Rome: Barbarian Invasion

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Sega
Entwickler
The Creative Assembly
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
12
Rome: Barbarian Invasion [PC , looki.de]

Gesamtwertung

86%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Rome: Barbarian Invasion

Das Ende vom Anfang des Römischen Reiches war eine Schlacht im Jahre 9 nach Christus. Irgendwo in den dichten Wäldern Germaniens führte der Römer Varus mit knapp 20.000 Mann Strafexpeditionen gegen aufmüpfige Stämme durch, die Rom Zoll- und Tributzahlungen verweigerten. Die hervorragend ausgerüsteten und mit Elitekämpfern besetzten Legionen fürchteten nichts und niemanden und so war es für Varus und besonders für den römischen Senat in Rom ein Schock, als ein Haufen ungewaschener Germanen Varus und seine römischen Truppen in die Wälder lockte und dort vollständig vernichtete.

Und was das für ein Schock bei den Römern war, denn nun war der Nimbus der Unbesiegbarkeit erstmal futsch. Ein lockerer Mix aus Inkompetenz und Korruption innerhalb des römischen Senats führte auch nicht gerade zu einer Stärkung des Römischen Reiches. Im 4. Jahrhundert nach Christus war es dann soweit: Aufgrund von Erbschafts-Streitereien wurde das riesige Imperium in ein Ost- und Weströmisches Reich aufgeteilt. Auch dies trug nicht gerade zur Absicherung vor Feinden bei. Fast zeitgleich begannen marodierende Germanenstämme, sich völkerwandernd eine römische Provinz nach der anderen einzuverleiben, was im Jahre 476 nach Christus im Fall der Stadt Rom und damit auch im Fall des Weströmischen Reiches gipfelte.

Omne principium difficile!

Nachdem in Rome – Total War neben den römischen Herrschafts-Häusern der Bruti, Julier und Scipionen auch Ägypter, Griechen und ein weiteres Dutzend illustrer Völker an die Macht gebracht werden durften, ist die Aufgabe im Addon Rome – Barbarian Invasion ähnlich. Als Vertreter des Ost- oder Weströmischen Reiches obliegt es uns, den einfallenden Germanen, Hunnen und vagabundierenden Horden die Stirn zu bieten und das Reich wieder aufzubauen.

Oder aber man übernimmt selber die Geschicke der Sachsen, Goten, Sarmaten, Alemannen und ein paar weiterer Völker und nimmt den ollen Römern Provinz um Provinz ab. Kleiner Unterschied zu Rome – Total War ist aber, dass es nicht genügt, den gesamten Kontinent oder eine bestimmte Anzahl von Provinzen zu erobern, sondern es müssen – je nach ausgewähltem Volk – besondere Provinzen sein. So sollte man als Sachse Britannien eingenommen haben, um die Kampagne als erfolgreich abhaken zu können.

Die Wahl des Volkes entscheidet auch die Startbedingungen für das weitere Spiel. Während also beispielsweise das Weströmische Reich über ein Dutzend von Provinzen verfügt, haben die anderen Völker meist nur eine einzige Provinz mit einer einzigen Stadt und ein paar kampfbereiten Truppen. Doch das soll nicht heißen, dass die Römer daraus einen Vorteil ziehen können, denn mehr Provinzen heißt auch, mehr Provinzen, die revoltieren oder angegriffen werden können und die Ressourcen in Form von Soldaten ist anfangs nicht gerade üppig.

Si vis pacem, para bellum!

Das A und O einer guten Expansionspolitik ist, wie sollte es anders sein, eine schlagkräftige Armee. Wie schon bei Rome – Total War heißt es nun, die Siedlung ausbauen, Truppen ausbilden und in die Schlacht zu schicken. Oder aber man heuert Söldner an, die zwar ungleich teurer, in den meisten Fällen aber schlagkräftiger und auf dem Schlachtfeld weniger wankelmütig sind. Nebenbei erweitern die Söldner auch fehlende Truppenkontingente, über die das Volk, das man gerade spielt, selber nicht verfügt, wie beispielsweise bei den Kelten, die das Konzept der berittenen Kavallerie nicht kennen.

Da Rome – Barbarian Invasion knappe 350 Jahre nach Rome – Total War spielt, haben sich logischerweise auch die Waffen, Taktiken, Formationen und die Einheitentypen weiterentwickelt. So kann man nun Generäle als Leibwachen für einen weiteren General rekrutieren oder Schlachten bei Nacht führen, vorausgesetzt, einer der teilnehmenden Heerführer hat Nachtkampferfahrungen. Da es naturbedingt nachts meist recht dunkel ist, ist die Übersicht über den Schlachtverlauf allerdings recht eingeschränkt, denn es lässt sich nur schwer zwischen Freund und Feind unterscheiden, wenn die Sonne nicht scheint.

Und wer Brücken partout nicht mag und immer massiv Truppen beim Überqueren einer solchen verlor, wird freudig vernehmen, dass unsere putzigen Soldaten nun das Schwimmen erlernt haben… allerdings sollten sie nicht zu stark gepanzert und das Wasser nicht zu tief sein, denn Unterwasseratmung gibt’s nicht.

Wer seine Schlachten nicht selber ausfechten will, kann auch weiterhin auf die fähige KI zurückgreifen, die die Schlacht berechnet. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass so die Verluste in manchen Fällen recht hoch ausfallen und kümmert sich lieber um die Zusammenstellung der Truppen als um die Schlacht selber. Leider ist es aber weiterhin nicht möglich, selbst Hand anzulegen bei Seeschlachten. Schade eigentlich.

Iniqua numquam regna perpetuo manent!

Simple Rebellionen, bei denen man in Rome – Total War gerade einmal die Kontrolle über eine Provinz verlor, können nun in komplette Bürgerkriege auswuchern. Denn nun verfügen die Heerführer über neue Attribute: Loyalität und Religion. Sinkt die Loyalität, kann es passieren, dass Generäle zu den Rebellen überlaufen.

Die zweite Neuerung ist die Religion. Neben dem Christentum gibt es nun mehrere Formen des Heidentums und alle konkurrieren miteinander. So kann es passieren, dass der sächsische Statthalter nach der Eroberung Roms vom Heidentum zum Christentum wechselt und Heiden plötzlich aus tiefsten Herzen hasst.

Sollte dieser dann auch noch Nachfolger des Stammesführers eines heidnischen Volkes werden, kann es zu religiös inspirierten Bürgerkriegen kommen. Oder aber die christliche Bevölkerung erhebt sich gegen seine heidnischen Besatzer, was aber letztendlich auf das gleiche hinausläuft: Krieg.

Vae victis!

Wurde während eines groß angelegten Feldzuges – oder einfach nur aus Zufall – die letzte verbliebene Stadt eines Gegners erobert, bedeutet es nicht, dass das Volk damit aus dem Spiel genommen wurde. Viel mehr bilden sich aus versprengten Truppenteilen und geflohenen Zivilisten eine riesige Horde, die nun ziellos über die Karte marschiert und versucht, sich eine neue Heimat zu erobern. Dabei gehen die Horden massiv gegen Feinde vor und greifen oft in mehrfacher zahlenmäßiger Übermacht gegen eine Provinz an. Nur wenn die Horde komplett vernichtet ist, gehört das Volk der Geschichte an.

Im Laufe der 350 Jahre seit Rome – Total Rome haben sich auch Provinzgrenzen verschoben und damit sind nun oftmals andere Städte Provinzhauptstadt als noch im Hauptspiel. Das bedeutet leider, dass die Karte, an der man sich früher orientieren konnte, mehr oder minder überflüssig wurde. Wer nun in ein unbekanntes Gebiet einmarschiert, muss die Provinzhauptstadt erst suchen, was eigentlich auch realistischer ist.

Magnum vectigal parsimonia!

Ansonsten hat sich in der Spielmechanik wenig verändert. Das Schicksal eines Volkes entscheidet sich selten auf dem Schlachtfeld sondern meist in den Zählstuben der Regierung, denn: Wo kein Geld, da kein kampfesfroher Söldner. Die Abwägung von Kosten und Nutzen beim Starten eines Krieges ist immer noch gegeben und darf auch niemals außer Acht gelassen werden, denn schließlich will eine eroberte Provinzhauptstadt repariert werden und erwartet quasi auch gleich noch ein paar teure Neubauten wie Tempel oder infrastrukturelle Einrichtungen, denn sonst fühlt sich die Bevölkerung unwohl und greift zu Waffe. Nebenbei erwarten Soldaten ihren Sold, Generäle und Statthalter Mittel zum Stadtausbau und hier und da muss man in der Diplomatie einen Gegner schmieren, damit es – nicht – zu einem Krieg kommt.

Fazit

Also ich hab jetzt schon alles an Total Wars-Spielen hoch und runtergespielt und muss sagen, dass mit Rome – Barbarian Invasion die Macher von Creative Assembly ihr bislang bestes Addon zu einem Total Wars-Titel abgeliefert haben. Die Neuerungen sind – bis auf die Grenzenneuziehung der Provinzen – sinnvoll und runden das Spiel sauber ab. Selbst die Nachtschlachten, die etwas an Übersichtlichkeit missen lassen, haben einen taktischen Vorteil… und mal unter uns: Wenn 400 Bogenschützen Brandpfeile abschießen, sieht das schon sehr eindrucksvoll aus!

Ebenfalls ein Plus an Spieltiefe bringen die Loyalitäts- und Religions-Punkte, die eine breitere Aufmerksamkeit des Spielers fordern oder in einen Bürgerkrieg münden.

Rome: Barbarian Invasion [PC , looki.de]

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