Schizm II: Trügerische Wahrheit

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Flashpoint
Entwickler
DreamCatcher Interactive
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
0
Schizm II: Trügerische Wahrheit [PC , looki.de]

Gesamtwertung

75%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Gut

Schizm II: Trügerische Wahrheit

In Schizm II: Trügerische Wahrheit von The Adventure Company schlüpft der Spieler in die Rolle des mutmaßlichen Kriminellen Sen, der auf einer Raumstation aus dem Tiefschlaf erwacht. Leider hat Sen sein Gedächtnis verloren. Die einzige Information, die er von einer uralten Aufzeichnung bekommt, ist, dass die Station in 16 Tagen die Umlaufbahn verlässt und auf dem Planeten darunter zerschellt. Das sei die berechtigte Strafe für die Verbrechen, die Sen vor über 200 Jahren an seinem Volk begangen habe. Die verbleibende Zeit soll er dazu gebrauchen, sich seiner Taten bewusst zu werden – was sich als recht schwierig gestaltet, da sich der arme Kerl doch an gar nichts erinnern kann. Nun gilt es also, herauszufinden, was eigentlich genau passiert ist und was Sen überhaupt genau verbrochen hat.

Nachdem man die ersten Rätsel erfolgreich gelöst und sich schließlich auf die Planetenoberfläche begeben hat, erfährt man die ersten Details über Sens wahre Vergangenheit. Auf dem Planeten lebte nämlich einst ein glückliches und vereintes Volk, bis eines Tages das Erscheinen eines außerirdischen Raumschiffes für Unruhe sorgte. Schnell bildeten sich zwei Parteien mit unterschiedlichen Meinungen in Bezug auf die Außerirdischen: Die technologisch interessierten Transai, welche Kontakt aufnehmen wollten, und die naturbezogenen Ansala, welche in den fremden Wesen potentielle Invasoren sahen. Die beiden Gruppen begannen einen schrecklichen Krieg und bekämpften sich bis aufs Blut – bis schließlich nach knapp 200 Jahren die einzigen Überlebenden beider Gruppen in einem kleinen Tal Zuflucht fanden und dort ihren Krieg gnadenlos weiterführten.

Hier kommt Sen ins Spiel: Nach seiner Flucht von der Raumstation und einer Bruchlandung auf dem Planeten ist die erste Aufgabe des Spielers, Kontakt zu den beiden Gruppierungen aufzunehmen. Dabei kommt ihm die Chamäleon-Technologie zu Gute, welche es ihm ermöglicht, sich zwischen den verfeindeten Gruppen zu bewegen, ohne dass seine wahre Identität ans Licht kommt. Auf Hilfe kann Sen von den mechanischen „Gefährten“ zählen: Das sind große Computer, die einst von den Außerirdischen auf den Planeten gebracht wurden. Diese unterstützen ihn, wo sie nur können. Sens weitere Aufgabe ist nun, herauszufinden, was wirklich auf dem Planeten passiert ist und die beiden befeindeten Gruppen wieder zusammenzuführen.

Schizm II ist dem jüngsten Ableger der Myst-Reihe Uru: Ages Beyond Myst recht ähnlich. Der Spieler steuert ebenfalls eine Spielfigur durch mysteriöse Landschaften und Bauwerke, löst dabei hochkomplexe Rätsel und bedient Schaltvorrichtungen, die nur ein irrer Mechaniker (beziehungsweise Botaniker) entworfen haben kann. Um eine Tür zu öffnen gilt es zum Beispiel, Schalter auf einer Schalttafel so zu drehen, dass ein Signal durch die Schalter hindurch von einer Seite zur anderen kommt. Die Schalter lenken das Licht dabei in verschiedene Richtungen ab.

Das Problem an der Sache: Wenn man einen Schalter dreht, drehen sich dadurch auch alle angrenzenden! Ein anderes Beispiel: An einer Stelle müsst Ihr ein kleines Labyrinth durchqueren. Das Problem an der Sache: Die Wege des Labyrinths sind auf einer Plattform gelegen und unter dichtem Nebel verborgen. Ihr müsst also unter der Plattform stehen und euch den verzwickten Weg merken oder am Besten gleich abzeichnen. Sollte man während seines Gangs über den Pfad herunterfallen, verändert das Labyrinth seine Form vollständig – und man darf noch mal von vorne anfangen.

Solche und andere – teils ähnlich frustrierende – Rätsel warten hinter jeder Ecke des großen Spielareals. Das Spiel ist dabei im Gegensatz zu Uru recht linear aufgebaut, man hat meistens nicht mehr als zwei bis drei verschiedene Rätsel, die gelöst werden wollen, zur Auswahl. Hängt man einmal an einer Stelle fest, und das ist recht häufig der Fall, ist man schnell frustriert. Teils sind die Rätsel auch recht unlogisch. Bei manchen Aufgaben muss man erst einmal draufkommen, was die Programmierer eigentlich vom Spieler wollen, oder wie die jeweiligen „Spielregeln“ funktionieren. Zum Beispiel muss man erst einmal die Brücke aktivieren, die zu den Transai führt, bevor man ihr Gebiet betreten kann. Früher oder später findet man ein Bedienelement für selbige, welches die vier Brückensegmente in der Höhe verstellen kann – allerdings immer nur nacheinander. Das Fiese daran ist: Bei der Betätigung des ersten Segments hebt sich dieses um einen Schritt an. Wenn man ein beliebiges weiteres Segment anhebt, steigt dieses zwei Stufen in die Höhe, und so weiter. Nun muss man die vier Segmente alle auf eine Höhe bringen – liegt eines höher, kann man die Brücke nicht passieren und muss von vorne anfangen. Sobald man mal auf den eigentlichen Kniff eines Rätsels gekommen ist, ist alles weitere zwar nur noch Formsache; das erfordert jedoch oft sehr viel Zeit, weshalb man häufig nicht mehr weit weg davon ist, das Spiel in die Ecke zu knallen und dort verstauben zu lassen. Trotzdem fühlt man sich nie so verlassen, wie das oft in Uru der Fall ist: Man weiß immer, was es als nächstes zu tun gilt, auch, wenn man sich manchmal nicht ganz sicher ist, wie man es anstellen soll.

Die Steuerung des Spieles ist vorbildlich: Ihr kontrolliert Sen aus der Egoperspektive, gesteuert wird er entweder wie in einem Shooter mit den Pfeiltasten und der Maus oder – was komfortabler ist – vollständig mit der Maus. Dabei braucht man nur den Klick mit der linken Maustaste, um eine Aktion auszuführen und einen Gegenstand zu gebrauchen oder eine der zahlreichen Maschinerien zu benutzen.

Der eigentliche Clou ist jedoch, dass ein kleiner weißer Pfeil an eurem Mauszeiger erscheint, sobald sich etwas in der Nähe befindet, was sich benutzen lässt. Der Pfeil zeigt dabei immer in die Richtung, in welcher sich der entsprechende Gegenstand befindet. So kommt es niemals vor, dass man immer wieder an etwas vorbeiläuft, nur, weil es sich zu gut in die Hintergrundgrafik einfügt. Dadurch kann man sich voll und ganz auf die Story und die Rätsel konzentrieren, das lästige, von vielen anderen Adventures bekannte Absuchen des Bildschirms entfällt.

An der Grafik gibt es nicht viel zu meckern: Die Szenenhintergründe und Charaktere machen einen guten Eindruck, die Landschaft und die „Kostüme“ wurden liebevoll und mit viel Phantasie gestaltet. Hier und dort haben es die Grafiker jedoch übertrieben: Manche von den Charakteren wirken durch ihre Kleidung unfreiwillig lächerlich.

Da ist zum Beispiel die naturvernarrte Ansarajüngerin, die einen ausgewachsenen Farn auf ihrem Rücken mit sich herumzutragen scheint. Auch Sens … Kopfbedeckung ist alles andere als stilvoll, weshalb man sich schon deshalb schnell darüber freuen wird, dass er aus der Egoperspektive gesteuert wird – die Vorstellung, das Ding die ganze Zeit vor Augen zu haben, würde nicht nur modebewusste Menschen in den Wahnsinn treiben. Manchmal ist weniger eben doch mehr... Zur klanglichen Untermalung gibt es nicht viel zu sagen: Einen Oscar wird das Spiel in dem Bereich zwar nicht gewinnen. Die Musik weiß jedoch zu gefallen und hält sich dezent im Hintergrund, die Sprecher machen ihre Sache gut und gehen einem nicht auf den Keks. So sollte es sein.

Fazit

Schizm II: Trügerische Wahrheit scheint ebenfalls kein Ende der langen Durststrecke darzustellen. Das Spiel ist weniger was für die breite Masse und eher für Leute gedacht, die vor dem Einschlafen einige Kreuzworträtsel lösen und beim Warten auf den Bus Quadratwurzeln ausrechnen – nur so zum Spaß. Die Rätsel sind teils so verdammt schwierig, dass man ohne eine gescheite Komplettlösung oder Nerven wie Drahtseile schneller das Handtuch wirft als manche Politiker ihre Wahlversprechen brechen können. Hat man jedoch ein bisschen Geduld und hat einem auch schon die Myst-Reihe Spaß gemacht, kann man getrost zugreifen und das Spiel kaufen. Außerdem sieht der Adventuremarkt zurzeit mangels Alternativen sowieso recht dünn aus. Spielern, die jedoch keine Geduld haben und bei schwierigen Kopfnüssen und Logikrätseln schnell die Flinte ins Korn werfen, sei herzlich von Schizm II abgeraten.

Schizm II: Trügerische Wahrheit [PC , looki.de]

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