Piraten: Herrscher der Karibik

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Ascaron
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
6
Piraten: Herrscher der Karibik [PC , looki.de]

Gesamtwertung

86%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Piraten: Herrscher der Karibik

Nach der Leinwand erobern Piraten und Freibeuter auch wieder den heimischen PC. Mit einem Mix aus Strategie, Action und Wirtschaft versucht Ascaron in die grossen Fußstapfen Sid Meiers zu treten, dessen Spiel Pirates! auch nach all den Jahren immer noch eine Referenz für Gameplay und Spielspaß ist. Mit Port Royale 1&2 ist Piraten: Herrscher der Karibik bereits das dritte Spiel des Gütersloher Entwicklers, daß in der Zeit der Freibeuter angesiedelt ist. Ob das Spiel wirklich den 'Piratenthron' besteigen kann oder untergeht wie ein Paddelboot auf dem Atlantik, erfahrt Ihr in unserer Review.

Warten auf die Post...

Ein schöner Herbsttag! Der Postbote klingelte an der Tür: Rechnung, Mahnung, Rechnung, Vorladung, Piraten: Herrscher der Karibik Testmuster, Rechnungen... Halt! Testmuster? Mit einem fröhlichen Grinsen riss ich dem Postboten das Päckchen aus der Hand und knallte ihm die Tür vor der Nase zu. Der Tag war gesichert! Vorsichtig öffnete ich die Verpackung und legte die CD in mein Laufwerk, nach kaum 5 Minuten war das Spiel installiert und ich startete es vorsichtig. Und dann war ich mittendrin: Karibik, 17. Jahrhundert! Wehmütig dachte ich an meinen alten C64 und durchgezockte Nächte mit Sid Meiers Pirates!. Die Demo zu Piraten: Herrscher der Karibik ließ auf einiges hoffen, sollte ich etwa enttäuscht werden? Angstschweiß trat auf meine Stirn doch ich fasste mir ein Herz und sagte mir: 'Du musst es testen! Sonst wirst du nie erfahren, ob es endlich eine würdige Alternative zu Pirates! gibt.' Die Geschichte von Ascarons Piraten: Herrscher der Karibik ist schnell erzählt: Wir befinden uns im 17. Jahrhundert! Die Karibik ist zwischen den Kolonialmächten England, Spanien, Holland und Frankreich hart umkämpft!

Nach der Wirtschaftssimulation Port Royale entführt Ascaron den Spieler wieder in die Blütezeit der Piraten und Freibeuter. Jedoch nicht als Planer und Wirtschaftsstratege, sondern als waschechten Piraten der Karibik, der in verschiedenen Szenarien versucht, so viele Städte wie möglich für seine Nation zu annektieren, ein möglichst großes Vermögen anzuhäufen und seinen Ruf und somit auch seinen Rang zu verbessern. Piraten: Herrscher der Karibik ist in vier Szenarien aufgeteilt, die immer einer anderen Zeitepoche und somit anderen Vorraussetzungen entsprechen.

Es beginnt mit der ersten Epoche 1570 und der Vorherrschaft der Spanier. In diesem leichten Einführungsszenario wird der Spieler auf Seiten der spanischen Krone in die Grundprinzipien und die Vorgänge des Gameplays eingeweiht. Somit lernt er Schritt für Schritt die Karibik mit all ihren Gefahren und Eigenarten kennen. Nach kurzer Zeit erhalten wir von einem Gouverneur den Auftrag, Jagd auf Piraten zu machen. Diese Aufträge, die man bei den verschiedenen Gouverneuren erhält, treiben die Kampagne des Spiels voran und sind Pflichtmissionen. Andere Aufträge hingegen, wie zum Beispiel Warentransporte, Überfälle auf feindliche Konvois oder auch einfach das freie Kapern oder Plündern von Schiffen bringen Geld in das eigene Säckel, erhöhen den Bekanntheitsgrad sowie den Rang des Spielers und entscheiden über sein Verhältnis zu den vier verschiedenen Nationen.

Dank der einfachen und übersichtlichen Menüführung, ist man bereits nach wenigen Minuten voll im Spielgeschehen integriert. Ascaron hat die Karibik mit 60 Häfen und Städten gut rekonstruiert. Zwischen den unzähligen großen und kleinen Siedlungen treiben Schiffe Handel, Piraten überfallen Händler und feindliche Nationen bekriegen sich auf hoher See.

Übersicht verschafft hier die Seekarte auf der man in bester Pirates!-manier seine Schiffe ohne Probleme mit der Maus steuern kann. Man betrachtet alles aus der ISO-Perspektive die auf der Seekarte leider nicht zoombar ist und somit das Navigieren auf längeren Wegen erschwert. Abhilfe schafft hier eine Gesamtkarte der Karibik auf der zwar alle bekannten und unbekannten Städte verzeichnet sind, aber dummerweise nicht die eigene Position. Sobald man ein Schiff auf der Seekarte anläuft, erscheint ein kleines Menü (Pirates! läßt wiedermal grüßen) und man kann sich entscheiden ob man angreifen, Neuigkeiten austauschen oder einfach weiterfahren möchte. Ähnlich verhält es sich auch mit Häfen und Städten: Läuft man eine Stadt an, so erhält man zunächst Informationen über die Gesinnung der Stadt und ob diese einem erlaubt in den Hafen einzulaufen. Natürlich laufen wir in den Hafen ein um Proviant zu kaufen, eine neue Mannschaft in der Taverne anzuheuern, unsere Schiffe zu reparieren oder neue Aufträge zu erhalten. Auch hier präsentiert sich Piraten: Heerscher der Karibik hübsch und übersichtlich mit einer statischen Ansicht der Stadt auf der die einzelnen Gebäude als Menüpunkte fungieren.

Piraten: Herrscher der Karibik bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten zum Scheffeln von Geld. Neben dem Plündern von Schiffen oder dem Ausführen von Aufträgen kann man sich auch durch Kopfgelder, die auf Piraten ausgesetzt sind, eine goldene Nase verdienen. Natürlich darf auch der Handel nicht fehlen. Wer sein Gold lieber friedlich verdient kann in jeder Stadt Waren ein- und verkaufen. Im Gegensatz zu Port Royale, dessen Wirtschaftssystem auch in Piraten: Herrscher der Karibik verwendet wird, ist dieser Teil des Spiels allerdings stark vereinfacht und somit auch für Wirtschaftsmuffel nicht überfordernd. Bei allen Anstrengungen seinen Reichtum zu mehren, muss man aber immer die Moral der Crew im Auge behalten. Die Beute und das verdiente Geld alleine zu behalten mag zwar anfangs lukrativ sein, kann jedoch zu einer Meuterei führen die einem nicht nur den Großteil seines Vermögens, sondern auch das Schiff kosten kann. Ein guter Kapitän zu sein ist gar nicht einfach, zumal die Moral der Crew auch davon abhängt wie man sich in Seeschlachten anstellt.

Ein absolutes Highlight dieses Spiels ist sicherlich das einfache Kampfsystem. Entscheidet man sich für einen Angriff auf ein Schiff oder eine Stadt, gelangt man in die Schlachtübersicht. Diese ist, im Gegensatz zur Seekarte, frei zoombar und garantiert somit genaues taktieren und kämpfen (warum die Karte bei einem Angriff auf eine Stadt allerdings nicht zoombar ist, läßt sich nicht nachvollziehen) Der Spieler navigiert und feuert auch hier nur mit der Maus, was sich sofort als sehr bequem und vorteilhaft herrausstellt. Je nach Absicht kann man zwischen drei verschiedenen Munitionstypen wählen: Kettenmunition um die Segel zu zerstören, Streukugeln um die gegnerische Mannschaft auszuschalten und Massivkugeln um den Rumpf zu beschädigen. Diese einfache Steuerung hat allerdings den Nachteil, daß der Spieler immer nur ein Schiff in die Schlacht führen kann. Dies hebt besonders bei Kämpfen gegen eine grosse Flotte den Schwierigkeitsgrad enorm an. Hat man nun das gegnerische Schiff, im Spiel gibt es rund 12 verschiedene Schiffstypen, sturmreif geschossen, kann man es natürlich auch entern um sich Schiff und/oder Ladung unter den Nagel zu reißen. Auch dieser Vorgang wird elegant und simpel mit nur einem Mausklick gelöst. Der Kampfmodus ist überaus einsteigerfreundlich und macht tierischen Spaß allein die angestaubte Grafik und die geringe Detailfülle der Modelle trüben den sonst sehr positiven Eindruck.

Technisch ist Ascarons Piraten: Die Herrscher der Karibik sicherlich keine Offenbarung. Das Spiel macht auf den ersten Blick eher einen Low-Budget Eindruck. Die Grafik wirkt teilweise recht angestaubt und grob, besonders im Kampfmodus. Dafür hat es den Vorteil auf fast jedem Rechner flüssig zu laufen. Wer einen Pentium III Prozessor mit 900Mhz, 128 MB Ram und einer GeForce 3 sein Eigen nennt, sollte Piraten: Die Herrscher der Karibik mit allen Details flüssig spielen können. Soundkullisse und Musik sind recht gut gelungen, nicht nervig aber doch ein wenig zu rar gesäht: So hätte ich mir in Städten oder auf der Seekarte auch ein paar Soundeffekte oder Musik gewünscht die leider nicht vorhanden sind.

Fazit

Eigentlich könnte Piraten: Herrscher der Karibik das offizielle Sequel zu Pirates! sein, wäre es vor einem Jahr erschienen. Genau wie der C64-Klassiker hat Piraten: Herrscher der Karibik einen Charme und eine Atmosphäre die den Spieler sofort in ihren Bann zieht. Man kann tun und lassen was man will, fühlt sich nicht eingeschränkt oder von einer 'richtigen Story' bevormundet. Während das Spiel technisch nicht mehr up-to-date ist, ist es fast revolutionär einfach zu steuern und, von der Seekarte abgesehen, sehr übersichtlich. Ascaron hielt mit diesem Titel lange hinter dem Berg, präsentierte es auf den Messen nur sehr zaghaft und man konnte den Eindruck gewinnen, daß es nur ein Häppchen für die Wartezeit auf Port Royale 2 sein soll. Stattdessen präsentiert sich Piraten: Herrscher der Karibik als ausgewachsenes und überlegtes Spiel mit hohem Sucht-Faktor und einigen technischen Versäumnissen, die aber kaum ins Gewicht fallen. Sid Meier hätte es nicht besser gemacht!

Piraten: Herrscher der Karibik [PC , looki.de]

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