Stab:
Zack Ward - Postal Dude
Dave Foley - Onkel Dave
Larry Thomas - Osama Bin Laden
Jackie Tohn - Faith
Ralf Möller - Officer John
Chris Spencer - Officer Greg
Inhalt:
Der Dude ist scheinbar ein geborener Verlierer: er ist arbeitslos, pleite und muss mit seiner ihm untreuen Frau in einem Wohnwagenpark in der Kleinstadt Paradise leben. Um sein Leben umzugestalten sucht er Rat bei seinem Onkel Dave, dem Anführer einer sexuell orientierten Weltuntergangssekte. Dave, dem das Finanzamt im Nacken sitzt, hat einen Plan, der beiden aus ihrer Misere helfen soll: einen Einbruch in den örtlichen Vergnügungspark 'Little Germany'. Dort lagern 2000 Exemplare der heißbegehrten 'Krotchy-Dools'. Doch die beiden sind nicht die einzigen, die hinter den Puppen her sind: Osama Bin Laden und die Taliban sind scharf auf die in ihnen geschmuggelten Biowaffen.
Kritik:
Es musste ja einmal wieder so kommen. Wir dürfen schon an dieser Stelle vorwegnehmen, dass das Projekt Postal gescheitert ist - auch wenn einige Kritiken komischerweise ganz und gar anderer Meinung waren. Da wo die Spielvorlage mit ihren bitterbösen, zynischen Humor punkten und einen gewissen Kultstatus für sich verbuchen konnte, genau an dieser Sache scheitert das neueste Bollwerk.
Was in den Augen eines geblendet zu sein scheinenden Regisseurs lustig ist, muss eben nicht gleichfalls das breite Publikum ansprechen. Aber das war eigentlich von vornherein klar: Wer einen Film wie Postal sieht, muss entweder Kenner des Spiels sein oder auf unterirdischen Humor stehen. Dass das den Konsumentenkreis gleich wesentlich verkleinert, stand bestimmt auf Bolls Checkliste.
Aber immer der Reihe nach, denn alles hat der 'Ed Wood der Neuzeit' dann doch nicht falsch gemacht. Manche Szenen können wirklich ein Grinsen auf das Gesicht eines Kinogängers zaubern, man mag es kaum für möglich halten. Die vorsichtig in Anführungszeichen gesetzten 'Highlights' von Postal waren eben nicht sehr zahlreich, aber sie waren doch vorhanden. Da wäre zum Einen die sinnlose Schiesserei auf dem Sozialamt, in der einer der ewig Wartenden austickt, weil er ein wichtiges Formular nicht besitzt.
Der Postal Dude robbt sich dabei auf den Boden und versucht das beste Warte-Ticket von den toten Besitzern zu ergattern. Auch eine andere Szene blieb uns im Gedächtnis: Officer John und Officer Greg - Ralf Moeller und Chris Spencer - regen sich über eine voraushaltende alte chinesische Frau auf, die trotz Grünschaltung der Ampel nicht über die Kreuzung fährt. Der aggressive Greg beschliesst darauf hin, die Frau zum Fahren zu animieren. Als sie wirrloses Zeug plappert, zückt der Officer eine SPAS12-Shotgun und erschießt die arme Frau.
Was wir dem Boll allerdings übel nehmen mussten, waren einige definitiv hinrissige Ideen: Wie kann jemand auf die Idee kommen, es wäre lustig, wenn eine Gruppe von Taliban in einem Vergnügungspark namens 'Little Germany' bei einem Schusswechsel ausschließlich Kinder treffen? Das Ganze wirkt dabei so peinlich erzwungen, dass man es unter diesem Aspekt ganz und gar nicht als auch nur bruchstückhaft-witzig erachten kann. Fast genauso bescheuert: Als sich der Postal Dude und seine Begleiterin auf der Flucht befinden, schaltet die Kamera um auf eine Frau mit einem Babywagen, die eine Straße überqueren will.
Dreimal dürft Ihr raten, was gleich passiert: Die Frau rettet sich vor dem anrasenden Dude und überlässt Ihrem Baby seinem Schicksal. Man mag dies beim Lesen vielleicht ganz lustig, da eben schwarzhumorig, finden, aber die Art und Weise wie es auf der Leinwand präsentiert wird, ist alles andere als auch nur irgendwie witzig.
Postal konnte mit seiner 'F***t-Euch-alle'-Mentalität das Ganze zumindest mit höherer Qualität und Wirkung präsentierten, als es Boll in seiner Verwurstung tut.
Das Halsbrecherische an Bolls Umsetzung ist nämlich Folgendes: In jeder noch so kleinen Szene versucht der Filmemacher, jede Bevölkerungsschicht und Randgruppe mit einem bemüht wirkenden Gag den Spiegel vor Gesicht zu halten. Ob es nun dicke Menschen, Behinderte, Kinder, Patrioten, Fanatisten, Immigranten, Hinterwäldler oder Bürokraten sind: Die Aneinanderreihung von vermeinten Lachern ist derart chaotisch, dass dies bei einer Laufzeit von knapp 100 Minuten nur in die Hose gehen konnte. Und was macht der Kinobesitzer? Er langweilt sich bei einer erstaunlich hohen Quote an Fehlschlägen mitunter zu Tode.
Dem Spiele-Freak ergeht es dabei nicht anders: Abgesehen von einigen gut gemeinten Referenzen an die Vorlage - wie dem Auftreten des Designers Vince Desi, die irrsinnige Handlung um die Krotchy-Puppen oder den Katzenschalldämpfer - wird auch diese Zielgruppe schlichtweg nicht bedient werden, wenn sie sich nicht gerade in der Pubertät befindet und Tritte in die Eier als hammermäßigen Witz ansieht.
Auch wenn der denkwürdige Satz 'Ich bereue nichts' ('I regret nothing'), der im Spiel immer dann kommt, wenn sich der Postal Dude suizidal eine Granate in den Mund steckt, am Ende nicht fehlt, mangelt es leider an mehr Zitierungen des kontroversen PC-Spiels.
Die technische Umsetzung ist dabei - abgesehen vom Ende - eher durchwachsen, für einen Bollfilm aber wieder einmal typisch arm an Highlights. Hinsichtlich der Schauspieler ergibt sich ein zweischneidges Schwert: Während Zack Ward den Postal Dude äußerst gut mimt und Chris Spencer als Officer Greg noch die besten Lacher für sich verbuchen kann, spielt der kleinwüchsige Vern Troyer sich selbst - und das auf eine derart unwitzige Art und Weise, dass es einfach nur noch peinlich ist. Vom deutschen Ralf Möller wollen wir lieber gar nicht erst reden, der spielt in seiner Nebenrolle einen dämlichen Polizisten, der es später der mehr als pummeligen Frau des Postal Dudes von hinten besorgt - Wow, was für eine Karriere! Dave Foley und Larry Thomas geben sich zwar Mühe, die auf sie zugeschneiderten Rollen wirken jedoch reich an unverbrauchtem Potenzial.
Unterm Strich bleibt Postal zwar Uwe Bolls bisher bester Film, die Begeisterungsstürme sollte man sich aber dennoch lieber aufheben. Denn dies ist eben nur gemessen Bolls filmerische Vergangenheit der Fall: Wer Schnarchparaden vom Kaliber eines House of the Dead, Alone in the Dark oder Blood Rayne gesehen hat, wird wissen was gemeint ist. Und als Nächstes sollen noch die Umsetzungen zu Dungeon Siege und Far Cry in die Kinos kommen - Prost Mahlzeit! Im ersteren Falle sind sich jedenfalls die US-amerikanischen Kollegen einig, wenn man sich die Wertungen auf IMDB.com ansieht: Typisches Bollwerk!