Gesamtwertung84%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Seid Ihr bereit für die schwarze Pest, eine Revolution der Nackenhaare und den ständigen Terror im Rücken? Nein? Dann ist Penumbra: Black Plague, die zweite Episode der geplanten Trilogie, sicher nichts für Euch. Alle anderen schauen sich dagegen unseren Artikel zum Survival-Horror an warum wir schlaflose Nächte hatten, erfahrt Ihr im Looki-Review!
Die Angst im Nacken...
Schon wieder ertappe ich mich dabei, wie ich durch die Gänge husche und an jeder ungefährlichen Ecke inne halte, um meine Lauscher aufzuspannen und zu horchen, ob mich etwas verfolgt. Ich kann es nicht sehen, ich kann es nicht beschreiben aber ich kann es hören. Dieses Geschnaufe und Gekreische, dieses Poltern auf den kalten Metallplatten, die man in dieser Einrichtung Boden nennt. Ich weiß genau, es wird mich kriegen und ich werde keine Chance haben, es zu bekämpfen. Hätte nicht bereits Clock Tower vor ein paar Jahren die Idee gehabt, den Spieler waffenlos in die Fänge des unbeschreiblich Bösen zu schicken, Black Plague würde den Begriff Survival-Horror ganz neu definieren.
Denn tatsächlich hat man den Monstern im Spiel nichts entgegenzusetzen es bleibt letztendlich nur die Flucht. An die denkt Protagonist Philipp die ganze Zeit über: Der ist nämlich in der ersten Episode Im Halbschatten den Koordinaten eines mysteriösen Briefes bis nach Grönland gefolgt, der scheinbar aus der Feder seines totgeglaubten Vaters stammt.
Nur mit wagen Erinnerungen an ihn machte sich der arme Kerl auf die Reise und erlebte bereits im Vorgänger einen zelebrierten Albtraum, von dem er sich nie hätte träumen lassen, dass es ihn gibt. Über die Geschichte der ersten Episode wird glücklicherweise im kurzen Intro grob eingegangen, somit sollten sich auch Neueinsteiger einigermaßen zurecht finden. Black Plague beginnt wie schon die Demo in einem abgesperrten Raum, aus dem wir uns befreien müssen.
Mit dabei ist wieder die hervorragende Physik-Engine, die im Gegensatz zu denen anderer Spiele, mal nicht nur als schmückendes Beiwerk, sondern als essentieller Teil des Gameplays und der Rätsel wir befinden uns ja vorrangig in einem Adventure - dient. Nahezu alle Objekte könnt Ihr im Spielverlauf zu Eurem Nutzen oder Spaß, wie man möchte greifen, in die Luft heben, fallen lassen oder sinnvoll einsetzen. Eine klaffende Lücke zwischen zwei Regalen überbrückt Ihr so zum Beispiel mit Holzbrettern, die Ihr heranzieht und zugegebenermaßen zuweilen etwas umständlich als Brücke benutzen könnt.
Ach, Ihr kommt nicht auf das Regal? Kein Problem, seht Euch um und nutzt Kisten oder andere Behälter als eine Art Aufgang.
Stellt Euch vor, die Gravity Gun aus Half-Life 2 wäre die ganze Zeit in Euren Händen, aber nur nicht sichtbar so könnte man am Ehesten das Spielgefühl von Black Plague beschreiben. Gegriffene Objekte könnt Ihr zudem nicht nur packen und stapeln, sondern auch drehen und rotieren lassen keine andere Physik vermochte ein bisher so realistisches Handling zu vermitteln! Das Faszinierende: Die Steuerung per Maus und Tastatur fühlt sich wie bei einem Wii-Titel an, den man mittels Wiimote-Fernbedienung bedient. Öffnet Ihr Türen, klickt Ihr den Knauf des Eingangs an, haltet die linke Maustaste gedrückt, schiebt - je nach Position - sie nach vorne um sie nach Belieben zu öffnen und zieht sie zurück, um sie wieder zu schließen beispielsweise wenn Ihr die schemenhafte Gestalt eines Monstrums erkennen solltet.
Spielgefühl für die Götter...
Dieses auf eine Tür vereinfachte Steuerungsprinzip könnt Ihr auf alle Objekte im Spiel anwenden eine Lösung, die definitiv Schule bei anderen Spielen machen sollte! Mit der Entscheidung, alle Waffen des Vorgängers zu entfernen und die Figur ohne schlagkräftige Argumente in den Kampf ums Überleben zu schicken, hat sich Entwickler Frictional Games nicht nur dezent aus der Affäre gezogen warum eine problembehaftete Kampfsteuerung verbessern, wenn man sie auch gleich weglassen kann? - sondern gleichzeitig einen der größten Kritikpunkte an Ouverture beseitigt. Kein nervtötendes Geschwinge mit dem Hammer also ganz ehrlich: manchmal haben wir uns doch schon etwas Festes in der Hand gewünscht, die schauderhaften Kreaturen verbreiten einen ungewohnten Nervenkitzel.
Glaubt mir, soviel Panik gibt es in keinem Resident Evil oder vergleichbaren Horrorgames ein weiteres Argument dafür, wie ein Underground-Titel selbst Großproduktionen in den Schatten stellen kann.
Wo wir schon mal beim Schatten sind: Der erweist sich nicht selten als lebensrettendes Mitbringsel einer ungeklärten Katastrophe in den Forschungsräumen, die wir anfangs betreten besser als die eher öden Minen von Im Halbschatten ist dies allemal. Ergreift Ihr die Flucht, solltet Ihr Euch möglichst in schattige Bereiche begeben und wenn ein Monster vorbei spaziert, dann bitte: Nicht hinsehen! Sonst gerät Philipp in leichte Panik und macht so auf sich aufmerksam. Solltet Ihr doch einmal in die Fänge der Bösewichte geraten und Schaden erlitten haben, helfen Verbandskästen und Schmerzmittel.
Frei speichen dürft Ihr übrigens nicht dafür finden sich an einigen, fair platzierten Stellen eine Art Checkpoint-Artefakte, die einen rettenden Spielstand generieren. Fair vom Schwierigkeitsgrad her sind auch die Rätsel, die Ihr im Verlaufe der Geschichte lösen müsst. Wir sagten es bereits: Ein Großteil der Knobeleien besteht aus überraschend unterhaltsamen Physikaufgaben, aber auch normale Rätsel hat Black Plague zu bieten.
So müsst Ihr zum Beispiel verschiedene Leiterplatten per Benutzeroberfläche richtig modifizieren, was im ersten Moment auch mit Handbuch keine allzu leichte Aufgabe ist. Ein andern Mal befinden wir uns in einem abgesperrten Areal auf der ständigen Flucht vor einer vor Blut nur so triefenden Kreatur. Eine Waffe haben wir nicht, auch die Säge im Inventar können wir nicht benutzen, was also tun? In diesem Fall überdenken, zu was man den Knopf neben einem bisher nutzlos erscheinendem Raum gebrauchen könnte.
Allzu schwer ist keine der Knobeleien, dennoch werden auch Fortgeschrittene nicht problemlos durch das etwas kurze Spiel hindurch laufen können so simpel sind die Rätsel nun auch wieder nicht. Zur Grundstimmung am Besten passt wohl der grieselige Bildfilter und die zuweilen etwas verschwommen wirkende Sicht, die das Ganze wie einen Albtraum wirken lassen, wohingegen Charakterdesign und Levelgestaltung noch etwas mehr Feintuning hätten vertragen können, auch zeitweilig auftauchende Grafikfehler wollten wir eigentlich nicht zu Gesicht bekommen. Was Black Plague optisch einbüßt, macht es akustisch jedoch wieder locker wett: Die terrorisierende Hintergrundmusik ist einsame Spitze, die Soundeffekte nicht übermäßig eingesetzt, aber grandios minimalistisch gehalten und selbst die englische Synchronisation kann überzeugen. Keine Angst: Deutsche Untertitel gibt es trotzdem.
Penumbra: Black Plague im Test.
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