Gesamtwertung70%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungBefriedigend |
Nostradamus. Ein Weiser, Gelehrter, Alleskönner, Hellseher, Prophet, Hexer und Schamane. Was wurde nicht alles über den Mann behauptet, der im 16. Jahrhundert gelebt hat und mit seinen mystischen weil kryptischen Texten angeblich die Zukunft voraussagen konnte.
Dass dabei die angeblichen Prophezeiungen auf so ziemlich jedes Ereignis umgemünzt werden und alles was im Auge des Betrachters relevant sein könnte, ist ein wichtiges, dennoch oft unterschlagenes Faktum. Das Entwicklerstudio Peter Games, das bereits für The Secrets of Da Vinci verantwortlich zeichnete, hat nun ein Spiel über Nostradamus in den Handel gebracht, welches uns den Meister näher bringen soll.
Warum ist das alles so leer hier?
Die Handlung von Nostradamus Die letzte Prophezeiung ist im Frankreich des 16. Jahrhunderts angesiedelt. Ihr gelangt in den Wirkungskreis des Michel de Nostradamus.
Eine unheimliche Mordserie am Hofe der Königin von Frankreich sorgt für Entsetzen. Was hat Nostradamus damit zu tun?
Was sagt seine letzte Prophezeiung aus? Kann diese durchkreuzt und somit der Lauf der Geschichte verändert werden? Lauter Fragen, die ihr selbst beantworten werdet. Im Spiel schlüpft ihr nicht in die Haut des großen Propheten, sondern in die seiner Tochter Madeleine.
Doch da Frauen in dieser Zeit keine Lobby haben, verwandelt sich Madeleine zu Spielbeginn in ihren Bruder Während eures Abenteuers verfolgt ihr das Geschehen aus der Ego-Perspektive.
Während ihr die Verbrechen aufklärt, wandert ihr ganz im Stile der Myst-Titel durch vorgerenderte Szenarien. Ihr klickt euch von Bild zu Bild, was in gewissem Maße einer Diashow gleich kommt. Dennoch könnt ihr in den einzelnen Bildern euch um 360 Grad umsehen. Wichtige Objekte findet ihr an vorgegebenen Orten, in Schubladen, Regalen und so weiter. Im Laufe der Zeit wandern so alle möglichen nützlichen und unnütze Gegenstände in euer Inventar.
Nervig ist, dass dabei jedesmal alles auf einem Stapel gesammelt wird, statt schön übersichtlich. Dieses Problem löst sich erst bei einem Klick auf den Auto-Button. Im Inventar könnt ihr neben eurer Spielfigur auch aktuelle Aufgaben, Dialoge und wichtige Szenen in der Wiederholung ansehen. Das Journal ist so ausführlich, dass jeder Satz, der irgendwann einmal gesprochen wird, in den Aufzeichnungen landet. Bei zahlreichen gleich lautenden Sätzen ein wenig unübersichtlich.
Manche Objekte, mit denen ihr interagieren könnt, sind weniger einfach zu finden, da sie klein oder unscheinbar sind. Oft liegt die Benutzung von Items nicht auf der Hand. Dann müsst ihr experimentieren. Ob ihr mit einem Gegenstand interagieren könnt, zeigt euch der Cursor wenn er sich in eine Hand, ein Zahnrad, einen Mund oder ein Auge verwandelt. Dann könnt ihr mit den Figuren reden, Gegenstände näher betrachten und mit ihnen interagieren.
Die Locations, die ihr im Spiel besucht, leiden allesamt unter einem Manko: Sie wirken extrem steril. Zwar erreichen die einzelnen Szenarien Postkarten-Qualität. Dennoch fehlt es ihnen an animierten Einzelheiten, sich bewegenden Personen und Gegenständen kurz: Leben. Hinzu kommt ein übertriebener Weichzeichner, der für Render-Adventures eigentlich recht ungewöhnlich ist.
Hinzu kommt, dass die wenigen Personen, auf die ihr trefft, sich bewegen, als hätten sie ein Lineal verschluckt, derart steif sind sie animiert. Auch Gestik und Mimik wurden mehr schlecht als recht in Szene gesetzt. Genrekönig Myst beweist, wie dies mit echten Schauspielern weit besser funktionieren kann. Besser gelungen sind da schon der stimmungsvolle inszenierte Soundtrack, der an typische Mittelalter-Filme erinnert (eigentlich Unsinn, bedenkt man, wann das Mittelalter endete). Auch Sprecher leisten gute, wenn auch nicht überragende Arbeit. Leider wiederholen sich ihre Phrasen des Öfteren.
Sehr Rätselhaft
Um die unerklärlichen Morde zu enträtseln, müsst ihr nicht nur Gespräche führen und Indizien sammeln, sondern auch noch eine Vielzahl an kleineren und größeren Kopfnüssen lösen. Diese fächern sich auf in simple Rätsel, bei denen ein bis zwei Gegenstände miteinander kombiniert werden wollen, bis hin zu Myst-typischen Rätselorgien, die nur mit längerem Nachdenken oder versteckten Hinweisen raus zu bekommen sind. Doch wenn ihr absolut nicht weiter kommt, könnt ihr immer noch Nostradamus, den Meister himself, um Rat fragen.
Trotz allem solltet ihr das Spiel nach etwa zehn bis zwölf Stunden absolviert und die letzte Prophezeiung entschlüsselt haben. Vor allem Kenner diverser Vergleichstitel sollten rasch durch den Titel gelangen. Ein großes Manko ist die viel zu kurz gehaltene, unspektakuläre und ab dem zweiten Drittel des Spiels vorhersehbare Story. Hier hätten die Entwickler mehr Gewicht legen müssen.
Wer auf langatmiges Bilder-Abklappern in historischer Kulisse steht und außer dem Myst-Online Teil Uru: Ages beyond Myst alle Rätsel der Reihe gelöst hat, findet gewiss Gefallen. Alle anderen sollten aber vor einem eventuellen Kauf erst einmal ausgiebig Probe spielen.