Gesamtwertung89%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Jaromir Jagr steht mit dem Rücken zum Tor. Der Puck gleitet über das Eis zu seinem Schläger. Eine schnelle Drehung um den Gegenspieler und er steht vor dem Tor. Zwei Körpertäuschungen, ein platzierter Schuss und der Puck zappelt im Netz. So einfach kann es gehen. Das zeigt das erste Video zu NHL 2006 von EA Sports. Und das weckt die Begeisterung für die mittlerweile 14. Auflage der Eishockey-Simulation. Denn nach einem Jahr ohne NHL die Spieler und die Klub-Bosse konnten sich nicht auf Gehaltsobergrenzen einigen kommt NHL 2006 passend zum Start der Eishockeysaison in Deutschland. Doch was sind die deutschen Cracks gegen die Internationalen Top-Stars? Unbedeutend. Also auf ins Getümmel.
Die Installation läuft problemlos frisst allerdings 1,7 Gigabyte. Dann erscheint es endlich, das EA Logo. Das Menü blinkt auf und sofort wird klar: Konsolengame. Denn das Menü erscheint nur in 800x600 Pixeln und die Navigation ist teilweise umständlich. Aber EA hat das Menü übersichtlich gestaltet. Schade, dass die gewohnte Start-Animation weggefallen ist. Aber ok, nach dem dritten Start wurde diese ohnehin weggeklickt.
Besonders fällt der Spielereditor auf. Also den als erstes ausprobieren. Hier lassen sich Free Agents (Spieler auf dem Transfermarkt) oder Spieler für das eigene Team erstellen und auch bestehende Spieler editieren. Das Aussehen kann relativ umfangreich angepasst werden allerdings nicht so flexibel wie bei Tiger Woods Golf, das auch aus dem Hause EA stammt. Dafür gibt es nette Gimmicks wie Narben oder die gebrochene Nase also für jeden was dabei. Nur eigene Fotos lassen sich leider nicht einbingen. Bei den Spieler-Attributen wird es spannend. War es beim Vorgänger eigentlich egal wie stark ein Spieler war, wirkt sich die Spielerstärke nun auf das Gehalt aus. Schnell steigt das dann auf über 13 Millionen. Also lieber keine 'Top-Stars' für den Dynasty Mode. Denn das sorgt für klamme Kassen. Bei den Spielmodi ist Free For All erweitert worden und das Weltturnier ist neu im Sortiment. Gewohnt stehen die Deutsche, die Finnische und die Schwedische Liga als Elite Ligen zur Verfügung. Doch auf in den Dynasty Mode.
Eine Dynastie beginnt. Den eigenen Namen eingeben und dann die persönlichen Stärken wählen, die von wirtschaftlichem Talent über Motivation und Trainingsboni bis hin zum Verhandlungstalent reichen. Und dann das Tam auswählen schnell können jetzt beispielsweise die Hamburg Freezers in der NHL auf Torejagd gehen. Ob's sinnvoll ist, bleibt dahingestellt.
Dann geht es endlich los. Das Menü wurde grafisch überarbeitet und wirkt nun deutlich ansprechender. Die erste E-Mail trudelt ein. Vom Geschäftsführer. Der klare Auftrag: Platz 1 in den Drafts. Kein Wort zum Saisonverlauf. Schade. Letzter werden und damit das Ziel erfüllen, ist allerdings nicht das persönliche Ziel. Siege sollen her. Noch bevor der Blick auf den Kader fällt, werden die Statistiken unter die Lupe genommen. Endlich kann man sich wieder nicht wie bei 2005 vermisst mit allen Spielern der Liga vergleichen.
Da weiß man nach jedem Spiel wie viele Tore für die Scorerwertung fehlen, um die begehrten Trophäen am Saisonende zu sichern. Etwas schade, dass die in 2005 vorhandenen Erklärungen der einzelnen Wertungspunkte nun nicht mehr erscheinen. Dafür werden allerdings die Spieler in alle möglichen Positionen unterteilt - und die Rookies extra gewertet. Ein super Service für Statistikfans und Trophäenjäger.Das ist auch schon die größte Neuerung in der Zentrale der Macht ansonsten bleibt es beim gewohnten und bewährtem Prinzip. Im sportlichen Bereich lassen sich Rückennummern ändern, Taktiken festlegen oder die Reihen bearbeiten. Im wirtschaftlichen erfolgen die Spielertransfers und die Finanzen.
Verträge können verlängert oder aufgehoben werden nicht uninteressant um die Spielergehälter zu senken. Zudem können Free Agents transferiert werden. Und da tauchen immer häufiger auch gestandene Profis wie Mark Messier, Erik Lindros oder Jaromir Jagr auf. Ab und an also eine echte Schnäppchenbörse.
Unter Finanzen lassen sich Kartenpreise, Fanartikelaufschlag im Stadion und Ausgaben für die Fans frei wählen. Besonders wichtig: Die Upgrades. Diese sind wie gewohnt in die Bereiche Sport, Wirtschaft und Infrastruktur unterteilt. Das Geld für Upgrades erhält man durch die Spiele. Pro gewonnenem Spiel gibt es 20.000 aufs Konto. Gerade bei Upgrades ab drei Sternen heißt es daher: Siegen und Sparen! Also ab aufs Eis.
Die Spotlights kreisen durch die Eishalle. Die Ränge sind gefüllt und die sechs Spieler, die das Spiel eröffnen, werden vor dem Spiel vorgestellt während des Spiels besonders die Neuverpflichtungen. Dann ist es soweit: das erste Bully. Der Puck knallt auf das Eis. Die Saison 2005/06 ist eröffnet. Und eines ist sofort klar: Checks verlieren an Bedeutung. Spieler ohne Puck lassen sich so gut wie gar nicht checken, sondern nur der puckführende Spieler. Dadurch wird der Spielfluss beschleunigt. Kombinationsspiel gewinnt an Bedeutung und die Anzahl der Torchancen so man an den Abwehrspielern vorbei kommt erhöht sich auf realistisches Niveau. Die ersten Gehversuche auf dem Eis erweisen sich als schwierig.
Der Puck gehorcht nicht mehr. Und das ist gut so. Wenn die Spieler den 'Turbo' einlegen, bleibt die Puckkontrolle ab und an auf der Strecke. Besonders schön ist dabei der neue Realismus. Denn abhängig von Größe und Gewicht reagieren die Spieler unterschiedlich, sind schneller oder langsamer oder Checkspezialisten und die schmächtigen ab und an auch nur ein leichtes Kribbeln bei einem gestandenen Verteidiger. Und endlich sausen die Schüsse nicht mehr alle aufs Tor, sondern auch mal dran vorbei. Ein gutes Stellungsspiel vor dem Tor gewinnt dadurch an Bedeutung.
Blinde Pässe werden von den Verteidigern mit Kontern bestraft. Cleverer Spielaufbau und ein gutes Auge sind gefragt. Und neue Tricks. Der 'Skill-Stick', den EA preist, macht sich bezahlt. Schnelle Drehungen um den Gegner sorgen für Verwirrung in der Abwehr. Zudem lässt sich der Puck mit dem Schlittschuh mitnehmen oder zwischen den Beinen durchspielen. So macht Eishockey richtig Spaß und das Tore schießen wird zum Kinderspiel. Und dann kann es auch passieren, dass die Wasserflasche des Torwarts durch echte Knaller vom Netz geschossen wird und aufs Eis kracht. Doch das geht im Jubel unter.
Wem zunächst reichhaltige Treffer verwehrt bleiben, sollte sich nicht wundern. Selbst im Modus Anfänger bleibt es lange torlos. Das liegt aber nicht am Spiel, sondern an den Prioritäten. Statt auf den Puck achtet man anfangs oft nur auf die Eisfläche, die sich abnutzt und bei harten Checks oder guten Bewegungen Spuren der Schlittschuhe zeigt. Wie im echten Leben. Doch wenn man sich am Eis satt gesehen hat, zappelt der Puck auch wieder im Netz. Fernschüsse verlieren deutlich an Bedeutung und die Torhüter sind durch einfache Schüsse schwerer zu überwinden, aber bei Alleingängen und One-Timern sieht es anders aus. Da zappelt die kleine schwarze Scheibe dann doch schnell im Netz. Selbst auf der schwersten Stufe. Manchmal zu oft. Aber das wollen die Zuschauer ja sehen.
Harte Checks und unfairer Einsatz führen beim Eishockey bekanntlich zu Zeitstrafen. 2 Minuten sind das Minimum. Der Spielausschluss die Höchststrafe. Bei NHL 2006 steht ab sofort der Torhüter mehr im Focus. Zeitstrafen wegen Spielverzögerungen beim verlassen seines Torraums und Annahme des Pucks oder wegen 'Beinstellens' gehören plötzlich mit zum Spiel. Eine sehr positive Entwicklung!
Schade, dass dennoch zwei Dinge immer noch nicht integriert wurden. Zum einen gibt es immer noch kein Torraumabsatz was in der Verteidigung ab und an nervt. Auf der anderen Seite fehlt immer noch eine wichtige Strafe.
Bei harten, aber fairen Checks können die Spieler schon mal den Helm verlieren. Dieser ist aber Teil der Schutzausrüstung, die die Spieler tragen müssen. Also darf ein Spieler nicht weiterspielen, wenn er den Helm verliert. Anderweitig würde er mit einer 2-minütigen Strafzeit belegt. Bei NHL 2006 werfen sich die Spieler dennoch ins Getümmel zum Glück nur virtuell...
Für das Handeln auf dem Eis ist man selbst verantwortlich und kann sich so in die Herzen der Zuschauer spielen oder sich deren Abneigung 'erarbeiten'. Bei Heimspielen stehen die eigenen Fans hinter einem in den oberen Rängen allerdings nur in 2D. Bei Siegesserien wird aber auch schnell klar, wie die Fans bei Niederlagen reagieren. Die eigenen Teams werden ausgepfiffen. Zurecht. Diese Verlierer.
Schade, dass die netten Animationen aus NHL 2005 nicht mehr dabei sind von Heiratsanträgen oder jubelnden Anhängern. Zudem finden sich mehr 'Polygon-Fans' in der Halle als beim Vorgänger besonders in den oberen Reihen. Doch das tut der Stimmung keinen Abbruch.
Denn die Atmosphäre überzeugt und begeistert. Weniger begeisterungsfähig sind die Kommentatoren. Man muss sich als Spieler schon einiges einfallen lassen, um lobende Worte zu bekommen aber dann können diese richtig überschwänglich werden.
Schade, dass sie dies nur auf Englisch, Schwedisch und Finnisch sind. Gerne hätte man auch die Deutschen Sprecher über Hattricks und Bodychecks lamentieren gehört. Die Grafik hat sich im Detailbereich verbessert. Aber da gab es ohnehin bei NHL nicht viel zu ändern. Besonders deutlich wird die Grafik bei den Unterbrechungen und nach dem Spiel. Dann werden die Highlights gezeigt ein schöner Service und ein schöner Ausklang für spannende Partien.
War es in der Vergangenheit noch möglich, kostenlos auf den EA Servern zu zocken, so ist es ab sofort gebührenpflichtig. Über Direct IP kann man sich mit seinen Gegnern verbinden. Allerdings zum Teil Adresskonflikte inklusive. Die EA Plattform bleibt ungetestet auch wenn es nur zwei Dollar pro Monat kosten soll.
Da hat der Schweizer Philosoph Richard Ginnow sicherlich recht. Ob er sich jemals mit der NHL 2006 beschäftigen wird, verrät er sicherlich nicht, aber NHL 2006 verrät einige kleine Schwächen. Tastaturzocker werden bei NHL wohl das Zeitliche segnen. Um wirklich alle Funktionen nutzen zu können, braucht man einfach ein Pad oder ein bis zwei Hände mehr. Leider.
Im Dynasty Modus enttäuschen die Zeitungen und die Vereinsführung erneut. Wunsch ist ständig der erste Platz bei den Drafts und wird der nicht erreicht, scheint selbst der Stanley-Cup-Sieg nicht zu zählen. Vielleicht sollte der Vorstand bzw. EA mal mehr Fantasie einbringen. Das gleiche gilt für die Meldungen in den Zeitungen, die von Shootouts (Spiele ohne Gegentor), glücklichen Siegen (was ist an einem 21:1 glücklich?) oder Niederlagen berichten. Hier könnte es ruhig etwas kreativer zugehen. Sonst könnte man sich dies sparen.
Schade, dass man bei den Statistiken nach Toren spart. Wurden in der Vergangenheit noch die Tore und Vorlagen in der Saison und die Scorerpunkte angezeigt, so kann man nun nur noch die Passgeber und die Tore im aktuellen Spiel sehen. Schade. Das war immer eine schöne Statistik, die auch während des Spiels motivierte, einige Spieler besonders in Szene zu setzen.
Ein weiterer Wehmutstropfen sind die Sprachen. Kommentiert werden die Spiele in Englisch, Finnisch und Schwedisch. Sicherlich ist es lustig mal eine Party in Finnisch zu verfolgen, aber da vermisst man doch irgendwie Deutsche Sprecher. Aber vielleicht kommen diese ja mal zurück. Ok, niemand will sie wirklich hören, denn die amerikanischen Kommentatoren sind unübertroffen, aber man hätte halt die Option gerne.
Was EA immer noch nicht unter Kontrolle hat, ist die +- Berechnung. Dabei werden die erzielten Tore als Plus-, die kassierten Gegentore als Minuspunkte berechnet. Daraus ergibt sich der +- Wert. Eigentlich. Denn wenn ein Spieler mehr als 255 Pluspunkte hat, beginnt die Berechnung wieder bei minus 255 Punkten. Vermutlich wird dieses Problem auch wieder auftreten, wenn das Team mehr als 1000 Tore erzielt, denn im Vorgänger wurden die Tausenderstellen dann plötzlich 'verschluckt'. Sobald so viele Tore erzielt sind, wird die Info nachgereicht. Peinlich, dass sich dieser Fehler nun seit NHL 2003 durchzieht. Dabei wäre das sicherlich leicht zu beheben.