Gesamtwertung85%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Ach lassen wird das. Aber tatsächlich: Mit Prey kommt uns ein Titel ins Haus, der sich fast ein ganzes Jahrzehnt lang in der Entwicklung befand. Viele glaubten schon nicht mehr an ein Release. Umso erfreulicher die Tatsache, dass wir ihn jetzt doch endlich auf unseren Bildschirmen erleben dürfen. Und, um es vorweg zu sagen, die Wartezeit hat sich gelohnt
Home Sweet Home
Prey beginnt mit dem Protagonisten Tommy, der sich in einer Toilette einer Bar im Spiegel anschaut und sich selbst anschreit. Der Cherokee Indianer lebt nun schon seit er denken kann in einem Reservat für Indianer und wünscht sich nichts sehnlicher, als dieses mit seiner Freundin Jen, der Barkeeperin, zu verlassen und ein neues Leben anzufangen. Sein Großvater Enisi versucht vergeblich ihn von seiner Herkunft zu überzeugen und Tommy will nicht zuhören, als Enisi ihm sagt, dass er für Großes bestimmt sei. Dass sich Enisis Prophezeiung so schnell erfüllt, hätte der alte Mann wohl selbst kaum geglaubt. Plötzlich ist in der Bar nämlich der Teufel los. Die Barhocker schweben zur Decke, kurze Zeit später löst sich selbst diese in Luft auf und ein greller Lichtkegel durchströmt die Bar mit phosphorisierendem Licht. Eine Invasion von Aliens ist im vollen Gange und die Drei werden, ehe sie sich versehen, in das Innere eines gewaltigen Schiffes gebeamt. Tommy kommt wieder zu sich und findet sich, Enisi und Jen angekettet wieder. Sein Blick schweift hoch und er sieht den kompletten Erdball. Er sieht sich um und bemerkt, dass unzählige andere Menschen dasselbe Schicksal erleiden wie er. Alle werden durch riesige Komplexe transportiert. Überall außerirdische Wachen, wie sie noch kein Mensch zuvor gesehen hat. Anfangs noch völlig überfordert, versucht er kurze Zeit später sich zu befreien. Erst durch die Hilfe eines bis dahin Unbekannten gelingt ihm das schließlich auch. Wieder auf festem Boden kann er nur zusehen, wie sein Großvater und seine Freundin Jen weiter abtransportiert werden. Jetzt liegt es an ihm sie und, Ihr ahnt es sicherlich schon, die gesamte Welt zu retten
Kräfte des Bären?
An dieser Stelle fängt das eigentliche Spiel an. Man bewegt sich, nur mit einer Zange bewaffnet durch organische und lebendig wirkende Gänge. Nicht lange lässt der erste Außerirdische auf sich warten. Wie aus dem Nichts öffnet sich ein Portal im Raum und ein bewaffneter Hunter schaut Tommy tief in die Augen.
Ein Paar beherzte Schläge mit der Zange und schon hat der junge Indianer seine erste Waffe in den Händen, die einem Maschinengewehr ähnelt und obendrein noch mit einer Sniperfunktion ausgestattet ist. Einige Korridore und umgenietete Hunter später kommt er an einer Maschine an, die auf bestialische Weise die verschleppten Menschen tötet und aufsaugt. Plötzlich sind die Schreie von Jen zu hören. Unaufhaltsam werden sie und Enisi in Richtung dieser Maschine gezerrt. Tommy wird Zeuge, wie sein Großvater das Zeitliche segnet. Auf einmal wird die Maschine ausgeschaltet. Der Unbekannte, der Tommy schon zur Flucht verholfen hat, hilft ihm auch dieses Mal und öffnet für ihn ein Portal, durch das Tommy in einen weiterführenden Korridor gelangt.
Kurze Zeit später stürzt Tommy unter heftigem gegnerischen Beschuss in einen Abgrund. Den Tod schon vor Augen, findet er sich plötzlich an einem fremden aber doch vertraut wirkenden Ort wieder. Hier trifft er auf Enisi. Dieser erklärt ihm, dass er über übernatürliche Kräfte verfügt, die es ihm erlauben, seine lebende Hülle zu verlassen und als Geist umherzuwandern. Dieser so genannte Spirit Walk erweist sich im weiteren Verlauf des Spiels als mehr als hilfreich. Mit ihm kann man an vorher nicht zu erreichen Stellen gelangen und auch Schutzschilde lassen sich auf diese Weise durchqueren. Weiter rüstet Enisi Tommy mit einem Bogen aus, mit dem er auch als Geist den Lebenden Schaden zufügen kann. Er erklärt ihm, dass er die Macht über das Jenseits hat und ihm so der Tod nichts anhaben kann. Tatsächlich ist es so, dass wenn man im Spiel stirbt, sich im Jenseits wiederfindet und in einer Art Minigame auf rote und blaue Wraiths, vogelähnliche Geister, schießen muss, um sich so seine Lebens- und Spirit-Energie zu erneuern.
Dann kehrt man wieder in die Welt der Lebenden zurück und der Kampf geht weiter. Mit seinen neuen Kräften macht sich Tommy auf den Weg, um Jen zu retten. Ob er es schaffen wird und welche Herausforderungen auf ihn warten, müsst ihr allerdings schon selbst herausfinden.
Action wie in der Achterbahn!
Klingt alles nicht sonderlich innovativ? Um ehrlich zu sein, handelt es sich bei Prey auch um einen klassischen Shooter. Es sind jedoch die kleinen aber feinen Unterschiede, die ihn von der Konkurrenz abheben. Die schon anfangs erwähnten Portale erweisen sich als genialer Einfall. Durch sie kann man nahtlos in komplett andere Spielabschnitte gelangen. Alles ganz ohne Ladezeiten. Die größte Finesse des Titels ist allerdings das Spiel mit der Gravitation. Über Kraftfelder kann man dieser trotzen und kopfüber an Decken und Wänden entlang laufen. Nicht nur Ihr macht von diesem Wall Walk Gebrauch und so kommt es nicht selten vor, dass die Gegner Euch von der Decke aus beschießen. Anders läuft es bei Schaltern, die die komplette Schwerkraft nach der Aktivierung auf ihre Seite lenken.
So dienen Abgründe plötzlich als Durchgänge und schaffen neue Wege. Auf diese Weise muss man im Verlauf des Spiels das eine oder andere Rätsel lösen. Wobei leider nur die wenigsten die grauen Zellen des Spielers wirklich fordern. Meistens kommt man, wenn man in einer Sackgasse steht, durch den Spirit Walk weiter, indem man beispielsweise einen Schutzschild durchquert und diesen auf der anderen Seite deaktiviert oder man als Geist auf spirituellen Brücken Abgründe überquert. Leider findet man im Laufe des Spiels nur wenige Situationen, die von der Spielerei mit der Gravitation wirklich profitieren. Schade, aber darüber lässt sich hinwegsehen, schließlich soll ja die Action nicht zu kurz kommen. Und das tut sie auch keineswegs.
Grafik und Sound allerfeinster Güte!
Bei seinem Ausflug in außerirdischen Gefilden trifft Tommy auf so manchen furchteinflößenden Gegner, der ihm das Leben schwer machen will. Spätestens hier merkt man dem Titel seine Verwandtschaft zu Doom 3 und Quake 4 an, die ja auf der gleichen Grafik-Engine basieren. Trotzdem kann man das Design der Gegner, von denen es leider nicht allzu viele gibt, und gerade das der Level nur als ausgezeichnet bezeichnen. Nicht selten bleibt einem beim Betreten der unzähligen Kooridore und Außenlandschaften einfach die Spucke weg. Derart liebevoll detaillierte Umgebungen sah man selten. Trotzdem läuft das Spiel, trotz der grafischen Opulenz, auch auf etwas älteren Rechenknechten erfreulich flüssig. Da hat das Team von Human Head Studios ganze Arbeit geleistet.
Der Titel erhält dadurch seine ganz eigene Atmosphäre und der Spieler verliert sich regelrecht in dem Spiel. Auch der Sound weiß zu gefallen und kommt sehr dynamisch rüber. Neben den gelungenen und teilweise sehr witzigen Kommentaren des Protagonisten sind es auch die Feuergeräusche der Waffen, die überzeugen können. Selten hat es so viel Spaß gemacht, seine Waffen abzufeuern. Als weiteres nettes Feature kommt man während des Spiels immer wieder an kleinen Terminals vorbei, an denen man eine Radiosendung mit Art Bell belauschen kann. Die Gespräche nehmen die Thematik mehr als einmal gehörig auf die Schippe. Man merkt schon, dass das Spiel nicht ganz so bierernst zu nehmen ist wie beispielsweise Doom 3.
Welches Wummerl hättens denn gern?
Um noch mal auf das Thema Waffen zurückzukommen: Jede der außerirdischen Wummen verfügt über einen Alternativangriff. So könnt Ihr zum Beispiel mit der Acidgun über die Primärfunktion eine Ladung Säure auf Eure Gegner schießen, während ein Druck auf den rechten Mausbutton einen ganzen Säurebehälter verschießt. Die Wormgun wird wiederum an sich im Raumschiff überall befindlichen Energiequellen aufgeladen, welche sie mit vier verschiedenen Arten von Munition ausrüsten können. So kann man sie mit Lichtstrahlen, Plasmageschossen, Blitzenergie oder Kältegeschossen aufladen. Über letztere lassen sich die Feinde komplett einfrieren und kampfunfähig machen. Obwohl sich die Waffen äußerlich von herkömmlichen Gewehren absetzen, spielen sie sich letztlich dennoch ähnlich. Die Acidgun ersetzt so beispielsweise die Shotgun, die Hunterrifle ein MG bzw. eine Sniperrifle oder die Wormgun die aus Quake bekannte Railgun, insofern man sie mit Blitzen füttert. Kleiner Wehmutstropfen dabei, die Waffen ermöglichen nicht unbedingt taktisches Vorgehen oder große Vorteile. Jeder der Gegner lässt sich relativ problemlos mit jeder Waffe beseitigen. Das unterstreicht auch wieder, dass Prey eher als ein Straight-Shooter als eine taktisch angehauchte Ego-Ballerei anzusehen ist.
Nur Fliegen sind schöner!
Später im Spiel kann man sogar die Kontrolle über Shuttles der Aliens übernehmen. Mit diesen Shuttles ist man in der Lage, völlig frei durch die riesigen Levels zu fliegen. Hier verschießt man Raketen mit der Primärwaffe und verfügt über einen Traktorstrahl, mit dessen Hilfe man den Weg versperrende Objekte entfernen kann.
Die Abschnitte, in denen man fliegt, bringen die nötige Abwechslung im Spiel, allerdings hätten sie auch ein wenig mehr ausgenutzt werden können. Man fliegt meistens zum nächsten Andockpunkt, ballert zwischendurch aus der Luft angreifende Feinde vom Himmel oder nutzt den Traktorstrahl, um sich den Weg frei zu räumen. Insgesamt eine nette Abwechslung, mehr aber leider auch nicht.
Der neue Multiplayer-Burner?
Hat man sich einmal komplett durch Prey gekämpft, was leider schon nach acht bis zehn Stunden der Fall ist, steht ein neuer Schwierigkeitsgrad für ein erneutes Spiel zur Verfügung. Diesen hätten die Entwickler durchaus schon von Anfang an ins das Spiel packen können, denn durch ihn gewinnen die Gefechte deutlich an Reiz und fordern den Spieler mehr heraus. Ansonsten muss man leider sagen, dass das Spiel keinerlei Anreiz bietet, es erneut durchzuspielen. Aber es gibt ja schließlich auch noch einen Multiplayermodus. Dieser bietet den Spielern acht recht gelungene Levels, auf denen die Gravitation auch wieder eine große Rolle spielt und den Modus dadurch zu etwas Besonderem machen. Leider gibt es nur zwei Spielmodi (Deathmatch und Team-Deathmatch), wodurch die Gefechte auch relativ schnell an Reiz verlieren. Also nicht der nächste eSport-Knaller, sondern eher was für zwischendurch auf der LAN-Party. Dennoch darf man auf die Zukunft gespannt sein, denn wie man die Community kennt, werden mit Sicherheit einige höchst interessante Modifikationen für Prey herauskommen. Die Innovation mit der Schwerkraft lädt geradezu dazu ein.