Pro Evolution Soccer 2008

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Konami
Entwickler
Konami
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
0
Pro Evolution Soccer 2008 [PC , looki.de]

Gesamtwertung

87%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Sehr gut

Pro Evolution Soccer 2008

So ziemlich jedes Jahr um diese Zeit reiben sich verdammt viele Fußball-Fans die Hände. Die Community rund um Konamis Edel-Fußballsimulation Pro Evolution Soccer ist in den letzten Jahren um ein Vielfaches gewachsen. In diesem Jahr schickt das Team rund um Seabass an, ein fast schon perfektes Erlebnis nochmals zu verbessern. Erstmals kommen nun auch Besitzer einer PlayStation 3 in den Genuss des Kicks. Wir haben uns alle verfügbaren Versionen für euch angeschaut und verraten, welche die beste ist.

Es lebe der Sport!

Es ist der Sport, der die besten und engsten Freunde für kurze Zeit zu Todfeinden machen kann und einen Gefühlsausbrauch nach dem anderen verursacht. Es ist der Sport, der die Emotionen auf der ganzen Welt aufkochen lässt und nicht selten für Tränen sorgt, ob nun vor Glück oder Trauer. Der Sport, der gerade bei Männern immer wieder für stundenlangen Gesprächsstoff und schnell für tiefste Seelenqualen sorgen kann. Es ist der Sport um das begehrteste Leder der Welt – Der Fußball. Es ist das Spiel, was diesen Sport jedes Jahr wieder so formidabel auf die heimischen Bildschirme zaubert und bei jedem Sportbegeisterten für große Augen und nicht enden wollende Sessions sorgt. Das Spiel für wahre Männer, dass den Zauber des Fußballs so authentisch wie kein anderer Titel einfängt und deshalb einfach eine kleine Offenbarung ist – Pro Evolution Soccer. Die ewige Frage, die es auch dieses Mal wieder zu beantworten gilt, ist, was sich Konami hat einfallen lassen, um das Spiel zu erweitern und zu verbessern.

Es lernt!

Die größten Neuerungen betreffen die KI. Mit der so genannten „Team Vision“ ist diese im Stande, aus eurer gegen sie eingesetzten Spielweise zu lernen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Wer beispielsweise stets über die Flügel angreift und so seine Erfolge erzielt, wird spätestens beim dritten Anlauf bemerken, dass sich der Computer anders verhält und es zu verhindern weiß, dass ihr zur tödlichen Flanke ansetzt. Eine kreative und vor allem taktisch durchdachte Spielweise steht in PES 2008 klar im Vordergrund, allerdings macht sich dieses Feature erst wirklich in der Meisterliga bemerkbar, da ihr hier eine ganze Karriere mit demselben Team spielt.

Eine große Erweiterung gerade in Hinsicht auf die eh schon exzellenten Animation stellt das neue „Inverse Kinetic“-System dar.

Dieses zeichnet sich dadurch aus, dass der Abstand vom Ball zum Fuß berechnet wird und die entsprechende Animation sich der Situation anpasst. Das Resultat: Unglaublich geschmeidige Bewegungsabläufe, die wirklich ein wahrer Augenschmaus sind und dem Spiel noch mehr Realismus verleihen. Dieses Feature betrifft natürlich auch die Torhüter. Noch nie sah es dermaßen spektakulär aus, wenn er zur Seite hechtet und das Leder mit letzter Kraft noch einhändig abwehrt. Das gesamte Spielgeschehen wirkt ganz einfach lebendiger und um Längen geschmeidiger. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass sich Konami mit der Erhöhung der Spielgeschwindigkeit ein wenig vom ansonsten so realistischen Gameplay distanziert hat. Gerade bei Nationalmannschaften fällt diese Tendenz auf. Die Spieler rasen gerade zu über den Platz. Bei Manchen dürfte die damit verbundene höhere Dynamik eine willkommene Neuerung sein, Simulationsfanatikern könnte sie indes ein Dorn im Auge sein. Ebenfalls auffällig sind die nun viel stärkeren Stürmer. Mit einer präziseren Steuerung und einigen neuen Tricks am Ball auf Seiten der Offensive, haben es die Verteidiger nun sehr viel schwerer an den Ball zu kommen. Dazu kommt noch, dass die Torhüter viel mehr Bälle abprallen lassen und sich dadurch die Zahl der abgestaubten Tore erhöht hat. Einfach mal abziehen lohnt sich mehr denn je. Das Resultat: Es hagelt Torschüsse und dadurch geht es auf dem Platz gehörig ab. Dennoch eine gewisse Arcadelastigkeit ist nicht von der Hand zu weisen. Nicht ohne Grund enden viele Spiele mit verdammt vielen Toren. Der Eine wird's mögen oder gar vergöttern, der Andere könnte allerdings durchaus unzufrieden mit dem neuen Gameplay sein, so schön es auch anzusehen ist.

Ein Feeling, wie man es von der Serie gewohnt ist, bekommt man hauptsächlich in der gelungenen Meisterliga geboten. Hier könnt ihr wie gewohnt wählen, ob ihr mit eurer eigens erstellten Mannschaft, einem Team eurer Wahl mit vorgegebenen Kader oder einem der Originalteams antretet und eine ganze Karriere an Angriff nehmt. Neu sind einige Sequenzen mit den Fans und Interviews der Spieler nach dem Spiel. Nett! Weiterhin lassen sich wie gewohnt zahlreiche Pokale, die unter anderem die Pendants zur WM, EM und weiteren Events darstellen, angehen. Von den obligatorischen Freundschaftsmatches ganz abgesehen. Auch der Editor, der in PES6 auf der Xbox 360 noch fehlte, hat es in alle Versionen geschafft. Hier lassen sich auch die deutschen Teams und das Nationalmannschaft bearbeiten.

Ihr könnt sogar eigene Trikots und Gesichter mit der passenden Kamera in das Spiel integrieren. Dennoch müssen alle Version neidisch auf die PS2-Variante schauen, nur hier habt ihr alle 33 Stadien zur Verfügung und könnt den erweiterten Trainingsmodus genießen. Schade drum, denn gerade Neulinge werden ihre Probleme haben, die vielen, vielen Tricks selbstständig zu erlernen. Eine Anschaffung des offiziellen Lösungsbuch ist da fast schon Pflicht, um die alten als auch neuen Tricks, wie beispielsweise das Tunneln, zu erlernen.

Neben neuen Tricks haben es aber auch neue Features in das eigentliche Gameplay geschafft. So lassen sich jetzt auf Wunsch theatralische Schwalben auf‘s Parkett legen. Diese sind natürlich mit äußerster Vorsicht zu genießen, denn der Schiri greift verdammt schnell zu gelben Karte. Sowieso zückt der Schiri wieder viel schneller die farbige Pappe, als noch im letzten Jahr. Sehr erfrischend sind die neuen schnellen Freistöße, die das Spiel jetzt nicht länger unterbrechen. Ihr könnt, insofern ihr das Leder noch vor euren Füßen liegen habt, mit einem Druck auf die Pass-Taste direkt wieder einsteigen. Auch neu ist die Möglichkeit, euren Mauern auf Wunsch zu verstärken oder teilweise aufzulösen, um so mehr freie Spieler im Strafraum parat zu haben. In Zweikämpfen sind darüber hinaus nun Trikotzupfer zu erkennen. Sehr schön!

Was ist da los?

Vom grafischen Standpunkt ist PES 2008 leider ein zweischneidiges Schwert – für alle Plattformen. Das eigentliche Spiel verläuft zwar zu jeder Zeit superflüssig und sieht einfach famos aus, es lassen sich allerdings viele grafischen Unfeinheiten feststellen, die man von der Serie in dieser Form nicht gewohnt ist. Von den noch immer recht hässlichen Zuschauern und dem verpixelten Rasen mal abgesehen, kommt es auf dem PC und den beiden Next-Gen-Versionen in den Szenen abseits vom Spiel und gerade während der Wiederholungen zu sehr unschönen Einbrüchen in der Framerate. Gerade auf der PS3 sind diese deutlich zu erkennen und arten manchmal sogar in DIA-Shows aus. Richtig geile Treffer, die es in PES 2008 zu Hauf gibt, lassen sich einfach nicht mehr so schön genießen. Die Xbox-Fassung schneidet in dieser Hinsicht zwar noch am besten ab, dennoch sind diese Unschönheiten noch deutlich zu erkennen. Weiterhin konnten wir diverse Clippingfehler feststellen, die im Gesamtbild schlicht und einfach einen unfertigen Eindruck des Spiels hinterlassen.

PC-Besitzer freuen sich zwar über die Next-Gen-Optik, haben aber mit denselben Punkten zu kämpfen. Die PS2-Version hat zwar nicht darunter zu leiden und unterscheidet sich grafisch keinen Deut von ihrem Vorgänger, hat dafür ihre ganz eigenen Abstriche hinzunehmen. Nicht nur, dass hier komplett auf die neuen Schwalben, den Trikotzupfern und die Spiele mit der Mauer verzichtet wurde, unter anderem sucht man auch beispielsweise die neuen Jubelszenen, die es in den anderen Fassungen gibt, leider vergeblich. Es kommt noch schlimmer, dazu aber gleich mehr. Einen richtig großen Schritt nach vorne ist man in Bezug auf die Geräuschkulisse gegangen. Es gibt richtig fette Schussgeräusche zu hören, Spieler schreien nach Fouls, die Lattentreffer klingen satt und, und, und. Hier müssen wir ein ganz klares Lob aussprechen. Gewohnt solide Arbeit leisten auch in diesem Teil wieder einmal Rolf Fuß und Hansi Küpper mit einigen neuen Kommentaren passend zum Spiel.

Das wohl größte Manko des Spiels ist aber aktuell wohl noch der eigentlich immer genial gewesene Online-Modus. Auf der Xbox könnt ihr wie üblich normale oder Ranglistenspiele über Xbox-Live austragen. Auf den anderen Plattformen trefft ihr euch in der Lobby und messt euch mit anderen Spielern, um euch so in der globalen Rangliste nach oben zu arbeiten. Leider laufen die Matches, bis auf die der PS2-Fassung, nicht so, wie man es sich wünschen würde. Im Gegenteil, in den wenigsten der von uns gespielten Matches kam überhaupt ein anständiger Kick zustande. Schlimme Lags und Verbindungsabbrüche waren an der Tagesordnung. Zwar arbeitet man laut Konami schon an einem Patch, allerdings fragt man sich, warum diese Probleme überhaupt entstehen konnten, schließlich hatte schon die Vorjahres-Fassung mit den gleichen Serverproblemen zu kämpfen, so dass man inzwischen eigentlich Herr der Lage sein sollte. In jedem Fall könnt ihr online im 1on1 antreten oder ihr verabredet euch, um gemeinsam online gegen den Computer anzutreten. Dies gilt für alle Versionen. Wie? Auch für die PS2? Richtig gehört, nachdem man in PES 5 und 6 noch gemeinsam an einer Konsole online gegen andere Spieler antreten konnte, oder im letzten Jahr gar durch Gruppenmatches spannende Clanmatches bestreiten konnte, sind in diesem Jahr keine 2on2-Spiele mehr möglich. Ein übler Schlag ins Gesicht für die mittlerweile riesige Community.

Fazit

Was soll ich sagen? PES 2008 begeistert und enttäuscht zur gleichen Zeit. Einerseits spielt es sich wirklich superb und die Animationen sehen einfach atemberaubend gut aus. Das schnelle Gameplay dürfte so manchem eingefleischten Pro Evo-Fan sauer auf den Magen schlagen. Darüber hinaus trüben die vielen Fehlerchen und die Einbrüche der Framerate das Gesamtbild. Die Entwickler waren anscheinend mit Arbeit an den verschiedenen Plattformen und dem Zeitdruck ein wenig überfordert. Sogar PES-Guru Seabass entschuldigte sich im Vorfeld schon bei den Fans dafür, dass PES 2008 in dieser Form auf den Markt gekommen ist. Für mich persönlich ist das Wegfallen des 2on2-Modus der größte Schock und unverzeihlich. Unzählige Male habe ich mit meinen Freunden auf der Couch gesessen und genüsslich Gerstensaft geschlürft, während wir uns zusammen stundenlang online ausgetobt haben. Das soll jetzt nicht mehr möglich sein? Skandal! Ein Patch muss her und zwar dalli!.

Dennoch, PES 2008 ist trotz seiner Macken nach wie vor das beste Fußballspiel. Die Spieltiefe sucht immer noch Ihresgleichen und gerade gegen menschliche Spieler ist der Titel nach wie vor eine Wucht. Welche Version können wir euch nun aber empfehlen? Insofern ihr auf die fehlenden Inhalte im Vergleich zur PS2-Fassung verzichten könnt, solltet ihr euch die Xbox-Variante mal näher anschauen. Diese hinterließ bei uns mit der optimierten Kontrolle und der besten Technik noch den saubersten Eindruck. Die PS2-Fassung bietet hingegen für Besitzer von PES 6 nicht unbedingt genügend Neuerungen, als dass ein Neukauf gerechtfertig ist.

Pro Evolution Soccer 2008 [PC , looki.de]

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