Richard Burns Rally

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Warthog PLC
Erscheinungsdatum
-
Genre
Simulation
USK
0
Richard Burns Rally [PC , looki.de]

Gesamtwertung

80%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Richard Burns Rally

Rasen bis der Hubschrauber kommt, das verspricht euch der neueste Geniestreich von Warthog. Und da wo Wildschwein draufsteht da ist auch Wildschwein drin. Denn Richard Burns Rally jagt euch über alle großen Rally-Etappen dieser Welt, immer den größten Feind namens „Realismus“ im Nacken.

Auf den Spuren des Meisters

Um es gleich vorweg zu nehmen, in Richard Burns Rally bekommt ihr alles geboten was ein rasantes Rally-Spiel bieten kann. Nicht weil man es sich gewünscht hat, sondern weil es sich noch kein Entwickler zuvor getraut hat. Denn dieses Spiel ist mit absoluter Sicherheit die realistischste Rally-Simulation die es jemals gab, und diesmal wird nicht wie bei anderen Simulationen der Realismus anhand eines dicken Handbuchs gemessen.

Schon bevor ihr euch hinter das Lenkrad eines der mehreren hundert PS starken Boliden klemmt, bekommt ihr den Realismus zu spüren. Denn wer anfangs nicht erst einmal brav die Schulbank besucht, darf auch nicht Gas geben. In mehreren Lektionen lernt ihr vom Großmeister Richard Burns höchst persönlich, wie man geschickt um Kurven driftet und ein Gefühl für den Wagen bekommt. Bei besonders gut abgeschnittenen Lektionen gibt’s als Belohnung übrigens eine Dose Red Bull von Richard Burns spendiert.

Zurücklehnen könnt ihr euch jedoch dann noch nicht. Denn wem die Grundlagenschule nicht reicht, hat zudem noch die Möglichkeit, fortgeschrittene Techniken in weiteren Trainingslektionen zu erlernen. Habt ihr euch jedoch mit der Fahrphysik ausreichend vertraut gemacht, könnt ihr euch dem Herzstück, nämlich der Rally Saison von Richard Burns Rally widmen. In diesem Spielmodus seid ihr Mitglied eines professionellen Rally-Teams und bestreitet mithilfe von Mechanikern und Beifahrer insgesamt 36 Etappen in den verschiedensten Gegenden dieser Welt. Vor Saisonbeginn kümmert ihr euch jedoch erst mal um euren Wagen, an diesem dürft ihr nämlich nach Herzenslust herumschrauben. So ist es bis ins kleinste Detail möglich, den Reifendruck anzupassen oder die Bremskraft anders zu verteilen. Für Otto Normalfahrer vielleicht ein etwas unübersichtliches Feature, für Tüftler aber durchaus interessant, da sich jede Einstellung auch sofort im Rennen bemerkbar macht und vor allem auch sichtbar wird. Legt ihr das Auto vorne tiefer, ist auch der Radabstand zum Radkasten sichtbar kleiner.

Doch keine Angst, Richard Burns Rally ist kein Tuning Racer. Seid ihr dann mit allen Einstellungen soweit zufrieden, dürft ihr euch endlich in den Matsch werfen. Nach mehreren Streckenmetern werdet ihr jedoch merken, dass das ganze doch nicht so leicht ist wie es am Anfang aussah. Hier ein wenig zuviel Gas, dort ein bisschen zu spät gebremst und schon rutscht der Wagen ins Unkontrollierbare ab. Hier hilft nur sehr viel Übung und eine Menge Geduld und vor allem das richtige Steuergerät auf welches wir später noch genauer eingehen werden.

Wie es sich für eine ordentliche Rally gehört, startet ein Wagen nach dem anderen. Einholen ist nicht möglich, dafür sind die Etappen zu kurz. Dennoch wird die Startreihenfolge realistisch simuliert und sogar Frühstarts sind möglich werden jedoch mit Strafsekunden bestraft. Habt ihr die Saison hinter euch gebracht und sucht eine neue Herausforderung, könnt ihr euch zudem in der so genanten RBR-Challenge gegen Rally Meister Richard Burns höchst persönlich messen. In einem Phantomrennen versucht ihr dann die Bestzeit des ehemaligen Weltmeisters auf zuvor freigespielten Strecken zu schlagen.

Kleinvieh macht auch Mist

Habt ihr es nach einigen kläglich gescheiterten Etappen dann geschafft, euch an die Steuerung zu gewöhnen und die ersten Strecken mit einigermaßen guten Streckenzeiten abzuschließen, bringt euch das nicht nur in der Rangliste näher zur Nummer 1, sondern birgt noch bisher ungeahnte Gefahren. Was unsereins nur aus kurzen TV-Ausschnitten kennt, wird nun nämlich Wirklichkeit, denn Felsen, enge Brücken und fiese Schlaglöcher sind nicht mehr das einzige, was unseren Wagen ins Schleudern bringt. Ab und an kommt es schon einmal vor, dass besonders Schnappschussgeile Fotografen euch über die Fahrbahn laufen oder auch ein paar Fans gefährlich nahe am Streckenrand stehen. Und sollte es mal ganz schlag auf schlag kommen, kann es schon einmal passieren das ein Reh die Fahrbahn kreuzt. Hier heißt es Augen offen halten, auch wenn das aufgrund der meist recht dichten Bepflanzung außerordentlich schwer fällt.

Besonders mies wird es übrigens bei Regen. In dem Fall füllen sich Schlaglöcher und Spurrillen komplett mit Wasser und Sorgen somit für extreme Rutschgefahr. Pfützen, die sich an bestimmten Stellen auf der Strecke sammeln, können von eurem Beifahrer übrigens nicht früh genug gesehen und somit nicht angekündigt werden, so sorgt jede Gerade für neue Überraschungen. Diese kleinen aber durchaus Gameplay-bestimmmenden Details sind durchaus sinnvoll und sorgen auf den bis zu 20km langen Etappen für zusätzliche Abwechslung, obwohl die eigentlich schon durch die wunderschöne Grafik gegeben ist. Das Streckendesign weist zu keiner Zeit Linearität auf oder lässt den Spieler auf sonstige Weise zu Ruhe kommen. Sehr schön gelungen ist übrigens die Anpassung der verschiedenen Länder. Warthog hat hier ganze Arbeit geleistet und beispielsweise für die Japan Etappe auch nur die Art von Bäumen verwendet, die in Japan wachsen. Zudem wurden die Eigenschaften der Umgebung perfekt denen aus der Realität nachgeahmt. Sprich Stärke der Kurven und Steigungen sind von Land zu Land unterschiedlich. Dank der Detailverliebtheit der Entwickler sind sogar Zuschauer und Streckenposten an die jeweiligen Länder angepasst, so stehen in Japan auch wirklich Asiaten an der Stoppuhr.

Heißer Sitz, aber das Kabel bleibt kalt

Auf einen Online Modus wurde bei Richard Burns Rally komplett verzichtet, weshalb es wohl trotz vieler Vorteile doch einen Platz hinter Colin McRae Rally 2005 einnehmen wird. Dennoch müsst ihr nicht darauf verzichten, euren Freunden Bestzeiten um die Ohren zu hauen. Denn Richard Burns Rally besitzt einen so genannten Hot-Seat Modus, an dem bis zu vier Spieler an einem PC teilnehmen können.

Das Prinzip ist dabei recht einfach. Der erste Fahrer fährt eine Etappe, danach wird gewechselt und der nächste versucht die erste Zeit zu schlagen. Aufgrund der teilweise jedoch recht langen Etappen, ist dieser Modus wohl eher nur etwas für wahre Fans und wird Gelegenheits-Multiplayer-Spieler wohl kaum vom heißen Hocker reißen.

Die Fahrt ins Grüne

Selten war die Grafik so realistisch, wie bei Richard Burns Rally. Während ihr mit 150km/h über den Kies brettert, rasen an euch Tausende von Blättern, Gräsern und Ästen vorbei. Alles so detailliert und realistisch, dass nur noch der Rand des Bildschirms die Grenze zur Realität darstellt. Vor allem die Strecken im Schnee haben es mir angetan. Denn selten kommt das Gefühl des kalten Schnees in einer solch schönen Umgebung so gut rüber. Da lenkt mich selbst das wundervolle Geschwindigkeitsgefühl nicht von der Landschaft ab. ichard Burns Rally besitzt übrigens ein sehr gutes Schadensmodell, welches den Spieler Genre-gerecht spüren lässt, was passiert, wenn man die letzte Kurve zu schnell genommen hat.

So verstellt sich die Spur, der Motor springt nicht mehr an oder die gesplitterte Scheibe versperrt euch in der Ego Perspektive die Sicht. Zusätzlich lassen sich am Rally Wagen alle Spoiler und Türen abfahren. Da dürfen die dafür nötigen Effekte natürlich nicht fehlen. So sprüht schon einmal der ein oder andere Funken über den gerade aufgewirbelten Schotter, oder eine schlammige Straße verdreckt euer Auto zunehmend. Besonders glanzvoll ist die Fahr durch einen Bach, bei dem dann eine Wasserwand an der Seite eures Autos empor steigt. Alles in allem ist alles so wie man es sich in einem Rally Spiel wünscht.

Die Wahl des richtigen Steuergeräts

Wer nun schon mit dem Gedanken spielt dieses wirklich gute Stück Software zu ergattern, sollte sich zuvor jedoch der Wahl des richtigen Steuergeräts stellen. Aufgrund des sehr hohen Realismusgrades und der fehlenden Option diesen anzupassen, spielt sich Richard Burns Rally sehr schwierig, was die Steuerung mit der Tastatur angeht. Da Tasten nicht Drucksensibel sind, gibt man oft zu viel Gas oder bremst viel zu stark ab. Viel Fingerspitzengefühl ist nötig um durch leichtes antippen, Kurven perfekt zu nehmen. Abhilfe schafft hier eindeutig ein Lenkrad mit dem sich der Rally Wagen um einiges realistischer lenken lässt. Aber auch hier ist sparen nicht geraten, denn ungenaue Kalibrierung kann schnell zur Spaßbremse werden. Wahre Enthusiasten unter uns, die in Richard Burns Rally nun schon den Beginn ihrer Rally Karriere sehen, sollten zudem noch einen Gangschalthebel besitzen, um perfektes Schalten zu ihren Gunsten zu verwenden und so die wirklichen Bestzeiten zu fahren.

Fazit

Aufgrund des hohen Realismus ist Richard Burns Rally nichts für Spieler die den Einstand ins Rally Genre planen. Es wird trotz Fahrschule schon einiges an Rally Erfahrung vorausgesetzt um wirklich Spaß an dem Titel zu haben. Hat man es jedoch dank dem richtigen Steuergerät und Geduld geschafft, den Wagen zu bändigen, wird man von dem Spiel mehr als ausreichend belohnt. Nicht nur die tolle Grafik ist immer wieder eine Augenweide, sondern auch das Fahren an sich. Jedern der schon einmal mit 150km/h über enge Straßen durch einen Wald gerast ist, wird mich in diesem Punkt verstehen.

80% gibt es trotz allem jedoch nur deshalb, weil ein Spiel ohne Online Modus heutzutage einfach nicht mehr ausreichend lange Spaß macht. Zwar sind die 36 fahrbaren Etappen recht lang und die RBR-Challenge sehr herausfordernd, aber dennoch hat das Spiel nach mehreren Tagen sein Ende gefunden. Online-Fans sollten auf jeden Fall noch bis zum Release von Colin McRae Rally 2005 warten. Alle die sich jedoch nach mehr Realismus im Rally Genre sehnen, müssen einfach zugreifen. Ich bin auf jeden Fall auf den direkten Vergleich mit CMR 2005 sehr gespannt.

Richard Burns Rally [PC , looki.de]

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