Sim City 4

Review
Plattform
PC
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Maxis
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
0
Sim City 4 [PC , looki.de]

Gesamtwertung

82%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Sim City 4

Wahre Spiele-Klassiker gibt es wenige. Sim City ist so einer. Bereits 1990 erschien der erste Teil und fesselte weltweit bauwütige Gamer auf damals allen erhältlichen Computer- und Konsolensystemen. Die Nachfolger Sim City 2000 und 3000 konnten ihre Fans ebenfalls in den Bann ziehen. Ob auch der neueste Teil zu Begeisterungsstürmen hinreisst, erfahrt Ihr im Test.

Hilfe, ich bin ein Bürgermeister!

Die grundlegende Mechanik von Sim City 4 klingt einfacher als sie ist: „Biete dem Einwohner ein gutes Leben“. Und für ein „gutes Leben“ bedarf es mehrerer Faktoren bzw. einer gewissen Bedarfsdeckung. Der offensichtlichste Bedarf, Wohnraum, ist schnell geschaffen – Wohnfläche ziehen, fertig. Doch dann beginnen schon die Schwierigkeiten. Denn unser Herr Einwohner möchte es gerne nett haben, also bitte fernab von Müll, Dreck und Gestank, am besten also irgendwo im Grünen im kleinen Häuschen, auch wenn’s kostet. Ne Mietskaserne? Nur was für schwache oder mittlere Einkommen. Womit wir das zweite Bedürfnis haben, Arbeit.

Herr Einwohner möchte ackern, aber kräftig. Also Industrie ansiedeln – ein Fall für das Industrieflächen-Icon, möglichst nah, damit unser Liebling nicht ewig mit seinem Auto fährt auch nicht ZU nah, damit er vom Smog befreit wird. Wasser? Gute Idee, wer duscht nicht gern? Also Wasserpumpen und –Türme gebaut und mit einer Kanalisation verbunden. Strom ist ebenfalls gut, doch das muss auch hergestellt werden, bevorzugt von Kraftwerken. Und die stinken und explodieren auch mal ab und zu. Da wohnt man leider nicht so gerne in der Nähe. Einkaufen will der Herr Einwohner auch? Tja, auf ins Geschäftsviertel, Geld ausgeben. Wenn nur die bösen Kriminellen nicht wären, die mordlüstern unserem Herrn Einwohner auflauern.

Schnell ein paar Polizeistationen gesetzt, gelöst ist das Ganovenproblem. Auch eine Feuerwehr mit Wasserspritzpistole ist gern gesehen bei Feuersbrünsten, also wird’s gebaut. Herr Einwohner kann nun zu Hause beruhigt ins virtuelle Sofa sinken, für Sicherheit ist gesorgt. Doch leider ist Herr Einwohner doof wie Seetang, eher dümmer. Also Schulen her, Grundschulen für die Kleinsten und Universitäten für die Eingebildesten.

Den heiseren Husten kriegt man im Krankenhaus schon hin, zum Glück gibt’s ja Medizin von glücklichen, freilaufenden Ärzten. Und wie war das mit Freizeitaktivitäten?

Sind viele Bedürfnisse gedeckt, müsste der Herr Einwohner doch glücklich sein? Pah… schön wärs ja. Der gute Mann ist nämlich anspruchsvoll! Die Stadt ist gewachsen und steht kurz vor dem Verkehrsinfarkt, ein Fall für den „Öffentlichen Nahverkehr“. Und der ist teuer, aber besser als voll gestopfte Strassen, die kaum noch ein Passant überqueren kann. Irgendwann ist Herr Einwohner glücklich… na ja, zumindest für 3 Sekunden, dann hat er und seine mittlerweile zigtausend Kumpels wieder neue Wünsche. Und wehe, etwas gefällt den Einwohnern nicht, denn dann ziehen die weg. Damit verfallen dann auch die Wohnviertel, wodurch diese nicht mehr attraktiv erscheinen, was weitere Einwohner bewegt, sich ein anderes Domizil zu suchen, bevorzugt in einer anderen Stadt.

Dadurch fehlt es der Industrie an Arbeitskräften, wodurch Anlagen geschlossen werden, was wiederum zu Arbeitslosen führt, die in einer anderen Stadt Arbeit suchen. Nebenbei gehen die Geschäfte vor die Hunde, weil sie erstens keine Waren mehr von der Industrie bekommen und auch keine Kunden mehr haben, weil die ja alle arbeitslos werden, da die Industrie abwandert, weil die Geschäfte schließen,, da die Einwohner wegziehen, da die Industrie abwandert... UND DANN FORDERT DIE POLIZEI MEHR GEHALT! Willkommen im Alptraum eines Großstadt-Bürgermeisters!

Doch ein guter Bürgermeister beruft sich dennoch immer auf dem Rat von Stadträten, die sich um lebenswichtige Belange der Stadt kümmern. Die schreiben schon rechtzeitig, wenn’s irgendwo brennt – im doppeldeutigem Sinne. Alle wollen nur das Beste vom Bürgermeister, nämlich das Geld. Und um es vorweg zu nehmen: Es dauert ewig und drei Tage, bis eine funktionierende und profitable Stadt entsteht. Für Straßenbau, Grünflächen und dergleichen sollen Finanzmittel locker gemacht werden, doch wie?

Dass das ist schwer zu erwirtschaften ist, liegt auf der Hand. Einnahmen werden nämlich primär durch Steuereinnahmen geregelt, aber auch Verträge mit Nachbarstädten, die erst noch gebaut werden müssen, bringen Geld ins Staatssäckel. Und um es vorweg zu nehmen: Es dauert ewig und drei Tage, bis eine funktionierende und profitable Stadt entsteht. Sim City 4 bringt nämlich Neuerungen in das Spiel. Anstatt eine große Stadt auf einer einzigen Fläche zu bauen, kann, darf, sollte man viele Städte und Gemeinden auf vielen „Parzellen“ einer vorgegebenen oder selbst kreierten Region errichten. Dies könnte beispielsweise so geschehen: In Parzelle A wird ganz normal eine riesige Stadt hoch gezogen.

In Parzelle B nur eine Kleinstadt, diese aber ausgestattet mit einem riesigen Wasserpumpenpark, sodass der Überschuss an Parzelle A verkauft werden kann. Kleinstadt-Parzelle C wiederum kauft auch bei Parzelle B ihr Wasser, stellt aber riesige Flächen für Müll zur Verfügung, handelt mit Parzelle B und A einen Vertrag aus und „importiert“ fortan gegen bare Münze Müll. Die installierten Müllverbrennungsanlagen produzieren dabei derartig viel Strom, dass der Überschuss an Parzelle A und B verkauft werden kann. Parzelle A und B sparen sich so kostbaren Platz für Müllkippen und unliebsame Kraftwerke und kaufen diese relativ günstig von außen ein. Wer dann den Bau von teuren Autobahnen oder gar Eisenbahnverbindungen nicht scheut, der kann den dadurch entstehenden Pendelverkehr der Einwohner leicht ausweiten und beschleunigen.

Als wahrer Augenschmaus entpuppt sich SC4 in der höchsten Zoomstufe, wenn man nur wenige Meter über der Stadt schwebt. Der Verkehr, die kleinen Animationen an Häusern und anderen Konstruktionen, die spielenden Kinder auf den Bolzplätzen und die johlenden Massen in den Stadien, die den Sportlern in den Stadien zujubeln. Diese Liebe zum Detail macht einen großen Teil des Flairs aus, so wirkt die Welt innerhalb von Sim City 4 lebendig. Apropos lebendig. Wer möchte, kann Sims anlegen, ihnen einen Wohnort zur Verfügung stellen und von nun an ihr Fortkommen beobachten. Je nach Stand, Bildung und Alter erfährt man so viel über die Zusammenhänge in der Stadt, ob beispielsweise das Bildungs- oder Gesundsheitsprogramm greift und und und. So kann es kommen, dass der ehemals arbeitslose Sim eine Stelle als Aushilfe anfängt, sich dann zusammenreisst, zurAbendschule geht, einen Abschluss macht und irgendwann später als Chef eines grossen Unternehmens in den wohlverdienten Ruhestand tritt…

HUNGER!

Sim City 4 ist UNGEHEUERLICH hardwarehungrig. Und zwar derart UNGEHEUERLICH, dass selbst der Testrechner, immerhin ein Athlon XP 2200 mit 512 MB RAM, bei einer Einwohnerzahl von knapp 150.000 Einwohnern schon schwer ins Stocken geriet Nun, man fragt sich schnell, was da so ressourcenverschlingend ist. Man könnte glauben, dass dies vielleicht an der komplizierten Berechnung der Wirtschaft liegt, am Verkehr oder gar an den Einwohnern. Das darf aber bezweifelt werden, da augenscheinlich keine großen Unterschiede zu Sim City 3000 bestehen und Sim City 3000 ist auch schon ein paar Jahre alt. Wäre also die Grafik, die ist zwar, wie schon erwähnt, hübsch anzuschauen, aber auch extrem ressourcenfressend ist. Schaltet man Schatten, Wolken und dergleichen auf Mittel, ist es zwar weniger fordernd, dafür aber leider auch visuell recht schnell langweilig.

Nach etlichen Stunden Spielzeit fallen dem geneigten Leser irgendwann zwei eklatante Dinge auf. Erstens: Katastrophen, wie beispielsweise Vulkanausbrüche, können nur noch per Hand aktiviert werden und die gänzlich fehlenden Szenarios. Während man das eine verschmerzen kann, ist das blosse Nichvorhandensein von vorgefertigten Aufträgen a la 'Stadt XYZ ist wirtschaftlich marode, mach mal was dagegen!!!' oder 'Godzilla hatte Ausgang, nun bau mal wieder alles auf' ein Grund zur Verärgerung. Soundtechnisch patzt Maxis leider. Wie schon in den Vorgängern ist die Ingame-Musik ein Garant für blanke Nerven. Sie ist einfach schrecklich schrill und belastend und wird wohl auch schnell abgeschaltet. Die restliche Akustik, wie der Lärm des Verkehr etc. klingt dagegen authentisch, stimmungsvoll und hörenswert.

Fazit

Das Parzellenprinzip, in dem man zum Gelingen eines vernünftigen Stadt quasi genötigt wird, mehrere Ortschaften aufzubauen, scheint für die einen Spieler ein interessanter Aspekt zu sein, für andere stellt es anfangs jedoch nur einen hohen Frustfaktor dar. Nach einiger Einarbeitungszeit fühlt man sich aber in seiner Stadt recht wohl, man wird von der SimCity-Manie ergriffen und bastelt vergnügt an seiner Stadt. Wieso Sim City 4 aber derart abstruse Hardwareanforderungen hat, geht über meinen Verstand. Wer in maximaler Detailstufe spielen und eine Millionenstadt errichten möchte, darf zunächst in seinen Rechner investieren. Nichtsdestotrotz ist Sim City 4 suchterregend, aber in meinen Augen vielleicht ein etwas schwacher Nachfolger, insbesondere im Hinblick auf die fehlenden Szenarios.

Sim City 4 [PC , looki.de]

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