Gesamtwertung83%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
London im 19. Jahrhundert Während die beiden Freunde Holmes und Watson beim gemeinsamen morgendlichen Kaffee sitzen, ereilt sie der Brief des berüchtigten französischen Meisterdiebes Arsene Lupin.
Als Sir Arthur Conan Doyle im 18. Jahrhundert die Abenteuer eines britischen Detektivs und seines Assistenten niederschrieb, ahnte er vermutlich nicht, wie beliebt die Figuren Holmes und Watson eines Tages sein würden. So wurden in den 70er und 80er Jahren nicht nur zahlreiche Filme und Bücher, sondern einige Zeit später auch eine Serie von PC-Spielen, die die Geschichten der beiden Freunde thematisierten, veröffentlicht.
Danach war es lange still um die nüchterne Spürnase, die dieser Tage jedoch eine Art Renaissance auf den heimischen Computern feiert; denn mit Sherlock Holmes jagt Arsene Lupin schlüpft der Spieler bereits zum vierten Male in die Rolle des scharfsinnigen Detektivs um den Verbrechern Englands das Handwerk zu legen. Ob dies wieder gelingt?
Voller Verachtung für das britische Empire kündigt der Verbrecher den Diebstahl von fünf wertvollen Gegenständen, allesamt von unschätzbarem Wert, an. Damit will er nicht nur Englands Hochnäsigkeit an den Pranger, sondern auch die Ehre seines Heimatlandes wiederherstellen, welche durch die Kolonialkriege erheblich beschmutzt wurde.
Dennoch ist Lupin voller Respekt für Holmes Arbeit und gewährt ihm die Chance seine geplanten Diebstähle zu vereiteln; der mit Hinweisen gespickte Brief soll dem Detektiv dabei als Hilfestellung dienen. So beginnt eine Schnitzeljagd, die Holmes an die verschiedensten Orte im Herzen Londons führt, immer bedacht die nächsten Schritte des seines Kontrahenden vorherzusehen.
So schlüpft der Spieler abwechselnd in die Rollen des Meisterdetektivs und seines Assistenten, die er aus der First Person-Sicht steuert, befragt Zeugen, sichert Spuren, wertet Berichte aus und entschlüsselt versteckte Botschaften; doch auch einfache Botengänge wie die Besorgung eines Buches fallen im Leben eines Ermittlers an.
Nicht selten wird darüber hinaus ein Zettel und ein Bleistift benötigt um ein Anagramm zu lösen oder bestimmte Begriffe aus einem zusammenhängenden Text herauszufiltern. Abwechslung ist durch die geschickte Mischung aus fordernden Puzzeln und innovativen Denkaufgaben somit in jeden Fall geboten. Darüber hinaus kann Holmes immer wieder auf ein bestimmtes Repertoire von Werkzeugen, wie der bekannten Lupe oder einem Maßband zurückgreifen.
Mit diesen Gegenständen gilt es dann beispielsweise Fußspuren auszumessen oder kleine Beweise zu sichern. Letztere finden sich in Sherlock Holmes jagt Arsene Lupin zu Hauf und werden somit auch leicht übersehen, was den Spieler weiter fordert, jedes noch so kleine Detail zu untersuchen.
Für Anfänger und Neueinsteiger in das Genre könnte jedoch genau diese Tatsache oft als frustrierend und eintönig empfunden werden, weshalb sich der Titel durchaus an fortgeschrittene Genreliebhaber richtet.
Jede Stimme zählt!
Da auch jedes gesprochene Wort und jeder noch so kleinste Hinweis ein Indiz auf Täter und weiteren möglichen Tatort sein könnte, werden sämtliche Gespräche wie auch ausgewertete Spuren und Beweise in einem Buch gespeichert, welches der Spieler jederzeit zur Hilfe aufrufen kann, ja sogar muss.
Auch verschiedenste Karten bestimmter Gebäude und Stadtteile Londons sind hier abgelegt und können ständig eingesehen werden. Wegpunkte die der Spieler auf der jeweiligen Karte anwählen kann, befördern Holmes dabei zum gewählten Ort, wodurch dem Spieler viel Fußweg erspart wird. Da zahlreiche Orte mehrmals besucht werden müssen, erweist sich diese Schnellreisefunktion als durchaus hilfreich.
Doch ebenfalls in diesem Bereich werden Neueinsteiger schnell überfordert sein. Auch wenn sich die Spurensuche nur auf einzelne geschlossene Bereiche beschränkt und somit keine offene Spielwelt geboten wird, kann in nur kurzer Zeit der Überblick über Zeugen, Beweise und Indizien verloren gehen. Dies liegt nicht zuletzt an der riesigen Menge an Informationen, Gesprächsaufzeichnungen und Berichten die sich mit dem weiteren Verlauf des Spiels ansammeln.
Gute Grafik, starker Sound
Neben einer überaus spannenden Geschichte und fordernden Aufgaben überzeugt der Titel aus dem Hause Kochmedia ebenfalls durch eine in allen Bereichen gelungene Grafik, die zwar keine neuen Maßstäbe setzt, jedoch trotzdem zu gefallen weiß.
So besitzt das London im Spiel einen gewissen Charme, der es dem Spieler gegenüber authentisch und glaubwürdig erscheinen lässt. Weiterhin wurden die von Holmes besuchten Orte mit viel Liebe zum Detail gestaltet, als Beispiel dafür wäre die National Gallery zu nennen. Hier wirken die verschiedenen Räume trotz oftmals trister Texturen durch zahlreiche an der Wand befindliche Bilder und Kunstwerke doch glaubwürdig und erfüllen somit technisch gesehen ihren Zweck.
Die Charaktere sind indes ebenfalls gut getroffen, sind in einigen Bewegungen jedoch etwas starr und kantig anzusehen, was den Spielfluss jedoch nicht erheblich stört; zumindest wirken die Straßen nicht mehr so leer wie in den Vorgängern. Weiterhin bekommt der Spieler mit erstklassigen Synchronsprechern und wunderschönen Geigenstücken sowie musikalisch hochwertigen Titeln, die das Spiel untermalen, soundtechnisch einen wahren Ohrenschmaus geboten.
Zahlreiche schön gestaltete Ingamezwischensequenzen runden indes die technische Präsentation ab. Diese führen dabei nicht nur die Geschichte weiter, sondern gönnen dem Spieler einige Denkpausen.
In Sachen Steuerung kann den Entwicklern ebenfalls kein Vorwurf gemacht werden; sämtliche Shortcuts sind einfach zu erlernen und auch die Steuerung der Figur aus der Egoperspektive mit Maus und Tastatur, was in diesem Genre keine Seltenheit mehr ist, geht einfach und unkompliziert von der Hand.
Auch wenn dieser Teil der Reihe etwas anspruchsvoller ausgefallen ist als die anderen und dadurch besonders Anfänger einen schweren Stand haben könnten, macht er dennoch Spaß und sichert nicht zuletzt durch die kniffligen Denkaufgaben und die fordernden Puzzles sowohl Abwechslung, als auch lange Spielzeit. Die Grafik ist indes zweckmäßig und man sollte in Anbetracht anderer Genretitel nicht allzu hohe Ansprüche im technischen Bereich stellen, auch wenn die Synchronisation sowie die Hintergrunduntermalung mehr als Durchschnittskost darstellt. Und nun entschuldigt mich, Gentleman, ich habe einen Fall zu lösen.