Reprobates: Insel der Verdammten

Review
Plattform
PC
Vertrieb
dtp digital tainment
Entwickler
Future Games
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
12
Reprobates: Insel der Verdammten [PC , looki.de]

Gesamtwertung

70%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Ausreichend

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Befriedigend

Reprobates: Insel der Verdammten

Liebe Selbsthilfegruppe, wir sind heute zusammen gekommen um über Nahtoderfahrungen sprechen. Freiwillige dürfen sich melden. (Der verantwortliche Redakteur meldet sich.) Ja, Herr Link, was haben sie erlebt? 'Nun ja, letztens habe ich auf einer Frauenrechtler-Veranstaltung Machosprüche abgelassen. Die versammelte Schar an vollbusigen Frauen hat sich dann auf mich eingeschossen und mich bis nach Hause verfolgt. Neben Äxten war der weibliche Mob auch mit Mistgabeln bewaffnet. Leute, ich kann Euch sagen, DAS war eine echte Nahtoderfahrung.' (Adam Raichl steht auf) 'Ach Quatsch Junge, du hast doch keine Ahnung! Ich werde Euch nun von meiner Nahtoderfahrung berichten...

Nun gut, ehrlich gesagt hat es diese Sitzung niemals gegeben, wir empfanden es jedoch als passende Einleitung für unser Review zu Reprobates: Insel der Verdammten. Warum passend? Falls Euch der Name Adam Raichl im ersten Absatz nichts sagt, sei Euch ans Herz gelegt, dass eben dieser junge Bursche der Protagonist des Spiels ist und in der Introsequenz einen Autounfall erleidet. Statt wie erwartet ins Jenseits zu gelangen, erwacht Adam jedoch in einem ihm völlig fremden Container. Als wäre das noch nicht absurd genug, trifft er nach Verlassen der Behausung auf andere Personen, denen es ähnlich zu gehen scheint. Dumm nur, dass sich alle miteinander auf einer ansonsten verlassenen Insel befinden, von der es keine Fluchtmöglichkeit zu geben scheint. Uns fällt aber gleich zu Beginn ein mysteriöser Kirchturm auf einer Klippe auf.

Später werden wir erfahren, was es damit auf sich hat. Zuvor wollen adventure-typisch aber natürlich ersteinmal wieder Locations untersucht, Personen befragt und Items eingesammelt werden. Während erstere beide Dinge naturgemäß einfach vonstatten gehen, gestaltet sich Letzteres gerade zu Beginn ein wenig komisch.

Nicht nur dass die Screens nicht gerade auffällig zeigen, welche Gegenstände wir mitnehmen sollen, nein, dann müssen es als erste Sachen in unserem Inventar ausgerechnet ein paar Stöcker, trockenes Gras und Steine sein. Das vermiest zuerst den Gesamteindruck, sollte aber nicht zu der Annahme verleiten, man hätte mit Reprobates ein Öko-Adventure erworben. Denn man ist nicht die ganze Zeit über auf der verlassenen Insel, die mit ihren verwirrten Gestalten und unheilvollen Kulissen rege Erinnerungen an die US-Serie 'Lost' weckt und lediglich als Rahmenort weitere Spielerlebnisse verknüpft, die es hier zuhauf gibt.

Die Glocke des Grauens...

Habt Ihr auf dem Eiland ein paar Rätsel gelöst, lässt die Glocke des erwähnten Kirchenturms insgesamt dreimal von sich hören und schickt alle Figuren damit in einen tiefen, albtraumhaften Schlaf schickt. beim ersten Mal passiert dies, als wir zusammen mit einem weiteren Inselbewohner einen Fels lösen wollen, der den Zugang zur Klippe verhindert, auf der sich das gar nicht so heilige Haus befindet.

Nachdem dreimalig der Glockenton zu hören ist, sackt Adam zusammen und wacht auf einem Tragebalken in schwindelerregender Höhe auf. Albträume dieser Art begegnen Euch immer wieder in Reprobates. Bevor wir allerdings versuchen, auf den ganzen Tragebalken irgendwie an eine sichere Position zu gelangen, gilt es, ein Minispiel zu lösen - ebenfalls keine Seltenheit im Spiel.

So müssen wir auf einer Spiralenbahn vorgegebene Punkte mit einem kleinen Ball ansteuern, dabei aber aufpassen, dass ander Kugeln unseren Ball nicht wegdrücken. Hat man es bis zum letzten Punkt geschafft, hat Adam seine Angst, sich überhaupt von der Stelle zu rühren, überwunden. Erst danach geht es in Point'n'Click-Routine weiter - den angesprochenen Albtraum muss man mit den üblichen Genretugenden dennoch überstehen. In eben diesen Sequenzen werden dem Spieler aber immer wieder Steine in den Weg gelegt. So balancieren wir auf einem schmalen Gerüst und bemerken dabei, wie kleine Öltropfen von oben auf unseren weiteren Weg prasseln und sich eine kleine Pfütze bildet.

Wer jetzt weiter geht, fällt ins Unendliche und darf neu anfangen. Stattdessen sollte man sich lieber nach etwas umsehen, mit dem man eben diese Pfütze abdeckt - ein großer Lappen, den wir kurz vorher (hoffentlich) entdeckt haben, schafft in diesem Fall Abhilfe. Genauso verhält es sich bei den anderen Traumszenen - in einer anderen Sequenz wachen wir zum Beispiel in einem Wagen auf, der auf einem Bahnübergang zum Stehen gekommen ist und bemerken, dass sich ein Zug mit rasanter Geschwindigkeit nähert. Recht ähnlich gestaltet sich eine weitere Szene am Ende des Spiels, in der wir aus einem brennenden Autowrack entkommen müssen, selbiges jedoch nicht sofort können, da unser Sicherheitsgurt dies verhindert.

Von lahmen Krücken und anderen Problemen...

Eben diese Abschnitte sorgen mit ihrer herrlich-bizarren Atmosphäre und den glücklicherweise großzügigen Zeitlimits dafür, dass Reprobates aus dem Genre-Einerlei heraussticht. Zahlreiche Schnitzer können sie dabei jedoch nicht übertünchen, denn abseits der Albtraumsequenzen sieht die Realität nicht wirklich rosig aus. Das fängt schon damit an, dass Adam auf gut Deutsch 'die Ruhe weg' hat, mit anderen Worten eine lahme Ente ist und nicht sofort auf unsere Anweisungen reagiert und sich dann auch nicht wirklich schnell fortbewegt. Hinzu kommt die wirklich elendige Lauferei - gerade auf der Insel -, bei der man sich fragt, ob der Protagonist Kilometergeld bekommt. Regelmäßig muss man auf der Insel zwischen den einzelnen Containern hin- und herlaufen, danach zur Aufstiegsmöglichkeit, die uns zur Klippe führt, und von da oben jeweils noch einmal in verschiedene Richtungen.

In Verbindung mit der lahmen Geschwindigkeit des Charakters kann dies schon einmal zu einem lauten Gähnen führen. Das Rätseldesign auf der Insel wurde ordentlich verpatzt - nicht zuletzt, weil man auch später ab und zu Stock, Steine und Gras mit sich führt und an verschiedenen Punkten verwenden muss - langweilig!

Viel Potenzial liessen die Entwickler auch in Bezug auf Story und Charaktere sausen - keiner ist wirklich sympathisch, manche sogar richtig nervig, zum Beispiel der garstige Deutsche oder der religiöse Spinner. Selbst der hilfsbereite Adam bleibt reichlich blass und ohne wirkliche Highlights. Wer sich nun fragt, was es alles mit der Insel auf sich hat und wie wohl das Ende aussehen möge, dem sei gesagt, dass wir auf jeden Fall mehr erwartet haben. Die Ausgangssituation der Story von Reprobates ist zweifelsohne klass und originell, geht aber mit zunehmender Spieldauer in Nebensächlichkeiten unter. Nebensächlichkeiten, die vor allem aus den unspektakulären Dialogen rühren und letztendlich dazu führen, dass wohl keinen Adventure-Fan das Schicksal der Personen interessiert - schade drum!

Besser sieht es da schon bei den Rätseln aus, die abseits des Eilandes zu lösen sind. Der Anspruch der Knobeleien schwankt leider Gottes jedoch stark, zumal Hilfestellungen wie eine Hotspot-Anzeige hier schmerzlich vermisst werden. Auf Wunsch kann lediglich angezeigt werden, wo sich die Ausgänge des jeweiligen Screens befinden. Ist man aber ersteinmal im Trott drin und hat sich mit den fehlenden Hilfen abgefunden, überzeugt Reprobates mit einem großen Teil durchaus logischer Rätseleinlagen. Noch ein Wort zur Technik: Wie schon die Rätsel, so schwankt die optische Qualität der Screens zuweilen recht stark.

Hierbei sei als Negativbeispiel vor allem die triste Insellandschaft zu nennen. Besonders gelungen sind den Entwicklern jedoch die Charaktere, die mit ihrer guten Mimik/Gestik und den überzeugenden Animationen erstaunlich echt daher kommen. Die deutsche Synchronisation kann mit guten Sprechern aufwarten, nicht jede Rolle bekam aber leider eine adäquate Vertonung.

Fazit

Gott sei Dank musste ich Reprobates: Insel der Verdammten bis zum Ende spielen, denn nach dem äußerst zähen und unbeholfen wirkendem Anfang hätte ich als normaler Käufer das Spiel wieder links liegen lassen. Das am Ende aber doch ein einigermaßen vernünftiges Adventure rauskam, liegt vor allem an den gelungenen Traumsequenzen mit ihrer morbiden Atmosphäre und den fordernden, aber logischen Knobeleien. Warum aber ausgerechnet die anfangs vielversprechende Story in ihrer Effektivität immer mehr und mehr verpufft, kann ich absolut nicht verstehen. Da wäre doch soviel möglich gewesen! Unterm Strich degradiert dies Reprobates zu einem Genrevertreter, den man sich einmal ansehen kann, aber nicht muss.

Reprobates: Insel der Verdammten [PC , looki.de]

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