Gesamtwertung80%/10 |
GrafikSehr gut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
The Mainzer Dream
Das in der ZDF-Stadt Mainz angesiedelte Entwicklerteam von Related Designs lieferte vor knapp zwei Jahren das Echtzeit-Strategiespiel America ab. Sowohl grafisch als auch spielerisch erinnerte America stark an Ensembles Strategie-Hit Age of Empires 2, allerdings ohne auch nur annähernd dessen Klasse zu erreichen.
Zwei Jahre später nun veröffentlicht Related Designs No Mans Land, ebenfalls ein Echtzeit-Strategiespiel. Doch anders als America bedient sich der inoffizielle Nachfolger diesmal nicht bei Age of Empires 2 sondern beim neuesten Age of Empires-Sproß Age of Mythology.
In der ersten der drei Kampagnen übernehmt Ihr die Rolle des spanischen El Capitan Carvinez und müsst den Korsaren Drake daran hindern, eure Goldvorkommen im frisch besetzten Amerika zu stibitzen. Den von den Engländern für ihre Zwecke versklavten Ureinwohnern, den Amerikanern, hilft Carvinez als spanischer Kapitän von Welt natürlich so ganz nebenbei auch noch.
In der zweiten Kampagne dürft Ihr dann selbst in die Rolle der Wald- und Prärie-Indianer schlüpfen, um die englischen Besatzer aus dem Heimatland zu vertreiben.
Schlussendlich übernehmt Ihr in der dritten Kampagne dann die Rolle von englischen Pilgern, die sich mit Haut und Haar für ihr freies Amerika zur Wehr setzen. Während der drei Kampagnen dürft Ihr auf insgesamt sechs Fraktionen zurückgreifen, unter anderen Waldindianer, Spanier oder die fiesen Engländer.
Insgesamt werden in No Mans Land rund 200 Jahre amerikanische Geschichte abgedeckt, was man dem Spiel leider anmerkt, da die drei Kampagnen alle nicht viel miteinander zu tun haben und jede für sich in Sachen Story nicht richtig Spannung aufbauen kann. Nervig ist auch, dass das Spiel gerne auf alteingesessene Klischees zurückgreift, etwa wie die bösen und allesamt skrupellosen Besatzer und die freundlich-patriotischen Amerikaner.
Die während den Missionen ablaufenden Zwischensequenzen triefen voller Klischees und althergebrachten Vorurteilen, sodass man mehr als nur einmal schmunzeln muss.
Einen guten Eindruck haben hingegen die gerenderten Intros hinterlassen, die meist äußert imposant und flott inszeniert worden sind.
Lets play a gameEbenso wie im großen Vorbild Age of Mythology müsst Ihr in No Mans Land in den meisten Missionen eine Basis errichten und Einsatzkräfte ausbilden. Als Ressourcen fungieren in No Mans Land hierbei Gold, Nahrung sowie Holz, die bei Bedarf in Gebäuden, die als eine Art Markt dienen, untereinander eingetauscht werden können. Überaus gelungen in No Mans Land sind vor allem die unterschiedlichen Fraktionen und deren zur Verfügung stehenden Mittel; während Indianer mit Pfeil und Bogen gegen die englischen Besatzer antreten, schießen die Spanier mit modernster Flottentechnik Freibeuter Drake gen ewige Jagdgründe.
Leider unterscheiden sich die Fraktionen insgesamt zu wenig, was vor allem im Vergleich zu den Genre-Königen WarCraft 3 und Age of Mythology negativ auffällt.
Wie etwa in C&C Generals oder anderen Genre-Vertretern sammeln eure Einheiten Erfahrungspunkte. Das hat den Vorteil, dass eure Mannen z.B. mehr einstecken oder austeilen können, was in Massenschlachten entscheidend sein kann.
Die Missionen hingegen, die dann doch wieder in den alten America-Trott verfallen, wirken mit abstand am schlechtesten. Vor allem der Basenbau avanciert des Öfteren zur wahren Geduldsprobe, da die Spielgeschwindigkeit ein gemächliches Tempo an Tag legt sie kann zwar erhöht werden, allerdings empfiehlt sich dies meist nicht, da sonst die Übersicht über das Spielgeschehen verloren geht.
Negativ fallen da nur die etwas misslungenen Animationen der Einheiten auf, die eher an Daniel Kübelböck auf Ecstasy als an stolze Soldaten erinnern.
Abgerundet wird das Ganze mit üblichen Spielmodi wie Deathmatch oder King of the Hill.
Unterschiede zu Age of Mythology machen sich jedoch vor allem in puncto Story und Fraktionen bemerkbar, die bei Ensembles Strategie-Kracher ein deutlich besseres Bild abgeben und einen höheren Suchtfaktor erzeugen. Auch die vor Vorurteilen und althergebrachten Klischees strömenden Spiel-Zwischensequenzen wirken eher peinlich als gelungen.
Dass die Mainzer Entwickerstube etwas vom Fach versteht, zeigen sie mit No Mans Land, dass sie aber auch mit teuren US-Produktionen wie WarCraft 3 und Age of Mythology mithalten können, müssen sie noch beweisen. Tipp: Ab in den Laden und No Mans Land eine Chance geben, dann könnte der Beweis vielleicht schon bald erfolgen.
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