Gesamtwertung86%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Heather hat ein gewisses Problem. Da sitzt sie nun in einem Cafe eines Einkaufszentrums und langweilt sich derart, dass sie glatt einschlummert. Doch anstatt von einem strahlenden Ritter in güldener Rüstung zu träumen, ist Heather in einem waschechten Albtraum gefangen.
Der Ort des Traumes: Ein wenig belustigender Freizeitpark mit erstaunlich totem Personal, das blutverschmiert und damit recht undekorativ die Gegend schmückt. Nachdem sie von einigen gar gruseligen Kreaturen angefallen wurde und zu guter Letzt aus lebensrettungstechnischen Gründen von einer mörderischer Fahrattraktion hüpft, erwacht Heather und stellt ihrerseits fest, dass sie wirklich nur in einem Albtraum steckte. Und da soll mal einer sagen, die Jugend von heute sei schwer von Begriff.
Sie beschließt schnell, dass es zu Hause eigentlich auch recht nett sein könnte und nach einem kurzen Telefonat mit Daddy, dem sie mitteilt, dass sie jetzt den Heimweg antritt, trifft das gute Kind einen ziemlich abgerissen erscheinenden Mann, der von sich behauptet, Detektiv zu sein und Heather etwas über ihre Geburt sagen zu wollen. Doch da Heather wie jedes pubertätsgeschädigte Gör keine Lust hat, alten und wahrscheinlich muffelnden Männern bei der Verkündung von Wissen und Lebenserfahrung zuzuhören, entschuldigt sie sich kurz, geht aufs Klo und versucht über das Klofenster zwischen sich und dem Detektiv eine möglichst große Entfernung zu schaffen. Dieses Vorhaben klappt besser als gedacht, denn urplötzlich findet sie sich, nach einigen Schleichwegen, in einem scheinbar realen Alptraum wieder. Statt kaufwütiger Konsumenten stampfen nun mordwütige Monster durch das Einkaufszentrum und wollen unserer hübschen Heather an den jugendlichen Kragen. Tja Heather, dann sie mal zu, wie du da wieder rauskommst!
Anfänglich nur mit einem kleinen Taschenmesser, später jedoch mit zahlreichen Schusswaffen heißt es nun, mit Heather diesen Albtraum zu überleben. Und Feuerkraft ist auch wirklich von Nöten, denn Silent Hill 3 ist um einiges actionreicher als noch sein Vorgänger, Silent Hill 2.
Wer mit zwei Linken Händen und eine Reaktionsgeschwindigkeit wie ein toter Dackel dafür aber mit einem gigantischen... Gehirn ausgestattet ist, wird sich freuen dürfen. Praktischerweise kann man den Schwierigkeitsgrad für die Action und für den Hirnschmalz sprich für die Rätsel separat in drei Stufen einstellen. Und dank des jederzeit möglichen Quicksave's können auch ganz Ängstliche nach jedem zweiten Schritt das im Spiel Erreichte jederzeit auf Festplatte bannen.
Während Rätsel leider meist nach Schema F also hier verschlossene Kiste und irgendwo der dazu passende Schlüssel oder das Mixen von lustigen Insektenvernichtungsmitteln aus mehreren Komponenten- ablaufen, kann die packende Action und die teilweise exzessive Blutdarstellung so manches selige Lächeln auf die Gesichter von Splatter- und Horrorfans zaubern. Sollte nämlich das mitgeführte Radio anfangen zu rauschen, ist es immer ein gutes Indiz dafür, dass ganz in der Nähe übelwilliges Zombie- und Monstervolk nach einer gehörigen Abreibung aus sind... und das Radio rauscht oft und gerne!
Um es vorweg zu nehmen. Für den PC gibt es momentan keinen einzigen vergleichbaren Titel, der Silent Hill 3 in Sachen gepflegter Horroratmosphäre das Wasser reichen kann.
Alleine die Inszenierung der Örtlichkeiten wie das Einkaufzentrum oder die U-Bahnstation lassen ein beklemmendes Szenario entstehen, das wirklich wie aus einem Alptraum oder guten Horrorfilm zu stammen scheint.
Blutverschmierte Wände und Fußböden, hier und da verfledderte Körper und darüber hinaus ein fast ständig wabernder Nebel, der die nähere Umgebung in Schemen hüllt und so das Ganze viel bedrohlicher wirken lässt. Und ständig hört man irgendwas knarren, quietschen, knurren oder brummen, so dass man, dunkles Zimmer und hochgedrehte Lautstärke vorausgesetzt, bei überraschenden Angriffen manchmal eiligst auf frische Unterwäsche zurückgreifen muss.
Und dank hervorragender, vorgerendeter Zwischensequenzen wirkt das Horrorszenario im Ganzen sehr greifbar und überzeugend. Die stimmungsvolle Musik rundet das alles sogar noch ab, doch dazu später mehr.
Grafisch hat Silent Hill 3 den Weg von der Playstation 2 recht gut verkraftet. Zwar sind einige Effekte, speziell der Taschenlampen-Effekt in düsteren Umgebungen, recht grobkörnig, ob das nun aber eine Unachtsamkeit oder ein bewusstes Stilmittel ist, kann nicht wirklich geklärt werden. Kurioserweise sind die Qualitätsabstufungen bei Texturen erstaunlich weit gestreut. Während einige Texturen gestochen scharf sind, wirken andere eher verwaschen und fehl am Platze. Dennoch ist die aufgebotene Grafik ein Augenschmaus. Kein Gegenstand, kein Gebäude macht wirklich den Eindruck einer sauberen Umbegung. Dreck, Blut und Rost wohin das Auge blickt.
Die Kamerasteuerung, meist ein Kritikpunkt bei Survival-Horror-Spielen, da oftmals bei interessanten oder wichtigen Örtlichkeiten in einen andern Kamerawinkel umgeswitcht wird, was bei Kampfsituationen schnell in ein heilloses Durcheinander führt, ist bei Silent Hill 3 clever gelöst.
Per Tastendruck lässt sich der Kamerawinkel nämlich flugs in eine brauchbarere Position verschieben.
Die Monster, denen Heather im Laufe des Abenteuers begegnet, bewegen sich zwar oftmals recht stockend, doch selbst das wirkt gewollt, als wolle man unterstreichen, dass die mordlüsternen Viecher ähnlich wie Zombies, keine völlige Kontrolle über den eigenen Körper besitzen und ihr geistiges Potential nicht mehr vollends für die Koordinierung des Körpers, sondern nur noch fürs Töten und Fressen reicht.
Spätestens bei der Steuerung merkt man Silent Hill 3 allerdings an, dass es eigentlich ein Konsolentitel ist, der nur für den PC portiert wurde, da die einzig brauchbare Steuerungsmethode die mittels Gamepad darstellt. Wer sich mit Maus und Tastatur abplagen möchte, wird schnell an verknoteten Fingern leiden.
Was wäre ein Horrorspiel ohne eine schockierende Soundkulisse? Schon allein die zahlreichen unterschiedlichen Laufgeräusche lassen erahnen, auf was für einem Untergrund Heather wandelt. Stimmungsvoll ist auch der ständige Wechsel zwischen Stille und wilder Hintergrundmusik, denn das Fehlen der nervenzerfetzenden Musik lullt den geneigten Leser in eine trügerische Sicherheit: Hey, kein Sound, ich bin sicher!!!. Tja, leider ist hier nur der Wunsch der Vater der Gedanken, denn meist dröhnt schon kurze Zeit später und völlig überraschend ein sehr metallisch klingender Sound aus den Boxen, der so manchen Spieler aus seinem Sitzmöbel springen lässt.
Silent Hill 3 im Test.
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