Second Sight

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Codemasters
Entwickler
Free Radical Design
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
Second Sight [PC , looki.de]

Gesamtwertung

81%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Second Sight

Mit Second Sight bringt Codemaster ein neues Action-Adventure auf den Markt. Hinter diesem Titel verbirgt sich aber kein weiterer bleihaltiger Egoshooter, sondern ein umfangreiches Spiel mit innovativen Gameplay-Ideen und einer spannenden Verschwörungsstory. Ob die Jungs von Free Radical Design auch die PC-Version erfolgreich gemeistert haben, erfahrt ihr in unserem Test.

In Second Sight erlebt ihr das Abenteuer von John Vattic, einem Wissenschaftler, der zunächst nicht an Psi-Kräfte glaubt, später aber hautnah durch durch sein eigenes Schicksal vom Gegenteil überzeugt wird.

Die Entwickler von Free Radical Design setzen bei Second Sight auf einen nicht linearen Handlungsstrang, der den Hauptdarsteller John Vattic aus zwei verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Zum einen erzählt die Geschichte in spielbaren Rückblenden die aufeinander folgenden Erlebnisse des gewitzten Forschers John Vattic, der sich vor einem halben Jahr zusammen mit einem Sondereinsatzkommando des US-Militärs auf einer streng geheimen Mission befand. Zum anderen steuert ihr in der Gegenwart das verunstaltete menschliche Experiment und mit PSI-Fähigkeiten ausgestattete zweite Gesicht von John Vattic.

Die Handlung setzt genau in dieser für den unfreiwilligen Protagonisten fremden Realität ein: er wacht mit zahlreichen Verletzungen und Operationsnarben in einem Hochsicherheitstrakt eines geheimem Forschungslabors auf. Seine Erinnerung ist ausradiert: wie kam er in diese Situation, warum ist sein Körper so übel zugerichtet und weshalb entdeckt er an sich nach und nach mächtige, paranormale Fähigkeiten?

Eure Aufgabe ist es nun, mit dem verwirrten Charakter aus dem Labor zu entkommen und Licht ins Dunkel zu bringen. Das Gameplay an sich ist sehr linear, was aber nicht schädlich ist, sondern vielmehr die Spannung ständig aufrecht erhält.

Übersinnliches

Das gesamte Gamplay von Second Sight bedient sich auf den ersten Blick übersinnlicher Fähigkeiten. Gleich zu Beginn dürft ihr an die im Spiel meistgebrauchte Psi-Kraft Telekinese benutzen. Vattic kann hierzu seine Gedanken auf einen beliebigen Gegenstand oder Gegner konzentrieren und ihn damit bewegen, ohne mit diesem in Berührung zu kommen.

Mittels eines so genannten Psi-Schlags entfesselt Vattic zerstörerische Kräfte und kann die gesammelte Energie Feinden entgegen schleudern.

Mit der Zeit entwickelt der ungewöhnliche Held automatisch noch weitere Fähigkeiten, die von nicht geringerer Bedeutung sind.

So ist es ihm bald möglich, sich selbst zu heilen, die Wahrnehmung der Gegner durch Verwirrung des Geistes zu täuschen (respektive sich unsichtbar machen) oder seinen Körper durch Projektion zu verlassen. Während der geisterhaften astralen Form erreicht er ansonsten unzugängliche Bereiche oder er übernimmt kurzerhand die Kontrolle über eine andere Person. Die besonderen Fähigkeiten von John Vattic sind allerdings begrenzt und werden euch wie der aktuelle Gesundheitszustand über einen Bildschirmbalken angezeigt.

Weitere hilfreiche Anzeigen wie einen Radar oder eine jederzeit abrufbare Karte sucht ihr hier allerdings vergeblich. Oft führt vor nur eine Kombination der Fähigkeiten zum Erfolg. Während Kameras nicht durch Psi-Kräfte verwirrt werden können, können diese aber mit Hilfe der Projektion und einem Computer (vielleicht in einem anderen Raum) ausgeschalten werden.

Ballern kann er auch

Doch damit erschöpft sich das Aktionskontingent noch lange nicht: wie es sich für ein zeitgemäßes Action-Adventure gehört, verfügt John Vattic über vielfältige Möglichkeiten. Man steuert den Wissenschaftler und Doktor der Parapsychologie genretypisch in Schulterperspektive.

Auf Tastendruck habt ihr wahlweise einen frei justierbaren Kamerawinkel in Egoansicht oder feste Perspektiven. Nähert man sich einer Mauer oder schutzbietenden Gegenständen wie Kisten oder Ähnlichem, reicht ein Tastendruck, um sich an die Wand zu pressen. Nun könnt ihr bis ans Ende gehen, um entweder hervorzuspähen oder aus gesicherter Position Feinde ins Visier zu nehmen. Für PC Spieler ist die folgende Situation nun ungewöhnlich.

Da die PC-Version fast eine 1:1 Konvertierung der Konsolenvarianten ist, müsst ihr nun erst Gegner selektieren und diese dann aufs Korn nehmen. Hier kann es mitunter zu Problemen kommen, auch wenn die automatische Gegnerwahl oft funktioniert. Auch um akrobatische Manöver im Stile von Sam Fisher ist John Vattic nicht verlegen. So könnt ihr an Kanten entlang hangeln wie der Meisterspion höchstpersönlich. In punkto Nahkampf scheint man sich auch beim offensichtlichen Ideengeber Splinter Cell orientiert zu haben. So ist es dem Forscher möglich, Gegner lautlos aus dem Hinterhalt zu erledigen oder im Clinch auf Kontrahenten einzuprügeln. Da der Lösungsweg nicht vorgegeben ist, entscheidet ihr aus der Situation heraus.

Dabei stehen euch natürlich auch diverse Waffen zur Auswahl. So könnt ihr in hektischen Situationen auf Pistolen und Gewehre zurückgreifen und euch auf die reine Feuerkraft verlassen. Es gilt aber grundsätzlich, keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen. Daher empfiehlt sich oftmals der Einsatz von Betäubungspistolen, die eure Gegner geräuschlos und unauffällig aus dem Weg räumen.

Vor und Zurück: In der Zeit

Die Aufgaben und Missionsziele sind sehr gut in die düstere Atmosphäre integriert und verlaufen weitestgehend parallel. Auf der einen Seite stehen die Levels zeitlich vor den schrecklichen Experimenten. Hier kann Vattic auf zahlreiche der angesprochenen Waffen zurückgreifen und arbeitet sich als Mitglied des Militäreinsatzkommandos WinterIce durch die kampfbetonten Abschnitte.

Mit jeder Rückblende erfahrt ihr mehr über seine Vergangenheit und taucht immer weiter in die Story ab. So findet ihr euch nach der erfolgreichen Flucht aus dem Forschungslabor auf einem Übungsplatz der Armee wieder. Hier absolviert ihr einen Tutorial-ähnlichen Trainingsparcour, der euch u.a. mit den Squad-Mitgliedern bekannt macht. Kurze Zeit später erwartet euch schon der erste Feldeinsatz, bei dem geschickte Teamarbeit gefordert ist.

Auf der anderen Seite schleicht ihr als Psychowrack vorsichtig durch die Levels, experimentiert mit John Vattics übernatürlichen Fähigkeiten und löst teils verzwickte Rätsel. So kommt ihr nicht um eine gewagte Rettungsmission aus einem Sanatorium herum, sucht nach verschollenen Kontaktpersonen und klärenden Beweisen oder infiltriert die Zentrale des Geheimdienstes.

Gegen Ende verschmelzen dann alle Gameplay-Elemente, was euch zu einem unberechenbaren Gegner macht. Aber auch die Aufgaben wachsen mit der Zeit, was schließlich sämtliche Aktionsmöglichkeiten des Protagonisten verlangt. So gilt es einmal ein schwer bewachtes Dorf zu durchqueren. Es wimmelt nur so vor Soldaten und Scharfschützen.

Hier bewegt ihr euch abwechselnd auf leisen Sohlen, täuscht gekonnt die gegnerischen Augen mittels Psi-Kraft und schießt euch einige Straßen weiter den Weg frei. Die unheimliche spannende Art, wie Free Radical Design die Geschichte erzählt, macht das Spiel besonders fesselnd.

Grafik: Trotz Kovertierung ok!

Obwohl es sich bei dem Spiel um eine reine Konvertierung handelt, ist die Grafik gut gelungen. Detaillierte Charaktere mit gekonnten Animationen können überzeugen – auch wenn die Charaktermodelle für PC-Verhältnisse ein paar mehr Polygone hätten vertragen können.

Mit einem Half Life 2 kann man hier leider nicht mithalten. Ausgefallene Locations passen aber sehr gut zur Story und bieten reichlich Abwechslung.

So startet ihr eure Suche nach der Vergangenheit in einer klinisch sauber wirkenden Laborzelle, durchstreift ein Horror-angehauchtes Irrenhaus, kämpft euch im tiefsten Sibirien durch ein verschneites Dorf oder mischt bei einem waschechten Bandenkrieg auf einem New Yorker Hinterhof mit. Die Soundkulisse bietet abwechslungreiche Themen und reizt niemals zum Abschalten.

Man sollte erwähnen, dass auch in der PC-Version die englischen Synchronstimmen bleiben und mit deutscher Sprache untertitelt sind. Besonders schön sind auch die Spezialeffekte beim Einsatz der Psi-Kräfte dargestellt. Da verzerrt es schon mal den Bildschirm beim Schleudern konzentrierter Energie oder grelles Licht umhüllt einen per Telekinese gefangenen Gegner.

Anders als wir es noch bei den Konsolenversionen kritisierten, scheint Codemasters das Problem mit den ungünstigen Kamerawinkeln in den Griff bekommen zu haben. Man hatte endlich nicht das Gefühl, die Übersicht zu verlieren.

Auch an der Steuerung gibt es in der PC-Version nichts zu meckern, steuert es sich doch genretypisch mit Maus und Tastatur: zwei weitere Hotkeys ermöglichen zudem das Wechseln von je der getragenen Waffe oder der benutzten PSI-Kraft.

Fazit

Second Sight hat mich vor allem durch den spannenden Mix aus inszenierter Action, der spannenden Hintergrundgeschichte und der Verquickung unterschiedlicher Gameplayelememte überzeugt. Auch wenn das Spiel im Levelaufbau weitgehend linear ist (freie Handlungsmöglichkeiten gibt es trotzdem genug), saugt euch vor allem die filmreife Verschwörungsstory von der ersten Minute an in ihren Bann. Da insgesamt Mängel wie eine nicht allzu intelligente KI kaum ins Gewicht fallen, ist Second Sight für mich eine wirkliche Empfehlung für Fans von anspruchsvollen Action-Adventures mit Freude an frischen Ideen. Wer sich nicht daran stört, dass das Spiel grafisch nur zu 75% an rankommt, darf bedenkenlos zugreifen – insbesondere da das Spiel für unter 30 Euro in den Läden steht.

Second Sight [PC , looki.de]

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