Gesamtwertung85%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungSehr gut |
Die Fusion von Echtzeitstrategie und epischer Welteroberung? Civilization im Gewand von Age of Empires? So ähnlich wurde im Vorfeld der Veröffentlichung Rise of Nations von Big Huge Games angekündigt, zu deren kreativen Köpfen u.a Civilization II Entwickler Brian Reynolds gehört. Ob aus der Fusion der zwei Spiele aber auch ein gesundes Kind entstand, erfahrt Ihr in unserer Review..
Aus zwei mach eins?
Was entsteht, wenn man einige der kreativsten Köpfe hinter der Civilization und hinter der Age-of-Empires-Reihe in ein Zimmer sperrt, dieses Zimmer Entwicklerstudio nennt und ihm den Namen Big Huge Games verpasst? Nunja... Rise of Nations ist eine der Möglichkeiten. Rise of Nations spielt sich aber anders als eine simple Vermischung beider Spiele.
Den Einstieg ins Spiel erhält man daher am besten, indem man das vorbildlich designte Tutorial spielt. Vorbildlich deswegen, weil die verschiedenen Abschnitte in historische Geschichtsabschnitte eingebettet sind, geskriptete Events bieten und sogar mit einer gelungenen Sprachausgabe ausgestattet wurden. Leider setzt sich diese Tugend nicht in dem weiteren Einzelspielerpart fort, dem Welteroberungsmodus. In diesem spielt man auf einer großen Weltkarte, die dem Brettspiel Risiko verdächtig ähnlich sieht.
Es gilt, Region nach Region zu erobern, bzw. zu verteidigen. Zu diesem Zwecke kann man seine Armee über die Karte bewegen und eine Region, die von anderen Zivilisationen besetzt ist, angreifen. Kriegserklärungen, das Bestechen von angreifenden Armeen, das Ausbauen der Verteidigung von eignen Regionen und viele weitere Aktionen kosten Tribut, welches man entweder durch das Erobern oder erfolgreiche Abwehren von Angriffen erhält oder eben durch das Halten der verschiedenen Provinzen.
Was auf den ersten Blick interessant klingt, entpuppt sich aber auf den zweiten Blick mehr als durchwachsen. Leider laufen alle Schlachten auf die gleiche Weise ab, nämlich Vernichte den Gegner in einer bestimmten Zeit bzw. Verteidige die eigene Stellung in einer bestimmten Zeitspanne. Missionen, in denen bestimmten Regionen erobert werden, ein Artefakt gefunden werden müssen oder ähnliches, wie aus der Age-of-Empires Reihe bekannt, vermisst man schmerzlich. Einzig einige wenige Taktikmissionen, in denen man mit einer vorgegebenen Menge Einheiten den Gegner überwältigen muss, erscheinen hin und wieder. Von Abwechslung ist hier aber nichts zu spüren.
Zwar ist positiv anzumerken, dass die zu spielenden Karten in etwa so aussehen, wie die Regionen, die man über die Weltkarte angreift. Das Spielen entwickelt sich aber schnell zur Monotonie, insbesondere, da alle Völker auf der Welt immer den gleichen Entwicklungsstand haben, so also durch Forschung und Fortschitt in den Zeitaltern (dazu später) kaum Überlegenheit der eigenen Truppen auftritt.
Seichte strategische Elemente, wie Standarddiplomatieoptionen á a Bündnis schließen oder Krieg erklären existieren zwar genauso wie die Möglichkeit, Unterstützungstruppen in angrenzenden Regionen zu positionieren, nach wenigen Kämpfen hat man aber das meiste gesehen.
Da dem Welteroberungmodus und damit, neben den Skirmishkarten und dem Tutorial, dem gesamten Einzelspielermodus eine Hintergrundgeschichte, abwechslungsreiche Missionen oder gar Sprachausgabe fehlt, ist der Wiederspielwert äußerst gering. Schade, es ist fast traurig zu sehen, wieviel Potential hier durch Big Huge Games verschenkt wird. Auch die Fähigkeiten Testen-genannte Spielvariante, beispielsweise mit einem Mongolenraubzugszenario, ist schnell durchgespielt, vermißt danach aber jeden Wiederspielwert.
Einzige Abwechslung könnte in Zukunft die Existenz eines Szenarioeditiors, inklusive einer eigenen Skriptsprache, gewährleisten. Dazu muss aber erst einmal die Community rund um das Spiel wachsen, damit genug Szenarien von Fans zur Verfügung stehen. Vorgefertigte Szenarien liefert das Spiel nämlich nicht mit..
Und für diejenigen, die Mehrspielerduelle mögen?
Die Folge ist, dass man sich bereits nach kurzer Zeit dem Skirmishmodus, in Rise of Nations, 'Schnelle Schlacht' genannt, widmet, der auch das volle Potential des Spieles entfaltet und als intensive Trainingsmöglichkeit für den exzellenten Mehrspielermodus dient.
Dieser ermöglicht unzählige Einstelloptionen, von der Menge der Gegner angefangen, über das Einstellen einer Friedenszeit, vor deren Ablauf nicht angriffen werden kann, bis hin zur Möglichkeit zu variieren, wie teuer die Forschungen und somit der Fortschritt in die einzelnen Zeitalter sind.
Wo wir schon einmal bei den Zeitaltern sind. Rise of Nations setzt konsequent das schon aus Age of Empires bekannte Fortschreiten durch verschiedenen Zeitalter fort, jetzt jedoch über einen größeren Zeitraum. Von der Antike über die Aufklärung bis hin zum Informationszeitalter. Jedes Zeitalter bietet die typischen Militäreinheiten in Form von Reitern oder später Panzern, verschiedenen Infanterieeinheiten, Belagerungswaffen und verschiedenen Schiffsgattungen. In späteren Zeitaltern kommen noch Flugzeuge und Raketen hinzu. Geht man Anfang mit Bogenschützen auf Erkundungstour, gilt es in späteren Zeitaltern auch Kampfhubschrauber zu bauen.
Forschung ist der Schlüssel zum Erfolg
Um die Möglichkeit zu erhalten, ein Zeitalter fortzuschreiten und neue Militäreinheiten oder Forschungen zu erhalten, bedarf es zuerst diverser Grundlagenforschungen in der Bibliothek. Während der Zweig der Militärforschung das Bevölkerungslimit steigert, ermöglicht der Wissenschaftszweig das Bauen wichtiger Gebäude, der Handelszweig das Erstellen von Karawanen und sonstigen Möglichkeiten, Gold zu scheffeln. Letzterer Forschungszweig ist schließlich auch notwendig, um mehr Ressourcen in einer bestimmten Zeitspanne abbauen zu können. Erwirtschaftet man mehr Rohstoffe, als das Handelslimit beträgt, verfallen ansonsten die überschüssigen Rohstoffe.
Die Forschungen in Staatswesen hingegen ermöglichen das Bauen von weiteren Städten, die u.a unabdingbar sind für die weitere Expansion der eigenen Zivilisation. In jeder Stadt können bestimmte Gebäude, wie Tempel, nur jeweils einmal gebaut werden. Um weitere zu errichten, bedarf es also weiterer Städte. Zudem dehnen diese die eigenen Staatsgrenzen aus, welches zwei Vorteile hat. Zu einem ermöglicht ein größeres Staatsgebiet die Erschließung von neuen Ressourcen in Form von Holz, Nahrung, Eisen und später Öl, denn Fördergebäude wie Minen können nur im eigenen Staatsgebiet errichtet werden. Zum anderen erleiden gegnerische Truppen beim Betreten von fremden Staatsgebieten eine gewissen Menge Verschleißschaden, solange diese kein Versorgungsfahrzeug mit sich führen. Da in jeder Stadt auch nur eine gewisse Menge Landwirtschaft betrieben werden kann und auch nur jeweils eine Universität, zum Ansammeln der fünften Resource Wissen, errichtet werden kann, bleibt eine Expansion nicht aus, um mit den Gegnern mitzuhalten.
Beim Ausbau der eigenen Zivilisation muss also nicht nur auf einer ausgewogene Verwendung der Ressourcen auf das Militär und die Forschung geachtet werden, sondern auch auf den Ausbau des Staatsgebietes. Dies ermöglicht es einem auch seltene Ressourcen wie Bernstein zu sichern und durch die Ansiedlung von Händlern dort, sich Gold und die verschiedensten Vorteile zu sichern.
Um mit der KI oder auch im Mehrspielermodus mit menschlichen Gegner mithalten zu können, ist durchgehende Handlung und Planung notwendig. Stillstand ist in Rise of Nations tödlich. Die KI reagiert nämlich wirklich intelligent, umgeht gut befestigte Stellungen der Verteidigung des Spielers und greift vor allem auch mit größeren Truppenverbänden an. Selbst die 'normale' Schwierigkeitsstufe dürfte am Anfang die meisten Spieler fordern. Big Huge Games hat aber zur Unterstützung des Spielers zahlreiche Detailverbesserungen im Vergleich zu Age of Empires, dessen Interface auch Rise of Nations sehr ähnlich sieht, eingebaut.
So handeln die Bürger erstmalig wirklich intelligent und versuchen bestimmten Arbeiten nachzugehen, wie ein nicht vollständig besetztes Holzfällerlager zu besetzen. Auch die Militäreinheiten reagieren einigermaßen intelligent und greifen Gegner gezielt, unter Ausnutzung ihrer der Stärken und Schwächen, an, wobei alle Militäreinheiten auch versuchen die Formationen zu behalten. Natürlich ist der aus Age-of-Kings bekannte 'Tatenloser Bürger finden'-Button auch wieder vorhanden, wie ein intuitives Dimplomatiemenü und eine übersichtliche Karte. Mit der Maus lassen sich sämtliche Aktionen komfortabel steuern. Sogar mittem im Kampfgetümmel lassen sich noch Befehle und Formaten geben, obwohl diese, durch die gelunge KI der einzelnen Einheiten, sowieso schon sehr geordnet ablaufen. Auch bei der Steuerung überrascht Rise of Nations mit kleineren Innovationen. So werden z.B. bei der Auswahl von meheren Militäreinheiten auf einer größeren Fläche wirklich nur die Militäreinheiten ausgewählt, egal ob noch Bürger zwischendrinn stehen - besonders nützlich um schnell Militäreinheiten in der Nähe von eigenen Städten auszuwählen und gegen den Feind zu schicken.
Das Balancing und die Spieltiefe des gesamten Spieles ist an vielen Stellen wirklich sehr gut gelungen. Wo Licht ist, gibt es aber leider auch Schatten. So fiel nach einigen Spielen negativ auf, dass die Zeitalter, bezogen auf das Militär, sich oft nicht stark genug unterscheiden. Während es noch einsichtig sein mag, dass ein Bogenschütze einen Musketenschützen Schaden zufügt, klingt es einfach nur noch unglaubwürdig, dass ein Gruppe Schwertkämpfer einen Panzer in seine Einzelteile zerlegt oder besagter Bogenschütze einen modernen Kampfhubschrauber vom Himmel holt. Wer über diese Probleme hinwegsehen kann, findet jedoch im Kampf große Abwechslung und strategische Elemente, die bis zum Einsatz von Atomraketen reichen.
Natürlich gibt es auch zahlreiche Weltwunder in den verschiedenen Zeitstufen, dessen Errichtung verschiedene Boni bescheren und sogar als Siegbedingungen herhalten können.
Viele Völker, viele Siegesbedingungen....
An Siegesbedingungen gibt es übrigens eine große Zahl, beispielweise ein nicht-militärisches Siedeln, bei dem derjenige gewinnt, der zuerst alle Forschungszweige komplettiert hat oder eine 'Attentäter'-Spielart, bei der es gilt eine bestimmte Figur zu vernichten. Zusammen mit den 18 Nationen, die sich teilweise spielerisch sehr stark unterscheiden und die verschiedensten Vorteile gegenüber anderen Zivilisationen haben, ergeben sich immer wieder anderen Spielsituationen. Während das eine Volk eher wirtschaftlich besser abschneidet, da es beim Errichten von neuen Städten z.b. kostenlose Zivilisten erhält, eigenen sich andere für schnelle, frühe Angriffe, da diese militärische Vorteile in Form von kostenlosen Einheiten oder dem Nichtauftreten von Verschleißschaden erhalten.
Viele der Vorteile offenbaren sich aber erst beim wiederholten Spielen, wenn die eigene Aufbauphase optimiert wurde. Auf den ersten Blick erscheinen die Auseinandersetzungen sich zu ähneln, in Wirklichkeit spielen die Völker sich aber recht verschieden, auch wenn die grundlegenden Handlungen, wie das Errichten der Städte und notwendigen Produktionsanlagen, natürlich gleich sind.
Kampf, Kampf und nochmals Kampf
Zwar ist Forschung und Aufbau extrem wichtig, um Kampfhandlungen kommt man aber in den meisten Fällen nicht drumherum. Hier gilt es dann besonders ausgewogene Einheitengruppe und Artillerie zusammenzustellen. Auch müssen die Einheitengruppen recht groß sein. Bis auf Generäle, die verschiedenste Sonderfunktionen wie 'Verschanzen' befehlen können, kommt es kaum auf eine einzelne Einheit an. Oft kommt es an den Grenzen der Staaten zu Massenschlachten, bei denen vor allem auch die Masse zählt. Dies gilt inbesondere auch bei Angriffen auf feindliche Städte. Diese können nicht einfach erobert werden, sondern müßen erst erobert und dann ein gewissen Zeit verteidigt werden, um in den eigenen Staat eingegliedert zu werden. In dieser Zeit kann der Gegner die Stadt zurückerobern und der eigene Angriff löst sich in Wohlgefallen auf. Angriffe auf fremde Territorien lohnen sich daher nur mit einer größeren Streitmacht.
Grafisch kann Rise of Nations durchaus überzeugen. So sind die Animationen der Einheiten sehr detailliert und abwechslungreich gestaltet. Wenn ein Händler seine Waren auspackt, eine Artillerieeinheit gemächlich die Kanone lädt oder ein Scharfschütze sich geschmeidig an fremde Einheiten anschleicht, sieht dies einfach grandios aus. Schön ist auch, dass die Einheiten beim Zoomen nicht verpixeln, sondern genauso detailliert dargestellt werden, wie bei der Gesamtsicht der ganzen Karte.
Auch sämtliche Gebäude verändern sich in den jeweiligen Epochen und sogar von Nation zu Nation grafisch - eine riesige Vielfalt also. Gleiches gilt für das Aussehen der Einheiten. Leider sind die Landschaften nicht ganz so abwechslungsreich. Auch wenn es verschiedene Landschaftsformen gibt und z.B. die Darstellung des Wasser sehr gelungen ist, hätten die Entwickler einfach mehr Abwechslung wie Tiere oder animierte Vegetation einbauen können. Auch die Landschaftstexturen bieten wenig Abwechslung. Dabei gilt es aber zu beachten, dass gerade in den sehr hektischen, anspruchsvollen und taktisch tiefgehenden Mehrspielerpartien der Fokus sicher nicht im Ansehen der Landschaft liegt. Die im Vordergrund stehenden Kampfanimationen sind daher auch besonders gelungen und erreichen einen absolut herausragenden Detailgrad im Vergleich zu heutigen Genrekollegen. Große Schlachten sind ein wahrer Genuss für die Augen.
Die Sounduntermalung ist guter Durchschnitt. Die Musikuntermalung ist gelungen, läßt aber leider etwas Abwechslung vermissen, weswegen sich diese recht oft wiederholen. Die Soundeffekte sind stimmungsvoll und genau in der richtigen und ausreichenden Menge vorhanden, so dass diese nicht nervend werden.
Alle ohne Flatrate beim Internetanschluss oder gleichwertigen billigen Internetzugang, werden aber durch den recht kargen und einseitgen Einzelspielermodus schnell von Rise of Nations enttäucht sein. Hier bietet sich eher Age of Mythology an, welches eine exzellente Kampagne und Hintergrundgeschichte bietet. Einzig wenn das Fehlen einer Kampagne nicht stört und man sich Skirmish-Partien begnügt, dürfte der Kauf sich lohnen. Die Stärken von Rise of Nations liegen eindeutig auf den Skirmishpartien und im Mehrspielermodus. Wer diesen ausgiebig nutzen will, findet jedoch eines der besten und innovativsten Echtzeitstrategiespiele, die es derzeit auf dem Markt gibt und kann auf die Endwertung noch einmal 10% Spielspaß aufschlagen.
Rise of Nations im Test.
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