Gesamtwertung76%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegMangelhaft |
BedienungBefriedigend |
Viva la Revolution! Endlich ist es soweit und wir dürfen das lang erwartete Republic in unseren Händen halten. Der Genre-Mix sorgte bereits vor Jahren dank der innovativen Engine für Aufsehen. Eine bis ins Detail simulierte Stadt mit all ihren Einwohnern und eine unglaubliche Zoomfunktion sollten neue Maßstäbe setzen. Kritiker warteten bis jetzt gespannt auf diesen Moment, um diese Engine auf Herz und Nieren zu prüfen und endlich feststellen zu können, ob das Spiel überhaupt spielenswert ist. Ihr wollt eure eigene Meinung bilden? Dann lest einfach unsere Review.
Es lebe die Revolution!
In Novistrana, einer fiktiven Teilrepublik der ehemaligen Sowjetunion, herrscht der skrupellose Diktator Vasily Karasov. Seine Partei hält die Nation in Angst und Schrecken und seine Geheimpolizei macht Jagd auf politische Gegner. In diesem Land übernehmen wir die Rolle eines jungen Mannes, der gewillt ist, Karasov die Stirn zu bieten.
Angetrieben von Hass, will er Novistrana von der Terror-Herrschaft befreien und das Volk in eine neue, bessere Zukunft führen. Allerdings ist sein Wille zum Kämpfen nicht ohne persönlichen Grund, denn der korrupte Präsident hatte vor vielen Jahren eigenhändig die Inhaftierung dessen Eltern veranlasst. So festigte sich schon damals der Wunsch nach einem Umsturz und die Revolution soll heute ihren Anfang finden...Republic ist ein Genre-Mix, bestehend aus Simulation, Strategie und Rollenspiel. Wir beginnen das Spiel entweder mit einem Tutorial oder dem Direkteinstieg, wobei auf die Hilfe getrost verzichtet werden kann. Zu grob sind die Erklärungen und zu ungenau die Illustrationen, so dass man nach dem Lesen genauso schlau ist wie vorher. Der Direkteinstieg und die 'Learning by doing'-Variante erweist sich als die beste Taktik.
Hier entpuppt sich auch unmittelbar der Rollenspielanteil in Republic. Mittels zehn psychologischer Fragen ermittelt das Programm die politische Gesinnung unseres Alter Egos . Diese entspricht dann auch der Ausrichtung unserer Partei, die in Worte gefasst aus drei ideologischen Zielen besteht: Macht, Wohlstand und Einfluss. Strebt unsere Partei also mehr nach Macht, dann werden unsere Anhänger im Spiel mehr Wert auf gewalttätige Aktionen legen. Sind wir mehr auf Wohlstand bedacht, dann ist unsere Partei gewillt mit Bestechungsgeldern an ihre Ziele zu gelangen.
Allerdings darf man bei dieser Charakterentwicklung nicht vergessen, dass die politische Gesinnung nicht in Stein gemeißelt ist. Sämtliche Spielaktionen, die unser Protagonist in Novistrana ausführt, beeinflussen seine Einstellung zur Politik und dementsprechend kann sich die Ideologie selbst ändern. Nachdem wir unsere Partei gegründet haben, landen wir auf der 2D-Übersichtskarte der ersten Stadt Ekaterine. In der Heimatstadt unseres Helden stehen zahlreiche Aufgaben auf dem Plan, die nacheinander gelöst werden wollen.
Diese Missionen wie 'Befreien sie Person X' oder 'Überzeugen sie die Bürger im Bezirk Y' sind storyrelevant und müssen abgeschlossen werden, um im Spiel weiterzukommen. Haben wir diesen linearen Handlungsstrang zu einem erfolgreichen Ende gebracht, verlassen wir Ekaterine, um auch all die anderen Metropolen von Novistrana auf unsere Seite zu ziehen. Erst wenn wir uns der Unterstützung des Volkes gewiss sind, können wir Karasov in der Hauptstadt des Landes stürzen.
Doch bevor es soweit ist, müssen wir noch viel lernen und die ersten Schritte auf unserem langen, beschwerlichen Weg als Rädelsführer der Bewegung gegen Karasov gehen. Die oben bereits erwähnte 2D-Karte stellt dabei das Hauptaugenmerk des Spiels dar. Hier wird die aktuelle Stadt in Bezirken dargestellt. Zusätzlich ist die Karte mit zahlreichen Informationen ausgestattet, wie beispielsweise der Aufenthaltsort des Haupthelden oder der Sitz unserer Partei. Abhängig vom Wissensstand werden im späteren Verlauf immer mehr Ereignisse und Personen eingetragen, so dass dann die Notwendigkeit der stark vereinfachten Übersicht verdeutlicht wird.
Bisher haben wir allerdings nur eine Spielfigur und eine Partei in den Anfängen. Nicht gerade viel, um es mit dem Machtapparat von Karasov aufnehmen zu können. Folglich benötigen wir Hilfe. Diese erhalten wir in Form von Parteimitgliedern, welche die Botschaft der Bewegung bis in die kleinsten Winkel des Landes tragen. Dazu steht uns die Aktion 'Anwerben' zur Verfügung, die wir auf bestimmte Bürger der Stadt anwenden können. Wer das genau sein kann, ist stark abhängig von der Erzählung des Spiels selbst und unserem Wissensstand über die jeweilige Stadt.
Haben wir uns für ein 'Opfer' entschieden, dann versuchen wir ihn mittels dieser Aktion anzuwerben. Was zunächst einfach klingt entpuppt sich allerdings als ein recht kompliziertes Spiel im Spiel. Jedem Gesprächsteilnehmer stehen - abhängig von seinem Können - ein bestimmtes Kontingent an 'Argumentations'-Punkten zur Verfügung.
Diese werden auf vier Argumente verteilt und in einer direkten Gegenüberstellung eingesetzt. Das dauert zweimal vier Runden, wobei in der ersten die Arugmente des Gegenüber verdeckt sind und bei der zweiten die Verteilung einsehbar ist. In jeder Runde geht es um eine bestimmte Anzahl an Punkten, die man bei dem Einsatz eines 'stärkeren' Arguments gewinnen kann. Hat man am Ende eine bestimmte Anzahl an Punkten erreicht, dann wird sich der Gesprächspartner von unseren Argumenten überzeugen lassen. Das Ergebnis ist abhängig von der eigentlichen Aktion.
Wollen wir ihn anwerben, dann würde er uns jetzt als Parteimitglied zur Verfügung stehen, hätten wir uns allerdings mit ihm verbünden wollen, dann wäre das Ergebnis seine Verbundenheit und Unterstützung. Gerade hier spiegelt sich bei Republic eine hohe Komplexität wieder, die gerade Einsteigern das Spiel ungemein erschwert.
Nach diesem Schema lassen sich bis zu sechs Parteimitglieder - abhängig von der Größe unseres Hauptquartiers - engagieren, die ab sofort ähnlich unserer Anwerbung eigene Aktionen durchführen können. Auch diese Planung nehmen wir auf der 2D-Übersichtskarte vor und koordinieren hier die Tätigkeiten aller Parteimitglieder. Der Zeitverlauf in Republic wird durch Tage dargestellt. Jeder Tag ist in drei Runden eingeteilt, in der jeder Parteianhänger eine Aktion durchführen darf. Diese müssen allerdings bereits in der Runde davor geplant werden, damit sie auch in Kraft treten können. Allerdings ist die Ausführung von Tätigkeiten nicht nur zeitlich beschränkt, sondern auch abhängig von den Ressourcen, die unserer Partei zur Verfügung stehen.
Diese runden das Spielkonzept von Republic ab und bilden die Basis für unser politisches Schaffen. Praktischerweise sind die drei Grundressourcen genau wie die Bestandteile unserer Gesinnung: Macht, Wohlstand und Einfluss. Jeder Bezirk einer Stadt produziert davon pro Tag ein bestimmtes Kontingent, abhängig von der Bevölkerung, die dort lebt. Die Stadtviertel mit den Reichen und Schönen produzieren hauptsächlich Wohlstand, während die Arbeiterviertel die eigentliche Macht innehaben. Uns als Parteiführer kann das grundlegend ja egal sein, denn unsere Aufgabe ist es nun die jeweiligen Bürger mit entsprechenden Aktionen von unseren Motiven zu überzeugen, so dass sie unserer Partei den Zuspruch geben.
Je nachdem wie viele Bürger ihr Votum am Tagesende für uns abgeben, desto größer ist unser Anteil an dem in dem jeweiligen Bezirk produzierten Ressourcen. Republic erklärt sich nicht ganz einfach und spielt sich umso schwerer. Die Taktiktiefe wird mit dem Verlauf des Spiels immer intensiver und zusätzlich fällt der Einstieg für Strategie-Neulinge ungemein schwer.
Gefördert wird dieser Misstand durch die oben dargestellte, starre Partei-Planung, die auch kleine Fehler sofort bestraft. Die Computergegner hingegen verschärfen die Kluft zwischen Anspruch und Frust und sorgen gerade am Anfang dafür, dass man sehr schnell an die Wand gespielt wird. Ein ausführliches, echtes Tutorial hätte dem Spiel ungemein gut getan.
Leider beschränkt sich die Kritik an Republic nicht nur an der Bedienung, sondern auch an der Grafik. Zwar mag die 3D-Engine Gutes vollbringen und auch die Darstellung der Stadt mit einer frei zoom- und rotierbaren Kamera mag beeindruckend sein, allerdings ist in den jeweiligen Metropolen viel zu wenig los und selbst bei etwas belebteren Zonen wirkt die Darstellung schon ein wenig überholt. Alles in allem ist das größte Problem dieser Engine ihre Nutzlosigkeit.
Republic spielt sich bequem auf der 2D-Übersichtskarte und nur in den seltensten Fällen schaut man sich die Stadt in 3D an. Eine echt gelungene Vorstellung bringt dafür die Hintergrundmusik zustande. Dem Szenario angepasste, orchestrale Musik verzaubert den Spieler und schlägt ihn unmittelbar in ihren Bann. Dadurch baut sich durchweg eine schöne, dichte Atmosphäre auf, die das Spiel stimmiger wirken lässt.
Republic - The Revolution im Test.
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