Silverfall: Wächter der Elemente

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Flashpoint
Entwickler
Monte Cristo
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
16
Silverfall: Wächter der Elemente [PC , looki.de]

Gesamtwertung

75%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Gut

Silverfall: Wächter der Elemente

Vor knapp einem Jahr erschien das Action-Rollenspiel Silverfall und führte erstmals einen für Fantasy-Verhältnisse eher ungewöhnlichen Cel-Shading-Look – ganz wie im Ego-Shooter XIII – ein. Abseits dieser Neuerung steckte im Kern jedoch ein weiteres grundsolides RPG unter vielen. Scheinbar nicht genug für das hochmotivierte Entwicklerstudio Monte Christo, weshalb nun das Addon Wächter der Elemente nachgeschoben wird. Ob sich das Erweiterungspack, dass immerhin mit gut 30,- Euro zu Buche schlägt, lohnt oder nicht, erfahrt Ihr natürlich im Test.

Konflikte brauchen Helden...

Im Königreich Nelwe ist die Kacke – trotz des hoffnungsvollen Ausgangs im Original – wegen der immer noch andauernden Konflikte gehörig am Dampfen. Als frisch gebackener und erfahrener König ist es daher Eure Aufgabe, im gebeutelten Land für Ruhe und Frieden zu sorgen – oder so ähnlich. Für Silverfall-Neulinge mutet der Einstieg in die laufende Handlung wie ein Akt der Unmöglichkeit an, denn über einen kurzen, knackigen Rückblick hat man sich scheinbar keine Gedanken gemacht.

Mit anderen Worten: Wächter der Elemente setzt voraus, dass Ihr Silverfall bis zum Ende gespielt habt, um ohne dicke Fragezeichen über dem rauchenden Kopf vor dem Monitor zu sitzen.

Immerhin war es eine durchaus geschickte Idee, Nichtkennern abseits der Story einen möglichst behutsamen Einstieg zu geben, indem man ihnen die Wahl lässt, einen Charakter von Null an hochzuleveln – wegen des bereits zu Beginn nicht zu unterschätzenden Schwierigkeitsgrades nicht empfehlenswert! - oder gleich mit einem modifizierbaren – Rasse, Aussehen, etc. - Preset eines Level 45-Recken das Abenteuer zu beginnen. Wer allerdings Silverfall gespielt hat, kann sich die Mühe auch einfach sparen und eben jenen bereits erfahrenen Helden ins Programm zu importieren. Der erste Eindruck ist jedoch ernüchternd – beziehungsweise war es bei uns: Aus unerfindlichen Gründen war ein Großteil der Menüs hässlich verpixelt. Scheinbar ein Grafikfehler – den wir übrigens erst mi einer Veränderung der Auflösung beseitigen konnten - und eine der mehr oder minder großen Mankos des gesamten Spiels.

Auch ist es gelinde gesagt äußerst merkwürdig, dass manche Feinde nach ihrem Ableben wie eingefroren auf der Stelle stehen blieben – hier herrscht Patchbedarf!

Blöd: Die optionale Tastatursteuerung für die Bewegungen des Charakters ist – im Gegensatz zu Hard to be a God - ein Graus, weil viel zu unpräzise und hyperempfindlich. Unsere Empfehlung daher: Unbedingt mit dem kleinen Nager vor Euch durch Nelwe reisen, alles andere treibt an den Rand der Verzweiflung. Auch die Gameplay erklärenden, aber förmlich erschlagenden, Textwüsten, die Anfängern quasi als Entschädigung für eine fehlende echte Einleitung an den Kopf geknallt werden, hätte man sich sparen können, beziehungsweise behutsamer einsetzen können, als es der Fall ist. Doch so mies sich dieser Abschnitt des Artikels auch liest: Monte Christo hat dennoch einige nennenswerte Neuerungen im Addon mit im Gepäck.

Neben den zwei hinzugestoßenen Rassen – Zwerg und Eidechsenwesen – schafften es natürlich - abgesehen von unzähligen, neuartigen Waffen und Rüstungen sowie den addon-exklusiven Szenarien - auch viele frische Skills ins Jahr 2008, ganze 30 um genau zu sein.

Diese darf man wie gehabt über das Sammeln von Erfahrungspunkten durch umgenietete Widersacher nach eigenem Gusto ausbauen. Das geschieht auch in hektischen Momenten dank komfortabler und frei konfigurierbarer Hotkeys so, wie man es sich wünscht. Ganz im Gegensatz zur Itemverwaltung, die schon im Hauptprogramm für unnötige Klickarbeit und kränkelnde Übersichtlichkeit im Inventar sorgte. Logisch: Getötete Gegner hinterlassen eine Menge Krimskrams, von zu verschleudernden Dingen wie schwachen Rüstungen bis zu – auch für Level 45-Helden – interessante Gegenstände wie rustikalen Schwertern und Äxten oder Rohstoffen für die Herstellung neuen Equipments.

Umständliche Itemverwaltung...

Richtig: Gesammelte Items werden nach ihrer Kategorie nach – Rüstungen, Waffen, Sonstiges und Materialen – im Inventar aufgeteilt.

Falsch: Da man aller Nase lang auf Feinde trifft – und diese natürlich auch das ein oder andere Objekt – gut zu erkennen an kleinen Rauchschwaden - mit sich herumschleppen – füllt sich Euer „Stauraum“ schneller als ein Alkoholiker in seiner Stammkneipe.Eine richtige Ordnung fällt spätestens dann unter den Tisch und man schnappt sich nur noch das, was das Bauchgefühl rät. Viele wichtige Items gehen somit flöten, Unwichtige werden hingegen in rauen Mengen mitgenommen. Gegenstände werden nämlich nach keinem erkennbaren Muster ins Inventar geschmissen. Ergo: Die Übersicht leidet. Ein Umstand, der somit auch in die ansonsten vorbildliche Party-Verwaltung übergreift, für die Ihr ja auch noch sorgen müsst.

Am Anfang des Abenteuers wählt Ihr nämlich in einem verbündetem Dorf Eure zwei Begleiter. Zur Auswahl stehen beispielsweise eine Schützin, ein Nahkämpfer, eine Heilerin oder eine Magierin. Um den schon zu Beginn übermächtigen Gegnermassen – und happigem Anforderungsgrad - Herr zu werden, empfiehlt es sich deshalb, eine gute Balance aus eigenen Attributen und denen Eurer Partymitglieder zu finden.

Drei Nahkämpfer sind so genauso unnütz wie drei Fernkämpfer. Solltet Ihr und Eure Gefährten – was nicht verwundern sollte – bereits nach den ersten, virtuellen Metern einen tödlichen Gong bekommen, müsst Ihr erlangte Items neuerdings glüchlicherweise nicht mehr am Ort Eures Ablebens aufsammeln, sondern steigt in der letzten verbündeten Siedlung wieder aus – wie Eure Begleiter übrigens auch. Dass Silverfall ungewöhnlich ist, weiß man nicht zuletzt wegen des untypischen Grafikstils, sondern auch der teils kuriosen Gegner.

Ein heimlicher Favorit: Ein Goblin in Danny DeVito-Lebensgröße, der in einem kleinen Panzer steckt und ab und zu aus dem Turm glubscht.

Ist man für solch obskure Ideen offen, entfaltet auch Wächter der Elemente einen nicht zu verachtenden Charme. Optisch hat sich nicht unbedingt viel getan, was aber auch nicht nötig war: Der Look ist im Genre einzigartig, aber konsequent. Die Spezialeffekte wissen wegen gelungener Licht- und Explosionseffekte zu überzeugen – einzig die Umgebungen hätten noch mehr Details vertragen können, manche von ihnen wirken etwas trist und leer. Unverständlich nach einem Jahr sind aber die Systemanforderungen: Die maximalen Einstellungen haben einen geradezu extremen Hardwarehunger zufolge, selbst das äußerst flotte Testsystem war vor Rucklern nicht gefeit. Schön allerdings, dass ein Großteil der Dialoge mit Questgebern und anderen NPCs gut ins Deutsche übersetzt und vertont wurde, auch wenn unser Charakter dabei still bleibt. Die Musik passt ins Fantasy-Szenario derweil wie die Faust aufs Auge.

Fazit

Keine tolle Geschichte, ein derber Brocken für Einsteiger zu Beginn sowie ein paar Bugs und Ungereimtheiten hier und da - und dennoch würdige ich Wächter der Elemente mit einem Prozent mehr als das 2007er Original Silverfall? Nein, ich habe mich nicht vertippt: Trotz aller zweifelsfrei vorhandenen Mankos versteht es auch das Addon, die bekannten Hack'n'Slay-Mechanismen größtenteils gekonnt auf den Screen zu zaubern - die überaus hübsche, aber auch auf schnelleren Rechnern ruckelanfällige Cel-Shading-Optik tut da ihr Übriges. Da zudem noch der Umfang recht üppig ausgefallen ist, wird Silverfall: Wächter der Elemente der Bezeichnung Addon mehr als gerecht. Für Fans des Hauptprogramms definitiv einen Blick wert - Neueinsteiger sollten sich trotz aller Bemühungen, Nichtkenner in die Handlung zu integrieren, gleich die Gold-Edition zulegen, nur so verpasst man auch wirklich nichts.

Silverfall: Wächter der Elemente [PC , looki.de]

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