Onimusha 3
Endlich sind auch auf dem PC die Dämonen des Dämonenkönigs Oda Nobunaga los! Diesen etwas verwunderlichen Umstand haben wir einem besonderen Deal zwischen Ubisoft und Entwickler Capcom, der am 1. Februar offiziell in einer Pressemitteilung bekannt gegeben wurde, zu verdanken. In dieser verkündete Ubisoft, dass mit dem Entwickler Capcom ein Vertrag abgeschlossen wurde, der regelt, dass Portierungen von Devil May Cry 3: Dantes Erwachen, Resident Evil 4 und Onimusha 3: Demon Siege für den heimischen PC veröffentlicht werden können. Während Devil May Cry 3 und Resident Evil 4 erst im späteren Jahresverlauf erscheinen sollen, macht Onimusha 3 den Anfang und stellt sich hier nun dem Härtetest.
Zwei Krieger, zwei Welten
Kyoto am 02. Juni 1582. Lodernde Flammen umringen den prächtigen Hannoji-Tempel im mittelalterlichen Japan. Eine Gefolgschaft von mutigen Samurai steht kampfbereit vor den Stadttoren, die zum Tempel führen. Mitten unter den Kriegern ragt eine vertraute Gestalt heraus. Es ist der legendäre Samanosuke Akechi, der Krieger mit der Oni-Kraft. Er ist der Stärkste von Japans Samurai und galt bisher als der Bezwinger des mächtigen Dämonenkönigs Oda Nobunaga. Doch Nobunaga ist aus dem Totenreich zurückgekehrt, wie es einst die alten Prophezeiungen vorhersagten. Nachdem sich Samanosuke bis in den Tempel durchgekämpft hat, steht ihm nur noch Ranmaru Mori Nobunagas Leibwächter im Weg, der den finalen Kampf gegen seinen Herrn verhindern will. Nachdem sich Samanosuke auch seiner entledigt hat, steht er kurz darauf seinem alten Widersacher gegenüber. Aber der Kampf wird durch etwas Seltsames gestört, das beiden Kämpfern fremd ist. Eine Art schwarzes Loch öffnet sich, verschlingt Samanosuke und bringt ihn in ins Paris des 21. Jahrhunderts. Paris / Frankreich am 08. Mai 2004. Jacques, ein Mitglied des französischen Militärs telefoniert gerade mit seinem Sohn Henri, als er über Funk eine schreckliche Mitteilung bekommt. Die Hölle ist über die einst friedliche Stadt Paris eingebrochen. Skrupellose Dämonen fallen über unzählige Einwohner her, Blut fließt in den Straßen und Frankreichs farbenfrohe Stadt gleicht einem Inferno. Inmitten dieser Hölle versucht Jacques seinen Kollegen beistand zu leisten und sich gegen die feindlichen Eindringlinge zu behaupten. Als jeder Funke Hoffnung zu erlöschen scheint, taucht plötzlich ein Samurai auf und rettet Jacques das Leben. Noch bevor sich die zwei näher unterhalten können wird auch Jacques in eine Art schwarzes Loch gezogen und findet sich darauf in einem mittelalterlichen Wald in Japan wieder.
Zwei Krieger, zwei Welten. Ein Samurai im heutigen Paris und ein Militarist im mittelalterlichen Japan. Gemeinsam erleben beide ein episches Abenteuer, das sie durch 500 Jahre Geschichte führt und das zudem die Grenzen zwischen Raum und Zeit bricht.
Ein Schicksal, ein Kampf
Aber warum müssen zwei Krieger wie sie verschiedener kaum sein könnten diesem Abenteuer entgegentreten? Der Grund hierfür klärt sich im Laufe des Abenteuers, von dem wir jedoch nicht alles verraten wollen. Nobunagas Forscher Guildenstern ist dabei, eine Art Zeitmaschine zu entwickeln, mit der er zusammen mit den Genma-Kriegern die Gegenwart beziehungsweise deren Zukunft verändern und erobern will. Da es nun selbstverständlich für einen Helden nicht möglich ist, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, schlüpft ihr deshalb im dritten Teil der Onimusha-Reihe in die Rolle zweier verschiedener Charaktere.
Samanosuke Akechi, der 47 jährige Samurai ist der Neffe von Mitsuhide Akechi, einem General, der einst im Dienste des Tyrannen Oda Nobunaga stand. Dank der Oni-Kraft, die in Samanosukes Adern fließt, ist er nicht gealtert, sondern ist nach wie vor jung und vital. Aufgrund seiner überragenden Fähigkeiten im Schwertkampf und seiner langjährigen Erfahrung im Dienste der Samurai ist er von fast allen Dämonen gefürchtet. Er wird von Takeshi Kaneshiro gespielt, den vielleicht einige schon durch diverse Werbespots von bekannten Herstellern wie Mitsubishi oder Ericsson kennen und der zuletzt im Kinofilm House of the Flying Daggers zu sehen war.
Der 36 jährige Jacques Blanc ist Mitglied des 29. Sonderkommandos des französischen Verteidigungsministeriums. Er ist äußerst athletisch, zudem hochintelligent und außerdem ein exzellenter Kämpfer. Jacques wird vom Schauspieler Jean Reno gespielt, der durch seine Rollen in Leon der Profi, Ronin, Godzilla und Die purpurnen Flüsse eigentlich jedem bekannt sein dürfte.
Ihr schlüpft also in die Rollen dieser zwei außergewöhnlichen Charaktere und kämpft euch in bekannter Onimusha-Tradition durch zwei verschiedene Welten und zahlreiche Genma-Krieger. Ebenfalls durch die Vorgängerteile bekannt ist das aufsammeln von Seelen, welche bezwungene Widersacher hinterlassen. Mit diesen können die Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände aufgewertet werden, damit diese mehr Schaden anrichten oder besseren Schutz bieten. Kommen wir nun aber zu den Neuerungen, die der dritte Teil zu bieten hat. Die Aufmachung von Onimusha 3 wird euch diesbezüglich als erstes auffallen. Waren in den beiden PlayStation 2-Prequels noch vorgerenderte und unflexible Hintergründe an der Tagesordnung, so bekommt ihr hier erstmals das Spielgeschehen in Echtzeit-3D geboten. Das neue grafische Gewand kann sich demnach durchaus sehen lassen und wirkt zudem viel lebendiger und auch dynamischer. Auch die PC-Umsetzung braucht den optischen Vergleich mit der PS2-Version nicht zu scheuen, zumal die meisten Texturen nun geschmeidiger wirken als beim PlayStation 2-Pendant. Gründlich überarbeitet wurde auch die Steuerung. Samanosuke und Jacques lassen sich nun ganz geschmeidig über den Analog-Stick durch die lebendige Spielwelt steuern, auf eine frei schwenkbare Kamerasteuerung hat man jedoch leider erneut verzichtet. Das ist zwar nicht weiter tragisch, denn die feste Kamera hat eigentlich fast immer alles im idealen Blickwinkel, trotzdem werden einige Spieler diese Funktion vermissen.
Action im Doppelpack
Teamwork steht in Onimusha 3 an oberster Stelle. In einigen Spielabschnitten habt ihr nämlich die Möglichkeit, euch zusammen mit eurem Partner ins Gemetzel zu stürzen. Während dieser Passagen übernehmt ihr allerdings nicht dessen Kontrolle, sondern dies erledigt der Computer für euch. Überwiegend seid ihr aber auf euch alleine gestellt. Begleitet werdet ihr lediglich von dem kleinen Tengu-Mädchen namens Ako. Dieses kleine Wesen lässt sich am treffendsten mit der kleinen Fee namens Tinkerbell vergleichen, die im Märchen Peter Pan vorkommt. Allerdings beschränkt sich deren Handlungsfreiraum nicht nur darauf umherzufliegen und schön auszusehen, nein, die kleine Ako ist den beiden Helden sogar von großem Nutzen. Sie verfügt über die Fähigkeit, durch die Zeit zu reisen und kann so Gegenstände zwischen Vergangenheit und Gegenwart transportieren. Einige Rätsel müssen nämlich zuerst in der Vergangenheit gelöst werden, damit ein Weiterkommen in der Gegenwart überhaupt möglich ist. Sie ist also ein wichtiger Bestandteil in eurem Abenteuer, allerdings kann Ako noch weitaus mehr als nur durch die Zeit zu reisen. Im weiteren Spielverlauf werdet ihr eine Vielzahl an unterschiedlichen Westen finden, die ihr der kleinen Tengu-Dame anziehen könnt. Trägt Ako beispielsweise eine weiße Weste, kann sie eure Lebensenergie regenerieren.
Ist sie mit einer blauen bekleidet, könnt ihr gegnerische Seelen schneller einsaugen und mit einer lilafarbenen Weste verbraucht ihr bei einem Spezialangriff nur noch die Hälfte Eurer Magiepunkte. Allerdings kann Ako die Westen erst tragen, wenn ihr die dafür notwendigen Eco-Spirits eingesammelt habt.
Auf den ersten Blick mag Onimusha 3 zwar gewohnte Hack&Slay-Kost bieten, es steckt aber weitaus mehr Potenzial in diesem Titel. Die Kämpfe garantieren euch nämlich jede Menge taktischen Freiraum und Abwechslung wird euch zwischendurch mit kleineren Rätsel- und Geschicklichkeitseinlagen geboten. Beispielsweise müsst ihr zuerst ein Schieberätsel lösen, um Kisten mit wertvollem Inhalt öffnen zu können. An anderen Stellen im Spiel müsst ihr unter anderem eine korrekte Tastenkombination eingeben, um aus einer Falle zu entkommen. Zugegeben, das erfordert zwar nicht wirklich viel Hirnschmalz, trotzdem lockert es die actionlastige Atmosphäre ungemein auf und sorgt zudem für einen hohen Unterhaltungs- sowie Abwechslungswert.
PS2 vs. PC - Die audiovisuelle Umsetzung im Vergleich
Was soll man da noch sagen! War die PlayStation 2-Version von Onimusha 3 seinerzeit ein grafisches, akustisches und bedienungsfreundliches Highlight, das bei uns im Test 82% abstauben konnte, kann die PC-Umsetzung nur als schlecht bezeichnet werden. Die Grafik und die meisten Texturen sind im direkten Vergleich zwar etwas geschmeidiger als beim PS2-Pendant, jedoch was hilft es, wenn das gesamte Spielgeschehen dauerhaft von störenden Ruckeleinlagen ausgebremst wird. Und auch bei der Steuerung haben die Programmieren etwas geschludert. Die gewählte Tastenbelegung ist irgendwie unverständlich und macht in der vorliegenden Konstellation so überhaupt keinen Sinn. Die Steuerung über die Tastatur könnte man auch als Zumutung bezeichnen, zumindest für diejenigen, die nicht im Besitz eines Joypads sind. Allerdings ist auch die Kontrolle der Protagonisten mit dem Controller ziemlich gewöhnungsbedürftig. Glücklicherweise kann man die Tasten und Buttons in einem Konfigurationsmenü umkonfigurieren. Hätten die Programmierer in diesen zwei technischen Schwächen mehr Sorgfalt walten lassen, wäre der PC-Auftritt von Samanosuke und Jacques sicherlich besser und auch ausgereifter ausgefallen.
Glücklicherweise hat man nach wie vor Wert auf die akustische Seite des Spiels gelegt. Diese präsentiert sich genau wie beim PS-Ableger mit einem dicht gewebten Klangteppich, harmonischen asiatischen Musikstücken und einer erstklassigen englischen Synchronisation, die mit den gleichen Sprechern und deutschen Untertiteln aufwartet. Zumindest hat man hier alles richtig gemacht.
Fazit
Onimusha 3 hat mich auf dem PC nicht gerade vom Hocker gerissen. Schuld daran ist ganz klar die dahingeschluderte technische Umsetzung des Titels, der mich vor knapp zwei Jahren noch stundenlang vor den Bildschirm gefesselt und fasziniert hat. Inhaltlich bietet die dritte Episode der Onimusha-Reihe eigentlich alles, was Fans der Samurai-Saga begehren, und lässt deren Vorgänger in allen Belangen deutlich hinter sich. Es macht auch eigentlich nach wie vor noch einen Heidenspaß, sich mit den zwei Hauptcharakteren durch die nie enden wollenden Genma-Krieger und die tolle Spielwelt zu prügeln, wären da nicht die technischen Schwächen. Kann man über diverse optische Schwächen, die der Titel aufgrund des Alters aufweist, noch hinwegsehen, so hindern einen die gewöhnungsbedürftige Steuerung und die dauerhaften Slowdowns am Spielspaß.
Kurz gesagt: Wer in Erwägung zieht, vor der Veröffentlichung von Onimusha 4 Dawn of Dreams, das bereits Mitte März erscheinen soll, sich den dritten Teil der Serie zuzulegen, dem möchte ich zur älteren PS2-Version raten. Die ist nämlich seit langem zum gleichen Preis erhältlich, ist technisch eindeutig stärker und lässt auch mehr Spielspaß aufkommen.
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