Söldner - Secret Wars
Pseudo-Krieg
In einer Zeit, in der Krieg leider immer noch ein politisches Mittel ist, wünscht sich sicher der eine oder andere von uns eine bessere Lösung.
Söldner Secret Wars zeigt wies besser geht. Im Jahre 2010 werden Kriege nicht mehr zwischen riesigen Armeen ausgetragen, sondern jedes Land besitzt nur noch eine kleine Truppe Söldner. Diese Söldner kämpfen auf vorbestimmten Schlachtfeldern um gewisse Flaggenpunkte. Sind alle Flaggenpunkte übernommen hat ein Land gewonnen. Damit der Kampf nicht ausartet, bekommt jedes Team einen Commander, sowie ein bestimmtes Budget. Soviel zur Story. Merkt sie euch, denn ihr werdet im Spielverlauf nicht mehr viel davon mitbekommen.
Söldner spielt sich nämlich komplett ohne Hintergrundgeschichte und das auch im Singleplayer Modus. Dieser setzt sich aus verschiedenen Missionen zusammen, deren Reihenfolge keine Rolle spielt und welche jederzeit frei anwählbar sind.
Einzige tolle Neuerung gegenüber anderen Spielen: Um an die Missionen zu kommen, müsst ihr in einem leergefegten Basiscamp erst einmal das Missionsterminal finden. Habt ihr das geschafft popt ein Fenster auf und versorgt euch mit den neuesten Missionen rund um die Welt. Und obwohl Ländernamen wie China, USA und sogar die UdSSR immer wieder auftauchen, haben sie rein spielerisch überhaupt keine Bedeutung. Erstens sehen die verschiedenen Landschaften Schnee, Einöde, Tundra überall gleich aus, zweitens sind trotz allem jeder Fahrzeugtyp, soweit ihr ihn für euer Söldner Team (Was aus einem einzigen Söldner besteht) erkämpft habt, frei auswählbar. Einzelstürmer sollten auf jeden Fall die Finger vom Singleplayer Modus lassen, da er keine Spieltiefe bietet und auch schon nach der ersten Mission klar wird, dass die KI einfach nicht taugt. Statt anzugreifen, drehen die glücklichen Bits einfach ein paar Runden mit ihren in der Überzahl vorhandenen Panzern. In einer Mission, in welcher man ein Treibstofflager zerstören musste, war es sogar ganz einfach möglich, sich einen Panzer zu beschaffen und dann das Ziel schon aus einer Entfernung von einigen hundert Metern zu zerstören, ohne dabei auch nur einen Gegner zu Gesicht zu bekommen. Wer sich diesen herzlosen Modi nicht antun will, sollte schleunigst zum eigentlich viel versprechenden Multiplayer Modus übergehen.
1 + 1 = ½
Wer sich schon vor Release ein wenig mit dem Spielprinzip von
Söldner vertraut gemacht hat, wird schnell merken, dass er einige Spielelemente schon aus anderen Spielen kennt. Grob gesagt ist
Söldner Secret Wars auch nichts anderes als eine Zusammensetzung eines
Battlefield, gemischt mit
Operation Flashpoint und als Topping gibts einen Commander spendiert. Eigentlich eine coole Idee, da sich sicher so mancher Battlefield-Spieler mehr Realismus gewünscht hat. Leider hat Wings hier ein ein wenig geschlampt, da schon nach der ersten Minute die ersten Bugs auftauchen. Die Idee an sich ist so genial und könnte einigen Spielern das Spiel des Lebens bieten. Gibt es doch immerhin ein Riesenarsenal an Waffen zur Auswahl, wie z.B. die Klassiker M16, AK47, das deutsche G36 oder sogar dem noch nicht einmal fertig entwickeltem HK OICW. Es ist wirklich für jedes Portmonee und jeden Geschmack eine Waffe dabei. Problem dabei ist nur, dass man ewig braucht, um die richtige Waffe zu kaufen. Die schwammigen Menüs strotzen nur so vor Unübersichtlichkeit und so manch einer fragt sich wirklich ob das der richtige Preis für so eine gewaltige Waffenauswahl ist. Zudem muss man sich seine sieben Sachen nach jedem Ableben des Spielers erneut aussuchen, eine Funktion zum Speichern von Konfigurationen fehlt völlig und wäre doch eigentlich so bitter nötig. Selbst vorgefertigte Klassen hätten da mehr Spielspaß gebracht. Hat man es dann doch geschafft die richtige Waffe zu finden ist man erst einmal überrascht von der riesigen Spielwelt, die einem Wings hier bietet. Die mehrere km² großen Areale bieten alles was sich ein taktisches Herz wünscht.
Befestigte Basen, Dörfer, große dichte Wälder, Hügel bis hin zu ganzen Bergen, mit dazugehörigen Schluchten, Flüssen und kleinen Bächen. Ein wirklicher Traum der Landschaftsgestaltung. Und das tolle daran: Alles, wirklich alles ist frei zerstörbar. Zuletzt begeisterte diese Funktion im erfolgreichen Red Faction. Einziger Unterschied, bei Söldner macht die Zerstörung nur geringe Gameplay Elemente aus. So bringt es recht wenig einen Wald abzuholzen, außer dass die Einheiten auf Grund der schwammigen Steuerung und häufiger Lags nicht mehr zwischen den Bäumen laufen können. Auf gut deutsch gesagt: Was für die Amis der Dschungel in Vietnam war, ist für Spieler von Söldner die schwammige Steuerung und der Lag. Egal ob man läuft, fährt oder fliegt, überall findet man einen Bug. Die Ausrede, dass der ein oder andere Bug von den Entwicklern übersehen wurde, kann hier nicht zählen. Wer so ein Spiel rausbringt enttäuscht die Käufer und vor allem die Fans. Ob der Fehler bei Jowood oder bei Wings zu suchen ist ist fraglich, aber ich denke kaum das Wings den Titel im jetzigen Status schon veröffentlichen wollte, da hilft nämlich auch kein Patch mehr.
Just Lagging
Große taktische Tiefe bieten die Fahr- und Flugzeuge in
Söldner. Während Flugzeuge nur auf wirklich großen Maps Sinn machen, sind jedoch Fahrzeuge ein Muss. Dank der Riesenauswahl hat man es als Commander auch wirklich schwer einen taktisch klugen Fuhrpark auf die Beine zu stellen. Vom Traktor bis hin zum hochmodernen Abrams Panzer ist alles vorhanden, was man als Spieler begehrt. Meiner Meinung nach ist es jedoch übertrieben jede auch noch so kleine Abwandlung eines Fahrzeugs in ein Spiel einzubauen. Ist es wirklich nötig so viele verschiedene Truppentransporter zur Verfügung zu stellen? Ich denke nicht. Eine gewisse Auswahl ist zwar gut aber die Übersicht sollte nicht darunter leiden, vor allem dann nicht, wenn sich die Fahrzeuge sowieso nur sehr gering voneinander unterschieden. Sehr schön ist jedoch die Funktion des Team Kontos. Hat man als eigener Söldner nicht genug Geld zur Hand, kann man sich Waffen, Ausrüstung und Fahrzeuge durch das Team Konto finanzieren lassen. Der Commander muss dem Ganzen jedoch zuerst zustimmen, was auf Public Servern nur sehr selten klappt, in Clanwars aber sehr interessant sein kann.
Hat man die Schnauze von Fahrzeugen voll und möchte lieber hoch hinaus, helfen einem die gigantische Anzahl von Flugmitteln. Aber auch hier gilt mal wieder Masse statt Klasse. So stehen schon wieder mindestens fünf verschiedene Helikopter für den Truppentransport zur Verfügung, die sich vom Aussehen abgesehen, kaum von einander unterschieden.
Erfahrene Spieler kennen das Manko von Helikopter Steuerungen und auch Entwickler haben sich schon einige Köpfe darüber zerbrochen. Söldner - Secret Wars versucht es Spielerfreundlich und realistisch zugleich zu lösen. Mit der Maus bestimmt ihr die Neigung und mit Vor- und Zurücktasten die Steigrate. Zugegeben es ist sehr gewöhnungsbedürftig nur die Steigrate zu bestimmen und nicht die Steigung an sich. Hat man jedoch Glück und wird nicht von dem Tief namens Lag erwischt, ist die Steuerung schnell erlernt und die häufigen Abstürze gehören der Vergangenheit an. Zusätzlich gibt es auch Senkrechtstarter, eine ziemlich coole Idee, jedoch schwer steuerbar. Richtig zielen lässt sich sowieso mit keinem Fluggerät wirkungsvoll. Sogar große Transportflugzeuge sind vorhanden, der Sinn bleibt mir verborgen und so hab ich in den vielen Stunden die ich auf Servern verbrachte (soweit es zum Connecten kam) kein einziges mal mit Ansehen können, wie diese benutzt wurden.
Schon kaputt oder wie?
Die Grafik ist an sich gutes Mittelmaß, auch wenn man sich manchmal fragt, ob die Landschaft kaputt geschossen wurde oder einfach so aussieht. Aber eigentlich kann man sich als Spieler nicht beklagen. Die Landschaften wirken, bis auf einige abgehackte Berge realistisch und vor allem die Wassereffekte sind gut gelungen. Die originalgetreuen Waffen verhalten sich im Kampf wie ihre großen Vorbilder, aber nur wenn man den Lag außen vor lässt. Nach einigen Treffern geht man schon zu Boden, was aber nun einmal der Preis des Realismus ist. Damit kann ich mich gut anfreunden, wäre da nicht diese unübersichtliche Menüauswahl der verschiedenen Waffen und Ausrüstung, die einen quasi übermannt. Bis auf die Explosionen braucht sich
Söldner aber wirklich nicht zu verstecken. Besser als Operation Flashpoint sieht das dann doch alle mal aus. Einzig gespart haben die Entwickler am Sound. Zwar ist die nervige Sprachausgabe, die einem mindestens fünf mal pro Partie das gesprochene Wort Soldner an den Kopf wirft, komplett in Deutsch gehalten, jedoch sind die Voice Commands wieder so sehr zugemüllt und unübersichtlich, dass sich keiner traut diese taktisch einzusetzen. Da hilft auch kein riesiges Repertoire an Animationen mehr. Und auch die Soundeffekte der Fahrzeuge können nicht überzeugen, einzig und allein der Sound der Waffen gefällt mir sehr. So realistisch klingt es selten in einem Ego Shooter.
Dass das Spiel jedoch absolut verbuggt ist, ist inzwischen wohl jedem Leser aufgefallen. Da werden noch einige Patches auf uns zukommen. Den Startschuss hat Söldner aber eindeutig verpasst.
Fazit
Ich war sehr gespannt auf
Söldner Secret Wars, auch wenn ich schon bei den ersten Videos fand, dass das Spiel recht unfertig wirkt. An sich ist die Idee nach einem erfolgreichen
Battlefield, nun einen realistischen Ableger auf den Markt zu bringen gar nicht so schlecht. Doch was uns Jowood hier bietet ist nicht das was sich Spieler wünschen. Ein so verbuggtes Spiel ist mir schon lange nicht mehr unter meine Testerhände gekommen, weshalb es auch starke Abzüge bei der Wertung gibt.
Söldner Secret Wars hat ganz klar das Zeug zu einem Top Spiel, wären da nicht die vielen Fehler. Das fängt bei der Fahrzeugsteuerung an und hört selbst im Hauptmenü noch nicht auf. Nur wirklich harte Fans werden Spaß an diesem vermurksten Spiel haben. Operation Flashpoint Fans die in
Söldner Secret Wars einen verbesserten Operation Flashpoint Multiplayermodus sehen, muss ich leider enttäuschen. Selbst der extrem gewöhnungsbedürftige Multiplayer Modus von Operation Flashpoint lief besser ab als eine Partie
Söldner.
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