Obscure 2

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Atari
Entwickler
Hydravision
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
Obscure 2 [PC , looki.de]

Gesamtwertung

75%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Befriedigend

Obscure 2

Wieder einmal hat die Wissenschaft Mist gebaut und wir dürfen es ausbaden. Statt den üblichen Genexperiments-Einerlei stehen nun aber ganz andere Monstren auf dem Plan, die es auf unsere jungen Körper abgesehen haben. Kann sich Obscure 2 auch nur im Entferntesten an seinem Vorgänger messen? Sind wir von Looki einfach nur bescheuert und haben keine bessere Einleitung als eben diese gefunden? Hat der Kenny mit der Amy, die ja eigentlich schon mit Corey, dem Schwippschwager von Mei, hatte? Ihr erfahrt es – vielleicht - in unserem Review!

Nichts außer altes Laub...

Dass Grünzeug nicht zwangsläufig gesund sein muss, lehrte uns bereits der Vorgänger von Obscure 2, in dem zwei größenwahnsinnige Botaniker an einer Schule herumexperimentierten und durch besagtes Grünzeug Schüler und Lehrer in eklige Monstrositäten verwandelt wurden. Im Nachfolger sind die Guten zwar tot, ihre teuflischen Pflanzen aber noch längst nicht zerstört. Und so kommt es wie es kommen muss: Eine Blüte des Übelmachers fliegt in einer Forrest Gump-Gedächtnissequenz in der Luft umher, bis sie schließlich die Pforten der Leafmore Highschool erreicht. Dort dreht sich derweil alles um die Abschlussfete, die am gleichen Abend im Anwesen einer Studentenverbindung stattfinden soll. Statt sich aber Gedanken über die eigenen Klamotten zu machen, wird erst einmal ein Joint zur Entspannung gezogen. Bei dieser Gelegenheit wird auch schon einmal Bekanntschaft mit den Charakteren von Obscure 2 gemacht: Da wäre zu Beginn Hackerin Mei, der sportliche Corey, Schönheit Amy sowie der muskelbepackte Kenny. Letzterer ist auch der einzige Überlebende des Horrors aus Teil eins. Weitere Figuren folgen später im weiteren Verlauf, insgesamt schafft es der Titel damit auf sechs spielbare Charaktere. Aber nun weiter zum Desaster: Nachdem wir wegen der Verwisch-Optik bedingt durch unratsamen Drogengenuss fast zu kotzen angefangen hätten, hat die Party auch schon begonnen. I

In der Haut von Kenny und Amy – ein Wechsel zwischen den Charakteren ist ständig möglich – haben wir jedoch keinen Zutritt, schließlich sind wir nicht eingeladen. Anstatt angepisst nach Hause zu fahren, entscheiden sich die Beiden jedoch dazu, sich durch einen Hintereingang besagten Zutritt zu verschaffen. Gesagt, getan: Cutscene! Wir hätten ja fast den Grund vergessen, den Obscure 2 zum Teenie-Horror macht. Richtig! Just in dem Moment, als wir durchs Fenster des Anwesens steigen wollen, beginnt eine weitere Blüte der mysteriösen Pflanze aufzugehen. Randbemerkung: Wie kam die eigentlich dahin?

Egal, sie blüht jedenfalls und mutiert den größten Teil der Anwesenden in eine Horde blutleckende Monster, die sich die Minderheit der normal gebliebenen Sippschaft ganz groß auf die Speisekarte geschrieben hat. Kenny und Amy denken zu diesem Zeitpunkt jedoch immer noch, gleich eine mordsmäßige Fete zu erleben. Mordsmäßig trifft es sogar fast auf den Punkt, denn wenige Augenblicke später verbarrikadiert sich eine Überlebende vor unseren Augen mit der Bitte, das wir doch mal bitte ganz schnell den Revolver aus dem Billiardzimmer holen mögen. Haben wir auch, als wir jedoch zurückkehren, wird Sweetie von einem ganz und gar nicht süßen Fleischklops erledigt.

Der erste Kampf steht an und stellt trotz der beachtlichen Erscheinung des Gegners dank Schießprügel und Baseballschläger kein allzu großes Problem dar.

Von Liebhabern für Liebhaber...

Und jetzt einmal bitte Hand aufs Herz: Habt Ihr in den drei ersten Abschnittes unseres Artikels etwas gemerkt? Wenn nein, dann habt Ihr wohl nur wenige bis keine Sequels zu Teenie-Horrorstreifen gesehen. Obscure 2 hakt nämlich sämtliche Klischees eines typischen Nachfolgers rigoros ab: Das gleiche Grauen wie schon vor einiger Zeit geht in die nächste Runde? Jepp! Der einzige Überlebende des ersten Teils ist mit an Bord? Exakt! Logiklücken machen sich schon früh bemerkbar? Richtig. Unwichtige NPCs sind trotz aller Barrieren so oder so dem Tode geweiht? Na aber hallo! Und vor allem folgende Sache: Gemäß der Tradition eines waschechten Nachfolgers müssen mehr Leute denn je dran glauben. Glaubt uns, nachdem wir Obscure 2 gespielt hatten, dachten wir dass es die Joints von vorhin bis in die Riege der USK geschafft haben, die das Spiel mit einem blauen Stempel belohnte.

Damit auch fröhlich weitergemetzelt werden darf, werden neue Gegenstände und Waffen auf ständigem Wunsch per Inventar dem Charakter Eurer Wahl zugeteilt. Da man oft zu zweit unterwegs ist, empfiehlt es sich, den gut agierenden Kollegen – der bei einem jederzeit aktivierbaren Coop-Spiel übrigens von einem Freund übernommen werden kann - bei der Waffenverteilung nicht zu vergessen. Ansonsten setzt Obscure 2 vor allem auf seine unterschiedlichen Figuren: Während Kenny der Muskelprotz der Gruppe ist und schwere Gegenstände wie Kisten verschieben kann, hat Mei hingegen echtes Hacker-Know-How zu bieten und knackt gesicherte Türen mit Hilfe von – im späteren Verlauf gar recht kniffligen – Anagrammen. Amy versteht sich stattdessen besonders gut auf das Entschlüsseln von unleserlichen Hinweisen und Codes. Last but not least ist Corey wie eingangs erwähnt der sportliche Typ, kann also auf Vorsprünge hüpfen und klettern.

Kommt Ihr mit zwei Figuren also einmal nicht so recht voran, solltet Ihr überlegen, ob nicht ein anderer Charakterer an hier und da eingestreuten Sammelstellen sich wegen seiner speziellen Fähigkeiten besser als Partner machen würde. Schlimm nur, was die Entwickler mit der Kameraführung angestellt haben: Jene „Führung“ läuft zwar an sich automatisch mit, muss jedoch fast die ganze Zeit über per Maus nachjustiert werden. Dass dies durch die übertriebene Empfindlichkeit in Gefechten - wenn wieder einmal alles, nur unsere Helden nicht im Bilde sind - mitunter wirklich nervig ist, kann sich wohl selbst Kai Pflaume an seinen vier Fingerkuppen abzählen. Gelungen sind den Machern jedoch die zahlreichen Déja-Vu-Momente, die es im Verlaufe des Abenteuers gibt. Der Spieler erlebt die toll inszenierte Story immer wieder aus anderen Blickwinkeln, zu anderen Zeitpunkten und mit anderen Ereignissen.

Durchlauft Ihr also mit Eurem jeweiligen Pärchen einen monsterleeren Raum, kann es sein, dass Ihr später wieder mit anderen Figuren durch das selbe Zimmer spaziert, im Gegensatz zu vorher aber nun auf Widerstand trefft. Das macht Laune und besitzt einen nicht von der Hand zu weisenden Charme. Wie es sich für ein richtiges Sequel gehört, übertrifft auch Obscure 2 in technischer Hinsicht seinen Vorgänger – wenn auch nur minimal. Da das Spiel auch für die PlayStation 2 entwickelt wurde, verwundert es kaum, dass sich beide Versionen zugunsten des Aufwands optisch nur marginal voneinander unterscheiden. Mögen die Animationen und die Charaktere allgemein noch ganz gut wirken, enttäuscht leider manch unsaubere Textur auf ganzer Länge. Gelungen ist jedoch die atmosphärische Musikuntermalung ganz im Stile eines Survival-Horrors sowie die überzeugenden, wenn auch nur englischen Sprecher. Immerhin gibt es im Gegenzug dafür deutsche Untertitel.

Fazit

Ohne Zweifel ist Obscure 2 für Freunde des Survival-Genres im Allgemeinen und Teenie-Horrors im Speziellen einen definitiven Blick wert, es kränkelt aber zuweilen an der chronisch verunglimpften Kameraführung, die manchen Fight zur „Rate mal wo ich bin“-Show degradiert und den eigenen Magen in bestimmten Momenten zu Höchstleistungen treibt. Sieht man jedoch davon - sowie von der eher veralteten Grafik – ab, offenbart sich Obscure 2 als nette – und gut auch zu zweit zu spielende - Hommage an die ganzen Fortsetzungen mehr oder minder erfolgreicher Slasher- und Horrorfilme da draußen. Und sowas wollte man doch auch schon immer mal auf dem eigenen Monitor erleben, oder?

Obscure 2 [PC , looki.de]

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