Gesamtwertung74%/10 |
GrafikGut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Wenn Mutter Erde unter meterdicken Müllbergen versinkt und die Menschen längst das Weite in den unendlichen Tiefen des Alls suchen, ist die Zeit von Scrapland gekommen. Ein Müllplanet, bewohnt von verbeulten Robotern, die eigentlich ein ganz normales Leben führen. Bis zu dem Tag, wo ein mysteriöser Mord den beschaulichen Planeten aus den Angeln hebt...
American McGee... ein Name der in der Entwicklerszene buchstäblich Programm ist. Nachdem er Anfang der 90er Jahre im zarten Alter von 20 bereits am Urvater aller Shooter, Doom, mitgearbeitet hat, widmete er sich nach anderen Projekten wie Doom II und Quake seinem Durchbruch: die herrlich skurrile und bitterböse Alice im Wunderland-Fortsetzung American McGee Alice. Mit schwarzem Humor und abgefahrenen Settings, die wie frisch aus einem Tim Burton Streifen entsprungen wirken, setzte sich der Mann mit dem ungewöhnlichen Namen zum Jahrtausendwechsel sein eigenes Denkmal.
Knapp 5 Jahre später versucht sich American McGee, diesmal als ausführender Produzent, mit Action-Adventure Scrapland an einem neuen Projekt.
Kein spannender Ort für einen Reporter, der sich seinen Unterhalt mit Berichten über Mord und Totschlag verdienen muss. Wirklich gestorben ist auf Scrapland dank der Datenbank nämlich schon ewig niemand mehr. Just in dem Moment als D-Tritus jedoch seinen neuen Job in Scrapland antritt, wird der Bischof ermordet. Nicht weiter schlimm, hätte der Täter nicht auch noch gleich die entsprechenden Daten aus der Datenbank gelöscht. D-Tritus hat nun die Chance seinen Ruf als notorischer Aussenseiter einmal gehörig zu widerlegen. Alles was er dafür tun muss, ist die mysteriösen Morde aufzuklären. Doch keiner hätte gedacht, dass unser stahlharter Held bei seinen Nachforschungen in ein Wespennest sticht.
An Terminals, die direkt mit der riesigen Datenbank verbunden sind, kann sich unser Held in jede erdenkliche Hülle klonen. So kann man sich als Geschäftsmann die eine oder andere Mark dazuverdienen, oder als Polizist unauffällig Absperrungen überwinden. Das öffnet ungeahnte Möglichkeiten und viel Freiraum im Spiel, was angesichts der teils doch recht monotonen Missionen die sich häufiger wiederholen, etwas Würze ins Spiel bringt.
Da Klonen aber auch in der Zukunft nicht erlaubt ist, sollte man sich hüten, im Körper eines anderen vor die Linsen der Polizeidrohnen zu treten. Diese durchschauen das Spiel und lösen sofort Alarm aus, was nicht selten in einer netten Verfolgungsjagd endet.
Diese führ euch dann in bester GTA Manier durch die riesige Stadt. Der einzige Unterschied: Ihr sitzt am Steuer eines Raumgleiters und habt zudem dicke Kanonen unterm Cockpit hängen. Durch kleine Nebenmissionen verdient ihr euch das nötige Geld oder direkt neue Updates für euer Schiff. Oft ertappt man sich dabei, nur das nötige Kleingeld für neue Teile oder gar ein noch größeres Schiff zu sammeln. Die eigentliche Story verkommt dabei zur kleinen Nebenrolle. Die Charaktere haben einfach zu wenig Tiefgang und wirken im wahrsten Sinne des Wortes einfach blechern. Selbst der Hauptcharakter D-Tritus ist beliebig austauschbar. Wirklich identifizieren kann man sich mit keiner der Figuren.
Grafisch macht Scrapland dagegen einiges her. Eine quietschbunte Welt erwartet den Spieler an jeder Ecke. Das comicartige Design der Charakter passt perfekt zum humorvollen Background des Spiels. Mit viel Liebe zum Detail erschufen die Entwickler bizarre Robotergestalten, die sich durch die lebendige Spielwelt bewegen.
Aus den Boxen dröhnt dabei moderne Syntheziser Sound, der zum futuristischen und abgedrehten Setting des Spiels passt. Wer damit nichts anfangen kann dreht einfach die Boxen leise. Das hat den netten Nebeneffekt, dass man die bereits erwähnte schlechte Lokalisierung nicht mitbekommt. Hier hätte man sich etwas mehr Mühe geben können. Als ein wichtiger Teil des Spiels, springt einem so etwas sofort negativ ins Auge.