Gesamtwertung67%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Mit Pathologic brachte Entwickler Buka im Sommer 2005 in Russland ein PC-Spiel auf den Markt, welches in kurzer Zeit zum Überraschungshit wurde. Russische Onlinemagazine bezeichneten das Psycho-Adventure als Spiel des Jahres, andere Zeitschriften titelten ähnlich. Grund genug also für Publisher Frogster Interactive den europäischen Vertrieb zu übernehmen. Ob es hierzulande nun gleichsam überzeugen kann, zeigt unser Review.
Endzeit-Story made in Russia
Selbst ein Romanautor wie Wolfgang Hohlbein hätte die Geschichte, welche in Pathologic erzählt wird, nicht besser aufs Papier bringen können: Drei Charaktere, zwischen denen am Anfang gewählt werden kann, verfolgen in einer verseuchten Stadt die unterschiedlichsten Ziele. Aufgrund von non-linearem Gameplay kreuzen sich die Wege der Protagonisten ständig und schnell wird klar, dass Taten und Gespräche des einen Charakters über das Schicksal eines anderen entscheiden können. Die Geschichte des Mediziners Dankowski, welcher verzweifelt auf der Suche nach einem Heilmittel gegen den Tod ist, läuft beispielsweise parallel zu der Geschichte des Sehers Burakh ab , welcher das grausame Erbe seines Vaters antreten will. Dankowski stößt dabei ständig auf Indizien, die Burakh als Mörder entlarven sollen und weiterhin leidet letzterer unter diesen Anschuldigungen. Die Abneigung der Stadt ist deutlich in Gewaltausbrüchen und verweigerten Antworten spürbar. Doch auch Freundschaft und unerbittlicher Hass sind Bindungen, die der Protagonist mit einem anderen Charakter eingehen kann, um der Lösung des Rätsels näher zu kommen.
Der dritte Protagonist, eine junge Frau, die sich für den Messias hält und über heilende Kräfte verfügt, vervollständigt die Runde, der wählbaren Charaktere. Dabei ist der rote Faden des Spiels, der oben erwähnte Hauptplot, in Tagesaufgaben gegliedert, welche der Spieler unweigerlich erfüllen muss, da ansonsten das Spiel von vorne beginnt. Somit wird schnell klar, das Zwischenspeicherungen von enormen Wert sind. Während des Ultimatums von 24 Stunden erhält der jeweilige Protagonist Nebenaufgaben, die er auf verschiedene Weise lösen kann. So kann zum Beispiel ein Mann, welcher von Meuchelmördern verfolgt wird, aus der Stadt geschleust oder an die Verfolger übergeben werden. Der Lösungsweg beeinflusst hierbei das Ansehen bzw. den Ruf, den der Spieler in der Stadt genießt, welcher in Aktionen und Reaktionen der Bewohner zum Ausdruck kommt.
Unfaire Kämpfe und lange Wege
Trotz gelungener Story mangelt es Pathologic am Gameplay. Lange Laufwege, oft quer durch die riesige Stadt, die man auf sich nehmen muss, nur um zu erfahren, dass am anderen Ende der Stadt ein weiterer Hinweis versteckt ist, zehren oft an der Geduld des Spielers. Ein Fortbewegungsmittel sucht man genauso vergebens wie eine Reisefunktion, die schon manch einem Rollen-, bzw. Adventurespiel eine positivere Wertung verschafft hat. Auf den langen Wegen wird der Spieler oft von Hunger und Müdigkeit heimgesucht. Diese körperlichen Verlangen lassen sich jedoch mit einer runde gesundem Schlaf, sowie Nahrung, die in zahlreichen Läden erworben werden kann, stillen. Hierbei sollte aber immer ein Auge auf die Uhrzeit und die bevorstehenden Aufgaben geworfen werden, um nicht unter Zeitdruck zu geraten.
Ein weiterer Störfaktor im Gameplay sind die oftmals viel zu unfairen Kämpfe, bei denen Scharen von übermächtigen Verbrechern den Spieler am Weiterkommen hindern. Auch wenn die Ego-Perspektive dabei dem Geschehen zugute kommt, stört der hohe Schwierigkeitsgrad bei Kämpfen erheblich. Die Menüleisten, sowie das Interface sind hingegen einfach gestaltet. Mit Hotkeys werden Inventar, Questlogbuch, Spielerstatus, Karte und andere Fenster geöffnet und gleich wieder beendet; Ein überwuchertes Interface kommt somit nicht zustande.
Weiterhin bietet die Karte, mitunter das wichtigste Item im Spiel, zahlreiche zusätzliche Informationen zu den jeweiligen Schauplätzen, die besucht worden sind. Zusammen mit dem Questlogbuch lässt sich somit jede Spur zurückverfolgen und der Überblick über das Geschehen geht selten verloren. In manchen Fällen jedoch stören lange Textpassagen der NPCs, bei denen der Spieler durch einen Überfluss an Details und Namen erschlagen wird, beim Weiterkommen. Denn auch wenn kleine Erfolgserlebnisse für kurze Zeit beflügeln können, sinkt im Allgemeinen die Motiviationskurve. Lang andauernder Spielspaß ist dadurch genauso wenig garantiert wie ein linearer Spielfluss.
Verseuchte Grafik und stimmige Soundkulisse
Zum Leid aller Spieler ist Pathologic in keinster Weise eine Augenweide. Die oftmals viel zu alt wirkende Grafik unterstrichen durch triste, sich ständig wiederholende blasse Texturen, lassen die langen Laufwege noch langweiliger erscheinen als sie ohnehin schon sind. Häuser gleichen sich dabei in den meisten Fällen wie ein Ei dem anderen, auch wenn einige wenige Gebäude, die wichtig für den Spielverlauf sind, besser in Szene gesetzt wurden. Mit viel Liebe zum Detail sind beispielsweise fallende Blätter animiert, sowie Häuser stimmig eingerichtet - auch wenn sich das Mobiliar einer besuchten Wohnung sehr oft in einer anderen wieder findet. Insgesamt lässt sich jedoch festhalten, dass Innenareale im Vergleich zu Außenarealen grafisch wesentlich besser gestaltet sind. NPCs sind ebenfalls detailliert dargestellt, auch wenn sie teilweise leblos und starr agieren. Hier griff man auf die LifeStudio: Head-Technologie zurück.
Soundtechnisch gelingt dem Entwickler eine passende Untermalung für eine Stadt, die dem Ende nah ist. Die Komponisten setzten wohl mit Absicht auf melancholische, religiös angehauchte Musik - womöglich um Parallelen zu einer Apokalypse zu schaffen? Doch auch hier müssen Abstriche gemacht werden. Während die Musik im Spiel im Hintergrund stundenlang dahinplätschert, wartet man vergebens auf eine spannungserzeugende musikalische Untermalung. Lediglich in den Zwischensequenzen und im Hauptmenü erkennt man einen Lautstärkeanstieg. Im Vergleich zur Musik kommen die Synchronsprecher, die deutschen Stimmen von Jude Law, Uma Thurman und Andy Garcia, in den meisten Fällen zu kurz, sodass notgedrungen die langwierigen Textpassagen die Story vorantreiben müssen.
Lange Laufwege, zu harte Kämpfe, triste Texturen Mängel die während der Entwicklungszeit hätten ausgemerzt werden können und schon in der Preview-Version bekannt waren. Trotz all dem entsteht eine gewisse Endzeitstimmung, die den Spieler schnell fesseln kann und ihn weiter vorantreibt, das Geheimnis hinter der mysteriösen Seuche zu lüften. Das non-lineare Gameplay, die drei unterschiedlichen Charaktere und der Zeitdruck, unter dem man sich befindet, bieten zusätzlich einige Innovationen, die sich sehen lassen können. Alles in Allem wird Pathologic mit Sicherheit kein Meilenstein in Sachen Grafik und Sound, noch das Genre des Horror-Adventures bereichern, da sich das Potential hinter der Story, aufgrund der oben genannten Faktoren nicht bestimmend genug zeigen kann.
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