Railroad Tycoon 3

Review
Plattform
PC
Vertrieb
-
Entwickler
Poptop
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
Railroad Tycoon 3 [PC , Justgamers]

Gesamtwertung

82%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Railroad Tycoon 3

Eisenbahnen waren schon immer beliebt. Ob nun Historikfans, Dampf-Fetischisten oder Selbstmörder, sie alle haben ein gewisses Faible für Züge! Aber wieso? Vielleicht weil Züge seit ihrem Bestehen einen Hauch von Freiheit verströmen. Man steigt hier ein, fährt ein paar Stunden und steigt womöglich in einem wildfremden Land wieder aus. Für unsere Vorfahren, die noch keine Flugzeuge oder Autobahn kannten, sicherlich der Inbegriff des ungezügelten Reiselust. Doch auch Händler und Regierungen mögen Züge. Ob nun Waren in die nächste Stadt oder Soldaten an die erstbeste Front – Eisenbahnen bewegten nicht nur Güter und Personen, sondern auch immer die Fantasie und die Vorstellungskraft der Menschen.

Und was hat das nun mit einem Computerspiel zu tun? Nun, in Railroad Tycoon 3 kann und soll man eine Eisenbahngesellschaft aufbauen und logischerweise dafür sorgen, dass sie wirtschaftlich erfolgreich ist. Klingt simpel, ist es aber nicht unbedingt.

Wer die Vorgänger noch kennt, wird erfreut feststellen, dass das eigentliche Spielprinzip wenig bis gar nicht verändert wurde. Nach wie vor ist es unsere Aufgabe, verschiedenste Dörfer, Städte und Industrieanlagen an ein zusammenhängendes Schienennetz anzuschließen. Um ein wenig Pepp in die Sache zu bringen, haben die Designer die 28 Missionen beziehungsweise Szenarien thematisch zusammengelegt: Die Eroberung des Wilden Westen, die Verbindung der amerikanischen Ost- mit der ebenfalls amerikanischen West-Küste, Europa von der Zeit der Erfindung der Eisenbahn bis zum 2. Weltkrieg, die Geschichte der Eisenbahn in der Rest der Welt und ein paar Zukunftsszenarien, in denen man zum Beispiel das mittlerweile abgesoffene Holland mit Eisenbahngleisen beglücken soll. Hier bekommt man dann einen Auftrag, der beispielsweise besagt, zwei Städte, die tausende Kilometer von einander getrennt sind, innerhalb einer bestimmten Frist zu verbinden. Hinzu kommen Nebenaufgaben, die besagen, dass man am Ende dieser Frist 10 Millionen Finanzmittel haben soll, um das Szenario mit einer Bronzemedaille zu gewinnen. Um eine Silber- oder gar Gold-Medaille zu gewinnen, sind weitere, meist schwierigere Nebenaufgaben zu lösen.

Hat man sich einer Aufgabe gestellt, ist das weitere Prozedere denkbar simpel. Sofern der Startpunkt nicht vorgegeben ist, sucht man sich eine Stadt, baut dort einen Bahnhof rein, zieht ein paar Gleise bis zur nächsten Stadt, baut auch dort einen Bahnhof… fertig. Jetzt nur noch einen Lok kaufen und die Haltebahnhöfe in einem recht übersichtlichen Menü angeben und das Geldscheffeln kann beginnen. Wer jetzt sich jetzt verwundert fragt, wieso nichts über Zug-Zusammenstellungen – also wie viele Personenwaggons und Postwaggons ein Zug hat – geschrieben wurde, dem sei gesagt: Das gibt’s nicht mehr!

Es ist vielmehr so, dass das Programm selbständig erkennt, welche Waren von A nach B müssen und stellt die Züge entsprechend zusammen. Nun, man könnte jetzt erbost darauf hinweisen, dass so dem Spieler kaum noch was an Arbeit übrig bleibt und man hätte damit sogar Recht. Zumindest anfangs. Denn spätestens bei weit über 80 angeschlossenen Ortschaften und Industrieanlagen dankt man den Designern für diese Arbeitsentlastung, denn wer will schon alleine den Fracht- und Personenverkehr von fast 100 Zügen überwachen und dies alle 20 Minuten Spielzeit auf Wirtschaftlichkeit hin überprüfen? Genau, keiner!Dafür darf man aber jederzeit entscheiden, welche der knapp 40 Lokomotiv-Typen den Zug ziehen darf. Allerdings ist die Verfügbarkeit der Loks von dem technologischen Fortschritt der Spielwelt abhängig – einen ICE wird man also nicht 1885 auf den Gleisen sehen, sondern eher 1985.

Eigentlich hätte man Railroad Tycoon 3 auch Railroad Tycoon 3D nennen können, denn das Spielgeschehen stellt sich uns jetzt in 3D dar. Dank Zoomfunktion kann und darf man jederzeit von einer Art Satelliten-Sicht ganz nah an einen Zug heranzoomen und diesen anschließend auf seinem Weg von Stadt zu Stadt begleiten beziehungsweise hinterher schweben. Doch die 3D-Engine bietet nun auch endlich die Gelegenheit, die Landschaften merklich ins Spielgeschehen zu integrieren. So schnaufen die Loks merklich angestrengt steile Berge und Hügel hoch, während sie bei Talfahrten extrem beschleunigen und man Sorge trägt, dass der Zug bei der nächsten Kurve entgleist. Doch leider wirken bei extremem Zoom die Texturen ein wenig pixelig, speziell auf den Zügen.

Ein wenig gegeizt wurde allerdings auch beim Ausbau der Bahnhöfe an sich. So gibt es gerade einmal eine Handvoll Gebäude, mit denen man einen Bahnhof für Reisende interessant macht, die wenig ausgefeilte Architektur aufweisen – sie sehen eher aus wie graue Klötze in der Landschaft. Mit diesen Hotels, Kneipen, Restaurants und Postämtern kann man übrigens direkt die Beförderungszahlen an Fahrgästen und Fracht steigern und so zum Beispiel auf längere Sicht eine kleinere Stadt, in der sich zwei Zugtrassen kreuzen, wirtschaftlich zu einer Großstadt hochpäppeln.

Um das Ganze etwas anspruchsvoller zu gestalten, versuchen vom Computer gesteuerte Konkurrenz-Gesellschaften ebenfalls Schienennetze zu etablieren. Doch leider stellen sich diese KI-Gesellschaften ein wenig dusselig an, denn sie verbinden selten lukrative Gemeinden und Wirtschaftsmetropolen miteinander. Sollte man selber irgendwann genügend Finanzmittel gehortet haben, kann man gegen diese Konkurrenten eine Art Handelskrieg eröffnen, in der Hoffnung, den Konkurrenten in die Pleite zu treiben. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten: Man klaut der Konkurrenz die Kunden und damit Einnahmen, indem man die „feindlichen“ Städte an das eigene Schienennetz anschließt. Sollten die eigenen Transportkosten niedriger sein als die der Konkurrenz, wird dieser auf der Strecke keinen Gewinn mehr einstreichen können. Oder aber man kauft seine Aktien nach und nach auf und wartet auf einen Börsencrash und verkauft diese wieder. Der einfachste aber teuerste Weg indes ist der Aufkauf der gesamten Gesellschaft.

Da Railroad Tycoon 3 eine Wirtschaftssimulation ist, sind Statistik-Bildschirme immens wichtig, da hier die Einnahmen und Ausgaben der eigenen Eisenbahngesellschaft aufgezeigt werden. Um es kurz zu machen: Die Statistiken sind wirklich umfassend. Man kann den Gewinn und Verlust jeder einzelnen Industrie-Anlage (sofern man diese gekauft hat), jedes einzelnen Zuges und jeder Strecke ersehen. Das einzige, über das man keinen Einfluss hat, sind die Preisgestaltungen für den Personen- und Frachtverkehr.

Sehr stimmungsvoll ist der abwechslungsreiche Soundtrack gelungen, der von Blues- über Bluegrass bis hin zu Country und asiantischen Melodien variiert.

Fazit

Uh, Railroad Tycoon 3 ist schon schick.. spielerisch zumindest. Grafisch konnte mich Railroad Tycoon 3 wenig überzeugen, zu pixelig sind die Texturen und kantig die Gebäude. Die inneren Werte hingegen, das eigentliche Spiel also, hat mich begeistert. Die Bedienung geht einfach von der Hand, die Statistiken sind aussagekräftig und das Organisieren der Züge artet nicht in hektische Betriebsamkeit aus. Sollte ein möglicher Nachfolger optisch zulegen können, hätte man ein fast perfektes Railroad Tycoon in der Hand.

Railroad Tycoon 3 [PC , Justgamers]

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