Gesamtwertung73 %/10 |
Grafik7 Sound8 |
Lanzeitspaß7 SpieleinstiegMangelhaft |
Bedienung8 |
Auch heutzutage erfreut sich der Taktik-Shooter Operation Flashpoint noch immer einer großen Fangemeinde. Verwunderlich wirkt daher der eher leise Release des zweiten Teils, der den schönen Namen Dragon Rising trägt. Kein großes PR-Tamtam, kaum Videos und noch weniger Werbung zeichneten den Weg des Spiels in die Händlerregale aus. Dieser Umstand kann eigentlich nur zwei Gründe haben: Entweder braucht man Operation Flashpoint: Dragon Rising nicht zu bewerben, weil sowieso jedem klar ist, dass es sein Prequel würdig weiterführen und mit vielen Verbesserungen daherkommen wird, oder aber es wird ob einer schwachen Qualität versucht, so wenig wie möglich Aufmerksamkeit zu erregen, so dass Uninformierte beim Händler ihres Vertrauens überrascht vor der Auslage des Spiels innehalten, um es dann kurzer Hand zu kaufen.
Welcher der beiden Fälle auf Operation Flashpoint: Dragon Rising zutrifft oder ob einfach andere Versäumnisse eine Rolle spielen, versuchen wir durch unseren Ausflug aufs virtuelle Schlachtfeld zu erläutern.
Nicht wenige lieben Operation Flashpoint wegen des extrem realistischen Spielgefühls bis in die heutige Zeit hinein. Kaum ein anderer Shooter wusste so viele Spieler an den Rand des Wahnsinns zu treiben, kaum ein anderer verlangte so viel taktisches Geschick und kaum ein anderer forderte so viel Geduld, wie eben Operation Flashpoint. Im Gegensatz zu den direkten Konkurrenten des zweiten Teils, hier sei nur einmal Call of Duty: Modern Warfare 2 genannt, spielt sich der Titel einfach anders. Codemasters legt keinen Wert auf schnelle Nahfeuergefechte, kümmert sich wenig um die Präsentation des Spiels und verlangt mehr taktische Raffinesse, als geübte Mausbewegungen. Blitzschnelle Massenkills, die durch Explosionen ringsherum optisch getragen werden, gibt es in Dragon Rising ebenso wenig zu bestaunen, wie etwa einen intensiven Häuserkampf, bei dem ihr eurem Gegner auf wenigen Metern Auge in Auge gegenüber steht.
Vielmehr heißt es immer wachsam zu sein, die Umgebung, samt ihrer audiovisuellen Erscheinung, und immer eine Deckungsmöglichkeit im Blick zu haben. Denn in Operation Flashpoint 2 kommt es durchaus öfter vor, dass ihr mehrere Minuten durch die Wildnis rennt, schleicht und robbt, ohne das ihr einem einzigen Gegner auch nur nahe kommt, nur um dann plötzlich durch einen Hinterhalt, den ihr vielleicht überseht, in die ewigen Jagdgründe geschickt zu werden. Selbst auf dem normalen Schwierigkeitsgrad stellt sich der Titel nicht zuletzt deshalb als sauschwer heraus. Meist reicht ein einziger gegnerischer Treffer, um euer Ableben drastisch zu beschleunigen. Habt ihr Glück und die Kugel trifft einen nicht lebenswichtigen Teil des virtuellen Körpers, etwa das Bein oder die Arme, so müsst ihr doch mit enormen Einschränkungen in Sachen Kampffähigkeiten rechnen. Ein angeschossener Arm beispielsweise erschwert das Zielen, ein verletztes Bein das Rennen. Hinzu kommt, dass jede Schussverletzung in Erster Hilfe-Form behandelt werden muss.
Habt ihr nicht genügend Verbandszeug dabei, verblutet ihr recht zügig. Glücklicherweise wissen die Sanitäter im Spiel, was sie tun. Fordert ihr einen von Ihnen an, kommt er so schnell es geht gelaufen und versorgt eure Wunden. Der kann auch angeschossene Extremitäten wieder in Stand setzen. Ein Kopfschuss hingegen ist so irreparabel, wie ein Treffer im Hals. Vorsicht ist also geboten. Da ihr immer zu Viert unterwegs seid, solltet ihr zudem auf euere Kumpane Acht geben. Vor allem der Sanitäter sollte möglichst nicht ins unmittelbare Schlachtgeschehen involviert werden, da sein Ableben der ganzen Truppe nicht gerade gut tut.
Glücklicherweise wissen das die KI-Kollegen anscheinend ebenfalls und stellen sich durchweg clever an. Bei einem Angriff suchen sie Deckung und gehorchen nicht blind euren Befehlen, sie eröffnen selbstständig das Feuer und laufen nicht lebensmüde ins Sperrfeuer.
Gute Schützen sind sie außerdem. Trotzdem entfalten sie ihr volles Potenzial erst, wenn sie von euch die nötigen und vor allem taktisch richtigen Anweisungen bekommen. Das etwas umständlich zu bedienende Befehlsmenü bietet dabei die Grundlage eurer Gruppenführung. Wie man es von Operation Flashpoint gewohnt ist, gibt das mehr als nur einiges her. Ihr könnt der Gruppe die unterschiedlichsten Anweisungen geben, vom Flankieren, über den Sturmangriff bis hin zum Rückzug. Dabei dürft ihr meistens auch noch die genaue Art und Weise des Angriffs oder der Verteidigungsstrategie bestimmen. Sollen sich die Kameraden verschanzen, dann tun sie das, sollen sie geteilt von links und rechts flankieren, tun sie auch dies ohne Meckerei. Die taktische Tiefe, die dadurch entsteht, ist einfach großartig und mehr als nur lobenswert.
Doch wer die ersten Minuten hinter sich gebracht hat, der begreift schnell, wozu all diese Befehle nötig sind. Denn will man die Kampagne irgendwann zu einem Ende bringen, muss man die einzelnen Gefechtssituationen durchschauen und dementsprechend reagieren können.
Die Gegner stellen sich nämlich in den allermeisten Fällen intelligent an. Sie rennen in Deckung, lange bevor ihr in Schussweite seid und eröffnen das Feuer, sobald die kritische Grenze erreicht ist. Nahkampf gibt es daher so gut wie keinen, das Hauptaugenmerk des Spiels liegt auf weitläufigen Feuergefechten, die man durch taktisch cleveres Vorgehen zu seinen Gunsten ausgehen lassen sollte. Leider wird im Gegnerverhalten zu schnell ein Muster deutlich, so dass euch diese im späteren Spielverlauf nicht mehr zu überraschen wissen. Das wäre aber nun einmal notwendig, um die Spannung aufrecht zu erhalten. Die kleinen Kerlchen wirken einfach zu simpel geskriptet, was auch ihre seltenen Aussetzer erklärt. So rennen sie manchmal einfach in Sperrfeuer oder Werfen eine Granate gegen ein Hindernis, dass sie offensichtlich übersehen, um sich so selbst in Lebensgefahr zu bringen. Hier hätte mehr getan werden können bzw. müssen. Das gilt im Übrigen auch für die Präsentation des Spiels. Während die grafische Seite noch in Ordnung geht, weiß die kaum vorhandene Geschichte einfach nur zu enttäuschen.
Nach einem guten Intro, das einen fiktiven Konflikt zwischen China und Russland um die Insel Skira erklärt, in den ihr als Marinesoldat auf Seiten der amerikanischen Unterstützung für Russland eingreift, wartet man gespannt auf mehr. Doch die einzelnen Missionen sind nicht etwa mit Zwischensequenzen verbunden, sondern laufen nacheinander ab, ohne weiter auf die Geschichte einzugehen. Hier wurde viel Potenzial verschenkt, was sich deutlich auf die Motivation auswirkt. In der heutigen Zeit müssen die Protagonisten keine eindimensionalen Kugelfänger mehr sein.
Auch die elf Missionen der Kampagne überzeugen nicht gerade durch große Innovationen. Meist seid ihr mit euren drei Kameraden auf Standardmissionen unterwegs, nehmt Gebäude ein, zerstört Radarstationen, befreit Gefangene und so weiter.
Ab und an lockert sich das Spielgeschehen durch angeforderte Luft- oder Artillerieunterstützung auf, hin und wieder dürft ihr sogar mit Fahrzeugen, Panzern und Flugzeugen in die Schlacht ziehen. Letzteres geschieht allerdings viel zu selten und erst gegen Ende der Spielzeit, so dass der infanteristische Vormarsch im Mittelpunkt des Gameplays steht. Der überzeugt durch die taktische Tiefe, nicht aber durch Abwechslung oder gar Überraschungen. Einen großen Lichtblick bietet hingegen die Möglichkeit, die komplette Kampagne auch im Vierer-Coop durchspielen zu können.
Hinzu gesellen sich noch zahlreiche PvP-Karten, auf denen ihr online mit und gegen bis zu 31 andere Spielern daddeln dürft. Momentan gibt es dafür zwei Spielmodi. Zum einen der altbekannte Team-Deathmatch-Modus, zum anderen ein fordernder und motivierender Modus, bei dem ihr die feindliche Basis einnehmen müsst.
Leider muss man sagen, dass der zweite Teil der Operation Flashpoint-Reihe nicht nur keinen so großen Einfluss auf die Spielwelt haben wird, wie einst sein Prequel, sondern das er wohl auch, genau wie seine PR-Kampagne, ohne großes Aufsehen wieder in der Versenkung verschwinden wird. Das ist vor allem wegen des fordernden Gameplays, das mit viel taktischer Tiefe glänzt, bedauerlich. Die Präsentation des Titels, die eher schwache technische Seite und die fehlende Abwechslung jedoch drücken den Spielspaß in untere Wertungsregionen und sind ganz einfach nicht mehr zeitgemäß. Hardcore Taktiker sollten sich das Spiel aber genauso zu Gemüte führen, wie alle Fans der Reihe, wenn es denn dann zum Budgetpreis zu haben ist. Im Moment jedoch gibt es zu viele bessere Alternativen, um eine klare Kaufempfehlung aussprechen zu können.
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Operation Flashpoint 2: Dragon Rising im Test.
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