtlichkeit ins Unermessliche und außerdem wird man kaum genug Gegenstände haben. Kleine Gegenstände, wie z.B. Tränke, werden grupppiert, größere werden schnell zu schwer, um sie alle mit sich herumtragen zu können. Auch ein Journal gibt es natürlich, wobei sogar eigene Notizen möglich sind und das Hantieren mit extra Zetteln nicht mehr nötig ist.

Das Gameplay

Die Geschichte ist wiederum sehr sehr üppig und man kann z.B. allein Stunden damit verbringen, nur die zahlreichen Bücher zu lesen, die überall rumliegen. Nötig ist dies freilich, genauso wie das Lösen von Nebenquests, nicht. Es gehört aber eigentlich zum echten Rollenspiel. Wer einfach nur den Hauptstrang folgen möchte, kann auch einen Shooter spielen oder sich eine DVD kaufen. Neverwinter Nights bietet hier, wir auch schon Baldurs Gate 2, viel mehr Möglichkeiten. Wie tiefgründig später von Fans selbst gemachte Module sind, läßt sich nämlich noch nicht sagen. Es gibt wohl nur wenige derart tiefgehende und schön designte Rollenspiele. Hier spielt Neverwinter Nights definitiv seine Joker aus.

Auch beim Gameplay präsentiert Bioware einige Neuerungen und Hilfen. Wichtige Gegenstände tauchen wieder im örtlichen Tempel auf, sollte man diese einmal verloren haben. Stecken bleiben dürfte damit niemand - zumindestens im Hauptquest nicht. Die Nebenquests sind durchaus abwechslungsreich designed. Schön auch, dass an verschiedene Möglichkeiten gedacht wurde, um die Stärken der einzelnen Klassen auszunutzen. So kann man z.B. bei einigen Gebäuden eine Frontalangriff machen und damit alle Wachen alarmieren oder einen Geheimgang suchen. An Gegenständen erwartet euch zwar nicht eine Flut, wie es vielleicht Diablo 2 Jünger erwarten, die Menge reicht aber aus. Die Monster verlieren genau so viel, dass man eigentlich keine Geldprobleme haben dürfte. Magische Gegenstände müssen, wie gewohnt, erst im Laden oder durch Zauberspruch identifiziert werden oder der Held genug Begabung in Sagenkunde besitzen. Interessant ist, dass viele gute Gegenstände auch mit Quests verbunden sind. So gibt es auch einige versteckte Händler, deren Aufenthalt nur mit Überredungskunst in Erfahrung zu bringen ist.

Die Gespräche verlaufen durch simples Klicken und beeinflußen Durchaus den Ausgang der Begegnung - z.B. einen Kampf zu vermeiden. Nebem dem Fakt, dass bestimmte Antwortoptionen auch vom IQ des Helden abhängen, ist es auch wichtig, Überredungskünste zu haben, um bestimmte Verhaltensweisen freizuschalten

Eine Portion Multiplayer bitte

Neben dem sehr üppigen Einzelspielermodus, der eigentlich kaum Wünsche übrig läßt, ist eines der Herzstücke von Neverwinter Nights. Vor allem wird dieser auch dafür sorgen, dass Neverwinter Nights lange gespielt werden wird! Dadurch dass der gleiche Editor beigelegt ist, mit dem auch der Einzelspielermodus kreiert wurde, sind wirklich gut gemachte Module von Fans nur eine Frage der Zeit. Diese können dann mit einer Party von bis zu 64 Leuten durchgespielt werden. Probleme gibt es dabei aber offensichtlich noch mit der Anpassung des Schwierigkeitsgrades - zumindestens bei den Einzelspielermodulen, die auch im Mehrspieler benutzt werden können, sinkt der Schwierigkeitsgrad rapide. Ihr könnt auch euren Charakter aus dem Einzelspielermodus übernehmen, was in dieser Weise an Dungeon Siege erinnert.

Allerdings ist der Multiplayermodus von Neverwinter Nights wesentlich mächtiger, als der von Dungeon Siege. Aus jedem Modul kann ein Server gemacht werden, bei dem auch viele Optionen eingestellt werden können, wie Spielerzahl, Art des Spieles, z.B. Arena (zum Duellieren), echtes Rollenspiel und vieles mehr. Natürlich kann man auch anderen Spielen beitreten. Für den Internetmodus (bei dem auch ein Serverbrowser mit Gamespyunterstützung eingebaut ist) besteht momentan jedoch das Problem, das die US-Version, die die Masse der Server bietet, bereits gepatched ist, die deutsche Version jedoch nicht. Ein connecten ist daher nicht möglich. Dies dürfte sich zwar ändern, aber im Moment ist es ärgerlich, denn man kann in dem Serverbrowser nicht sehen, ob es ein Gepatchter ist.

Das aber wirklich Innovative ist der Spielleitermodus. Dadurch kommt echtes Pen & Paper-Gefühl auf. Als Spielleiter kann man, am besten per selbstgebauten Modulen z.B. in einer Gilde, ein eigenes Abenteuer spielen, dabei Monster erschaffen, Quests generieren, die Geschichte erzählen, die Spieler teleportieren und vieles mehr. Wirklich genial!

Alles kann nicht genannt werden

Neverwinter Nights ist derart komplex, gerade auch wenn es in den Spielleitermodus geht, dass hier kaum alles genannt werden kann. Es gilt insbesodere der Ausprobierfaktor, der aber gleichzeitig einen großen Reiz darstellt!

Fazit

Neverwinter Nights ist endlich einmal ein richtiges Rollenspiel. Hier liegt die Betonung auf Rollenspiel. Durch die Einführung der 3rd Edition Regeln, wird das Spiel jedoch kampfbetonter und damit auch selten langweilig. Will man allein im Singleplayermodus alle Quests erledigen, kann man locker auf 80 Stunden Spielzeit oder mehr kommen. Dann hört das Spiel jedoch nicht auf, sondern geht erst richtig los; nämlich im Multiplayermodus. Wer Neverwinter Nights treu bleibt, dürfte durch den komfortablen Editor, der großen Community, der Spielleiterfunktion und vielem mehr, fast unendlich Spaß an Neverwinter Nights haben.

Die Grafik ist zweigespalten. Während die Charaktere, die Lichteffekte und die Animationen wunderschön sind und die Levels auch recht abwechslungsreich designed sind, stören kleine Mängel. So sieht das Spiel sehr quadratisch aus. Die Abwechslung und Texturierung ist zwar gelungen, dem Spiel sieht man aber die Modulbauform an. Auch ist es schade, dass NWN derart oft neu laden muß, erbeutete Gegenstände nur in kleinen Säcken auftauchen, die Charaktere Ausweichanimationen machen, wenn sie eine Kiste einschlagen und ähnliches.

Neverwinter Nights ist ein eigenständiges Spiel und kann nur sehr schwer mit anderen verglichen werden. Das Spiel ist in sehr vielen Aspekten innovativ. Das fängt bei der Steuerung an, geht über die Rollenspielregeln und endet beim Gameplay. Bei letzterem sollte man sich vor allem klar sein, dass man einen einzelnen Charakter steuert und keine Gruppe, wie in Baldurs Gate oder auch dem bald erscheinenden Icewind Dale 2!

Es läßt sich aber festhalten, dass Neverwinter Nights auf jeden Fall den Kauf wert ist, denn es ist innovativ und spaßig und bietet erstmalig wirklich echtes Rollenspielgefühl. Man sollte es jedoch als eigenes Spiel sehen und die Erwartungen dementsprechend ausrichten. Nutzt man dann den Multiplayermodus extensiv, wird man über lange Zeit kein Rollenspiel mehr benötigen!

Neverwinter Nights [PC , Justgamers]

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