Am Wochenende fand die zweite Role Play Convention und somit die größte deutsche Messe für Rollenspielfans in Münster statt. Unser allseits beliebter und sehr interessierter Chefredakteur Lars und meine Wenigkeit wagten uns in die Halle Münsterland, um Eindrücke, auch von der eigentlichen Messe, aber im Speziellen von den Online-Rollenspielen, die dort vorgestellt wurden, zu gewinnen.
Als wir ankamen und auf dem davor befindlichen Parkplatz auffahren wollten, wurden wir erst einmal unfreundlich weggewunken. Es sei kein Platz mehr, wir sollten uns eine andere Parkmöglichkeit suchen. Lars zeigte nur seinen Presseausweis, schon waren die Schranken offen und eine Entschuldigung ausgesprochen. Wie nett.
Link und der Typ in der Ritterrüstung
Die drei Hallen waren am ersten der zwei Messetage ordentlich gefüllt, so dass man vor allem bei den spielbaren Versionen von Warhammer Online und Co. längere Wartezeiten in Kauf nehmen musste. Diese wurden aber durch den Anblick einer gänzlich, zumindest für uns, unbekannten Welt ziemlich verkürzt.
Denn nicht nur Link aus Zelda, sondern auch mittelalterliche Marktfrauen und stolze Ritter mit Plastikwaffen kreuzten unseren Weg. Ob wir letztlich die Exoten auf der Messe waren oder ob dieser Part eben jenen Mittelalterfans zufiel, liegt im Auge des Betrachters. Neben vielen Tischen, die extra für die zahlreich angereisten Trading Card-Fans reserviert waren und die auch ausgiebig genutzt wurden, konnte man auf dem Mittelaltermarkt noch all jene Dinge erwerben, die im Haushalt echter Rollenspieler nicht fehlen sollten. Etwa neue Umhänge, Waffen und jede Menge Tränke. Nach einem kurzen Rundgang, bei dem wir auch ein merkwürdiges Spiel begutachten durften, dass so irgendwie gar nicht ans Mittelalter erinnerte, da sich dabei auf einem kleinen Feld zwei rivalisierende Clans mit ihren Schaumstoffwaffen bekriegten und um einen Football kämpften, entschlossen wir uns, lieber doch das Augenmerk auf die zahlreichen Online-Rollenspiele zu legen. Auf dem Weg zum Age of Conan-Stand konnten wir noch eine Partie WarCraft 3 genießen. Und dabei ging es um nichts weniger als den Einzug in den Electronic Sports World Cup. Miou konnte sich übrigens am Ende erwartungsgemäß durchsetzen.
Leider bot die RPC keinen Pressebereich, weswegen wir uns alle Spielepräsentationen entweder direkt am Stand oder in einem kleinen Büro ansehen mussten. Nichtsdestoweniger beeindruckte und The Chronicles of Spellborn am meisten. Auch wenn der Grafikstil an World of Warcraft erinnert und Age of Conan wohl die ausgereiftere Engine bieten wird, sorgte vor allem das skillbasierte und schnelle Gameplay bei uns für Zufriedenheit. Age of Conan hingegen konnte uns durch die grafische Vielfalt und die komplexe Storyline überzeugen. Auch die blutigen Kampfszenen und das neue Schildsystem, die das starre Kampfsystem von WoW und Co. sinnvoll erweitern, waren einen Blick wert. Am schwächsten präsentierte sich noch Warhammer Online, das weder im Gameplaybereich, noch in grafischer Hinsicht seiner Konkurrenz gewachsen war. Der Titel hat allerdings noch einiges an Entwicklungszeit vor sich und dürfte mit seinem Reich gegen Reich-Kampfsystem für extreme Spieltiefe sorgen. Natürlich war auch die World of WarCraft Crew vor Ort, jedoch konnte man nur die bekannte Version des Spiels andaddeln. Hauptsächlich präsentierte Blizzard das Trading Card Game. Das sah zwar mit seinen hunderttausend Würfeln recht ansprechen aus, wir konnten jedoch beim Zusehen in dem Regelchaos nicht hinter die Grundidee steigen. Deshalb entschlossen wir uns einmal mehr und dem zu widmen, von dem wir Ahnung haben: Videospiele.
Wir besuchten den Sacred 2 Stand, zockten die Xbox 360 und die PC-Version, die sich beide übrigens zumindest in grafischer Hinsicht noch ziemlich unterscheiden. Trotzdem wurde uns der Release im Herbst nochmals ausdrücklich bestätigt. Auch Drakensang: Das Schwarze Auge war vor Ort. Neben einem Interview konnten wir uns auch vom fast fertigen Spiel überzeugen. Und was wir gesehen haben, dürfte zumindest DSA-Fans zufrieden stellen. Wie es um die Neueinsteiger bestellt ist, wird sich zeigen müssen. Wie wir übrigens erfahren haben, ist das Spiel fertig. Die Entwickler arbeiten nur noch am Feinschliff und Debugging.
Alles in allem war die RPC ein realer Kulturschock für uns, aber ein virtueller Volltreffer. Wir konnten uns von der Qualität aller zukünftiger WoW-Konkurrenten, sowie von jener der neuen, westlichen Rollenspielgeneration überzeugen. Müde und mit vielen Eindrücken im Hinterkopf wollten wir den Parkplatz letztlich wieder verlassen. Doch was sagt man dazu, der für die Presse reservierte Bereich wollte auch bezahlt werden. Das merkten wir jedoch erst, als wir bereits an der Schranke standen. Zum Glück fährt Lars einen Mini, so dass wir einfach unter den hinter uns wartenden Autos durch fuhren, um unser Ticket auszulösen und dann den Heimweg ins Büro anzutreten.
Role Play Convention im Test.
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