Gesamtwertung78%/10 |
GrafikSehr gut SoundBefriedigend |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Silent Storm, das neuste Spiel der russischen Entwickler Nival Interactive, bekannt durch Etherlords II und Blitzkrieg, will ein schon fast tot geglaubtes Genre wiederbeleben. Nach Jagged Alliance 2 hatten Fans von Runden-Taktik Spielen es schwer vernünftige Games zu finden. Silent Storm, welches bereits in den Previews mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht wurde, will diesen Zustand nun ändern. Ob die Taktiker unter euch nun endlich frohlocken können, erfahrt Ihr in unserer Review.
Schon wieder Zweiter Weltkrieg...
Wer an den 2. Weltkrieg denkt, denkt direkt an Massenschlachten wie Stalingrad oder den D-Day. Viele Spiele haben das Thema 2. Weltkrieg beinahe ausgereizt: Von Ego-Shootern wie Medal of Honour oder Call of Duty über Strategie-Spiele wie Sudden Strike bis hin zu Taktik-Spielen wie die Commandos-Reihe. Die russischen Entwickler Nival Interactive, die durch Blitzkrieg ja bereits über Erfahrung mit der 2. Weltkriegs Thematik verfügen, siedeln auch ihr neustes Werk Silent Storm in diesem Zeitraum an. Nur geht es in Silent Storm nicht um das grobe Abschlachten massiger Gegnerhorden, sondern um überlegtes, rundenbasiertes Vorgehen. Gerade nach dem hektischen Commandos 3 dürften sich Freunde der ruhigeren Gangart sehr für Silent Storm interessieren. Bereits die Betaversion zeigte ein Spiel, welches Jagged Alliance-Fans das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Doch hält die Vollversion was die Betaversion versprach? Ein Auto fährt vor und hält mit quietschenden Reifen vor einer Bank. Schwer bewaffnete Männer stürmen heraus und erschießen den deutschen Wachsoldaten. Ein Banküberfall! Ein Zivilist, der das alles beobachtet hat, rennt zu dem mysteriösen Mann der etwas abseits am Straßenrand steht.
Völlig außer Atem berichtet er ihm was geschehen ist. Die Antwort des mysteriösen Kerls: 'Bestell schon mal die Leichenwagen!' Schon ist man mitten im Geschehen der Kampagne der Achsenmächte. Unser mysteriöser Held: Falkmar Hagen, ein deutscher Elite-Soldat! Natürlich kann so ein Mann nicht einfach zusehen wie irgendwelche Typen eine Bank ausrauben. Zufällig hat er gerade seine Waffen zur Hand um aufzuräumen. Nachdem sich der Spieler zu Beginn für eine Kampagne entschieden hat, entweder auf Seiten der Achsenmächte oder auf Seiten der Alliierten, kreiert er Schritt für Schritt seinen Helden. Hat man sich für eines der sechs Herkunftsländer entschieden und einen passenden Beruf gewählt , kann man auch das Aussehen seines Helden bzw. seiner Heldin in nahezu allen Facetten beeinflussen.
Der gewählte Beruf bestimmt die Fähigkeiten in den 10 einzelnen Qualifikationen wie Schießen, Nahkampf oder Technik. Auch die Anzahl der zur Verfügung stehenden Aktions- und Vitalitätspunkte ist von der Wahl des Berufes abhängig. Steigt der Charakter während des Spiels im Level auf, so fördert das nicht nur die Attribute, sondern gibt dem Spieler auch die Möglichkeit, in Spezial-Fähigkeiten wie Nachtsicht-Fähigkeit oder 'ruhige Hand' zu investieren, die den Charakter im Laufe des Spiels zu einem absoluten Könner reifen lassen. Der erste Kontakt mit Silent Storm stellt sich nach kurzer Zeit als sehr verwirrend heraus. Die Anzahl der Möglichkeiten überfordern zu Beginn ein wenig. Abhilfe schafft hier das gute Tutorial, welches mit den Grundzügen des Spiels vertraut macht. Nach der Einführungsmission, und dem erfolgreichen Vereiteln des Banküberfalls, befinden wir uns im Hauptquartier. Ein ziemlich merkwürdig klingender Offizier begrüßt uns durch die Lautsprecher und führt uns mit dummen Akzent und peinlichen Texten durch die Bunkeranlage.
Hier rüstet man seinen Charakter aus oder heuert bis zu fünf weitere Spezialisten für sein Team an. Beim Verlassen des Hauptquartiers erscheint eine Karte, auf der alle möglichen Einsatzgebiete verzeichnet sind. Ein Klick auf das gewünschte Gebiet führt uns zu einer weiteren Karte. Hier wählen wir entweder die Hauptmission, die entsprechend gekennzeichnet ist, oder warten auf eine Zufallsbegegnung mit dem Feind, in der wir unsere Charaktere ein wenig trainieren können. Nach leichter Verwirrung zu Beginn und der seltsamen Sprachausgabe im Bunker herrscht hier zum ersten Mal richtige Zufriedenheit. Schnell sind wir bei unserer ersten Mission und nach dem Tutorial fühlen wir uns für alles gewappnet. Das Kampfgebiet präsentiert sich schick in 3D mit voller Kontrolle über die Kamera. Nachdem wir uns eine erste Übersicht über das Geschehen und die Missionsziele verschafft haben, geht es los!
Wie auch in Tutorial und Einführungsmission läuft jede Kampfsituation rundenbasiert ab. Jede Bewegung und jeder Angriff kosten Aktionspunkte die unsere Helden in begrenzter Anzahl zur Verfügung haben. Genau wie in Jagged Alliance 2 versucht man nun seine Charaktere je nach Fähigkeit in die beste Ausgangsposition zu bringen, um den Feind zu attackieren, und sich vor dessen Angriffen zu schützen.Hier ist kluges Taktieren unbedingt erforderlich! Ist der Gegner am Zug, werden wir von der Kamera immer dorthin geführt, wo gerade was los ist. Dies verhindert, gerade bei größeren Teams mit 6 Charakteren, den Verlust der übersicht. Der Level und die Fähigkeiten des Charakters in Bezug auf einzelne Gegenstände oder Waffen, beeinflussen auch die Effektivität mit der er diese Items benutzt. Dank eines umfangreichen Chraktersystems steigt hier das taktische Potential des Spieles enorm, und lässt fast schon RPG-Feeling aufkommen.
Die Übersicht im Kampfgeschehen ist, nicht zuletzt durch die frei verstellbare Kamera, immer gegeben und sorgt somit für einen sehr positiven Eindruck, der durch das ungenaue Balancing leider ein wenig getrübt wird. Für die Veteranen unter den Spielern wird der unterste Schwierigkeitsgrad keine Herausforderung darstellen.
Dies liegt nicht zuletzt an der ziemlich dürftigen Gegner-KI. Spielt man nun in einem der beiden höheren Schwierigkeitsgrade, wird das ganze unverhältnismäßig schwer. Während die Gegner im leichtesten Modus meist mit einfachen Taktiken zu überwältigen sind, verhalten sie sich in den höheren Graden passiv und sehr defensiv.
Ein weiterer Punkt ist die Speicherfunktion die von Level zu Level immer stärker eingeschränkt wird, so ist im schwersten Spielmodus das Speichern nur noch im Hauptquartier erlaubt. Während man sich durch endlose Dokumente und Texte klickt, wird eine Geschichte erzählt, die abstruser nicht sein kann.
Eine unabhängige Organisation trachtet nach der ultimativen Macht. Dazu bedient sie sich nicht nur eines Söldnerheeres, sondern auch Laserwaffen und Battlemechs, mechanische Kampfanzüge die dem Spieler später auch zur Verfügung stehen. Das ganze verwirrt doch sehr und macht etwas, von der ansonsten hervorragenden Spieltiefe, zu nichte. Futuristische Waffen in einem WWII-Setting und eine dünne Geschichte um machtbesessene Terroristen sind wahrlich nicht jedermanns Geschmack.
Auch soundmäßig kann Silent Storm nicht überzeugen. Während die Musik und die Soundeffekte noch vertretbar sind, haut die Sprachausgabe dem Fass echt den Boden aus. Selten hat man derartig peinliche Gehversuche amateurhafter Sprecher gepaart mit dümmlichen Texten gehört: Da beendet beispielsweise der deutsche Offizier im Hauptquartier seine Durchsage, die sich anhört wie eine Mischung aus Rammstein und Tele-Tubbies, mit einem 'Guten Krieg' anstatt einem 'Guten Abend' . Auch die Stimmen der Charaktere sind ziemlich peinlich, da mit aller Kraft versucht wird, jeden noch so unwichtigen Akzent total überzogen auszureizen.
Wer allerdings auf kuriose Stories steht, wem es nichts ausmacht sich durch teilweise öde Textfenster zu lesen und gerne über schlechte Sprecher lacht, kann über diese Kritikpunkte hinwegsehen.
Technisch ist Silent Storm erste Wahl. Allein die hervorragende Physik-Engine ist ein absolutes Novum in diesem Genre. Diese lässt die Umgebung auf Granateinschläge oder Kugelhagel überaus realistisch reagieren. Natürlich kann man mit schweren Waffen auch die ganze Karte zerlegen! Vorteil hierbei ist, daß man mit schweren Waffen auch Feinde beseitigen kann die hinter Kisten oder Wänden verschanzt sind. Auffallend sind auch die hervorragenden Animationen und die für dieses Genre untypisch hohe Auflösung der Texturen. Grafisch ist Silent Storm absolut auf dem Stand der heutigen Zeit. Die Objekte und Figuren sind gut texturiert, detailreich und wirken nicht schwammig oder lustlos. Gerade bei genauem heranzoomen wird die sehr gute Grafikqualität sichtbar. Selbst mit wenigen Details sieht das Spiel noch klasse aus. Hier haben sich die Jungs von Nival Interactive wirklich viel Mühe gegeben.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
Silent Storm im Test.
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