Gesamtwertung82 %/10 |
Grafik7 Sound9 |
Lanzeitspaß7 Spieleinstieg8 |
Bedienung8 |
Eine riesige Stadt, zahlreiche Haupt- und Nebenmissionen und kompromisslose Action noch und nöcher: Prototype soll all das zu einem abwechslungs- und spannungsreichen Trip verbinden. Doch haben die Versprechungen der Vergangenheit in der fertigen Fassung an Wahrheitstreue eingebüßt oder erwartet uns wirklich ein deftiges Highlight? Unser Review verrät es Euch.
Prototype beginnt mit einem Knall: Bevor wir uns überhaupt versehen können, richten scharenweise vermummte Militärs ihre Waffen auf uns. Wäre das in den meisten Spielen der Moment für den sicheren Game Over-Bildschirm, spüren wir nur ein kleines Jucken beim Eintreffen der Projektile. Alex Mercer ist anders. Und das demonstrieren wir auch gerne den bewaffneten Jungs: Einen heben wir mit einem Griff an die Gurgel in die Höhe und zermalmen ihn mit voller Wucht auf dem Boden, einem anderen zeigen wir die Kunst des "Body-Surfings" und die anderen im Bunde werden unsererseits mit einem fliegenden Taxi in die ewigen Jagdgründe geschickt, während um uns herum die Hölle ausbricht.
Die Stadt wurde von einem tödlichen Virus befallen, der sich nun komplett durch die Straßenzüge zieht. Häuser sind mit einer merkwürdigen rötlichen Substanz überzogen, Infizierte fallen über wehrlose Zivilisten her und auch dicke Mutanten kreuzen unseren Weg und mischen in den Gefechten mit dem Militär mit.
Scheinbar urplötzlich wachsen unserem Helden riesige Klauen: Deren Auswirkungen testen wir gleich am nächsten Pulk Infizierter. Zurück bleiben vertikale und horizontale Körperhälften, Blutschwälle und ein zufriedenes Grinsen in unserem Gesicht - Zombie-Ragout leicht gemacht, eben. Am Ende dieser Einstiegsmission, die bereits wesentliche Eigenschaften unseres Charakters aufzeigt, erwartet uns eine Cutscene: Tag 18 der Infektion, aha.
Und wie wir es erwartet haben, spult der Titel bis an den Anfang zurück: Alex Mercer liegt auf einer Bahre, Wissenschaftler inspizieren ihn, er erwacht und entkommt. Das Action-Fest darf beginnen.
Den anfänglichen Knall sehen wir als großes Motivationsplus an, gibt er doch schon mal einen Hauch von dem vor, was uns im späteren Spielverlauf an Fähigkeiten und die gesamte Stadt an Grauen erwartet. Irgendetwas ist mit Mercer passiert. Waren es geheime Versuche? Oder doch die Illuminaten? Die Antwort auf diese Fragen gibt nicht etwa das Team von Galileo Mystery, sondern der Spieler in seinen Streifzügen durch die fortwährend immer mehr vom Virus eingenommene Stadt nach.
Open World-typisch verfügt Ihr dabei über eine Karte, auf der verschiedene Spots markiert sind. Auftraggeber gibt es freilich nicht, stattdessen könnt Ihr gelben Symbolen folgen, die Missionen einleiten, die die Story weiterführen, oder Ihr lasst Euch zu mehr oder minder belanglosen, grün markierten Events hinreißen, die Euch bei erfolgreicher Bewältigung zumindest Erfahrungspunkte bescheren.
Und es kommt, wie es kommen muss: Natürlich investiert man selbige in Upgrades für Alex. Seien es höhere Sprungweiten, schnellere Sprints, deftigere Spezialattacken oder neue Moves - die Liste an verfügbaren Extras gewinnt im Verlaufe des Spiels deutlich an Umfang und das Gefühl der natürlichen Überlegenheit wächst. Riesige Krallen, Felsenfäuste, ein schnittiges Schwert oder auch eine Art organische Peitsche gesellen sich dem Szenario des Körperwandlers hinzu, teilweise jeweils mit eigenen Angriffs- und Upgradevarianten. Hiermit hält Prototype die Motivation aufrecht, stetig am Ball zu bleiben, denn so gut wie nach jeder Mission hagelt es ordentlich Erfahrungspunkte, die man in voller Vorfreude für die ersehnte Eigenschaft ausgibt. Wer im missionsunabhängigen Free Roam-Modus entweder Events absolviert, militärische Stützpunkte den Erdboden gleichmacht oder sich einfach nur in den offenen Kampf stürzt, kann sich noch leichter Vorteile verschaffen - gerade bei zerstörten Basen gibt es ordentliche EP-Belohnungen.
Wirklich einfach wird Prototype aber dadurch nicht: Gerade im späteren Spielverlauf erweisen sich die Strike Teams, bestehend aus Drohnen, Helikoptern und Panzern als widerstandskräftige Kontrahenten. In diesem Falle bleiben Euch gleich mehrere Möglichkeiten: Entweder stellt Ihr Euch dem offenen Kampf, benutzt Autos als Wurfwerkzeuge und prügelt mit voller Wucht auf die Fahrzeuge ein, oder Ihr ergreift mangels Health die vorzeitige Flucht. Dabei könnt Ihr trotz meilenweit hoher Wolkenkratzer quasi nach Luftlinie laufen. Egal welche Wand, egal wie hoch sie ist - Alex kann flugs an Ihr hoch- und entlangrennen, benutzt für weitere Distanzen Gleitmanöver und macht so selbst neben Spider-Man eine klasse Figur. Alternativ versucht Ihr, es bis um die nächste Straßenecke zu schaffen und dort die Gestalt einer anderen Person anzunehmen - Consume-Feature sei Dank.
In teils herrlich widerlichen Animationen drischt Alex selbst unschuldigen Zivilsten die Birne ein oder zerteilt sie in fachgerechte Hälften, um den zermarterten Fleischberg dann in sich aufzunehmen. Per Tastendruck rennt Ihr fortan in der Gestalt der Person herum, die Ihr gerade in Euch aufgesogen habt und könnt Euch somit die Verfolger relativ leicht vom Hals schaffen. Wem es aber nicht gefällt, beispielsweise in der Gestalt einer Frau Chaos anzurichten, der kann selbstverständlich fließend in Alex' Form übergehen - Eure andere "Haut" liegt dennoch nur einen Tastendruck abrufbereit entfernt. Das Consume-Feature ist aber nicht nur bei Verfolgungsjagden nützlich. Oft ist es sogar Teil einer Mission. Nehmt Person XY in Euch auf und Ihr bekommt bei handlungsrelevanten Figuren deren Erinnerungen vorgesetzt, die Puzzlestücke des Mysteriums rund um Alex' Superkräfte und den freigesetzten Virus aufdecken.
Das Ganze ist interessant inszeniert, folgt im Endeffekt jedoch einem strikt linearen Muster. Wir hätten uns beispielsweise diverse Cutscenes von Normalo-NPCs gewünscht, beispielsweise von Fußgängern. Haben wir gerade einen Serienmörder in uns aufgesogen, oder war es doch ein zuvorkommender Gärtner oder die fremdgängerische Hausfrau? Freilich wäre das bei dutzenden NPCs gleichzeitig auf dem Bildschirm ein Ding der Unmöglichkeit, doch etwas Zuwendung zum Emotionalen, zum Persönlichen fehlt uns auch abseits dieser Idee sowieso schon. Alex Mercer wirkt, genau wie seine Schwester Dana und sämtliche anderen Story-Träger reichlich blass. Unserem Helden scheint es sogar gleichgültig zu sein, wen er da gerade in fachgerechte Stücke zerfetzt - ob Mutant, Soldat oder Zivilist, Hauptsache es stirbt.
Für wen das Wort Moral aber eh nebensächlich ist, der bekommt mit Prototype Kompromisslosigkeit in Reinkultur serviert: Zivilisten werden von den ignoranten Militärs auf Verfolgungsjagden mit Kugeln durchlöchert, von explosiven Geschossen zersprengt oder durch die Luft auf das nächste Autodach geschleudert, während wir uns mit einem übernommenen Panzer den Weg freifahren - und sei es über eine Gruppe Menschen. Kein Wunder also, dass Prototype nicht den Hauch einer Chance auf einen deutschen Release hatte - wo selbst das blutige Dead Space wenigstens vorrangig auf Gewalt gegen abstrakte Necromorphs setzte, schöpft Radicals Spiel aus den Vollen, wo es nur kann. Da ist es nahezu schon logisch, dass sich die künstliche Intelligenz gerade bei größeren Dreier-Konstellations-Gefechten nicht immer von ihrer Schokoladenseite präsentiert: Das Militär verfolgt uns zwar brav und zuweilen verdammt hartnäckig, wundert sich aber lediglich, wenn wir in einer neuen Gestalt mit einem Affenzahn um die Ecke flitzen.
Den Jungs vom Militär ist es selbst dann keinen Alarm wert, wenn wir in Form eines absorbierten Soldaten die Wände ihrer Basis hochrennen. Normale Infizierte laufen dagegen stur auf Euch drauf - simples Kanonen- beziehungsweise Klingenfutter eben. Glücklicherweise halten sich Totalausfälle abgesehen von den gerade erwähnten, chronischen Makeln in Grenzen. Dafür gibt es aber später auch knallharte und ständig präsente Gefechte. Und es ist geradezu ein Gefühl göttlicher Erhabenheit, auf den größten Gebäuden der Stadt zu stehen, das zivilisierte (oder entgleisende) Treiben auf den Straßen zu bewundern und sich einfach zu den Normalsterblichen mit einem lauten, wuchtigen Knall herunterzulassen. Selbst Spidey konnte nicht ein solch befreiendes "Ich-kann-tuen-und-lassen-was-ich-will"-Feeling übermitteln.
Da scheinen selbst die größten Probleme, die wir im Vorfeld mit der PC-Version hatten, wie weggeblasen. Denn irgendwas war immer: Das Spiel schaltete nach dem Laden komplett auf einen schwarzen Bildschirm um und erlaubte noch nicht einmal den erlösenden Griff zum Taskmanager. Hier und da war auch mal der Sound viel zu leise oder Grafikfehler störten das Gesamtbild. Mit etwas Fummelei und Blicken in die offiziellen Foren des Titels haben wir es dann aber irgendwie doch hinbekommen. Sicher ist trotzdem, dass hier definitiv noch ein Patch erfolgen muss, der Crashes, Grafikfehlern, Soundaussetzern oder kaputten Spielständen endgültig den Garaus macht. An unserem, speziell für diesen Test gewählten Rechner, bestehend aus einem Core 2 Duo E6700, einer ATi Radeon 1950XTX sowie vier Gigabyte RAM kann es aber an sich nicht gelegen haben, da mit dieser Konfiguration Prototype flüssig mit einer Auflösung von 1280 mal 1024 Bildpunkten, zweifachem Antialiasing und maximalen Details gespielt, nur eben nicht direkt nach dem Doppelklick auf die .exe geladen werden konnte. Vorher musste die Auflösung auf 640x480 herabgesetzt werden - gnarf, wie umständlich!
Dabei waren wir überrascht, wie angenehm einfach man Alex mit Maus und Tastatur durch die Welt scheuchen kann. Sieht man einmal von der oftmals einen Tick zu trägen Kamera-Rotation ab, hatten wir keinerlei Probleme. Bequem ist hierbei vor allem das automatische Hinwegsetzen über Fahrzeuge, sodass sichergestellt ist, dass Ihr Euch bei Verfolgungsjagden nicht auf massig Verkehr konzentrieren müsst, der mit gewitzten Jumps kein Problem mehr ist. Die Kämpfe bestehen leider zumeist aus simplem Maustasten-Geklicke, allerdings mit variantenreichen Combos und Attacken.
Vor allem die Groundspikes sind eine Wucht, darüber hinaus kann der gute Alex aber unter anderem auch Tentakel aus seinem Körper schießen lassen. Aus optischer Hinsicht ist Prototype nicht das Highlight geworden, wonach es in den Trailern noch ausgesehen hatte: Die Stadt ist einen Hauch zu abwechslungsarm, die Texturen teils böse vermatscht und auch die Explosionen können nicht immer überzeugen. Dafür läuft der Titel aber noch mit halbwegs vernünftigen Anforderungen flüssig über den Screen, bietet eine ordentliche Sichtweite und stetig belebte Screens, auch die Animationen sind wirklich gelungen.
Erst jetzt finde ich es so richtig schade, dass die Entwickler bei Radical Entertainment den geplanten Coop-Modus für Prototype gestrichen haben - was wäre es für ein cooles Gefühl, gemeinsam durch die Stadt zu gleiten, mit Soldaten brutales Volleyball zu spielen und sich zusammen wie ein Gott auf die Erde stürzen zu lassen? Aber dieses übermächtige Gefühl wirkt auch allein äußerst gut und angenehm erfrischend.
Da scheint es schon fast zur Nebensache zu verkommen, dass der Plot keine allzu großen Überraschungen bereithält und Held wie NPCs gleichermaßen blass bleiben. Auch die eher auf Buttonsmashing ausgelegte Bedienung kann da nicht intervenieren. Prototype ist einfach ein schnörkelloser, cooler und vor allem spaßiger Open World-Titel für Erwachsene geworden. Da verzeihe ich es dem Spiel auch gern, dass es mir anfangs (PC-Version) soviel Probleme bereitet hat.
In Seafight erforschst Du die abenteuerliche Karibik auf der Suche nach versteckten Schätzen und leicher Beute. 10.000 € auf den besten Spieler! zum Spiel...
Prototype im Test.
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