Gesamtwertung50%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßMangelhaft SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Ein brausendes Gewitter tobt über die Hügel des Landes. Stämmige Männer schlagen ihre Klingen und Keulen gegen ihre Schilder, dazu ertönt ein martialisches Kampfgeschrei. Wir sind uns sicher: Diese Schlacht werden wir gewinnen. Die Horden des Gegners blicken uns alles andere als angsterfüllt an im Gegenteil: Ihre von geplatzten Äderchen gezeichneten Augen und Narbengesichter versprechen uns einen barbarischen Tod.
Nicht mit uns: Das Horn ertönt und wir nehmen die Beine in die Hand. Unsere Brüder im Kampfe links, rechts unter hinter uns ziehen mit uns. Ohne aus der Puste zu kommen, preschen wir mit voller Wucht in die versammelte Feindschaft. Schwerter klirren, Äxte werden mit brutalster Kraft durch die Leiber gezogen und wir sind uns sicher: Massenschlachten dieser Art haben wir verdammt gern.
Masse ohne Klasse...
Was das alles mit der Spiel-zum-Film-Umsetzung Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia zu tun hat? Nichts. Denn die Massenschlachten in diesem Spiel können nur rein oberflächlich betrachtet überzeugen.
Dennoch werden sie zuweilen massiv eingesetzt. Für unsere Begriffe absolut unverständlich, fühlen sich die Metzeleien mit mehreren Dutzend Figuren auf dem Screen gleichzeitig doch arg künstlich an. Oder wie würdet Ihr es empfinden, wenn Euch keine Sau angreifen will? Noch schlimmer ist es, wenn wir auf diverse Feinde einkloppen, wir aber das Gefühl haben, dass wir uns hier noch eine geschlagene Stunde die Finger wund drücken könnten, der Schelm aber dennoch nicht tot umfallen würde so wie er es eigentlich verdient.
Sicher, dies ist gewiss nicht der Regelfall, aber solche Ungereimtheiten schmälern den Eindruck doch enorm. Das Schlimme: Prinz Kaspian von Narnia leistet sich das Ganze bereits direkt zu Beginn des Spiels. Eingeführt von einer unspektakulären Sequenz aus dem Film, sowie einer in Rendergrafik gehaltenen Cutscene, übernehmen wir ohne großartige Erzählung mehr zu diesem Problem später wahlweise die Kontrolle über einen Zentauren, Zwerg, Minotauren oder Faun. Jeder mit eigenen einzigartigen Fähigkeiten ausgestattet, die an bestimmten Stellen der Mission zum Tragen kommen und doch längst nicht so verschieden, wie man es sich als Zocker eigentlich wünschen würde. Während wir beispielsweise mit dem Pferdekörper des Zentauren flink durch Gegnermassen galoppieren und dabei mit Glück ein paar Feinde durch unser Schwert ins Jenseits schicken, stemmen wir als Minotaure schwere Zähnräder, um die Tore der angegriffenen Festung zu schließen oder die Zugbrücke wieder hochzuziehen.
Der Zwerg kann hingegen durch kleine Löcher schlüpfen, um so an Orte zu gelangen, die man mit den anderen Charakteren nicht erreichen würde. Das alles spielt sich wie bereits gesagt trotz verschiedener charakterspezifischer Aktionen auf Dauer recht eintönig.
Die Hauptschuld an dieser Misere trägt das enttäuschende Kampfsystem: Steht Ihr auf viele unterschiedliche Angriffsarten, Combos oder andertweitigen Schnickschnack wie Finisher, dann ist Prinz Kaspian von Narnia sicher nichts für Euch. Hier kloppt Ihr ohne großartige Taktik wie ein Laie auf Feinde ein, ohne auch nur einen Gedanken darüber zu verschwenden, ob es außerhalb des Narnia-Tellerrands noch mehr Vielfalt beim Erledigen der Gegner gibt. Dies lässt Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia wie eine weitere, rasch entwickelte Umsetzung wirken, was sie wahrscheinlich auch ist. Denn neben dem eindimensionalen Kampfsystem und den Massenschlachten aus der Mogelpackung enttäuscht auch die Erzählung.
Schwache Präsentation...
Einsteiger in den Stoff werden von Beginn im Dunklen darüber gelassen, was in Teil eins passiert ist und wer hier eigentlich wer ist.
Stattdessen reiht sich eine - oft belanglose Zwischensequenz an die Nächste, die keinen rechten Aufschluss über die Handlung oder die Charaktere geben wollen. Wie sind zum Beispiel die vier Kinder Peter, Susan, Edmund und Lucy überhaupt nach Narnia gekommen und wie stehen sie in Bezug auf die Fabelwesen? Man kann es nur erahnen. Sicherlich kann man nicht wieder den gesamten Plot des Vorgängers aufrollen, aber ein kurzer Überblick für Neueinsteiger wäre wünschenswert gewesen.
Die vier gerade angesprochenen Kinder steuert Ihr später unter anderem auf einem Eiland. Wie schon im Akt zuvor dürft Ihr auch hier wieder frei zwischen den Kids hin- und herwählen.
Cool: Optional darf jederzeit ein zweiter Spieler ins Geschehen einsteigen, sodass man im Coop-Modus die Missionen zusammen bestreiten darf. Allerdings sollte man sich hier einig über die einzuschlagende Richtung werden, schließlich ist man auf eine Kamera beschränkt - das Ganze funktioniert übrigens leider nur an einem PC.
Wo wir gerade schon bei der Kamera sind: An manchen Stellen offenbart die automatische Führung leider eklatante Schwächen. Ein Paradebeispiel dafür haben wir für Euch in unserer Galerie zum Review festgehalten. Wenn ein Eingang uns den Blick auf den Kampf verwehrt, sich die Kamera nicht vernünftig justieren lässt und uns gerade ein paar Feinde ans virtuelle Leder wollen, ist das besonders ärgerlich. Frei bewegen darf man die Kamera nicht, stattdessen nur ganz leicht drehen theoretisch okay, praktisch bei problematischen Stellen leider total zwecklos. Allzu viel Anspruch braucht Ihr vom Spiel übrigens nicht zu erwarten: Knüppelt Ihr nicht gerade mal Gegnerhorden zu Brei, legt Ihr durch wildes Mausgeklicke Schalter um, zerstört mithilfe eines Geschützes feindliche Schiffe oder weicht in unterirdischen Katakomben Windströmen aus, damit Eure Fackel nicht erlischt.
Zudem weiß man stets wo es lang geht, denn die Levels von Die Chroniken von Narnia: Prinz Kaspian von Narnia sind strikt linear. Erkundungsfreudige werden entweder mit nicht benutzbaren Ausgängen oder unsichtbaren Mauern schnell in die Schranken gewiesen.
Grafisch macht der Tiel nur einen okayen Eindruck: Vor allem die Charaktere hätten mehr Polygone und Details vertragen können. Das etwas knappe Animationsspektrum geht immerhin in Ordnung.
Eure Ohren dürfen sich derweil über einen netten Soundtrack und teils deftige Kampfeffekte freuen die vorwiegend ernüchternden deutschen Stimmen können wir dabei getrost ausblenden.
Prinz Kaspian von Narnia im Test.
Was halten Sie vom neuen Spiel von Travellers Tales?
Teilen Sie Ihre Meinung mit anderen Yahoo!-Usern.