Gesamtwertung78% |
GrafikGut TonGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Ausgelöst durch den Genre-Primus Runaway erscheinen in letzter Zeit immer mehr Adventures, die es dem großen Vorbild gleich tun wollen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Ob auch Nibiru - Der Bote der Götter Chancen auf die Pole Position der Adventures hat, erfahrt Ihr in unserem Review.
Doch diesmal hört es sich wirklich interessant an: während der Bauarbeiten zu einer neuen Umgehungsstraße wurde nämlich der Eingang eines alten Tunnels entdeckt, der aus der Zeit des Dritten Reiches zu stammen scheint. Die Nazis stießen bei der Suche nach neuen Waffen und Ressourcen auf Fragmente uralter Geheimnisse. Geheimnisse, die auf die Existenz von Nibiru hinweisen – dem mysteriösen und bislang unentdeckten zehnten Planeten des Sonnensystems.
BILDSTRECKE: Nibiru (12 Bilder)
Angestachelt von solch verlockenden Tatsachen lässt sich Martin natürlich nicht lange bitten und steigt in den nächstbesten Flieger zu seinem Onkel, der ihm ein Treffen mit einer Kontaktperson arrangiert, die jedoch – bedingt durch äußere Umstände – nicht zum vereinbarten Zeitpunkt erscheint. Somit nimmt die mitreißende Story von Nibiru ihren unerschütterlichen Lauf...
Bei Adventures ist die Frage nach der Schwierigkeit der Rätsel natürlich essentiell. Bei Nibiru dürften sich allerdings nur absolute Anfänger oft die Zähne ausbeißen. Die meisten Rätsel bestehen aus dem gewohnten Kombinationsschema, was im Endeffekt für alte Adventurehasen zu einfach ist.
Man muss den Entwicklern zwar lassen, dass die Knobeleien fast durchgängig einen Sinn ergeben, aber wenn man nahezu von Rätsel zu Rätsel „flutscht“ macht das nach einer gewissen Zeit einfach keinen Spaß mehr. Schließlich gehören Denkpausen zu Adventures dazu wie das Amen in der Kirche.
Ebenfalls stößt es negativ auf, dass Nibiru metaphorisch die Gerade im Koordinatensystem der Adventures darstellt. Soll heißen, das Spiel ist so beinhart linear, dass man sich manchmal fragt, was das eigentlich soll. Beispiel: gleich in der ersten Szene befragen wir einen Maler nach einer jungen Frau. Dieser ist jedoch in seine Arbeit vertieft und bittet uns zu warten. Der unerfahrene Rätselfreund wird sicherlich jetzt einige Zeit warten, um dann den Mann erneut zu fragen. Was er bekommt, ist jedoch die gleiche Antwort wie vorher. Nein, wir müssen uns natürlich zuerst einen zufällig herumstreunenden Touristen mal genauer ansehen, bevor der Maler mit seiner Arbeit fertig ist. Natürlich! Warum sind wir da nicht eher darauf gekommen? Weil das alles so strikt linear vom Entwickler vorgegeben wurde.
Grafisch weiß Nibiru zu begeistern: die Schauplätze wurden sehr schick und bis ins kleinste Detail designed. Durch kleinere Animationen wie starken Regenfall oder wegfliegende Vögel wurde außerdem verhindert, dass die Szenerien zu steril wirken. Die Animationen der Charaktere könnten hingegen besser sein. Manchmal hat es den Anschein, als hätten diese einen Besen zum Frühstück verspeist. Das gelungene Aussehen der Figuren macht diesen Faux-pas jedoch wieder wett.
Sorgen um die Synchronisation braucht man sich bei dtp wahrlich nicht zu machen: schon in anderen Adventures wie Runaway oder Black Mirror leisteten die Tonexperten wahrlich gute Arbeit. Bei Nibiru wird diese Tradition fortgesetzt. Unser Titelheld etwa bekommt von niemand geringerem als dem deutschen Sprecher von Matt Damon die Stimme geliehen. Auch sehr nett: in weiteren „Nebenrollen“ wurden die Stimmen der erfolgreichen Sitcom King of Queens verpflichtet. Genug Prominenz für ein spannendes Abenteuer also. Die restlichen Soundeffekte sind solide, hauen jedoch nicht vom Hocker.
Im Gegensatz stehen dazu jedoch die detaillierten und atmosphärischen Szenarien, die originelle und sogar auf wahren Tatsachen – Gerüchte um Nibiru gibt es wirklich schon sehr lange – beruhende Story sowie die exzellente Synchronisation der Charaktere. Allen Freunden leichter Rätselkost rate ich unbedingt einen Blick auf Nibiru zu werfen. Denn für Schlecht-Wettertage ist die Knobelei genau das Richtige.
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