Gesamtwertung80%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Perry Rhodan diesen Namen kennen bisher größtenteils nur die älteren Leser unter uns. Bereits 1961 erschien der erste Heftroman über den titelgebenden, unsterblichen Helden. Unsterblich ist auch der Erfolg den die mittlerweile auch auf Taschen- und Hörbüchern übertragene Vorlage über die Jahre erfuhr. Über die Jahre avancierte die Serie zur erfolgreichsten Heftroman-Reihe der Welt, selbst Wissenschaftler beschäftigten sich in mehreren kulturwissenschaftlichen Untersuchungen mit dem Stoff. Unser eigentliches Thema ist und das sei am Rande erwähnt - noch nicht einmal die erste Versoftung mit dem Schönling in der Hauptrolle: Bereits vor knapp 10 Jahren wurden gleich drei Spiele auf Perry Rhodan-Fans losgelassen.
Ein Muss für Fans!
Neben dem Strategiespiel Operation Eastside wurden auch die beiden Adventures Die Brücke in die Unendlichkeit und Die verbotene Stadt veröffentlicht im Nachhinein betrachtet, nicht die Sorte Spiele, auf die selbst Anhänger wirklich stolz sein konnten. Doch genau das soll sich nun mit dem namensgleichen Point-and-Click-Adventure ändern. Der erste Haken auf der Muss ich haben-Liste darf gemacht werden.
Perry Rhodan ist nicht nur mit an Bord, er ist auch der Protagonist des Spiels, dessen Handlung abgesehen von einigen Charakteren - rein gar nichts mit bisher bekannten Werken des verehrten Raumfahrers zu tun hat.
Und dennoch geht es schon von Anfang an zur Sache: Während Perry wohl gerade in Erinnerungen an alte Tage schwebt, wird die Solare Residenz, auf der er sich gerade befindet, angegriffen.
Die Wucht der Angriffe deutet auf bisher unbekannte Gegnerformen hin. Viel Zeit und Raum für Nachforschungen bleibt uns allerdings erst einmal nicht. Rhodans Freund Reginald Bull hat das gesamte Areal binnen kürzester Zeit unter Quarantäne gestellt. Sämtliche Versuche, mit dem Transmitter an verschiedene Orte der Residenz zu gelangen, werden prompt von Soldaten gestoppt.
Gerade über Perry wurde eine Ausgangssperre verhangen das Freundin Mondra entführt wurde, bekommen wir nur beiläufig mit. Mist, irgendwie müssen wir hier raus! Wie das geht? Auf Waffen müsst Ihr leider verzichten, die einzige Waffe ist Euer Grips, schließlich befinden wir uns hier in einem Point-and-Click-Adventure. Bereits ganz zu Beginn fallen dabei die hervorragend designten, dreidimensionalen Charaktere auf, im Genre auch heute noch eher eine Seltenheit. Wie professionell die Entwicklung von Perry Rhodan vonstatten ging, bekommt man bereits im Introfilmchen mit. Die deutschen Sprecher sind größtenteils! - mehr als gelungen, vor allem Perry himself hat eine markige, unverwechselbare Stimme auf dem Kasten.
Dass die Tonabteilung auch gute Akzente hinbekommt, erkennt man wenig später bei Mechaniker Yuri. Doch zurück zum Spiel.
Genretypisch sehen wir uns mit scheinbar unausweichlichen beziehungsweise unumgänglichen Situationen konfrontiert, die es zu knacken gilt. Patrouillen, die uns partout nicht durchlassen wollen, lenken wir zum Beispiel ab, indem wir ihnen Putzroboter zur Ablenkung schicken durchaus logisch. Selbes Spiel auch am Ende des ersten Kapitels, in der wir ein etwas übertrieben nettes Hologramm per externem Steuerinterface einem Soldaten zuweisen, nur um kurz danach in unserem Gleiter Platz zu nehmen und dem engen Korsett, dass uns auf der Residenz geschnürt wird, davonzufliegen.
Es geht aber auch anders: Um überhaupt erst auf die Idee zu kommen, die Kurve zu kratzen, versteht es sich von selbst, dass wir zuvor mehr über die Umstände des Angriffs und eventuellen Verschwörungen in den eigenen Reihen erfahren. Doch diese befinden sich meist gut gesichert hinter noch besser gesicherten Türen für Perry dank Schalterrätsel kein Problem. Der Wechsel zwischen einzelnen Locations, die vor allem zu Beginn einen Tick zu oft besucht werden müssen, klappt ohne Probleme.
Nicht immer ganz einfach...
Durch einen Doppelklick auf die linke Maustaste legt Perry einen Gang zu und gelangt so schneller zum Ausgang. Alles andere ist allseits bekannt: Interaktionsmöglichkeiten werden mithilfe eines Zahnradsymbols angedeutet und per linkem Klick ausgelöst, nach einem Drücker auf die rechte Maustaste schaut sich unser Protagonist Gegenstände und Personen etwas genauer an. Dialoge mit Letzteren laufen hier jedoch etwas anders ab Statt wie in anderen Genrevertretern auf ein Multiple-Choice-System zu setzen, geht Perry Rhodan andere Wege. Zuerst wird automatisch über Allgemeines gesprochen, danach können Gesprächsthemen aus dem Inventar quasi ins Gespräch gezogen werden. Ganz ehrlich: Die klassische Methode gefällt uns trotzdem besser! Bei den Rätseln hat man es hier und da aber übertrieben:
Zum Großteil ist das Knobel-Pottpurri zwar durchaus logisch und verständlich, jedoch manchmal erst, wenn man um drei Ecken gedacht hat. Maßgebend dafür verantwortlich ist der Umstand, dass die Entwickler nicht immer genug Hinweise zur Lösung beisteuern.
Auch die Schwierigkeitskurve schwankt teils extrem wer denkt, dass anfangs noch die leichtesten Rätsel auf Perry warten, ist auf dem Holzweg. Um wirklich alles mitzubekommen subtil eingestreute Hinweise inklusive muss man auch wirklich alles lesen, darunter fallen auch augenscheinlich öde Informationstafeln oder Werbebanner. Als mindestens ebenbürtige Entschädigung bekommen Fans und solche, die es werden wollen, aber eine überraschend gute Story geboten, die mit netten Wendungen aufwarten kann. Kein Wunder, stammt doch die eigens für das Perry Rhodan-Adventure kreierte Handlung aus der Feder von den Fans geschätzten Autoren Robert Feldhoff und Michael Marcus Thurner. Beide bringen nicht nur bekannte Charaktere in bekannte Gefahren, sondern führen auch eine komplett neue Rasse ein.
Die Illochim, eine außerirdische Spezies, auf deren Mutterschiff sich der Protagonist letztendlich der größten Herausforderung stellen muss. Beeindruckend ist dabei der optische Stil, der den Spieler von Anfang an in seinen Bann zieht, vor allem im Raumschiff des extraterrestrischen Neuzugangs sorgen die klasse gerenderten, zweidimensionalen Hintergründe nicht selten für offene Münder. Auch innerhalb der Solaren Residenz, der Waringer Akademie oder dem Jupitermond Titan möchte man am Liebsten immer wieder verweilen, nur um sich die schicken Tapeten anzusehen. Dass man sich angesichts dieser brillianten Hintergründe noch auf das Suchen konzentrieren kann, dafür sorgt Perrys Raumscanner, der Euch auf Wunsch alle Hotspots im Screen anzeigt gerade bei größeren Arealen ein nicht zu unterschätzendes Utensil! Ein Journal, dass gerade für Leute unabdingbar ist, die den sprichwörtlichen Faden verloren haben, hält den Spieler stets mit den wichtigsten Ereignissen und Zielen auf dem Laufenden. Der Umfang ist trotz aller Hilfen nicht zu unterschätzen: Knapp 20 Stunden haben wir gebraucht, ehe das Outro über den Bildschirm flimmerte, Einsteiger dürfen noch etwas Zeit zum Probieren und Studieren drauflegen.
Perry Rhodan im Test.
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