Gesamtwertung89%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Was wenn es außer unserer Dimension, unserer Realität, noch eine, oder gar mehrere andere geben würde? Wenn dem so wäre, dann wüssten wir sicherlich nichts davon, es handelt sich ja um eine andere Dimension, sprich, wir haben keine Verbindung zu ihr. Doch was wenn es einem besessenem Mathematiker gelingen würde, einen Weg in eine andere Dimension, in ein Parallel-Universum zu finden? Eine andere Welt, in der beispielsweise Dinosaurier noch fröhlich umherwatscheln und was wenn dieser Mathematiker auch noch drei Wissenschaftler in diese parallele Welt schickt um sich ihrer zu entledigen? Was dann? Das alles erfahrt ihr in unserem Review zu Paraworld, dem neuesten Streich des Berliner Enwicklerstudios SEK.
Ich hätte da noch eine Frage
Das passiert eben, wenn man seine Nase irgendwo zu tief rein steckt. Dann darf man sich auch nicht wundern, wenn man für jemanden unangenehm geworden ist. Die Rede ist von Anthony Cole, Stina Holmlund und Béla András Benedek, allesamt Wissenschaftler, die eines verbindet sie haben zu viel über die Pläne des britischen Mathematikers Jarvis Babbit herausgefunden, dem es gelungen ist eine Verbindung in die Paraworld, eine parallele Dimension herzustellen. Eine Verbindung, die es sogar Menschen ermöglicht zwischen unserer Dimension und der Parawold hin- und herzureisen. Doch Babbit hat weit mehr in Paraworld vor, als nur Touristen aus einer Dimension in die andere zu kutschieren. Und dabei kann er es sich keinesfalls leisten, dass seine Entdeckung an die Öffentlichkeit gerät. Doch genau diese Gefahr besteht, seitdem Anthony, Stina und Béla immer mehr Nachforschungen anstellen und beginnen, unangenehme Fragen zu stellen. So beauftragt er seine Assistentin die drei unter einem Vorwand nach Paraworld zu bringen, um sie dort loszuwerden. Doch der Plan misslingt, und die drei Wissenschaftler fliehen und müssen nun selbst einen Weg aus der fremden Dimension finden und der ist mit einer Menge spannender und vor allem gefährlicher Abenteuer gespickt.
Will man diese Abenteuer erleben, so sollte man die Kampagne in Angriff nehmen. Nach einem Tutorial, in dem einem die grundlegenden Spielmechaniken erläutert werden, fängt die Reise durch Paraworld erst richtig an. Schnell merken die drei Hobby-Abenteurer, dass die Gefahren des Paralleluniversums nicht zu unterschätzen sind. In eine Art prähistorisches Zeitalter versetzt werden Cole, Stina und Béla mit den Gefahren des alltäglichen Lebens konfrontiert Dinosaurier und andere in unserem Universum lange ausgestorbene Lebewesen bewohnen die Wälder, Steppen und Wüsten von Paraworld. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen sich gegenseitig bekriegenden Stämme, die sich unter anderem auch an der breit gefächerten Fauna bedienen, um ihre Differenzen auszutragen wer hier überleben will, muss sich anpassen. Die drei Helden reisen von Insel zu Insel, immer mit dem Ziel vor Augen, irgendwann durch irgendjemanden oder irgendetwas zurück in die eigene Welt zu kommen. Dabei treffen sie nacheinander auf drei große Völker. Das Nordvolk, die Wüstenreiter und den mysteriösen Drachen-Clan. Alle können gut mit einem Pendant auf der Erde verglichen werden.
Wie sie verschiedener nicht sein könnten
Das Nordvolk ist eine wikingerartige Kultur. Die Nordmänner sind kräftige und mutige Menschen die vor keiner Gefahr zurückschrecken. Außerdem sind sie Spezialisten auf dem Gebiet der Metallverarbeitung, wodurch sie über schlagkräftige Waffen und sehr widerstandsfähige Rüstungen verfügen. Die Wüstenreiter könnte man am besten mit einem afrikanischen Nomadenstamm vergleichen.
Es handelt sich um ein naturverbundenes Völkchen, dass nicht viel von Technik hält, sich dafür aber umso mehr mit dem Zähmen von wilden Tieren auskennt und diese gekonnt für die eigenen Zwecke nutzt vorrangig in der Schlacht.
Der Drachen-Clan ist die technisch am weitesten fortgeschrittene Kultur in Paraworld. Diese, am ehesten mit den alten Chinesen vergleichbare Kultur ist technikvernarrt und immer bestrebt die eigenen Technologien weiterzuentwickeln und zu perfektionieren. In der Schlacht sind sie listenreich und stellen ihren Gegnern am liebsten Fallen um sie so schon auszuschalten, bevor sie zur richtigen Bedrohung werden - als Beispiel seinen z.B. Minen genannt.
Je nach dem für in welchen Breitengraden man sich mit seinen drei Heroen befindet, spielt man mit den Einheiten und Gebäuden von einer der drei Völker. Dabei laufen die meisten Missionen ähnlich ab. Auch wenn das Augenmerk bei Paraworld klar bei den effektvollen Kämpfen liegt, am Anfang steht so gut wie immer das Errichten einer Basis. Irgendwo müssen die Einheiten ja kommen, die später den Feind niederwalzen sollen. Und sollte das nicht so schnell klappen, ist eine florierende Siedlung wichtig, um den nötigen Nachschub an Fußsoldaten und sonstiger Kriegsmaschinerie für den Zweitschlag sicherzustellen. Apropos florierend: wie in anderen Echtzeitstrategiespielen müssen auch in Paraworld reichlich Rohstoffe gesammelt werden, die dann bei Bedarf bei der Rekrutierung von Kriegern oder dem Errichten von diversen Bauten zum Einsatz kommen.
Dabei orientiert sich der SEK-Sprössling an den klassischen Genrekollegen und verfügt über drei abbaubare Rohstoffe: Holz, Nahrung und Steine. Ersteres wird bekannter weise durch das Fällen von Bäumen erzielt, letzteres kann man haufenweise aus Steinklotzen herauskloppen. Um an Nahrung zu kommen gibt es mehrere Möglichkeiten: entweder man bedient sich an den rar in der Landschaft verteilten Bärensträuchern, man erlegt ein wildes Tier und nutzt dieses eine Zeit lang als Nahrungsquelle oder man errichtet eine Farm, die kontinuierlich für genügend Nachschub an Nahrung sorgt.
Laien-Forschung
Dass man die soeben angesprochene Farm nicht gleich von Anfang an errichten kann, wird wohl jeder Echtzeitstrategie-Veterane geahnt haben. Bevor die Nahrungsbeschaffung nämlich so bequem wird, muss geforscht werden. Keine Angst, wir reden hier nicht von umfangreichen TechTrees, zu deren Entschlüsselung man vor Spielbeginn ein Lexikon zu Rate ziehen muss, Paraworld ist was die Forschung & Entwicklung angeht sehr unkompliziert gehalten. Für die Farm beispielsweise reicht es sogar die zweite von insgesamt fünf Entwicklungsstufen zu erforschen. Mit jeder Stufe erhält man Zugriff auf neue Einheiten, Gebäude und Forschungsoptionen. So hat man schon nach kurzer Zeit die Möglichkeit die Rohstoff-Lagerkapazitäten zu erhöhen, um den stetig wachsenden Ansprüchen für die Erforschung der nächsten Entwicklungsstufe gerecht zu werden. Nicht nur Gebäude, sondern auch Einheiten können weiterentwickelt werden. So darf man in der Waffenschmiede Rüstungs- und Waffenupgrades erforschen, um die eigenen Kämpfer durchschlagskräftiger oder widerstandsfähiger zu machen oder beides, sofern genug Rohstoffe auf Lager sind.
Skull & Bones
Außer den drei klassischen Rohstoffen gibt es in Paraworld noch einen Spezial-Rohstoff: Schädel. Die erhält man, wenn man Gegner niederstreckt. Dabei spielt es keine Rolle ob es sich um menschliche Opponenten oder beispielsweise um einen Brachiosaurus handelt. Je stärker der Feind, desto mehr Schädel gibt es nachdem er das zeitliche gesegnet hat. Die Schädel braucht man um bestimmte Technologien freizuschalten oder Helden und normale Einheiten in der Erfahrungsstufe aufsteigen zu lassen. Innovativ ist die Art, wie man einzelne Einheiten eine Stufe höher befördert. Überhaupt unterscheidet sich das Paraworld-Interface stark von dem anderer Echtzeitstrategiespiele.
Es gibt kein klassisches Navigationsmenü am unteren Bildschirmrand in dem alle momentan ausgewählten Einheiten angezeigt werden. Die Navigation ist in Form des sogenannten Army Controllers an die linke Bildschirmseite gewandert und fasst dort übersichtlich alle Einheiten zusammen, die momentan unter dem Kommando des Spielers stehen.
Der Army Controller ist in fünf Sektionen unterteilt, jede steht für eine separate Entwicklungsstufe. Will man eine Einheit, z.B. einen Bogenschützen aus der untersten Sektion, also quasi dem ersten Erfahrungslevel ins zweite oder dritte bekommen, so klickt man das Icon der entsprechenden Einheit einfach an, hält die Maustaste gedrückt und zieht den Bogenschützen in bester Drag&Drop-Manier in eine der gewünschten oberen Sektionen. Je höher die Entwicklungsstufe, desto weniger Einheiten lassen sich übrigens in der gegebenen Sektion unterbringen. Bietet der Level 2-Abschnitt noch Platz für 15 Level 2-Einheiten, darf man weiter oben, im Level 4-Abschnitt, nur noch drei Level 4-Einheiten gleichzeitig besitzen. Die sind dann aber umso stärker und selbstverständlich schwerer zu besiegen. Jede Einheit hat im Army Controller ihr eigenes Icon und ein Mini-Icon in eben diesem, das anzeigt, womit die jeweilige Einheit momentan beschäftigt ist hat sie nichts zutun, so kann man ein zZz-Icon beobachten.
Freunde von Multiplayer-Schnetzeleien werden mit Paraworld auch ihren Spaß haben. So können sich bis zu acht Spieler im Internet oder LAN gegenseitig in drei Spielmodi bekriegen. Außer dem klassischen Deathmatch darf man seine Mehrspieler-Phantasien auch noch in den beiden restlichen Modi Defender und Domination ausleben. Im Defender-Modus spielt einer gegen alle und alle gegen einen der Spieler, der alleine dasteht, muss eine bestimmte Zeit den anstürmenden Gegnerhorden seiner Feinde standhalten.
Um auch nur den Hauch einer Chance zu haben, ist er gleich zu Anfang des Spiels mit zusätzlichen Rohstoffen und Gebäuden ausgestattet. Ziel des Domination-Modus ist es wiederum, vorgegebene Positionen auf der Karte zu erobern und für eine bestimmte Zeit zu halten.
Schön selbstgemacht
Für das grafische Grundgerüst von Paraworld haben die Wiggles-Macher von SEK eine hauseigene Engine programmiert. Und die kann sich sehen lassen detaillierte Einheiten und Gebäude, mühevoll ausgearbeitete Animationen, ein Tag- und Nachtzyklus, das sind nur einige Beispiele die Paraworld zu einem visuellen Schmankerl machen. Positiv anzumerken sind außerdem noch die extrem anpassungsfreundlichen Grafikoptionien, die es jedem ermöglichen, das Spiel bis ins letzte Detail auf seine heimische Rechnerkonfiguration abzustimmen sowie auch die extrem flinken Ladezeiten. Ab 1 GB RAM braucht man höchstens zwei Mal mit den Augen zu zwinkern bis ein Level fertiggeladen ist. Die etwas lasche Story wird in gut synchronisierten Zwischensequenzen vorangeführt, auch sonst ist die Sound-, Musik- und Sprecherkulisse sehr gut ausgewählt worden.
Als Beraterstimme im Tutorial und während der Kampagnenmissionen wurde Eckart Dux verpflichtet. Er ist der deutsche Synchronsprecher von Jerry Stiller, vielen vielleicht besser als Arthur Spooner aus der beliebten US-Sitcom King of Queens bekannt. Das i-Tüpfelchen auf der Präsentation von Paraworld ist der atmosphärische Soundtrack. Lesefüchse werden sich übrigens freuen, denn Paraworld liegt ein 78-seitiges, farbiges Handbuch bei, in dem jede Spielfunktion detailliert erklärt ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr.