Gesamtwertung70%/10 |
GrafikBefriedigend SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
Sequels sind wohl das größte Übel, was es auf dem Markt gibt. Die meisten von ihnen kommen an das Original nicht einmal ansatzweise heran. Wenn man von den kontinuierlich auftauchenden Serien einmal absieht, bleiben doch die meisten Nachfolger im Schatten ihrer Vorgänger. Ob im Film, im Fernsehen oder als PC- und Videospiel. Selten lohnt sich der Kauf eines Sequels. Obsidian hat sich dennoch ein Herz gefasst und nach dem weniger inspirierten KotOR2 nun auch das Sequel zum famosen Neverwinter Nights auf den Markt gebracht. Ob dieser Nachfolger endlich einmal den Bann bricht oder wieder nur ein Abklatsch des Originals ist, lest ihr in unserem Test.
Bastelstube für Helden
Da es sich bei Neverwinter Nights 2 um ein Rollenspiel handelt, beginnt dieses, wie jedes zünftige RPG, mit der Erstellung eines Helden. Wer sich gleich ins Abenteuer stürzen will, der kann auf einen Pool an vorgegebenen Charakteren zurückgreifen. Ansonsten stellt ihr euer Alter Ego in Punkto Aussehen, Klassen und Attributen individuell zusammen. Kaum ein Wunsch, der von den Entwicklern dabei nicht befriedigt wird.
Anschließend könnt ihr das recht gut umgesetzte Tutorial durchspielen, welches sich vor allem an Neverwinter-Neulinge richtet. Auf einem Jahrmarkt, der in eurem Dorf abgehalten wird, lernt ihr die Grundzüge des Gameplays nach und nach kennen, bevor ihr euch auf eure Reise macht. Habt ihr so die grundlegenden Elemente erlernt, werdet ihr in die Geheimnisse von Niewinter eingeweiht.
Leider haben die Entwickler die Namen eingedeutscht, wodurch der Zauber des Originals ein wenig verloren geht. In Neverwinter Nights 2 geht es um feindliche Horden, welche einen Kristallsplitter suchen, ein mächtiges Artefakt, welches auch ihr in Besitz nehmen sollt. Da Rollenspiele bekanntlich über eine lange Spieldauer verfügen, kann auch Neverwinter Nights 2 mit über 50 Stunden Spielzeit protzen. Die Story wird dabei recht lebendig erzählt und überzeugt durch zahlreiche Handlungsstränge welche nach und nach zusammen geführt werden. Auch die Handlungsmöglichkeiten wurden sehr offen angelegt.
Niewinter und seine Landschaften bieten leider etwas, das heutzutage nur noch als unmodern bezeichnet werden kann. War es noch in Diablo üblich, zwischen den einzelnen Level-Bereichen nachzuladen, so gingen die folgenden Spiele mehr und mehr zum wesentlich attraktiveren Streaming über, wodurch die Ladezeiten weniger offensichtlich waren und dem Spieler eine permanent zur Verfügung stehende Welt suggeriert wurde. Von dieser Möglichkeit scheint man bei Obsidian allerdings nichts gehört zu haben. Denn immer wieder wird der Spielfluss durch unnötig lange Ladezeiten unterbrochen, was äußerst störend ist.
Zwar gibt es, wie bereits erwähnt, mehrere Handlungsoptionen, doch sind die Level recht klein und auch linear aufgebaut, sodass die Reise auch beim mehrfachen Spielen nichts neues bieten kann.Die Gegner treten an gleichen Stellen mit dem selben Verhaltensmuster auf. Auch das Fehlende Betreten diverser Gebäude und die eingeschränkte Interaktion mit den NPCs sind ein ziemliches Manko.
Irgendwie hab ich da ein Problem
Damit ihr euch mit den Gegnern nicht allein herum schlagen müsst, begleiten euch drei weitere Figuren, die sich nach und nach zu euch gesellen. Neben eurem eigentlichen Helden, könnt ihr auch die anderen Charaktere selbst steuern.
Nervig ist das eher genreuntypische Mikromanagement, da ihr jeden noch so winzigen Befehl zum Teil recht umständlich ausführen müsst. Leider sind die drei Begleiter fast schon zum schmückenden Beiwerk degradiert, da sie aufgrund geringer KI keine echte Hilfe sind.
Bestes Beispiel: Ihr steht in einem Rudel von Gegnern. Auf einmal spricht einer eurer Teamkollegen einen sinnlosen Zauberspruch oder rennt einfach so durch die Botanik, statt euch den Rücken frei zu halten. Auch die Heilkundigen machen ihrem Namen selten Ehre. Auch zahlreiche Fehler im Pfadfinden und unschöne Clipping-Fehler trüben den Eindruck. Dass Neverwinter Nights 2 trotzdem nicht in der Mittelmäßigkeit verschwindet, liegt vor allem daran, dass die Quests recht vielfältig sind.
Aufgrund verschiedener Optionen in den unzähligen Dialogen könnt ihr den Ausgang eines Gesprächs und damit den möglichen Folgen, direkt beeinflussen. Endlich machen Dialoge wieder einmal Sinn und sind nicht nur leere Phrasen, die am besten schnellstmöglich übersprungen werden sollten.
Während ihr euch also so Stunde für Stunde durch die Gegend metzelt, werdet ihr ein weiteres Manko des Titels feststellen. Das Inventar ist äußerst groß, dabei aber absolut chaotisch. Wenn ihr schnell einmal etwas finden wollt – vergesst es. Nahezu alles, was ihr findet, wird im Inventar archiviert. Egal ob sinnvoll oder nicht.
Wir basteln uns ne Welt
Wer keine Lust mehr auf die vorgefertigten Welten hat, der baut sich mit dem mächtigen Editor seine eigenen Welten. Oder wie wäre es mit einer Multiplayer-Partie? Auch das kann Neverwinter Nights 2 euch bieten. PvE-Partien oder das gemeinsame Spielen der Story sind ebenso realisierbar, wie PvP-Gefechte.
Grafisch wirkt Neverwinter Nights 2 eher spröde und veraltet. Vor allem die Umgebungen wirken sehr steril und auch die Animationen der Figuren, lassen zu wünschen übrig. So sehen sie eher aus, als kämen sie aus einem Fisher Technik Baukasten und nicht wie real wirkende Spielfiguren. Ähnliches gilt leider auch für den Sound. Der kommt eher bieder daher, auch wenn die deutsche Synchro recht ordentlich gelungen ist. Auch die Lokalisation wurde nicht konsequent durchgehalten.